
Heute kenn‘ ich nur noch Leute, die mich furchtbar verachten würden, wenn ich es wagen würde, anzugeben, daß ich manchmal Zeit habe oder zumindest mir die Zeit suche, aus dem Fenster zu sehen und ein bißchen zu träumen, ziel- und planlos spazierenzugehen oder ähnlichen Unfug zu treiben. Ein Mensch, der nicht gehetzt, gejagt, übernervös und stets unausgeschlafen ist, hat keinen Chic, kein Format und keine Existenzberechtigung.
(Lili Grün: Mädchenhimmel!)

schön war der juni. mit viel zeit und muße und voller freuden. und weil sie dieses mal mit ziemlicher verspätung kommen, präsentiere ich sie ihnen kurz und gebündelt in photographischer (aber nicht chronologischer) reihenfolge. ich freute mich über
° den grünfink, der uns in unserem balkongärtchen neben vielen anderen vögeln auch (spatzen, tauben, elstern, meisen) einen besuch abstattete;
° die zwiebeln, die so schön blüten und manch insektengast anlockten;
° die besuche im park, die der augustjunge nutzte, um im gras zu krabbeln und gänseblümchen zu verspeisen;
° die zwei turmfalken, die immer wieder über dem haus und der gegenüberliegenden brachfläche kreisten (oder sich in der ulme bzw den bahnleitungen niederließen);
° das konzert eines distelfinks, dem ich an einem frühen morgen lauschen konnte;
° die auf einem spaziergang gepflückten und auf dem balkon gesammelten kräuter (sauerampfer, borretsch, majoran, senfsaat, rucola,…), die der liebste zu einer abgewandelten grünen sauce verarbeitete und mit frischen pellkartoffeln servierte;
° die radieschen- und vielen, vielen anderen blüten auf dem balkon, die unmengen von bienen und hummeln anlockte;
° den augustjungen, der in mirow mit großer begeisterung den katzen hinterher krabbelte (die sich nur leider meist flugs aus dem staub machten);
° die zwei buschbohnenblüten, die uns bei unserer rückkehr aus mirow erwarteten (alle anderen waren in genau der zeit auf- und wieder verblüht);
° der pflücksalat, der in dem blumenkasten fleißig vor sich hin wuchs und uns so manche speise verfeinerte;

° den leckeren eintopf, der bei einem terra-preta-workshop auf einem einfachen dosenholzofen gekocht und dann in schönen holzschalen mit fladenbrot serviert wurde;
° die tomatenstäbe, an denen sich seit dieser gartensaison meine tomaten hochranken;
° die gesammelten holunderblüten, aus denen der liebste hollerpancakes…
° …und ich hollergelee gekocht haben;
° die theoretischen und praktischen informationen sowie die erde, die ich von den initiatoren des bereits erwähnten workshops mitbekam;

° die gespräche mit einer dänischen studentin, die mich im rahmen ihrer abschlussarbeit über mein balkongärtchen interviewte und der ich auch mein samensortiersystem präsentierte;
° das paket des dichterbruders, der uns neben allerlei knabbereien auch selbstgemachten hollersirup, zwei flaschen edelsten traubensaft sowie eine selbstcollagierte postkarte schickte ♥;
° die vielen stunden, in denen der liebste uns alte kinderbücher vorlas;
° der berlingruß von taija, mit dem kleinen kunstwerk auf der rückseite;
° die bereits erwähnten noch warmen mit puderzucker bestäubten hollerpancakes;

° der augustjunge, der (meist) sehr vorsichtig und mit großer ausdauer bücher für bücher durchblättert;
° die eierschalen, die wir als beetbeigabe gesammelt und zerstampft haben;
° der besuch von franziska, mit der ich (via blog, briefe, emails, pakete) schon lange in verbindung stehe und die ich nun endlich auch ganz real kennenlernen durfte;
° die kleine hand, die immer mal wieder hinter dem sessel an der heizung auftauchte, um nach zeitungsenten, notizbüchern oder schächtelchen zu tasten;
° die freude des augustjungen als ich von dem turmfalkenpärchen abgelenkt bin und er es schafft, endlich an die gefüllte gießkanne zu gelangen.
apropos…