War Is a Racket
War Is a Racket (Siehe Racketeering, wörtlich deutsch: Krieg ist eine Gaunerei, sinngemäß eher: Krieg ist ein schmutziges Geschäft) ist ein 1935 publiziertes Traktat von Smedley D. Butler, in dem sich der pensionierte Generalmajor des US Marine Corps kritisch mit den US-Interventionen in den Bananenkriegen, ihrer Kanonenbootpolitik und dem Eintritt der USA im Ersten Weltkrieg auseinandersetzte und aktuell vor einem Krieg gegen Japan warnte.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Manuskript beruht auf einer kürzeren Redefassung, die vermutlich aus dem Jahr 1933 stammt. Eine erste gedruckte Fassung der Rede erschien im September 1934 in "Forum" no. 92, 1935 wurde bei Round Table Press in New York die erweiterte Buchausgabe publiziert. Sie besitzt fünf Kapitel:
- 1. War is a racket (Krieg ist ein schmutziges Geschäft)
- 2. Who makes the profits? (Wer verdient daran?)
- 3. Who pays the bills? (Wer bezahlt die Rechnungen?)
- 4. How to smash this racket! (Wie man dieses Geschäft zerschlagen kann!)
- 5. To hell with war! (Zur Hölle mit dem Krieg!)
Butler kritisiert, dass die US-amerikanische Beteiligung am Ersten Weltkrieg in den USA zwar 21.000 neue Millionäre und Milliardäre hervorgebracht habe, von denen allerdings kaum einer an der Front diente. Nun sei in Europa und im Pazifik ein neuer Krieg in Sicht. Ab 1898 (dem Spanisch-Amerikanischen Krieg) hätten die USA Gebiete außerhalb des amerikanischen Kontinents okkupiert und dabei George Washingtons Warnung vergessen, sich auf „verwickelnde Allianzen“ (“entangling allicances”) einzulassen, die die Gefahr bieten würden, entgegen eigener Interessen in Kriege involviert zu werden.
Im Weltkrieg hätten die amerikanischen Industrien und andere Wirtschaftszweige riesige Profite eingestrichen; auch hätten sich die Arbeitslöhne teilweise verdoppelt und verdreifacht. Die Rechnung zahle einmal der amerikanische Steuerzahler, vor allem aber die amerikanischen Soldaten. Wer das nicht glaube, könne sich auf den Friedhöfen auf den Schlachtfeldern (in Frankreich) umsehen oder die Veteranenkrankenhäuser in den USA besuchen, in denen immer noch 50.000 hospitalisierte Soldaten untergebracht seien, von denen die meisten im Alter von 18 Jahren rekrutiert wurden. Allein im Regierungshospital in Milwaukee seien 3800 dieser „lebenden Toten“ (“living dead”) einquartiert; die Sterblichkeit unter den Weltkriegsveteranen sei dreimal so hoch wie unter den Daheimgebliebenen. Im Regierungskrankenhaus in Marion seien 1800 psychisch zerstörte Veteranen wie in einem Gefängnis untergebracht.
Besonders scharf kritisierte Butler die Kriegspropaganda, die nur dazu diene, Soldaten zu gewinnen und nicht einmal davor zurück gescheut habe, Gott ins Spiel zu bringen, was allerdings deutschen Pastoren auch nicht fremd gewesen sei. Auch seien Ideale propagiert worden wie „Krieg um (den) Krieg zu beenden“ (“war to end wars”) oder durch Krieg die Welt sicher für die Demokratie zu machen (“war to make world safe for democracy”). Tatsächlich habe der Krieg einem anderen Zweck gegolten:
No one told them that dollars and cents were the real reason … they were just told it was to be a “glorious adventure” ... Thus, having stuffed enough patriotism down their throats, it was decided to make them help pay for the war, too. So we gave them the large salary of $30 a month! All they had to do for this munificent sum was to leave their dear ones behind, give up their jobs, lie in swampy trenches, eat canned willy (when they could get it) and kill and kill and kill… and be killed.
Butler glaubte nicht, dass dieses „Geschäft“ durch Abrüstungskonferenzen beendet werden könne, sondern forderte stattdessen
1. Die Einziehung des Führungspersonals der Rüstungsindustrie sowie von Bankern und Spekulanten zum Kriegsdienst für $30.00 analog zu den einfachen Soldaten.
2. Eine Abstimmung über den Krieg durch diejenigen, die ihn führen sollen, also die Soldaten.
3. Die Beschränkung alles Militärischen auf die Selbstverteidigung der USA. Butler sah in Flottenrüstungsprogrammen von „Schaukelstuhl-Admiralen“ ("swivel-chair admirals") als Rüstungslobbyisten die große Gefahr, dass von den USA weit außerhalb ihrer Grenzen ein Angriffskrieg geführt werden könne und zog das Beispiel des Schlachtschiffes Maine heran, durch dessen Explosion in Havanna 1898 die USA in den Spanisch-amerikanischen Krieg hineingezogen wurden. Er forderte daher eine Begrenzung der Stationierung von amerikanischen Kriegsschiffen auf eine Zone von 200 Meilen vor der amerikanischen Küstenlinie. Die US Army solle das eigene Staatsgebiet gar nicht erst verlassen, sondern nur innerhalb der Staaten stationiert sein.
Zum Schluss des Traktats kam Butler auf den Eintritt der USA in den Weltkrieg zurück. Präsident Woodrow Wilson, der bei seiner Wahl 1916 mit dem Versprechen angetreten sei, niemals in den europäischen Krieg eingreifen zu wollen, sei von Frankreich, Großbritannien und Italien erpresst worden, auf ihrer Seite in den Krieg einzutreten. Ohne die Beteiligung der USA sei die Niederlage der Alliierten gegen die Mittelmächte sicher. Als Verlierer sei es ihnen unmöglich, die fünf bis sechs Milliarden Dollar Anleihen in den Vereinigten Staaten zurückzuzahlen. Mit dieser Aussicht konfrontiert, habe sich Wilson entschieden, in den Krieg einzutreten.
Butlers bekanntestes Zitat:
… I was a racketeer for Capitalism …
stammt definitiv nicht aus War Is a Racket und ist bis in die Gegenwart nicht konkret nachgewiesen. Hingegen stammt Butlers Zitat zu seiner Tätigkeit in den Bananenkriegen aus einer Ausgabe der Zeitschrift Common Sense:
I helped make Mexiko and especially Tampico safe for American oil interests in 1914. I helped make Haiti and Cuba a decent place for the National City Bank boys to collect revenues in. I helped in the raping of half a Dozen Central American republics for the benefit of Wall Street. The record of racketeering is long. I helped purify Nicaragua for the international banking house of Brown Brothers in 1909-12. I brought light to the Dominican Republic for American sugar interests in 1916. I helped make Honduras “right” for American fruit companies in 1903. In China in 1927 I helped see ot it that Standard Oil went its way unmolested … Looking back on it, I feel I might have given Al Capone a few hints. The best he could do was to operate his racket in three city districts. We Marines operated on three continents.
Smedley D. Butler: America´s Armed Forces, in: Common Sense, 4/11 (November 1935), zitiert nach Schmidt, Maverick Marine, S. 231, 278, Anm. 44.
Trotz dieser Aussagen sah sich Butler nicht als Pazifist an, sondern als Patriot und Antiimperialist.
Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Hans Schmidt: Maverick Marine. General Smedley D. Butler and the Contradictions of American Military History, Lexington, KY (University of Kentucky Press) 1987, Paperback edition 1998. ISBN 0-8131-0957-4
- Smedley D. Butler: War Is a Racket. The antiwar classic by America´s most decorated general, two other anti-interventionists tracts, and photographs from The Horror of It. Introduction by Adam Parfrey, Los Angeles (Feral House) 2009. ISBN 0-922915-86-5
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Als Hörbuch auf youtube.com
- War Is a Racket als Online-Ausgabe
- [1]Jesse Ventura präsentiert War Is a Racket im Kontext der Krise in der Ukraine 2014 auf youtube.com