Radio Vatikan
| Radio Vatikan | |
| Allgemeine Informationen | |
| Empfang | Kurzwelle Ultrakurzwelle DAB (Köln/Wien/Rom/Bozen) Satellitenradio Internetradio |
| Sendegebiet | weltweit |
| Eigentümer | Heiliger Stuhl |
| Geschäftsführer | Giacomo Ghisani (seit 1. März 2016, ad interim)[1] |
| Programmchef | Andrzej Majewski SJ |
| Sendestart | 12. Februar 1931 |
| Rechtsform | staatlich |
| Claim | Die Stimme des Papstes und der Weltkirche |
| Homepage | http://www.radiovaticana.va/ |
| Liste der Hörfunksender | |
Radio Vatikan (italienisch Radio Vaticana, RV) ist der Auslandsrundfunk des Heiligen Stuhles, der die Aufgabe hat, über die Tätigkeiten des Vatikans,[2] der römisch-katholischen Kirche und allgemein über andere Kirchen zu berichten sowie die katholische Lehre weiterzutragen.[3] Die Eigenständigkeit des Senders endete mit dem Beginn des Jahres 2017, als Radio Vatikan in das Kommunikationssekretariat des Heiligen Stuhls eingegliedert wurde.[4]
Inhaltsverzeichnis
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Nach Abschluss der Lateranverträge wurde mit den Vorbereitungen zur Errichtung eines eigenen kirchlichen Radioprogramms begonnen. Gegründet wurde Radio Vatikan 1931 unter Papst Pius XI. Die Leitung des Senders wurde dem Jesuitenorden übertragen. Das Hauptsendezentrum wurde am vatikanischen Hügel eingerichtet. Am 12. Februar 1931 wurde um 16:30 Uhr mit der von Papst Pius XI. gesprochenen Botschaft „Qui arcano Dei consilio“ (lat.: „Welcher, durch Gottes unergründlichen Ratschluss ...“) die erste Sendung ausgestrahlt; bis 1939 waren weitere Sendungen in einem Teststadium.[5] Seit 1957 gibt es auch eine Sendeanlage mit leistungsfähigen Rundfunksendern für Kurz- und Mittelwelle auf exterritorialem Gebiet bei Santa Maria di Galeria, nördlich von Rom.
Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Sendungen werden hauptsächlich über Mittel- und Kurzwelle in die ganze Welt ausgestrahlt, wobei die Sendungsinhalte nach folgenden Kriterien gewichtet werden:
- Papst und Vatikan
- Katholische Kirche in aller Welt
- Evangelische, anglikanische und orthodoxe Kirchen
- Andere Religionen (Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus u. a.)
Radio Vatikan besteht aus rund 40 Sprachredaktionen und sendet in 45 Sprachen,[4] unter anderem auch auf Deutsch. Die Sprachabteilungen haben etwa 20 Minuten Sendezeit pro Tag zur Verfügung, die Sendungen werden dann teilweise mehrmals am Tag ausgestrahlt.
Derzeit sendet Radio Vatikan in folgenden Sprachen: Albanisch, Amharisch, Arabisch, Armenisch, Bulgarisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Esperanto, Estnisch, Finnisch, Französisch, Hindi, Italienisch, Japanisch, Swahili, Kroatisch, Latein, Lettisch, Litauisch, Malayalam, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Slowakisch, Slowenisch, Somalo, Spanisch, Tagalog, Tamil, Tigri, Tschechisch, Ukrainisch, Ungarisch, Urdu, Vietnamesisch, Weißrussisch.
Gelegentlich werden auch Sendungen in folgenden Sprache gesendet: Ewondo, Kinyarwanda, Lingála, Tshiluba, Kikongo, Kirundi, Malgasch.
Außerdem werden tägliche Nachrichtenmagazine auf Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch produziert sowie Gottesdienste und Gebetssendungen (überwiegend in lateinischer Sprache) ausgestrahlt.
Deutschsprachiger Dienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der deutschsprachige Dienst[6] sendete auf mehreren Kurzwellenfrequenzen abends um 20:20 Uhr ein Magazin, das am nächsten Tag um 00:10 und 06:20 Uhr wiederholt wurde. Außerdem wird um 16:00 Uhr das 15-minütige Nachrichtenmagazin „Treffpunkt Weltkirche“ ausgestrahlt. Einmal in der Woche bietet die Redaktion auf ihrer Homepage lateinische Nachrichten an. Die Redaktion wird seit 2009 von Pater Bernd Hagenkord geleitet. Sein Vorgänger von 1982 bis 2009 war Pater Eberhard von Gemmingen. Bis November 2010 wurde das deutschsprachige Programm zusätzlich noch über die Mittelwellenfrequenz 1530 kHz verbreitet.
Seit dem 1. Juli 2012 kommen auch die Kurzwellensender nicht mehr für das deutschsprachige Programm zum Einsatz, somit verbleibt als einzige eigene terrestrische Frequenz nur UKW 93,3 MHz in Rom. Neben dieser ist das deutschsprachige Programm zu verschiedenen Zeiten über mehrere Satelliten und einige Webchannels zu hören. Vor allem setzt man aber auf die Wiederausstrahlung des Dienstes durch verschiedene Partnerstationen in der Deutschschweiz, Deutschland, Österreich und Südtirol.[7]
Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bis Ende 2016 wurde Radio Vatikan von einem Generaldirektor geleitet, der gegenüber dem Staatssekretariat des Vatikans weisungsgebunden war. Dem Generaldirektor untergeordnet waren der Programm-, der technische sowie der Verwaltungsdirektor. Da Radio Vatikan bei seiner Gründung dem Jesuitenorden unterstellt wurde, sind die wichtigsten Direktorenposten – mit Ausnahme des Verwaltungsdirektors – mit Geistlichen dieses Ordens besetzt. Indes trägt der Basilianerorden überwiegend die Verantwortung für die Programmgestaltung von Radio Vatikan.
Der Generaldirektor wurde traditionell vom Papst, der Programm- und der technische Direktor vom Kardinalstaatssekretär ernannt (jeweils auf Vorschlag des Jesuitenordens).
Mit Ablauf des 31. Dezember 2016 verlor der Sender seine organisatorische Eigenständigkeit und wurde in das 2015 gegründeten Kommunikationssekretariat des Vatikans eingegliedert.[4] Die Umstrukturierung war kontrovers diskutiert worden.[8]
Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Sendungen von Radio Vatikan sind unentgeltlich zu empfangen und werden ohne Werbeunterbrechungen verbreitet. Die jährlichen Ausgaben von 20 bis 30 Millionen Euro werden über das Budget des Heiligen Stuhles bestritten.[4]
Empfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Radio Vatikan nutzt für die Verbreitung seiner Programme die Mittelwellenfrequenz 1611 kHz und verwendet dabei zeitweise den neuen digitalen Standard DRM, der eine erhebliche Verbesserung der Klangqualität gegenüber der sonst in diesem Rundfunkband üblichen Amplitudenmodulation (AM) bewirkt. Radio Vatikan gehörte zu den Pionieren dieser neuen Technik.
Seit 2011 können die Multimedia-Inhalte von Radio Vatikan auch über eine Mediathek, den Vatican Player, genutzt werden, der über die Website des Dienstes aufzurufen ist. Weiterhin werden YouTube-Kanäle betrieben, auch für Live-Übertragungen.
Am 12. Juni 2012 gab der Vatikan bekannt, dass die Sendungen von Radio Vatikan auf Mittel- und Kurzwelle für Europa und Amerika aus dem Sendezentrum Santa Maria di Galeria zum 1. Juli 2012 eingestellt werden. Diese Regionen würden in Zukunft über das Internet, über DAB und DAB+, über Satellit und über Partnerstationen versorgt, die die Sendungen von Radio Vatikan übernehmen. Der Dienst auf Kurzwelle für die ärmeren Teile der Welt, die nur auf diesem Wege erreicht werden können, bleibe bestehen.[9]
Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Seit dem Jahr 2005 gibt Radio Vatikan gemeinsam mit dem Leipziger St. Benno-Verlag die Buchreihe „Edition Radio Vatikan“ heraus. Erstmals wurde ein Buch dieser Reihe auf dem XX. Weltjugendtag in Köln präsentiert.[10][11]
Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- L’Osservatore Romano – Zeitung des Heiligen Stuhls
- Centro Televisivo Vaticano – Fernsehsender des Vatikans
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Offizielle Webpräsenz
- Beschreibung der Mittelwellenantenne von Radio Vatikan in Santa Maria di Galeria
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Comunicato della Segreteria per la Comunicazione. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 22. Februar 2016, abgerufen am 22. Februar 2016 (italienisch).
- ↑ Der Heilige Stuhl: Presseamt des Heiligen Stuhls
- ↑ Wer wir sind. In: Radio Vatikan. Abgerufen am 21. Januar 2017.
- ↑ a b c d Vatican Radio Ends 85 Years of Independent Operations. In: National Catholic Register. (ncregister.com [abgerufen am 21. Januar 2017]).
- ↑ Radio Vatikan wird 75 | Markt und Medien | Deutschlandfunk. Website Radio Deutschlandfunk. Abgerufen am 12. Februar 2012.
- ↑ Radio Vatikan: Deutschsprachiger Dienst
- ↑ Radio Vatikan: Empfang, Stand 22. August 2013
- ↑ Kai Ludwig: Radio Vatikan nicht mehr eigenständig. In: Radio Eins Radio News. 2. Januar 2017, abgerufen am 21. Januar 2017.
- ↑ Vatican Radio: New Communications Strategies. In: news.va. 12. Juni 2012. Abgerufen am 12. Juni 2012 (Ansprache von P. Federico Lombardi).
- ↑ Vgl. Buchreihe von Radio Vatikan geht online Artikel von Radio Vatikan vom 10. Februar 2006, abgerufen am 4. Juli 2012
- ↑ Vgl. Buchvorstellung Buchempfehlungen auf der Homepage von Radio Vatikan, abgerufen am 4. Juli 2012
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Koordinaten: 41° 54′ 14″ N, 12° 27′ 1″ O