Vor rund einem Jahr habe ich über eine Infoveranstaltung zum Thema Computerspiele geschrieben. Die Resonanz war groß und mit zunehmenden Alter der Kinder sind Computerspiele in den meisten Elternrunden auch offline ein Dauerthema. Es wird viel gestöhnt, die Augen werden verdreht, viele sind total angenervt, die Kinder hätten nichts anderes mehr im Kopf als diese Computerspiele und wenn ich nachfrage: „Was genau spielen die Kinder denn? Was befürchtet ihr denn?“ erhalte ich selten Antworten.
Besonders paradox wird es dann, wenn ich höre, dass die Erfüllung von Haushalts- und Schulpflichten auf der anderen Seite mit Computerzeit honoriert werden. Um es kurz zu machen, ich höre da viel Hilflosigkeit und Unwissenheit raus.
Ich selbst habe als Kind und Jugendliche viel Computerspiele gespielt. Als Erwachsene fehlt mir dazu die Zeit und auch in Sachen blinde Bedienung von Controllern hinken meine Kompetenzen so stark hinterher, dass ich nur selten zum Spielen komme. Tatsächlich bin ich weit davon entfernt Fachfrau in Sachen Computerspiele zu sein.
Früher hast du mehr gebloggt! Jahaaaa – da hatte ich auch noch keine Zusatzhobbys! Aus Gründen bin ich zur Podcasterin geworden und habe damit viel Spaß. Zuverlässig unregelmäßig z.B. bei der Weisheit (Theoretisch alle 2 Wochen, 20.30 Uhr live – seit wir auf Radio Bremen laufen, sogar mit Prepre- und Preshow).
Der Weisheit ist ein im Grundkonzept verbesserter Laberpodcast. D.h. vier Menschen unterhalten sich über verschiedene Dinge – allerdings moderiert und auf genau eine Stunde begrenzt. Ja, wir achten sogar auf ausgeglichene Redeanteile!
Mir macht der Weisheit v.a. Spaß weil ich mit Freund*innen sprechen kann: mit Top-Moderator und Radiomann Marcus Richter* (immer die Glitzerukulele bereit), Frau Kirsche (die ihren Flammenwerfer stets am Anschlag hat) und Rockstar Malik Aziz (dessen Platte „Survivors“ ihr jetzt auch kaufen könnt).
Mir bereitet die Mischung unserer Hintergründe (Informatik & Radio, Psychologie & IT, Soziologie, Design & Musik) beim Austausch sehr viel Freude. Die Weisheit gibt es schon viele Jahre und ich bin erst vor 2 Jahren dazu gekommen. Ich weiß nicht, ob es noch Hörer*innen aus der Zeit davor gibt – aber an sich ist das auch egal – ich hab das Gefühl wir haben eine relativ feste Hörerschaft und auch das mag ich besonders gern. Zumal die Podcastcommunity sowas von positiv und wohlwollend ist, dass sich andere Plattformen da mal eine Scheibe abschneiden könnten (meine dasnuf-Leser*innen ausgeschlossen, die sind super!).
Ich habe immer mal wieder das Bedürfnis nach einem Print Magazin, das im Schwerpunkt Familienthemen behandelt – und zwar jenseits des langweiligen Elternratgebergenres. Auf „die 10 besten Tipps wie mein Kind durchschläft“ oder auf die „Mutti-Bikinibody-Diät“ kann ich gut verzichten. Die letzten Jahre waren da sehr mau.
Mit großem Interesse habe ich deswegen im April 2017 den Start von SZ Familie beobachtet und schnell Gefallen an der Machart gefunden. Ich freue mich deswegen, dass ich das Magazin vorstellen kann, denn ich stelle sehr gerne Dinge vor, die mir schon gefallen, bevor ich mich mit ihnen im Detail befasse.
Vorab zu den Fakten:
SZ Familie besteht aus zwei Teilen: Ein Teil ist für Eltern, der andere für Kinder. Der Kinderteil ist komplett werbefrei. Das finde ich wirklich großartig, man darf nicht vergessen auf wie viel Geld durch Anzeigen an der Stelle verzichtet wird.
Die Anzeigen im Erwachsenenteil sind dafür umso „organischer“. Sie sind mit Anzeige gekennzeichnet und gerahmt – ich hab trotzdem zwei Mal angefangen eine Anzeige zu lesen, weil ich dachte, es sei ein Artikel. Wenn das der Preis ist, damit meine Kinder nicht mit Werbung berieselt werden – kann ich gut damit leben.
Es gibt außerdem Artikel, die im Erwachsenenheft und komplexitätsreduziert im Kinderheft zu finden sind. Diese Artikel sind mit Augen gekennzeichnet.
Offenbar gibt es Menschen, die gerne und freiwillig in Shopping-Malls gehen.
Viele Themen interessieren mich, aber ich habe Hemmungen darüber zu schreiben, denn oft startet der Diskurs mit einem vorwurfsvollen Nachfragen: „Hast Du XY nicht gelesen? Ja, wenn Du XY nicht gelesen hast, dann brauchst du gar nicht erst mitreden!“
Also wird man mit einem unendlichen Lesestapel in seine Ecke geschickt und kann perspektivisch dort bleiben. So geht es mir z.B. mit dem Feminismus und eben auch mit dem Thema (Anti-)Kapitalismus. Gerne lese ich in diesem Zusammenhang Artikel zur Post-Work-Bewegung.
Mich beschäftigen grob zwei Dinge, von denen ich weiß, dass viele sie komplett anders sehen.
Zum einen habe ich eine ausgeprägte Konsumunlust. In einem Nowaste-Buch las ich neulich die Einstiegsübung: „Kaufe einen Monat keine Kleidung“ und ich dachte nur „WTF? Es gibt Menschen, die jeden Monat Kleidung kaufen???“ Ich kaufe Kleidung im Großen und Ganzen weil ich muss. Ich habe z.B. drei dunkle Stoffhosen, die ich abwechselnd trage. Irgendwann sind die zwischen den Beinen durchgewetzt. Dann kaufe ich mir eine neue. Sehr gerne genau die selbe – sofern das möglich ist. Ich habe auch schon überlegt, ob ich die Hose einfach fünfmal kaufe und damit die nächsten zehn Jahre nicht mehr meine Lebenszeit mit Hosenkauf verschwenden muss. Was die Kleidung für den Job angeht – wie gerne würde ich Arbeitskleidung tragen. Ein Outfit für alle, immer das selbe, Ende.
Die drei Planeten der scoyo Lernwelt. Besonders schlimm hat es den Englisch-Planeten erwischt.
Kind 3.0 hat die Lernplattform scoyo getestet. Damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt, findet ihr am Ende des Artikels einen Code für einen kostenlosen 14-Tage-Zugang.
Wollen und Sollen miteinander verbinden
Medienzeiten diskutiert man ja gerne mit Kindern. Es erschien mir deswegen naheliegend, das was die Kinder wollen (am Computer spielen) mit dem, was die Kinder sollen (für die Schule lernen) zu verbinden. Ich war sehr gespannt, wie unser zweiwöchiger Test mit der Lernplattform scoyo verlaufen würde. Damit die Kinder auch tatsächlich das lernen, was in der Schule relevant ist, ist die scoyo Lernplattform auf Schultyp, Klassenstufe und Bundesland abgestimmt. Für Klasse 1 bis 4 deckt scoyo die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch ab. Für die Klassen 5 bis 7 gibt es zusätzlich Physik, Biologie und Kunst.
Tester in unserem Hause war Kind 3.0 (Schulstarter). Kind 3.0 hat sich pro Woche ca. drei Mal 30 Minuten mit scoyo befasst. Mehr ist in unserem Alltag ehrlich gesagt auch nicht drin.
Ablauf des Tests
Man legt einen Lernaccount für das Kind an und einen für die Eltern, die so Statistiken einsehen können. Dann kann es auch schon losgehen mit dem Lernen! Ich habe Kind 3.0 in meiner Anwesenheit alles selbst machen lassen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass die Bedienung des Computers, das Finden der Tasten, die Steuerung mit der Maus in diesem Alter tatsächlich noch eine Hürde ist. Kind 3.0 spielt viel Minecraft – hat also durchaus Vorkenntnisse. Nichtsdestotrotz kann man ein Kind in dem Alter noch nicht alleine vor den Rechner setzen und erwarten, dass es sich komplett alleine durch die Lernwelt klickt.
Man kann den Sechsjährigen 20 Minuten baden und seine Hände hinterlassen anschließend immer noch Schmutzränder auf dem Wannenrand. Er ist ein so willensstarkes Kind.
Den Handwerkern Kaffee machen und sich dabei ertappen, exakt gleich große Tassen rauszusuchen, damit es nur keinen Streit gibt, wer mehr hat. Wer Kinder hat, der kennt es.
Ich habe kein passendes Bild gefunden. Deswegen nehme ich einfach dieses geheimnisvolle Bild.
Vielleicht sollte ich mein Blog umbenennen in „Patricia Cammarata mag bestimmte Worte nicht.“ Neulich habe ich über den Begriff „Working Mom“ geschrieben. Seit vielen Monaten ärgere ich mich zeitgleich im Stillen über den Begriff „Pubertier“. Ich weiß, dass das Wort in Zusammenhang von Jan Weilers Buch Verbreitung gefunden hat und ich weiß, dass Sprache Formulierungen neu aufnimmt, wenn sie bekömmlich sind. Jugendliche „Pubertiere“ zu nennen, ist natürlich auch eine Art Bewältigungsmechanismus und Akkumulation aller Herausforderungen, denen man sich als Eltern in den Jugendjahren der Kinder gegenüber sieht.
Dennoch nervt mich die zunehmende Verwendung des Begriffs, weil in ihm in meinen Augen ein Nichternstnehmen der Kinder in dieser Entwicklungsphase mitschwingt.
Zweifelsohne ist die beginnende (und später voll ausgeprägte) Pubertät eine ziemlich herausfordernde Lebensphase. Nur eben nicht nur für die Eltern sondern auch für die Kinder. Sich dabei über sie lustig zu machen, trägt ganz sicher nicht zur Entschärfung bei.
Wenngleich ich insgesamt (auch absichtlich) sehr vergesslich bin, ist mir meine eigene Pubertät noch gut in Erinnerung. Sie war bis auf einige wenige Phasen durchgängig furchtbar. Nie habe ich mich alleiner, verzweifelter und mehr Fehl am Platze gefühlt als in dieser Zeit. Ich will nicht auf Details eingehen, aber es gab auch ungünstige Rahmenbedingungen, die ihren Höhepunkt fanden als ich mir in der 12. Klasse eine eigene Wohnung suchen musste und mein Abi und später das Studium nur geschafft habe, weil mich Menschen außerhalb der Familie unterstützt haben. Vermutlich bin ich deswegen übersensibel was Formulierungen und Gespräche anderer Eltern angeht, denen ich folge (egal ob off- oder online).
Ich finde den Umgang mit den Kindern in diesem Alter als Mutter auch oft schwer. Bestimmte Themen und Verhaltensmuster findet man ja überall. Auch wir werden nicht von endlosen Diskussionen, mangelndem Verantwortungsbewusstsein, Anklagen, Unzuverlässigkeiten, mangelndem Enthusiasmus in der Umsetzung von Pflichten etc. verschont. Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Am ermüdendsten finde ich gar nicht die Umstände als solches sondern dass ich als Mutter immer und immer und immer wieder das selbe sagen muss. Ich erlangweile mich schier selbst damit. Um mich von diesem ewigen Ermahnen selbst zu befreien, bin ich ja auch schon in Eltern-Streik getreten.
Die Wünsche der Söhne (8 und 10 Jahre) und unsere Wünsche gehen gerade komplett auseinander. Die Kinder wollen mehr iPad, mehr Spieleapps, mehr Serien, mehr Fernsehen, mehr Youtube-Videos, mehr Hörspiele, mehr Abhängen, mehr Chillen, mehr Süßigkeiten, mehr Tiefkühlpizza. Außerdem lieber weniger frische Luft, weniger Hausaufgaben, weniger Lernen, weniger gemeinsame Mahlzeiten, weniger gesundes Essen, weniger Tischdeckaufgaben, weniger Spülmaschineausräumen, weniger Müllrunterbringen, weniger Zähneputzen, weniger Körperpflege. Genau genommen all das am liebsten gar nicht. Und alleine ins Bett gehen schon mal überhaupt nicht.
Ähnlich wie Maret bin ich es einfach leid, ständig diese Kaskadierung von erinnern, meckern, zetern, flehen, erklären abzutanzen.
Das aber nur als Hintergrundinformation zu meinem inneren Zustand. Ich bin sehr gespannt, wie das Experiment im Hause Buddenbohm ausgeht. Mit meinem Eltern-Streik bin ich grandios gescheitert.
Im Zentrum meiner Serie Let’s talk stehen die Chancen, die digitale Medien mit sich bringen. Nachdem ich in der ersten Runde v.a. allgemein über Nutzung und Plattformen gesprochen habe, soll es jetzt konkreter werden. Wie sieht Medienalltag bei anderen aus? Deswegen befrage ich in der 2. Staffel Eltern, wie sie in ihren Familien mit digitalen Medien umgehen: Ich freue mich mit Maximilian Buddenbohm zu starten.
Maximilian Buddenbohm
Maximilian Buddenbohms Blog Buddenbohm & Söhne (formerly known as Herzdamen-geschichten) kenne und lese ich gefühlt seit ich das Internet kenne. Was mich ein wenig erschüttert: Ich habe in seinem Blog noch nie einen Artikel gefunden, der mich gelangweilt hat oder der irgendwie nicht lesenswert gewesen wäre. Mit gleichbleibend hoher Qualität schreibt Maximilian in einer Regelmäßigkeit, die mich erschaudern lässt. Sein Blog, so scheint es mir, ist mit ihm über die Jahre mitgewachsen und in der Zwischenzeit schreibt auch der ältere der beiden Söhne und die Herzdame selbst mit. Ich liebe das breite Themenspektrum, die Reflektiertheit und den ruhigen Blick auf die immer schneller werdende Welt.
Ich würde denken, Maximilian hat eine sehr offene Haltung zum Thema neue Medien und bin deswegen auf seine Antworten gespannt.
Wie viele Kinder leben in Deinem Haushalt und wie alt sind sie?
Zwei Söhne, acht und zehn Jahre alt.
Ab welchem Kindesalter habt ihr begonnen euch mit dem Thema Medienerziehung aktiv auseinanderzusetzen?
Etwa ab zwei Jahren bei Sohn I, also seit der ersten Kinder-App auf dem Tablet. Tiergeräusche? So etwas in der Art war es wohl, ich weiß es gar nicht mehr genau. Und da muss man dann auch schon überlegen, wie lange das Kind den Löwen brüllen lassen darf oder ob man da irgendwann aus strategischen Gründen wieder Holzspielzeug einwechseln muss. So fängt es an.
Auf einer Skala von 0 (Wir haben keinen Internetanschluss! Teufelszeug!) bis 10 (Wir möchten unsere Körper zurücklassen und unsere Gehirne ins Internet hochladen!) wo liegt ihr ungefähr?
Der Vater nur noch bei etwa sieben, die Mutter bei sechs, Sohn I eher bei neun, Sohn II auch bei nur sechs, Tendenz bei allen im Moment nicht weiter steigend. Wir haben da so ein Gartenprojekt, das ist ziemlich offline. Allerdings sind wir beruflich online, sehr weit nach unten können wir also auf der Skala gar nicht.
Was sind eure Lieblingscomputerspiele, die beliebtesten Apps, beliebtesten YouTube-Kanäle, liebsten Streamingdienst-Serien und warum?
Das lasse ich die Söhne komplett selbst beantworten –
Sohn II: „Bei den Apps die, die auch mein Bruder mag. Auf Youtube gucke ich aber auch Gartenfreund-TV und Selbstversorger Rigotti, das sind Gartenkanäle, da lernt man was. Serien gucken mein Bruder und ich auch zusammen.“
Wie handhabt ihr das mit der Medienzeit in eurer Familie?
Beide Kinder haben etwa eine halbe Stunde pro Tag, das wird selbstverständlich oft mehr, schon weil aus inhaltlichen Gründen eine halbe Stunde manchmal nicht reicht. Man kann eben schlecht aufhören, wenn man mitten in einem Level ist, das ist auch nicht sinnvoll. Der Donnerstag ist komplett medienfrei, aber nicht aus pädagogischen Gründen, das geht wegen zu vieler Termine einfach nicht anders. Lern-Apps können die Söhne stets auch länger benutzen (die App “Lernerfolg Grundschule” finde ich gut, die hat sich hier absolut bewährt und harmoniert gut mit dem Lehrplan), länger dürfen sie auch alles, was unter kreative Beschäftigung fällt. Wenn sie also mit dem Tablet einen Film drehen wollen oder Fotos machen, dann dürfen sie das meinetwegen stundenlang – das machen sie aber selten. Im Grunde ist diese ganze Begrenzung fürchterlich lästig und nervtötend, allerdings geht es auch nicht ganz ohne.
Das Interesse an digitalen Medien unterscheidet sich dabei übrigens gar nicht von meinem Interesse am Fernseher in dem Alter.
Wie kommt ihr zu Regeln, was die Mediennutzung angeht?
Wir halten ab und zu am Wochenende feierlichen Familienrat und diskutieren unendlich mühsam die Regeln aus, über die wir in den nächsten Wochen nicht mehr reden wollen. Wir legen sie sehr klar fest, wir schreiben sie sogar in Schönschrift auf und hängen sie manchmal irgendwo hin, wo alle dauernd dran vorbeilaufen. Aus Elternsicht gilt diese hochoffizielle Vereinbarung dann auch eine ganze Weile, sprich Wochen, aus Kindersicht gilt sie ein paar Stunden, bzw. bis zur nächsten neuen Serie in einem Streamingdienst. Es ist kompliziert.
Wir haben außerdem – auf ausdrücklichen Kinderwunsch! – eine Art Punktesystem. Die Söhne bekommen pro Tag für bestimmte eingehaltene Regeln Punkte, bei einer gewissen Punktezahl können sie in eine Schatzkiste greifen, in der Dinge von geringem Wert aber mit hohem Freufaktor sind, also Kaugummi etc. Das System haben sie anderswo gesehen und wollten das dann unbedingt auch haben, seitdem gibt es hier u.a. einen täglichen Punkt für “Medienfrieden”. Medienfrieden heißt, wir müssen nicht jede Spielzeitbeendigung länger diskutieren, als die eigentliche Spielzeit war, etwas überspitzt ausgedrückt. Das klappt ganz gut, erstaunlich gut eigentlich. Und beweist wieder, dass Eltern nicht immer Recht haben müssen, denn ich mag solche Systeme eher nicht, weil sie so einen merkantilen Charakter haben, alles ein einziges Wenn-Dann-Geflecht, alles Deals, also ich hätte so etwas hier nicht eingeführt. Aber wenn die Söhne das quasi spielen wollen – bitte sehr. Und zack, es funktioniert besser als alles vorher. Wie isses nun bloß möglich!
Schließlich lesen wir ab und zu über neue Erkenntnisse in schlauen Büchern oder auch von den Erfahrungen anderer Eltern in Elternblogs, und dann probieren wir wieder andere Verfahren aus. Das ist hier alles nicht starr.
Die meisten Eltern kennen das bestimmt: Es gibt Dinge, welche die Kinder total begeistern und man selbst möchte sich die Augen auskratzen. Fallen Dir da Beispiele ein? Wie gehst Du damit um?
Ich finde fast alles furchtbar, was Sohn I auf Youtube guckt, ich kann es aber auch nicht exakt benennen, was er da guckt, da ich mir die Namen nicht merken kann oder möchte. Junge Youtuberinnen eben. Das beruht aber auf Gegenseitigkeit, er findet auch befremdlich was ich gucke, alte Säcke eben, viele davon sogar schon tot. Wir lassen uns dabei aber in Ruhe, denn er ist ja er und ich bin ich. Ab und zu zeigen wir uns gegenseitig Filmchen unserer Playlists und wundern uns dann etwas, gucken uns aber bemüht verständnisvoll an und denken beide: “Nun, er ist schon seltsam. Aber sonst ganz nett.”
Die Medienmomente sollen sich ja auf den wirklich gelebten Alltag beziehen. Mal ehrlich, macht ihr Ausnahmen oder gibt es Zeiten in denen alles entgleitet? Wenn ja, wie sieht das aus und warum gibt es solche Situationen?
Es entgleitet permanent, es gibt viel Streit um das richtige Maß und es wird auch dauernd alles neu verhandelt. Alle Teile des Arrangements sind zudem erstaunlich beweglich, denn die Söhne verändern sich, schnell sogar, die Medien verändern sich, unsere Elternmeinungen und unser Wissensstand ändern sich ebenfalls. Sogar die Jahreszeiten ändern sich, und die spielen auch eine gar nicht so kleine Rolle bei dem Thema, das ist jetzt gar kein Scherz. Die dunkle Jahreszeit ist eben die Medienjahreszeit.
Es gibt darüber hinaus ein typisch elterliches Ambitionswellenreiten. Man ist also eine ganze Weile nachlässig und entspannt, viel zu entspannt, bis man entsetzt bemerkt, dass es so nicht weitergeht und alles bei uns ganz anders werden muss, besser, schöner und sinnvoller! Das ist dann die Phase, in der Kinder vermutlich denken: “Oh mein Gott, sie haben schon wieder ein Konzept.” Denn die Kinder sind ja nicht doof, also nicht nur unsere nicht, Kinder generell nicht.
Ich sehe außerdem ein, dass das hier ein Bloggerhaushalt ist, in dem die Eltern oft online sind und also auch etwas vorleben. Ich würde es verrückt finden, das zu ignorieren. Und auch wenn weder die Herzdame noch ich jemals online spielen – wir haben da in diesem digitalen Raum schon Spaß, sogar bei dem, was wir Arbeit nennen, und das merken die Kinder auch. Das spielt also alles eine Rolle, auch in den familiären Diskussionen.
In welchen Bereichen stellt ihr manchmal fest, dass eure Kinder schon Experten sind und ihr hinterherhängt?
Bei neuen Spielen sind die Söhne definitiv viel schneller als ich, sie verstehen alle Menüs sofort. Ich dagegen werden den Drang nicht los, erst einmal alles genau nachzulesen. Ich bin definitiv old Europe.
Was ist durch die digitalen Medien im Leben von Familien besser geworden?
Mir fällt nichts ein, was ich nicht selbst leicht widerlegen könnte. Außer: Es gibt weit und breit keine Dia-Abende mehr, da alle Fotos anders teilen. Das immerhin ist sehr schön, die Älteren verstehen das sicher.
Welche Aspekte von digitalen Medien machen das Leben manchmal anstrengender als früher™ und warum?
Die digitalen Medien an sich machen noch gar nichts anstrengender. Dass sie allerdings überall verfügbar sind, ist natürlich Fluch und Segen zugleich, deswegen sieht man z.B. so viele Kinder, die in Restaurants mit Handys ruhiggestellt werden. Das finde ich ebenso nachvollziehbar wie schrecklich, ich bin aber auch dabei nicht in der Lage, den ersten Stein zu werfen. Ich verstehe die Eltern, die so etwas machen, ich verstehe auch vollkommen, was dagegenspricht. Man laviert sich so durch. Stets bemüht!
Welche Frage habe ich vergessen? Was wolltest du im Kontext digitale Medien und Kinder gerne noch loswerden?
Ich wundere mich oft über ein merkwürdiges Zusammentreffen. Viele Eltern, die ihren Kindern sehr wenig Mediennutzung an Tablet etc. erlauben, weil das ja alles böse und finster ist, lassen es gleichzeitig zu, dass die Kinder viel zu früh Filme gucken, die nicht zu ihrem Alter passen. Ich habe nie verstanden, warum das so ist. Warum sind viele bei Filmen so überaus lässig, bei Apps aber nicht?
Welche Frage sollte ich den anderen Interviewpartnern unbedingt stellen, weil Du Dich da gerne mal abgleichen würdest?
Wie nutzen Eure Kinder die digitalen Medien kreativ? Das ist hier nämlich noch eher schwach ausgeprägt, da geht viel mehr.
Hast Du über das Thema digitale Medien selbst schon geschrieben? Wenn ja, welche Artikel aus deinem Blog sollte ich unbedingt gelesen haben?
Jo.
Keinen mehr dazu, es ist alles schon länger her, also mehrere Monate. Das ist schon wieder in zu vielen Aspekten ganz anders, da sehe ich von Eigenwerbung einmal ab.
Vielen Dank Maximilian, für Deine bestechend ehrlichen Antworten, in denen ich mich sehr gut wiederfinden konnte.
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Weiterführende Links auf SCHAU HIN! zu diesem Interview: