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<title>VICE</title>
<link>http://www.vice.com</link>
<description><![CDATA[ RSS feed for VICE.com
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<language>en</language>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 19:42:11 +0200</pubDate>
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<image><title>VICE </title>
<link>http://www.vice.com/alps/</link>
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<title>Die wirklich ehrliche Liste der 50 Dinge, die du diesen Sommer in Wien tun solltest</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/die-ehrliche-sommerliste</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 05:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Unser Sommer-Glück liegt in unseren schweißnassen Händen und wir müssen alles tun, damit es wahr wird.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p><span class="s1">Jedes Jahr, wenn der <a href="http://www.vice.com/alps/read/sommer-ist-der-groesste-scheiss-636" target="_blank">Sommer</a> an unsere schweißbeschlagene Tür klopft, sprießen auch die Sommer-Listicals nur so aus dem viel zu fruchtbaren Boden des Internets wie sonst nur <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-verschwoerungstheorien-gefaehrlich-sind-391" target="_blank">Verschwörungstheorien</a> aus dem Facebook-Kommentaren von FPÖ-Wählern <a href="http://www.vice.com/alps/read/was-die-fpoe-bei-ihren-manipulationsvorwuerfen-verschweigt" target="_blank">nach einer Bundespräsidentschaftswahl</a>.</span>
</p><p>Aber Artikel wie "30 Dinge, die du diesen Sommer unbedingt machen solltest", die einem beim Befolgen der gut gemeinten Ratschläge den "Sommer deines Lebens in Wien" versprechen, sind bei genauerem Hinsehen vor allem eins: Listen-Gebilde aus Lügen und Dingen, die Menschen höchstens in billigen Plagiaten von <em>Ferris Bueller's Day Off</em> tun, wie zum Beispiel nachts in ein Schwimmbad einbrechen, aus Spaß Wasserbomben aus dem Fenster werfen (hihi) oder Outdoor-Yoga mit einem Aperol-Spritzer über den Dächern der Stadt betreiben (?!). Kurz: Solche Listen sind weniger Anleitungen für den perfekten Sommer, als Wegbeschreibungen in die Vorhölle.
</p><p class="p1">Fun, Fun, Fun!
</p><p class="p1">Immer wieder, wenn wir solche Aufzählungen in unsere Timelines gespült bekommen, fragen wir uns, ob die Menschen, die diese Listicals verbreiten, schon jemals einen Sommer erlebt haben—von einem Sommer in Wien ganz zu schweigen. Im Sommer in Wien stellt man sich nämlich meistens nicht die Frage, wo man wohl sein nächstes überteuertes Achterl trinkt oder in welches Schwimmbad aus dem "ultimativen Schwimmbad-Guide" man morgen geht, um dort die ach so legendäre Schnitzelsemmel zu essen. Nein, im Sommer in Wien (und wahrscheinlich auch in jeder anderen Großstadt) geht es um das nackte Überleben. Das alleine deshalb schwierig ist, weil man meistens angezogen bleiben muss. Wir dürfen nicht länger die Augen verschließen und so tun, als wäre unser Leben eine einzige, lange <em>Aperol Spritz</em>-Werbung.
</p><p class="p2"><span class="s1">Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Dinge für euch zu sammeln, die ihr diesen Sommer vielleicht schon getan habt, noch tun werdet und definitiv tun müsst, um die Jahreszeit der gelben Sau zu überstehen. Die GIFs unter den einzelnen Punkten dürft ihr euch dazu denken. Unser Sommer-Glück liegt in unseren schweißnassen Händen und wir müssen alles tun, damit es wahr wird.</span>
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p><strong>1.</strong> Möglichst lange auf dem Klo sitzen bleiben, weil es der einzige Ort ist, wo es sich nicht anfühlt, als würde man die Abluft eines Staubsaugers einatmen.
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>2.</strong> Ein Turbobier vor der Haustüre trinken.</span>
</p><p class="p1"><strong>3.</strong> Nach einer durchgefeierten Nacht nur eingewickelt in ein dünnes Leintuch Frühstück holen gehen und sich lebendig fühlen.
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>4.</strong> Auf der Donauinsel einen Grillplatz mieten und sehr laut "INSEL MUSS INSEL BLEIBEN" schreien—notfalls auch so lange, bis jemand nach einem Autogramm fragt.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>5.</strong> Beim Grillen im Schutz des dichten Rauchs die Genitalien freilegen und räuchern lassen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>6. </strong>Die durchgeschwitztesten Sneaker rituell bei einem Grillabend verbrennen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>7.</strong> Sehr laut irgendwas von Sean Paul hören und auf das Klopfen der Nachbarn mit "RASSIST!" reagieren.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>8.</strong> Dir auf deinem Weg durch die Stadt gut überlegen, wie schnell du wirklich am Zielort sein musst und ob du tatsächlich unbedingt in eine alte Straßenbahn einsteigen solltest, anstatt auf die gekühlte Niederflur-Bim zu warten.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>9. </strong>In den Brunnen am Schwarzenbergplatz springen (und schauen, welche Krankheiten man bekommt).</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>10.</strong> In den Brunnen am Karlsplatz springen (und schauen, welche Krankheiten man sich noch nicht im Brunnen am Schwarzenbergplatz geholt hat).</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>11.</strong> Ohne Unterwäsche leben.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>12.</strong> Nicht mal dran denken, einen BH anzuziehen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>13.</strong> Den Schweiß in der Falte unter dem Busen lieben lernen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>14.</strong> Männer fragen, warum sie einem auf die Nippel starren und sich freuen, wenn es ihnen die Sprache verschlägt.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>15.</strong> Wäsche direkt aus der Waschmaschine anziehen und die kühlende Wirkung für zirka zwanzig Minuten genießen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>16. </strong>Im Stiegenhaus schlafen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>17.</strong> Viel sudern und sich über die vielen Suderer beschweren.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>18. </strong>Immer ein Glas Eiswürfel zu allem bestellen und sie am Körper schmelzen lassen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>19.</strong> Sich damit abfinden, dass man die kommenden Monate keine Frisur hat.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>20. </strong>Sich mit der <em>Heute</em> Luft während der Busfahrt zufächern und versuchen, dabei das Horoskop zu lesen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>21. </strong>Aufhören, verklemmt zu sein und nackt schlafen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>22.</strong> Kurz die Wohnung verlassen, eine Eisbox vom nächstgelegenen Eissalon holen und literweise Eis essen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>23.</strong>  Sich beim Freiluft-Kino am Augartenspitz mit Gelsenspray überschütten.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>24. </strong>Niemals in ein Schwimmbad gehen, in dem sich irgendjemand für dein Aussehen interessiert. Einfach ins Stadionbad gehen und dem wahren, schwitzenden Sommer-Ich freien Lauf lassen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>25. </strong>Den Kopf kurz in das Gefrierfach stecken (Kühlschrank bringt echt nichts).</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>26. </strong>Vom Kinderspielplatz Sand stehlen und zu Hause aufschütten: Strandfeeling im Hitzeschutz-Bunker, ganz ohne Sand-in-the-City-Attitüde.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>27.</strong> In Hotpants oder Kleid in den Öffis nur noch stehen, weil der Arsch sonst auf dem Sitz kleben bleibt. Als Mann dasselbe nur mit Shorts tun (oder auch mit Hotpants, we don't judge).</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>28. </strong>Schon am Vormittag einen Steg an der alten Donau belegen und sich fühlen wie ein deutscher Urlauber beim Liegestuhl-Besetzen auf Malle.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>29.</strong> Sich fragen, wie sich irgendjemand im Sommer freiwillig einen Shopping-Tag auf der MaHü antun kann.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>30.</strong> Sich mit dem Pensionisten anfreunden, der zu jeder Tageszeit und in Unterhemd am gegenüberliegenden Fenster steht und die Hood bewacht.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>31.</strong> Jeden Tag leicht einen sitzen haben, weil man nach 2 Spritzern schon bedient ist.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>32.</strong> Zum Theodor-Körner-Park nach Meidling fahren und durch den Wasserwald gehen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>33.</strong> Die Schweißflecken auf den Oberkörpern der anderen zum Anlass für einen Rorschach-Test nehmen und viel über die eigenen Vaterkomplexe lernen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>34.</strong> Sich eine Käsekrainer vom nächsten Würstelstand holen und sich vorstellen, man wäre ein zivilisierter, nicht schwitzender Mensch </span>auf einer Grillparty im Grünen, während man sie verschlingt und aus jeder Pore Käse verströmt. Weil es einfach geil ist.
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>35.</strong> Auf die Donauinsel gehen, nach dem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=897thBXCIsA" target="_blank">legendären Kind aus den <em>Alltagsgeschichten</em></a> suchen und herausfinden, ob er wirklich Tätowierer geworden ist.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>36.</strong> Sich nicht einreden lassen, dass der Donaukanal im Sommer der "geheime Hot-Spot Wiens" ist.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>37.</strong> Bei der Bezirksvorsteherin von Margareten <a href="http://www.heute.at/news/oesterreich/wien/Kraeutergarten-senkt-Temperatur-um-zwei-Grad;art23652,1296898" target="_blank">dafür danke sagen</a>, dass sie mit einem Kräutergarten die Temperatur um zwei Grad zu senken versucht.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>38.</strong> Die längst vergessene, eisgekühlte, alte Flasche Billig-Wodka mit ins Bett nehmen und fest umarmen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>39.</strong> Noch mehr sudern und noch mehr über Suderer schimpfen (und sei es nur vor dem Spiegel).</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>40.</strong> Sich über Menschen wundern, die Wanderungen auf den Kahlenberg unternehmen und sie vielleicht fragen, wo auf dem Weg sie ihre Würde liegen lassen haben.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>41.</strong> Traurig sein, weil man sich keine Wohnung mit Balkon leisten kann, aber auch froh darüber sein, dass Menschen mit Balkon keine Zeit haben, ihn zu genießen, weil sie für die 300 Euro mehr Miete auch 5000 Stunden mehr arbeiten müssen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>42.</strong> Sich voller Stolz den Schwitz-Schnauzer von der Oberlippe wischen, als wäre es der Milchbart aus einer sexy <em>Got Milk?</em>-Werbung und der alten Frau in der Bim dabei intensiv in die Augen sehen.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>43. </strong>Auf der Hundewiese am Schafberg chillen. Hier ist es ruhig, kühl und es gibt eine super Aussicht (ja, OK, und Hunde, aber das Leben ist kein Ponyhof).</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>44.</strong> Endlich die Dritte-Mann-Tour machen—einfach nur, weil sie unter die Erde führt. Wo es kühl ist.</span>
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>45.</strong> Kalt duschen gehen, das Haus verlassen, manisch zu lachen beginnen.</span>
</p><p class="p1"><strong>46.</strong> Die Schweißperlen lieben lernen, die einem wie Ameisen aus der Achsel über den Oberarm rinnen.
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>47. </strong>Das Wasser, das man gerade getrunken hat, dabei beobachten, wie es sich eine Sekunde später bereits seinen Weg durch die Poren auf dem Handrücken bahnt. </span>
</p><p class="p1"><strong>48. </strong> Falls man zu den Menschen gehört, die den Sommer mit einem Partner verbringen, beim gemeinsam Schlafen einen Wall aus Decken und Polstern zwischen den schwitzenden Körpern errichten, damit man sich nicht berührt und noch mehr schwitzt.
</p><p class="p2"><span class="s1"><strong>49. </strong>Eine Liebesbeziehung mit dem neu erstandenen Ventilator eingehen und nicht mehr von seiner Seite weichen.</span>
</p><p><strong>50. </strong>Jeden Artikel mit Wien-Sommer-Tipps lesen und laut lachen.
</p>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<category>stuff</category>
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<title>Dieser Psychologe weiß, warum du wichtige Sachen ständig aufschiebst</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/dieser-professor-weiss-warum-du-deine-deine-uniarbeit-aufschiebst</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 14:22:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Und er glaubt: Wer prokrastiniert, ist eigentlich ein Rebell.
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/28/dieser-professor-weiss-warum-du-deine-deine-uniarbeit-aufschiebst-body-image-1469710953.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="640" data-original-height="425" data-model-id="209326" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="dieser-professor-weiss-warum-du-deine-deine-uniarbeit-aufschiebst-body-image-1469710953.jpeg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: pixabay
</p><p>Vor der Uni rauchen Studenten um 10 Uhr morgens schon ihre dritte Pausenzigarette. Sie sprechen darüber, dass sie schon viel zu spät dran sind mit ihren Seminararbeiten, oder, <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-zwei-expertinnen-gefragt-wieso-menschen-immer-alles-aufschieben-muessen-173" target="_blank">dass sie überhaupt endlich mal anfangen sollten</a>. Oder darüber, dass es ohnehin viel zu heiß ist, um in der Bibliothek zu sitzen.
</p><p>Im Studierenden-Service-Center nebenan thront Hans-Werner Rückert im zweiten Stock über solchen Problemen. Er ist Leiter der <a href="http://www.vice.com/alps/read/angst-vor-krampussen-819" target="_blank">psychologischen Beratung</a> der FU Berlin und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der "<a href="http://www.vice.com/alps/read/faul-sein-523" target="_blank">Prokrastination</a>". Seit über 20 Jahren veröffentlicht er zu dem Thema, 1998 erschien sein Buch <em><a href="http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/leben/schluss_mit_dem_ewigen_aufschieben-3893.html" target="_blank">Schluss mit dem ewigen Aufschieben</a></em>—heute ein Standardwerk und bereits in der achten Auflage. Wir haben ihn gefragt, warum Menschen <a href="http://www.vice.com/alps/read/faul-sein-523" target="_blank">prokrastinieren</a>—und vor allem darüber, wie man damit aufhört.
</p><p><strong>VICE: Wieso verschieben wir Dinge, wenn wir doch wissen, dass wir sie früher oder später sowieso erledigen müssen?<br></strong><strong>Hans-Werner Rückert:</strong> Aus zwei Gründen: Erstens möchte man unangenehme Gefühle vermeiden, die mit dem Vorhaben verbunden sind. Zweitens wollen wir die  Erregung spüren, die man nur durch die Erledigung auf den letzten Drücker erfährt. Viele suchen den Adrenalin-Kick.
</p><p><strong>Viele behaupten ja, dass sie durch diesen Kick besser arbeiten können.</strong><br>Möglich. Aber eine überwältigende Menge an Studien zeigt, dass eine Hausarbeit, die pünktlich vor der Deadline fertig ist und vielleicht noch Korrektur gelesen wurde, deutlich besser ist als eine, die in drei durchwachten Nächten entstanden ist. Trotzdem gibt es sogar unter Professoren welche, die fast ins Schwärmen geraten, wenn sie von durchgearbeiteten Nächten reden. Ein Adrenalin-Junkie sucht genau diesen Kick—dann ist es auch egal, wenn die Arbeit anders besser geworden wäre. Außerdem hat man so die bessere Geschichte zu erzählen. Die Leute kultivieren gern das Image eines Genies.
</p><p class="MsoNormal">
	<iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe>
</p><p class="MsoNormal"><strong>Sie haben vor über 15 Jahren eines der ersten Bücher über Prokrastination geschrieben. Heute ist es in der achten Auflage. Schieben wir heute anders auf als die Generationen vor uns?<br></strong>Es hat sich viel verändert. In den 80ern kannte in Deutschland kaum jemand das Wort Prokrastination, ich auch nicht. In den USA war es damals schon präsenter. Wenn man mit 17 aufs College kommt, lebt man das erste Jahr ja wie in einer Kaserne. Studenten wohnen in einem Wohnheim, oft mit mehreren Menschen auf dem Zimmer, und müssen jede Woche zwei schriftliche Arbeiten abgeben. Um in so einer Umgebung erwachsen zu werden, muss man erstmal austesten: Wie elastisch ist das System? Was passiert eigentlich, wenn ich meinen Aufsatz nicht abliefere? Der bekannte US-Psychotherapeut Albert Ellis sagte damals, 99 Prozent der Studenten würden prokrastinieren. In Deutschland war es damals noch gar kein Thema. Vor der Bologna-Reform sah man Studenten ja als erwachsene Menschen an. Ob sie die Texte lasen und Seminare besuchten, lag in ihrer Verantwortung. In Amerika hatte die Uni schon damals mehr die Rolle der Eltern.
</p><p><strong>Die Studenten prokrastinierten also, um Grenzen auszutesten. Ist es eine Art Rebellion gegen das System?<br></strong>Ja. Das erklärt auch, warum es mittlerweile auch bei uns so ein Riesenthema geworden ist. Die gesellschaftlichen Zwänge sind stärker geworden. Das Leben gilt als eine Art Projekt, das schon junge Leute erfolgreich managen müssen. Da passt Prokrastination nicht zu. Man muss immer powern, am besten noch Spaß dabei haben, und ständig Leistungen bringen. Die Zwänge von außen werden zu Selbstzwängen. Überall schallt es einem entgegen: Du solltest in der Bib sein! Du solltest mit 28 promoviert und mindestens zwei Auslandsaufenthalte absolviert haben! Da entwickelt sich natürlich Widerstand.
</p><p><strong>Das heißt, das Bologna-System, das Langzeitstudenten und das ewige Aufschieben des Uniabschlusses verhindern soll, führt  zum Gegenteil?<br></strong>Ja, natürlich. Nur die Vertreter des neoliberalen Projekts glauben, dass Fortschritt immer stromlinienförmig und angepasst ist. Alle, die gewohnt sind, einmal um die Ecke zu denken, wissen, dass jeder Effizienzdruck erstmal die Ineffizienz steigert. Der Neoliberalismus verspricht ja: Wenn du jetzt richtig reinhaust, am besten noch mit Drogen deine Leistung steigerst, dann hast du mit Mitte 30 ausgesorgt und kannst Golf spielen.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/28/dieser-professor-weiss-warum-du-deine-deine-uniarbeit-aufschiebst-body-image-1469711234-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="209327" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="dieser-professor-weiss-warum-du-deine-deine-uniarbeit-aufschiebst-body-image-1469711234.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Hans-Werner Rückert ist Diplompsychologe und Psychoanalytiker. Er leitet die psychologische Beratung der FU Berlin | Foto: Klaus Mellenthin
</p><p><strong>In Ihrem Buch schreiben Sie, dass es auch Menschen gibt, die nicht nur Rechnungen, Hausarbeiten und Wohnungsputz aufschieben, sondern auch Sex, Reisen oder Kinobesuche. Warum um Himmels willen?<br></strong>Für die Menschen, die sich vor so etwas drücken, sind diese Sachen nur oberflächlich angenehm. Wer ins Kino will, muss außer Haus gehen. Der Film könnte langweilig werden. Man muss dafür bezahlen. Außerdem ist es im Alltag oft so, dass wir uns zwar leicht etwas vornehmen, aber die Umsetzung uns schwer fällt. Zum Beispiel sind wir alle der Meinung, dass wir regelmäßig zum Arzt gehen müssen. Trotzdem tun wir es nicht, weil das Ergebnis unangenehm sein könnte.
</p><p><strong>Wie kann ich mit der Aufschieberei aufhören?</strong><br>Erst einmal muss ich mir Gedanken über mich und die Aufgabe an sich Gedanken machen: Warum schiebe ich auf? Gibt es Konflikte, Ängste? Welche Aufgaben schiebe ich konkret auf? Passen die Aufgaben vielleicht nicht zu mir? Kann ich es anders machen? Dann kann ich Strategien entwickeln, um besser voranzukommen. Wenn ich es einfach nicht schaffe, den Luhmann-Text durchzulesen, dann reichen vielleicht auch drei gute Sekundärtexte. Wenn ich seit Jahren aufschiebe, meinen Keller aufzuräumen, bitte ich Freunde, mir zu helfen, und biete ihnen an, dafür Sachen aus meinem Keller mitzunehmen. Vielleicht muss ich auch mehr Arbeitszeit investieren oder, im Gegenteil, mir ein kleineres Zeitfenster lassen, in dem ich dafür umso intensiver arbeite. Vielleicht fehlen mir aber auch Arbeitstechniken und ich muss erstmal ein Buch dazu lesen.
</p><p><strong>Wie konzentriere ich mich besser?<br></strong>Die Fähigkeit zu konzentrierter Arbeit ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Die meisten von uns setzen sich mehr mit der Intention "Jetzt will ich was machen" vor den Computer. Aber eine gute Planung ist wichtig, sich vorher zu überlegen: Was habe ich genau vor? Wie fange ich an? Manche können das, andere nicht. Bei Letzteren kommt dann eine innere Unruhe auf, sie stehen auf, machen irgendwas. Wer dann nach fünf Minuten in die Küche geht, sich einen Joghurt reinpfeifft, dann den Abwasch macht und einkaufen geht, weil es keinen Joghurt mehr gibt, dessen Gehirn lernt: Flucht lohnt sich. Wer gut arbeiten will, muss deshalb zuerst durch diese schwierige Anfangszeit durch, ohne das Internet zu öffnen und sich anderweitig abzulenken. Wer es nicht schafft, braucht eine zusätzliche Strategie, zum Beispiel ein Lerntagebuch, in dem man seine Arbeit dokumentiert.
</p><p><strong>Passiert es Ihnen selbst auch, dass Sie prokrastinieren?<br></strong>Prokrastination—also das harte pathologische Aufschieben—mache ich nicht. Aber klar schiebe ich auch etwas auf. 40 Prozent der Menschen schieben Sachen auf, auch wenn es ihnen schon einmal Nachteile im Alltag gebracht hat.
</p><p><strong>Woher kommt das harte Aufschieben?<br></strong>Das harte Aufschieben liegt meist an vertrackten inneren Konflikten, die den Betroffenen selbst nicht klar sind. Letztens war zum Beispiel ein BWL-Student bei uns in der Beratung. Er meinte, er sei begeistert von seinem Studium, seine Eltern auch. Nach der Uni würde er das Familienhotel in der Eifel übernehmen, im Nachbarort gäbe es auch eine Frau, die auf ihn wartet. Trotzdem schaffte er es nicht, sich an seine Abschlussarbeit zu setzen. Ein paar Sitzungen haben sich die Gespräche im Kreis gedreht. Dann erzählte er, dass er in der Schwulenszene unterwegs ist und auf einmal war klar: Er will sein Leben in Berlin nicht aufgeben. Er selbst hat es nur noch nicht eingesehen. Viele Prokrastinationsfälle haben mit der Frage zu tun, wie man eigentlich leben möchte.
</p><p><strong>Kathrin Passig und Sascha Lobo haben Prokrastination mal eine "überlebenswichtige Kompetenz" genannt, mit der es erst möglich ist, kreative Prozesse anzustoßen.<br></strong>Davon halte ich nicht viel. Hochkreative Menschen sind sehr organisiert. Es gibt dieses Genie-Klischee seit der deutschen Romantik, dass man durch die Welt geht und dann nach einem plötzlichen Einfall den Werther aufs Papier haut. Aber das stimmt einfach nicht. Picasso, Matisse, Jackson Pollock haben alle gut geplant. Selbst Hemingway, der Trinker, hat jeden Tag exakt 200 Wörter geschrieben.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Marie Gamillscheg</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
</item>
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<title>Seit vergangenem Freitag geben sich zahlreiche Münchner als Amokläufer aus</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/an-alle-arschloch-trittbrettfahrer-mnchner-polizei-spricht-warnung-aus</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 12:37:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Die Polizei warnt: Ein Hubschraubereinsatz kostet 1.700 Euro pro Stunde. "Manch einer, den wir jetzt erwischt haben, wird sein Leben lang abzahlen."
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/28/an-alle-arschloch-trittbrettfahrer-mnchner-polizei-spricht-warnung-aus-body-image-1469707778-size_1000.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1128" data-model-id="209300" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="an-alle-arschloch-trittbrettfahrer-mnchner-polizei-spricht-warnung-aus-body-image-1469707778.jpeg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: imago | Lindenthaler
</p><p>Was für ein <a href="http://www.vice.com/alps/read/games-so-hart-dissen-sich-online-gamer-322" target="_blank">Arschloch</a> man sein muss, um dieser Tage "aus Spaß" einen Amoklauf via Facebook, WhatsApp oder auch mündlich anzukündigen. Es sprengt den Rahmen des Vorstellbaren. Und doch, es passiert. "Wir verfolgen das strikt, weil wir das nicht als ein Kavaliersdelikt ansehen. Zunächst bindet es Einsatzkräfte von uns und zweitens verleitet es die Bevölkerung zur Panik; und das wollen wir nicht", so Peter Beck, Sprecher der Münchner Polizei, zu VICE.
</p><p>Seit dem <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-wurde-als-amoklufer-beschuldigt" target="_blank">Amoklauf</a> in der Landeshauptstadt muss sich die Polizei mit "Spaßvögeln" herumschlagen, denen offensichtlich einer dabei abgeht, Öl ins Feuer der Angst zu gießen. Leichtsinn und Hybris spielen dabei auch eine Rolle: "Es gibt viele Trittbrettfahrer, die meinen, wir könnten sie nicht ermitteln—aber wir erwischen sie", so Beck.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p class="p1"><span class="s1">So wie am Sonntag (24.07.2016), als ein 21-jähriger Idiot aus dem Münchner Stadtteil Fürstenried in einem Gruppen-Chat seiner Schulklasse ankündigte, Amok zu laufen. Bei der Durchsuchung der elterlichen Wohnung konnten keine Hinweise auf eine bevorstehende Gefahr und die Vorbereitung einer Straftat gefunden werden. Bei seiner Vernehmung gab der Verdächtige an, dass er seine Mitschüler nur provozieren wollte. </span>
</p><p class="p1"><span class="s1">"Es reicht ja schon, auf Facebook irgendeinen Blödsinn zu posten, der die Leute bindet", erklärt Beck weiter. So ein Schmarrn war zum Beispiel der Facebook-Post eines 14-jährigen Münchners aus Pasing, in dem er am Dienstag verkündete, demnächst alle Bekannten in ein Schnellrestaurant einladen zu wollen. <a href="http://www.polizei.bayern.de/muenchen/news/presse/aktuell/index.html/245459" target="_blank">Laut Polizeibericht</a> hatte dieser Post  eine große inhaltliche Übereinstimmung mit dem Post des Attentäters, den er <a href="http://motherboard.vice.com/de/read/gehackt-oder-geflscht-der-seltsame-fall-der-facebook-falle-selina-akim-" target="_blank">kurz vor seiner Tat mit einem Fake-Profil</a> ins Netz gestellt hatte. Der 14-Jährige wurde noch in der Schule von Beamten abgeführt. </span>
</p><p class="p1"><span class="s1">Am Montag nach dem Amoklauf, gegen 12.00 Uhr, machte ein 17-jähriger Münchner aus Bogenhausen gegenüber seinem Lehrer folgende Ansage: </span>"Ich bringe eine Pistole in die Schule mit!" Daraufhin informierte die Schulleitung die Polizei, die kam dann auch, durchsuchte das Zimmer des Jungen, aber Hinweise auf eine bevorstehende Straftat gab es keine. Wie die <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-nach-amoklauf-polizei-kaempft-gegen-trittbrettfahrer-1.3097140?utm_source=Maileon&utm_medium=email&utm_campaign=SZ+Espresso+am+Morgen+Do%2C+28.07&utm_content=http%3A%2F%2Fwww.sueddeutsche.de%2Fmuenchen%2Fmuenchen-nach-amoklauf-polizei-kaempft-gegen-trittbrettfahrer-1.3097140&utm_term=html" target="_blank"><em>Süddeutsche Zeitung</em></a> berichtet, gestand der Möchtegern-Rambo im Nachhinein, dass alles nur "ein Spaß" sein sollte.
</p><p>Nun hat der "Spaß" für die Münchner Polizei ein Ende, das Limit ist erreicht. Vor wenigen Stunden hat sie via Facebook folgende Warnung ausgesprochen:
</p><p>
	<iframe src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fpolizeimuenchen%2Fposts%2F946284608850621&width=500" width="500" height="590" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true">
	</iframe>
</p><p>1.700 Euro pro Stunde für einen Helikopter-Einsatz. Plus die Kosten für mögliche Justizverfahren. Da kann einiges zusammenkommen. "Manch einer, den wir jetzt erwischt haben, wird sein Leben lang abzahlen", <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-nach-amoklauf-polizei-kaempft-gegen-trittbrettfahrer-1.3097140?utm_source=Maileon&utm_medium=email&utm_campaign=SZ+Espresso+am+Morgen+Do%2C+28.07&utm_content=http%3A%2F%2Fwww.sueddeutsche.de%2Fmuenchen%2Fmuenchen-nach-amoklauf-polizei-kaempft-gegen-trittbrettfahrer-1.3097140&utm_term=html" target="_blank">erklärt</a> ein weiterer Polizeisprecher. Viel Spaß dann.
</p>
]]></content:encoded>
<guid isPermaLink="false">http://www.vice.com/555279</guid>
<media:thumbnail url="https://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/28/an-alle-arschloch-trittbrettfahrer-mnchner-polizei-spricht-warnung-aus-1469707806.jpeg"></media:thumbnail>
<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
<media:category>news</media:category>
<category>news</category>
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<title>Ist Erdogan ein Echsenmensch? – Warum wir nicht mehr von Verschwörungstheorien sprechen sollten</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/erdogan-echsenmensch-warum-nicht-mehr-von-verschwoerungstheorien-sprechen-ch</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 13:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Mit dem Begriff der Verschwörungstheorie züchten wir Trolle und ebnen den Weg für Despoten.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/28/erdogan-echsenmensch-warum-nicht-mehr-von-verschwoerungstheorien-sprechen-ch-1469711603.jpg" type="image/jpg" length="2048"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p>Die Welt ist gross, dunkel und voller Verknüpfungen. Wäre Hitler an der <a href="http://www.vice.com/alps/read/pegida-gruender-schummelt-sich-mit-presseausweis-ins-gericht-089" target="_blank">Wiener Kunstakademie</a> angenommen worden, wäre der Zweite Weltkrieg vielleicht nie passiert. Hätte George Bush Jr. in seinen High Days ein bisschen mehr Kokain genommen, wäre er vielleicht tot, der Nahe Osten deutlich stabiler und somit ein grosser Anteil der Flüchtlinge, die gerade im Mittelmeer ertrinken stattdessen daheim am Teeschlürfen. Es macht manchmal Angst, dass die Geschichte der Menschheit an so vielen kleinen Details zu hängen scheint. Was einem da helfen kann, ist eine Theorie, die die Zusammenhänge auf einen nachvollziehbaren Nenner bringt und etwas produziert, das vor allem in der Politik sehr beliebt ist: benennbare Schuldige.
</p><p>Folgendermassen definiert der <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Verschwoerungstheorie" target="_blank">Duden</a> die Verschwörungstheorie:
</p><blockquote>"Eine Verschwörungstheorie ist die Vorstellung respektive Annahme, dass eine Verschwörung, eine verschwörerische Unternehmung Ausgangspunkt von etwas sei."
</blockquote><p>Im Duden steht also, was die Bedingungen sind, die ein Narrativ erfüllen muss, um als Verschwörungstheorie durchzugehen: Es muss die Annahme einer Verschwörung sein, die im Gegensatz zur offiziellen Haltung zu einem Geschehnis steht. Würde die Theorie nicht im Gegensatz zur offiziellen Version stehen, wäre sie keine Theorie, sondern allgemein akzeptierter <a href="http://www.vice.com/alps/read/ein-offener-brief-an-das-verlogenste-museum-in-ganz-amerika" target="_blank">Fakt</a>.
</p><p>Der Putsch in der Türkei war ein Augenblick lang Gegenstand von vermeintlichen Verschwörungstheorien. Was die Thesen um den Putsch in der Türkei allerdings speziell und zu einem spannenden Beispiel macht, ist: Die mittlerweile (im Gegensatz zur Verschwörunsgtheorie Erdogan habe den Putsch orchestriert) gültige Darstellung der Geschehnisse in der Türkei ist gewissermassen ebenfalls eine Verschwörungstheorie. Denn Erdogan legitimiert die seit Wochen vor den Augen der Welt ablaufende "Reinigung" des Staatsapparats mit der vielleicht begründeten, aber sicher nicht abschliessend bewiesenen These, dass eine Gruppe von <a href="http://www.vice.com/alps/read/die-soldaten-des-lichts-fordern-erdogan-heraus" target="_blank">Gülen-Anhängern</a> diesen gescheiterten Putsch geplant und durchgeführt habe.
</p><p>Wie wahrscheinlich die divergierenden Verschwörungstheorien in diesem Fall sind, kannst du in diesem wohlrecherchierten <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-realistisch-sind-die-verschwoerungstheorien-zum-putsch-in-der-tuerkei" target="_blank">Artikel von Michael Bonvalot</a> nachlesen.
</p><p>In diesem Text versuche ich nicht, die Wahrheit zu den Geschehnissen in der Türkei zu ergründen. Offensichtlich ist: Die Türkei hat Probleme und diese basieren kausal auf den verschwörerischen Plänen der einen oder anderen Gruppierung. Denn, egal von wem der <a href="http://www.vice.com/alps/read/kurden-familie-tuerkei-putsch-versuch-erlebt-erdogan-ch" target="_blank">Putsch</a> geplant wurde, das Land wird gerade gesäubert, gleichgeschaltet und unter dem Jubel der Bevölkerung autokratisch umgestaltet.
</p><p>Es wird aber nur eine der beiden Theorien auch als Verschwörungstheorie bezeichnet, während die andere, von <a href="http://www.vice.com/alps/read/was-bedeutet-der-wahlerfolg-der-hdp-fr-die-zukunft-der-tuerkei-573" target="_blank">Erdogans Partei AKP</a> vertretene These, wohl zumindest in die türkischen Geschichtsbücher als Fakt eingehen wird. Der essentielle Punkt hier ist: Der Begriff der Verschwörunsgtheorie ist ein Label, mit dem alleinigen Daseinszweck, eine These als "abwegig" zu kategorisieren. Der Begriff bezeichnet also nicht mehr primär die Theorie einer Verschwörung, sondern er kategorisiert eine These zu einem politischen Prozess oder Hintergrund als "Bullshit"—bevor die These effektiv verifiziert oder falsifiziert wurde.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/28/erdogan-echsenmensch-warum-nicht-mehr-von-verschwoerungstheorien-sprechen-ch-body-image-1469705356-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="562" data-model-id="209287" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="erdogan-echsenmensch-warum-nicht-mehr-von-verschwoerungstheorien-sprechen-ch-body-image-1469705356.jpg" class="vmp-image"></p><p class="photo-credit">Kondensstreifen über Frankfurt am Main | Foto von <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Contrails_near_Frankfurt_(Germany),_2012.jpg#filehistory" target="_blank">Prashanta</a> | <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Contrails_near_Frankfurt_(Germany),_2012.jpg#filehistory" target="_blank">Wikimedia</a> | <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank">CC BY-SA 3.0</a></p><p>Verschwörungstheorien gibt es unendlich viele und sehr unterschiedlich glaubhafte: Von Echsenmenschen im Capitol, Pharaonen im Reduit und Chemtrails bis zu der Operation Gladio, dem militärischen Drogen-Experiment MK Ultra und der schwulisierenden <a href="http://www.vice.com/alps/read/weibliche-hormone-koennen-deiner-psychischen-gesundheit-uebel-mitspielen-451" target="_blank">Hormonbombe</a> variieren sie im Ausmass der menschlichen Vorstellungskraft.
</p><p>Ein Grossteil davon ist vermutlich frei erdacht. Ein Teil aber eben auch nicht: Drei von diesen sechs eben angeführten Verschwörungstheorien haben sich zwischenzeitlich als wahr herausgestellt. Aber bis zum Zeitpunkt der Verifizierung haben alle sechs Thesen dasselbe Label, das der "Verschwörungstheorie", getragen. So wurden berechtigte Fragen wie die nach der amerikanischen Strategie im Nahen Osten, nach Nato-Guerilla-Einheiten oder die nach <a href="http://www.vice.com/alps/read/lsd-fuer-anfaenger-sicherer-umgang-mit-trips-743" target="_blank">LSD-Experimenten</a> der US-Armee in dieselbe Schublade geschmissen wie die Idee, dass wir von ausserirdischen Amphibien regiert werden.
</p><p>Dazu kann der als Verschwörungstheoretiker diffamierte Historiker Dr. Daniele Ganser ein Liedchen trällern. Er befindet sich gewissermassen in einem Raum, in dem er zwar als Wissenschaftler respektiert wird und auch durchaus an renommierten Schulen wie der Universität Basel unterrichtet, in dem gleichzeitig aber gewisse <a href="http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/basel/die_ganser-verschwoerung/">Themen sehr ungern gesehen</a> sind. Er geriet mehrfach in den Clinch mit den Universitäten, für die er arbeitete. Im Interview mit <a href="http://www.watson.ch/!808976256"><em>Watson</em></a> äusserte er sich aus seiner Perspektive zu den Erlebnissen mit dem Begriff der Verschwörungstheorie:
</p><blockquote>"Seit 9/11 wird der Begriff dafür verwendet, Menschen mit einer anderen Analyse mit Spinnern, Pädophilen, Antisemiten und Holocaust-Leugnern in eine Ecke zu stellen."
</blockquote><p>Es gibt vermutlich also Leute, die relativ viel über ein Thema wissen, vielleicht guten Grund haben, eine offizielle Version von Geschehnissen anzuzweifeln und es gibt Menschen, die <a href="http://www.vice.com/alps/read/kaenguru-keuschi-gibts-nicht-wirklich-die-tagespresse-interview-satire" target="_blank">jeden Scheiss glauben</a>, weil er ihnen die Welt auf eine für sie annehmbare Art und Weise erklärt.
</p><p>Da kann auch die Uni nicht allzuviel dagegen machen, wie mir Prof. em. Dr. Dieter Ruloff erklärt. Gemäss dem emeritierten Professor für Internationale Beziehungen gibt es sehr wohl Akademiker, die sich kritisch mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen (wie beispielsweise Nick Redfern in seinem Buch <em>Secret History: Conspiracies from Ancient Aliens to the New World Order</em>). Allerdings sei es eine nicht zu bewältigende und sinnlose Aufgabe, sich an eine systematische Analyse jeglicher <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-die-lufthansa-erdogan-stuerzen-wollte-die-irrsinnigsten-verschwoerungstheorien-aus-der-tuerkei" target="_blank">Verschwörungstheorien</a> zu machen, weil es einfach zu viele gibt und sie andauernd und praktisch ohne Qualitätshürden produziert und in die Welt gelassen werden können. Er führt als Beispiel den aktuellen amerikanischen Wahlkampf an:
</p><blockquote>"Wir wissen, dass Menschen bereit sind, an die wildesten Dinge jenseits aller Fakten zu glauben, es braucht bloss jemand diese Dinge zu behaupten und damit etwas Publizität zu gewinnen; die Multiplikatoren des Medienbetriebes sorgen dann für die Verbreitung. Wir erleben gerade in den USA die eigentlich phantastische Sache, dass man einem Präsidentschaftskandidaten die absurdesten Dinge glaubt und dass sich selbst seriöse Medien damit befassen (und damit diese Dinge auf eine Ebene der Seriosität heben, die ihnen nicht zusteht). Lächerlich, dagegen mit einem Fact Checker angehen zu wollen, man hat von Beginn an verloren."
</blockquote><p>Wir sehen uns also einem Begriff mit vielen Wirkungen gegenüber. Erstens ist die Verschwörungstheorie eine Kategorie, die mitunter zu Unrecht Thesen vor ihrer akademischen Prüfung in die Kategorie "<a href="http://www.vice.com/alps/search?query=Humbug" target="_blank">Humbug</a>" verdammt und zweitens sammelt sich unter dem Begriff ein Korpus oder Genre zusammen, das eine wachsende Anhängerschaft verzeichnet.
</p><p>Der letzten Monat verstorbene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_Krysmanski">deutsche Soziologe H.J. Krysmanski</a> beschreibt das Auftreten von Verschwörunsgtheorien in <a href="http://www.uni-muenster.de/PeaCon/hw-online/10-krys-verschw%94rungen.htm#_ftn1">Intervallen</a>: Seit dem 11. September 2001 befinden wir uns, gemäss Krysmanski, nach dem Faschismus in Italien und Deutschland, der Mc Carthy-Ära und den Theorien um John F. Kennedy und Martin Luther King, wieder in einer Phase der Hochkonjunktur für Verschwörungstheorien.
</p><p>Was gegenüber den letzten "Hype"-Phasen der Verschwörungstheorien neu ist, ist das Internet. Und damit die unbezifferbare Masse an Theorien, die niederschwellig an eine Öffentlichkeit getragen werden können. Früher musste man sich noch indizierte Bücher wie Jan van Helsings <em>Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert</em> reinziehen, um an seinen Fix Weltverschwörung zu kommen, heute ist alles auf YouTube zu finden.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at/facebook_ch.html" scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px"></iframe><p>Der Begriff erfüllt im Angesicht der unüberschaubaren Masse eine gefährliche Funktion der Kategorisierung im Positiven und zwar bedient er Menschen, die nicht-verifizierten Quatsch glauben wollen mit mehr und je nachdem immer extremerem Quatsch. Diese Menschen finden und organisieren sich und beginnen, Politiker zu wählen, die sie mit relativ frei erfundenen aber <a href="http://www.vice.com/alps/read/frequency-besucher-ueber-fluechtlinge-krieg-den-sinn-des-lebens-209" target="_blank">sinnspendenden</a> Geschichten füttern, da die Verifizierung von Behauptungen für immer mehr Menschen keine Rolle mehr spielt. Wieso sonst kann ein Mensch wie Trump, der <a href="http://www.huffingtonpost.com/entry/donald-trump-fact-check_us_56fc375fe4b0daf53aee9175" target="_blank">in 60 Minuten 71 mal</a> "Fakten" erfindet oder zumindest verdreht, ernsthafte Chancen auf die Präsidentschaft der USA haben?
</p><p>Die USA befinden sich in einem Wahlkampf, in dem es nicht nur um verschiedene Kandidaten mit unterschiedlichen politischen Vorstellungen geht, sondern um vollständige, konkurrierende Realitäten, für die Trump und Clinton stehen. In Deutschland entstehen mit demselben Mechanismus Bewegungen unter den Bannern der Pegida und der <a href="http://www.vice.com/alps/read/mit-lesben-schwulen-und-kiffern-geht-die-afd-auf-stimmenjagd" target="_blank">AfD</a>, deren Misstrauen in die gesellschaftlichen Institutionen wie Staat und Medien sich teilweise in blanken Hass gesteigert hat. Und auch in der Schweiz können wir diesen sehr bedenklichen Prozess beobachten.
</p><p>Auf der <a href="https://www.facebook.com/andreas.glarner.3?fref=ts">Facebook-Seite</a> von Nationalrat Andreas Glarner findet sich beispielsweise diese kleine Verschwörungstheorie:
</p><p>
	<iframe src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fandreas.glarner.3%2Fposts%2F10207876570084779&width=500" width="500" height="257" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true">
	</iframe>
</p><p>Diese Theorie zur gezielten Verschwörung der bösen Gutmenschen, Glarners Interneterlebnis kaputt zu machen, wird von seiner Fangemeinde mit nichts weniger als dem absoluten Klassiker unter den Verschwörungstheorien kommentiert:
</p><p>
	<iframe src="https://www.facebook.com/plugins/comment_embed.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fandreas.glarner.3%2Fposts%2F10207876570084779%3Fcomment_id%3D10207876595325410&include_parent=false" width="560" height="200" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true">
	</iframe>
</p><p>Wir sollten also zu unserer eigenen Sicherheit aufhören, von Verschwörungstheorien zu sprechen und politische Thesen wieder in die Kategorien "<a href="http://www.vice.com/alps/read/mit-bullshit-in-den-untergang-so-ticken-verschwoerungstheoretiker-323" target="_blank">Bullshit</a>" oder "prüfenswert" aufteilen. Wir würden so vielleicht wenigstens das Gefühl einer transparenten und offenen politischen Diskussion wecken können. Das würde gewählte Volksvertreter indirekt dazu zwingen, weniger totalen Mist von sich zu geben gegenüber einem Publikum, das diesen mit regem Appetit in sich aufnimmt und später auf die Stimmzettel ausscheidet.
</p><p><em>Till auf <a href="https://twitter.com/Trippmann?lang=en" target="_blank">Twitter</a>.</em>
</p><p><em>VICE Schweiz auf <a href="https://www.facebook.com/VICEschweiz/?fref=ts" target="_blank">Facebook</a> und <a href="https://twitter.com/ViceSwitzerland" target="_blank">Twitter</a>.</em></p>
]]></content:encoded>
<guid isPermaLink="false">http://www.vice.com/555216</guid>
<media:thumbnail url="https://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/28/erdogan-echsenmensch-warum-nicht-mehr-von-verschwoerungstheorien-sprechen-ch-1469711603.jpg"></media:thumbnail>
<dc:creator>Till Rippmann</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
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<title>Sextipps von alten Menschen, die es seit Jahrzehnten tun</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/alte-menschen-mit-jahrzehntelanger-erfahrung-geben-uns-sextipps</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 11:22:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Ich kann wirklich nur empfehlen, einfach abends auszugehen und alle möglichen Leute abzuschleppen."
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/alte-menschen-mit-jahrzehntelanger-erfahrung-geben-uns-sextipps-1469637090.jpg" type="image/jpg" length="1000"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/alte-menschen-mit-jahrzehntelanger-erfahrung-geben-uns-sextipps-body-image-1469636612.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="640" data-original-height="487" data-model-id="208860" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="alte-menschen-mit-jahrzehntelanger-erfahrung-geben-uns-sextipps-body-image-1469636612.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/angrylambie/" target="_blank">angrylambie1</a> | <a href="https://www.flickr.com/photos/angrylambie/294700133/in/photolist-s3q5M-dEMphp-s3q5H-dTQ6Y-pJSf8v-DkgKU" target="_blank">Flickr</a> | <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank">CC BY 2.0</a>
</p><p>Alte Menschen stehen auf <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Sex" target="_blank">Sex</a>. Das liegt daran, dass sie genauso wie junge Leute eben Menschen sind. Und Menschen macht der Geschlechtsverkehr mit anderen Menschen im Allgemeinen viel Spaß. Es fühlt sich schön an und ist dazu noch gut für Knochen, Herz und Seele. So hat eine aktuelle <a href="http://www.homewise.co.uk/blog/happiness-home-and-family-over-60s/" target="_blank">Studie</a> aus Großbritannien auch ergeben, dass dort 26 Prozent der Menschen über 60 mit ihrem Leben unzufrieden sind, weil sie nicht genügend <a href="http://www.vice.com/alps/read/sex-mit-dem-ex-ist-eine-beschissene-idee-606" target="_blank">Sex</a> haben. Und so ist fehlender Bettsport im späteren Leben tatsächlich ein größerer <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-mit-einem-u-boot-kapitaen-ueber-stress-situationen-und-fuehrungsstil-gesprochen-841" target="_blank">Stressfaktor</a> als das einsame Stubenhocken, ärmliche Verhältnisse oder ein Dasein als Witwe bzw. Witwer.
</p><p>Eine <a href="http://www.manchester.ac.uk/discover/news/love-and-intimacy-in-later-life-study-reveals-active-sex-lives-of-over-70s/" target="_blank">Studie</a> der University of Manchester aus dem Jahr 2015 besagt außerdem, dass 54 Prozent der befragten Männer und 31 Prozent der befragten Frauen (jeweils über 70) sexuell aktiv sind. Für den Rest muss es da schon ziemlich frustrierend sein, jahrzehntelang Erfahrungen zu sammeln und dann nichts damit anstellen zu können. Da man nie zu viel zum Thema Geschlechtsverkehr wissen kann, haben wir ein paar <a href="http://www.vice.com/alps/read/alte-menschen-ueber-die-jugend-331" target="_blank">Leute um die 60</a> darum gebeten, ihren Wissensschatz in Bezug auf Sex mit uns zu teilen und uns ein paar wertvolle Tipps zu geben. Gleichzeitig stellten wir ihnen noch die Frage, ob und wie sich die Sexualität im Laufe ihres Lebens verändert hat.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><h2>Sue, 67</h2><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/alte-menschen-mit-jahrzehntelanger-erfahrung-geben-uns-sextipps-body-image-1469636702-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="1264" data-model-id="208863" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="alte-menschen-mit-jahrzehntelanger-erfahrung-geben-uns-sextipps-body-image-1469636702.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: Agnieszka Chabros für Catalogue Mag
</p><p>"In den späten 60er Jahren hatten noch ausschließlich die Männer das Sagen. Deshalb haben sie die Frauen auf Dates eingeladen und man ist damals noch auf Tanzbälle und so weiter gegangen. Gleichzeitig kam aber auch dieses ganze radikale Hippie-Ding auf und damit auch <a href="http://www.vice.com/alps/read/so-machst-du-dich-bei-einer-orgie-nicht-zum-idioten-462" target="_blank">Orgien</a> inklusive <a href="http://www.vice.com/alps/read/grasaufnahme-dieser-fotograf-macht-die-besten-cannabis-makros" target="_blank">Marihuana</a>, <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-sich-die-lsd-experimente-der-50er-jahre-auf-die-heutige-forschung-auswirken-462" target="_blank">LSD</a> und sexy Tänzen.
</p><p>Die Männer konnten damals nicht viel sexuelle Erfahrung vorweisen, weil sie keine Erfahrung mit reiferen Damen sammeln konnten. Deshalb dachten wir Frauen auch, dass es schon OK sei, was die Männer da im Bett machten. Sie wussten es ja nicht besser. Und da junge Menschen damals noch bei den Eltern wohnten, gab es keine Möglichkeit, irgendwelchen ausgefallenen Sex zu haben oder den Küchenboden als Spielwiese zu nutzen. </p><p>Mitte der 60er Jahre kam dann eine Veränderung, weil die Musik auch ein wichtiger Indikator dafür war, was anders lief. Das Ganze hatte jedoch auch einen etwas komischen Touch, weil die Menschen im Allgemeinen trotzdem immer noch sehr konservativ dachten. Ich meine, Frauen schrieben weiterhin Kochbücher und häkelten. Dann hielt jedoch LSD Einzug und dadurch trauten sich die Frauen endlich zu sagen, dass sie nicht heiraten, Kinder bekommen und für immer Hausfrauen bleiben wollten. Nein, jetzt äußerte man auch den Wunsch, sich stattdessen einen Job zu suchen und die Welt zu bereisen. </p><p>In den 70ern lebten meine Schwester und ich in einem Ort am Meer. So hatten wir ein Jahr lang jeden Abend Sex mit einem neuen Typen. Da kam natürlich schon einiges an Erfahrung zusammen. Man saß eben nicht mehr einfach nur zu Hause rum und ließ sich vom Fernseher berieseln. Dafür war man nun ständig draußen unterwegs, tanzte bis in die Morgenstunden und fickte so viel wie nur möglich.
</p><p>Am meisten lernt man über Sex, indem man viel Sex hat. Ich kann wirklich nur empfehlen, einfach abends auszugehen und alle möglichen Leute abzuschleppen. Außerdem muss man über alles reden, denn das kann nichts ersetzen. Außerdem ist ein Muss, <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-viel-masturbation-ist-zu-viel-masturbation" target="_blank">Selbstbefriedigung</a> zu üben—das ist nämlich eine richtige Kunst. Du musst ganz genau wissen, was du willst und was mit deinem Körper passiert. </p><p>Wenn du zum Beispiel mit einem Menschen im Bett bist, bei dem du das Kribbeln in den Füßen nicht spürst, dann musst du diesen Menschen verlassen. Sex ist nämlich ein guter Indikator für die Qualität einer Beziehung. Zudem solltest du seinen Körper lieben und wirklich überall und auf alle erdenklichen Arten und Weisen erforschen. <a href="http://www.vice.com/alps/read/im-gespraech-mit-der-sexspielzeug-testerin-die-schon-mehr-als-600-dildos-ausprobiert-hat-462" target="_blank">Sexspielzeuge</a> sollten nichts Fremdes sein und ein Trip nach Amsterdam lohnt sich immer, nicht nur, weil es dort die besten Sexshops gibt.</p><p> Es ist obendrein nie verkehrt, mal mit dem eigenen Geschlecht zu schlafen. Einmal im Leben sollte man das mindestens gemacht haben. Im Allgemeinen sind viele <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-glaube-nicht-daran-sich-beim-kennenlernen-den-sex-aufzusparen-666" target="_blank">One-Night-Stands</a> immer gut. Abschließend will ich noch sagen, dass man auf jeden Fall mal <a href="http://www.vice.com/alps/read/der-aufstieg-einer-australierin-in-der-japanischen-bondage-szene" target="_blank">Bondage</a>-Spielchen antesten muss, denn mit dem richtigen Partner bzw. der richtigen Partnerin ist das eine unglaubliche Erfahrung. Oh, sich beim Sex zu filmen, kann auch seinen Reiz haben. Letztendlich gibt es beim Sex nur eine Regel, die man beachten sollte: Wenn es einen nicht anturnt, sollte man es lassen."
</p><h2>Leo*, 59</h2><p>"Die Menschheit hatte schon immer Sex. Ich bezweifle, dass die Leute heutzutage irgendetwas machen, das die Generation vor ihnen nicht gemacht hat. Und die Generation davor und so weiter. Ich glaube auch nicht, dass sich Dating irgendwie verändert hat. Es sind ja immer noch die gleichen Orte und der gleiche Blödsinn.
</p><p>Ein solches Date zu finden, ist aber auf jeden Fall nicht mehr das Gleiche. Apps wie etwa <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern" target="_blank">Tinder</a> machen es jetzt möglich, sich ein Date klarzumachen, ohne dafür von der Couch aufstehen zu müssen. Das kommt vielen Leuten sicher gelegen, aber wo bleibt da der Sportsgeist? Für mich sind die besten Aspekte des Datens doch eher der Nervenkitzel, die Feinheiten des Flirtens und das Risiko, dass sich das Objekt der Begierde bereits in festen Händen befindet. Bei Tinder fällt all das weg. Wie langweilig!
</p><p>Ich hatte in meinem Leben sehr viel Glück. Ich will hier jetzt nicht überheblich klingen, aber es ist mir nie schwergefallen, Frauen von mir zu überzeugen. Sexuell gesehen habe ich so ziemlich alles gemacht, was es zu machen gibt. Wenn ich jüngeren Männern einen Ratschlag mit auf den Weg geben müsste, dann wohl folgenden: <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-die-neuen-guenstigen-virtual-reality-pornos-von-pornhub-getestet-654" target="_blank">Pornos</a> spiegeln nicht die Realität wider. Die Frauen, die ihr im richtigen Leben kennenlernt, sind keine Porno-Stars und der Sex wird nicht so ablaufen wie in den ganzen einschlägigen Filmchen. Nehmt euch Zeit für eure Partnerinnen bzw. Partner und seid keine Arschlöcher."
</p><h2>Jo*, 60</h2><p>"Immer wenn in den späten 60er Jahren die Sommerferien anstanden, ging ich zusammen mit meinen Freundinnen in die Parks, wo wir uns mit Jungs trafen und mit ihnen in den Büschen knutschten. Aber auch der Jugendclub war ein beliebter Treffpunkt und immer wenn es uns möglich war, versuchten wir, in die Clubs zu kommen. Manchmal kontrollierte dort nämlich niemand die Ausweise. Damit unsere streng christlichen Eltern nichts merkten, legten wir Mops mit Perücken in unsere Betten. Die Jungs haben uns aber immer nach Hause gebracht—und zwar ohne dass wir uns dabei irgendwie Sorgen um unsere Sicherheit machen mussten. So etwas gab es damals einfach nicht.
</p><p>Früher war alles anders. Ich wurde mit 16 zum ersten Mal schwanger. Bei uns ging es also früh los, obwohl das unseren Eltern natürlich gar nicht gefiel. Die Hauptsache war, Regeln zu missachten und das zu tun, was wir wollten. Ich habe immer mein bestes Kleid angezogen, Make-up draufgemacht und los ging's! Das war wirklich die beste Zeit. Alles war einfacher und keiner hatte Angst davor, dass irgendetwas Schlimmes passieren würde. Es war halt unwahrscheinlich. Heutzutage muss man viel mehr Vorsicht walten lassen. Man hört ja ständig irgendwelche Horror-Storys und ich will alle meine Enkel fast schon anweisen, nicht mit Fremden fortzugehen und das zu machen, was ich damals gemacht habe. Das ist so nämlich einfach nicht mehr drin.
</p><p>Wenn du aber jemanden findest, den du magst und mit dem du dich gut verstehst, dann muss du im Falle des Falles immer verhüten! Außerdem solltet ihr euch gegenseitig sagen, auf was ihr steht und auf was nicht. Das ist unglaublich wichtig. Als ich schwanger wurde, hatte ich erst ein paar Mal Sex gehabt und mir hat das Ganze nicht mal wirklich Spaß gemacht. Wenn einem etwas nicht gefällt, dann sollte man es einfach lassen. Und Freunde kommen immer zuerst. Das sind die wichtigsten Dinge, die es zu beachten gilt!"
</p><h2>Ron*, 59</h2><p>"Heutzutage ist es auf jeden Fall einfacher, Sex zu haben. Zwar daten die Menschen schon seit jeher, aber Sex war da nie wirklich drin—außer es bestand die Hoffnung auf eine richtige Beziehung. Jetzt ist es jedoch egal, Geschlechtsverkehr ist immer im Bereich des Möglichen. Wahrscheinlich ist das auf die Fleischeslust zurückzuführen. Oder sie wollen sich davon überzeugen, dass da auch eine körperliche Verbindung besteht.
</p><p>Die bequeme Verfügbarkeit von sexuellen Dienstleistungen im <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Internet" target="_blank">Internet</a> hat aber auch neue Schwierigkeiten geschaffen. Sex ist doch eigentlich etwas Wunderschönes, aber diese Entwicklung hat das Ganze irgendwie minderwertiger gemacht. Mehr ist meiner Meinung nach halt nicht immer besser.
</p><p>Wenn es um Sextipps geht, dann sollte man nichts überstürzen, nur weil man den Gegenüber körperlich attraktiv findet oder einfach nur ein sexuelles Verlangen spürt. Man muss auch über die möglichen Konsequenzen nachdenken. Am wichtigsten ist jedoch folgender Ratschlag: Du kannst auch ein gutes Sexleben haben, ohne diesen Faktor als die höchste Priorität in deiner Partnerschaft anzusehen. Liebt, lebt, lacht und genießt eure Beziehung!"
</p><p><em>*Name geändert</em>
</p>
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<dc:creator>Yasmin Jeffery und Salma Haidrani</dc:creator>
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<category>stuff</category>
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<title>Das ist die beste Antwort auf Mario Barth im Mario-Barth-Style</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/weil-mario-barth-immer-noch-nicht-kapiert-dass-er-mll-postet-erklren-wir-es-ihm-in-seiner-sprache</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 09:40:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Nu pass uff... In anderen Ländern, da ham die nix zu fressen, sind krank oder die Bomben fallen den aufn Kopp. Kommt noch geiler: ODER ALLES ZUSAMMEN!!!"
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="photo-credit has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/28/weil-mario-barth-immer-noch-nicht-kapiert-dass-er-mll-postet-erklren-wir-es-ihm-in-seiner-sprache-body-image-1469696876-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="707" data-model-id="209187" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="weil-mario-barth-immer-noch-nicht-kapiert-dass-er-mll-postet-erklren-wir-es-ihm-in-seiner-sprache-body-image-1469696876.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Nicht immer besonders schnell von Begriff: Mario Barth in üblicher Pose | Foto: imago | Becker&Bredel
</p><p><em>Diesen Text hat <a href="https://www.facebook.com/lorenz.meyer.der.charismatische.guru.das.bin.ich" target="_blank">der Autor</a> zuerst auf  <a href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1232165883470188&set=a.190912627595524.42370.100000303646048&type=3&theater" target="_blank">Facebook</a> veröffentlicht.</em>
</p><p>Lieber Mario Barth, anscheinend <a href="http://www.vice.com/alps/read/michael-mittermeier-hat-mit-nur-einem-facebook-post-mario-barth-zerstoert" target="_blank">hast Du nicht verstanden, was die Leute stört</a>. Vielleicht weil wir nicht eine Sprache sprechen. Ich habe daher den Google-Translator angeworfen und versuche dir den Kern der Sache im Mario-Barth-Style zu erklären.
</p><iframe src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fmario.barth%2Fposts%2F1191475544237031&width=500" width="500" height="256" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true">
</iframe><p class="photo-credit"><br>Mario Barth versteht nicht, warum die "Medien" sich <a href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1230127867007323&set=a.190912627595524.42370.100000303646048&type=3&theater" target="_blank">über diesen Post</a> aufregen
</p><p>Kennste Deutschland? Reichet Land. Da ham die Frauen Handtaschen, die sind so jrooß... Da kannste mit Deim SUV reinfahren und parkn. Aba querjestellt!!! Krchhhh. Krchhhh.
</p><p>Und friedlich isset! Also bis zu dem Moment, wennde mah am Samstag inne Glotze Fußball schaun willst und Dich Deine Freundin vollnölt. Von wegen die fehlende Romantik und all so Zeugs. Muhahaha!!!
</p><p>Nu pass uff... In anderen Ländern, da ham die nix zu fressen, sind krank oder die Bomben fallen den aufn Kopp. Watte!! Waaaaahte!!! Kommt noch geiler: ODER ALLES ZUSAMMEN!!!
</p><p>Nu gipsja Menschen, die sagen: Jefoltat werden? Vom Sneipa abjeknallt werden? Dit Haus valiahn und elendick varreckn? Nöööööööö! Will ick allet nich!
</p><p>Und die packen dann dit Kind, die Omma und die Schrankwand uffn nächsbestn Renn-Esel und fliehn da weg. Oder sie schmeißen dit rechstliche Bare vonne janze Familje fürn Schleppah zusamm und schicken den Stärksten los von da weg. Dit is dann meist n junger kräftjer Mann und keene kranke Oma, vasteeehste?
</p><p>Wenn die hier rübahkomm, sind die janz fertich von all die Anstrengung und die villen Ängste. Und dann sagen Blödmännah hier zu den: "Seita bescheuat?! Bleibt in Euret Scheiß-Land mit Eure Scheiß-Relijion. Wir wolln Euch hier nich! Ihr abeetet nich bzw. klaut uns die Abeet und jrabscht uns die Mädels an, die wo wir anjrabschen wolln. Und übahaupt: Ihr seit allet dreckige Messastecha und Bombnschmeißah."
</p><p>Und dann zähln diese Doofköppe allet auf, wat den in der letzten Zeit aufjefallen iss: Thermomix vonne Frau kaputt? Dit warn die Flüchtlinge. Irnegdwer knallt mit de Nerven durch und ballert rum? Dit lag bestimmt an dem seine Herkunft... Kriegste sooooooon Hals, wennde dit hörst!!!
</p><p>Und logisch: Dit ville Rumjelüge und Übatreibe macht den annern, die det hörn, noch mehr Ängste. Und die wern dann noch feindselja den Neun jejenüba und zündn den ihre Bude an und all so Sachn.
</p><p>Weeßte wat! Dit muss man ändan!!! Indem man die Fakten aufzählt und dit klastellt! Und nu pass uff: Wahre Geschichte!! Da iss jemand in dit Intahnet mit üba 2 Million Freunden auf Facebook. Der könnte dit!
</p><p>Iindem er zum Baispiel sagt: "Freunde, lasst Euch nich Bange machn. Haltet die Schnauze und labat keine Scheiße, wenna nich Bescheid wisst. Keine voreilijen Schlüsse! Auch wenna Euch noch so Sorjen macht. Und denkt dran, dass wa auf diesen Erdball alle zusammenhalten sollten. Platz und jenuch Jeld ist doch für alle da! Und wegen die Integration: Dit kriegan wa hin. Meene Freundin hat ja soga mich inne Wohung integriert. Und dit war nicht leicht, kannick Euch sajn!!!"
</p><iframe src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fmario.barth%2Fposts%2F1188463784538207&width=500" width="500" height="300" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true" style="border: none; width: 592.557px; color: rgb(85, 85, 85); font-size: 15.2px; font-style: italic; line-height: 22.8px; overflow: hidden;">
</iframe><p class="photo-credit"><br>Schön wär's! Stattdessen schreibt Barth leider sowas<br>
</p><p>Leider macht er das nicht, sondern postet weiter seine strohdummen Sachen. Ich hab die Hoffnung aufgegeben, aber vielleicht erreichst du ja was bei ihm.
</p><p>Lorenz Meyer ist auch auf <a href="https://twitter.com/shengfui" target="_blank">Twitter</a><br>
</p><p><br>
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Lorenz Meyer</dc:creator>
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<title>Was genau ist eigentlich dieses S-Zeichen, das früher alle gemalt haben?</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 07:10:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Auf der ganzen Welt zeichnen Kinder schon seit jeher dieses spitze S. Mithilfe von Journalismus wollten wir herausfinden, wo es seinen Ursprung hat und was es bedeutet.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-1469619320.jpg" type="image/jpg" length="1000"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469618852-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="208681" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469618852.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Ich muss so <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-mir-die-filme-meiner-kindheit-noch-einmal-angesehen-damit-ihr-es-nicht-muesst" target="_blank">um die acht Jahre alt</a> gewesen sein, als mir irgendjemand gezeigt hat, wie man das berühmte S malt. Man beginnt mit zwei Reihen von je drei parallelen Linien, die man von links oben nach rechts unten diagonal verbindet und dann oben und unten mit zwei Spitzen versieht. Ein auffälliges und wunderschönes S. Es aufs Papier zu bringen, entwickelte sich schnell <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-mich-endlich-meiner-psychologischen-marihuana-sucht-gestellt-420" target="_blank">zur Sucht</a>.
</p><p>Und so sollte ich schon bald alle meine <a href="http://www.vice.com/alps/read/you-and-me-schulbuch-294" target="_blank">Schulbücher</a> mit dem S zukleistern. Dabei habe ich nie hinterfragt, was das S eigentlich bedeutet oder wo es überhaupt herkommt. Ich wusste einfach nur, dass es mir gefällt. Und ich war nicht alleine.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619065-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="208682" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619065.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Vor Kurzem habe ich nach dem S gegoogelt und dabei herausgefunden, dass es zwar jeder kennt und liebt, die Ursprünge aber nicht klar sind. In anderen Worten: In verschiedenen <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Reddit" target="_blank">Reddit</a>- und Internetforen tummeln sich unglaublich viele nostalgische Menschen ohne wirkliche Ahnung.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Man kennt das S in Nord- und Südamerika, in Europa, in Russland, in Asien und auch in Australien. Manche Leute gehen davon aus, dass es sich dabei um ein 90er-Phänomen handelt. Andere erzählen wiederum davon, das S schon in den 60ern gesehen zu haben. Es gibt Theorien, laut denen das S das Logo einer 80er Jahre Hair-Metal-Band darstellt. Oder war es doch das eigentliche Emblem der Klamottenmarke Stüssy bzw. eine Abwandlung des Superman-Zeichens? Niemand weiß es.
</p><p>Aus diesem Grund habe ich mich mal im VICE-Büro umgehört.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619118-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="208684" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619118.jpg" class="vmp-image">
</p><p>"Das ist das Superman-S", meinte Ben, unser Grafik-Magier, mit grübelnder Miene. Ich wollte wissen, ob es tatsächlich in den Comics zu finden sei. Ben verneinte meine Frage. "Ich glaube aber, dass die Kinder genau das im Kopf haben, wenn sie das S malen. Sie machen das wohl nur, weil sie es cool finden."
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619138-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="208685" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619138.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Der Sache musste ich auf den Grund gehen. Also rief ich bei DC Comics an. Laut Benjamin LeClear, dem Manager des hauseigenen Comic-Archivs im kalifornischen Burbank, hat das S nichts mit Superman zu tun.
</p><p>"Dieses S hat keine Ähnlichkeit mit irgendeinem der alten Superman-Embleme", meinte er, nachdem er ein wenig durch die DC-Sammlung gestöbert hatte. "Sein S ist viel offener und hat in sich fast keine Berührungspunkte."
</p><p>Benjamin sagte aber auch, dass ihn jetzt die Neugier gepackt hätte. Deshalb stellte er selbst auch Nachforschungen an, die jedoch ins Nichts führten. "Mir war gar nicht klar, was für ein Mythos sich um dieses spitze S rankt", meinte er. "Ich fände es cool, wenn es wirklich etwas mit Superman zu tun hätte, aber das ist wohl nicht der Fall. Superman hat allerdings das berühmteste S-Symbol aller Zeiten definitiv für sich gepachtet."
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619162-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="208686" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619162.jpg" class="vmp-image">
</p><p>"Das ist doch das Stüssy-S!", rief Ramona aus unserem Producer-Team. Obwohl sie nicht davon ausging, dass das Logo tatsächlich etwas mit Stüssy zu tun hat, weigerte sie sich, es irgendwie anders zu nennen. "Das Teil heißt auf jeden Fall 'Stüssy-S'", sagte sie und zeichnete anschließend ihre eigene Version, die natürlich nicht mal halb so gut war wie meine.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619182-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="208687" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619182.jpg" class="vmp-image">
</p><p>In fast jedem Internetforum dieser Welt findet man in Bezug auf das S eine Erwähnung vom kalifornischen Streetwear-Label Stüssy, das der Surfer Shawn Stussy in den 80er Jahren ins Leben gerufen hatte. Viele Menschen scheinen überzeugt davon zu sein, dass das S ursprünglich ein Stüssy-Logo war. Also habe ich dort mal angerufen.
</p><p>"Nein, dabei handelt es sich nicht um ein altes Stüssy-Logo", sagte Emmy Coates, die schon seit 1985 mit Shawn Stussy zusammenarbeitet. "Diese Frage höre ich oft. Man hat dieses S jedoch schon lange vor der Gründung von Stüssy gemalt. Irgendwie ist man einfach davon ausgegangen, dass es mit uns zusammenhängt. So hat sich dieser Mythos verbreitet. Eigentlich ganz witzig."
</p><p>Ich fragte Emmy noch, was sie zu dem S denkt. "Für mich sieht es wie das Suzuki-Logo aus", antwortete sie mir.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619202-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="208689" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="was-genau-ist-eigentlich-dieses-s-ding-das-jeder-in-der-schule-gemalt-hat-body-image-1469619202.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Zwar juckte es mir in den Fingern, auch noch bei Suzuki anzurufen, aber ich ließ es dann trotzdem bleiben. Ich musste zuerst mal kurz etwas Abstand nehmen und den größeren Zusammenhang betrachten. Deshalb kontaktierte ich auch den Symbol- und Semiotik-Experten Paul Cobley.
</p><p>Cobley ist ein Sprach- und Medienprofessor an der Middlesex University von London. Die Hair-Metal-Theorie ist laut ihm ebenfalls Humbug. "Dabei handelt es sich auf keinen Fall um das Saxon-Logo", meinte er, "denn das ist viel ausgefallener und mit zwei Speerspitzen versehen." Anschließend lieferte er mir die wohl wahrscheinlichste, aber leider auch langweiligste Erklärung für das S: Es macht einfach nur Spaß, es zu malen.
</p><p>"Diese Zeichnung ist bei jungen Menschen wahrscheinlich so beliebt, weil es sich dabei um ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6biusband" target="_blank">Möbiusband</a> handelt", erklärte er mir und bezog sich mit dieser Aussage auf diese "unmöglichen" Figuren mit nur einer Oberfläche, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/M._C._Escher" target="_blank">M. C. Escher</a> so gerne gezeichnet hat. "Man kann das S nicht in einem Zug malen, aber es besitzt trotzdem einen beständigen Fluss."
</p><p>Ich glaube, Cobley ist da schon auf dem richtigen Weg. Die meisten Neunjährigen besitzen keine wirklichen künstlerischen Fähigkeiten und rasten dementsprechend auch richtig aus, wenn man ihnen zeigt, wie man eine doch ziemlich coole Figur einfach so aufs Papier bringt—vor allem dann, wenn diese Figur die ausgeklügelten und mathematischen Eigenschaften eines Möbiusbands besitzt.
</p><p>Das S ist also weder ein altes Stüssy-Logo oder Superman-Emblem noch ein Geschenk von Aliens. Nein, es macht einfach nur verdammt viel Spaß, es zu malen.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Julian Morgans</dc:creator>
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<title>Lutz Bachmann sieht sich selbst als moderne Sophie Scholl</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/lutz-bachmann</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 08:30:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Der ehemalige Wurstverkäufer und Pegida-Gründer glaubt jetzt, er stehe vor dem Volksgerichtshof der NS-Zeit.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/28/lutz-bachmann-body-image-1469695313-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1410" data-model-id="209169" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="lutz-bachmann-body-image-1469695313.jpg" class="vmp-image"></p><p class="photo-credit">Foto: imago | epd<br></p><p>Lutz Bachmann ist bereits vorbestraft wegen <a href="http://www.vice.com/alps/read/im-gespraech-mit-einem-geldautomaten-knacker" target="_blank">Diebstahls</a>, Drogenhandels, <a href="http://www.vice.com/alps/read/cop-watch-jahn-b-029" target="_blank">Körperverletzung</a>, und er wurde außerdem verurteilt, weil er nicht genug Unterhalt für seinen Sohn gezahlt hat. Aber weil ihm das wohl nicht reicht, machte er einfach mit seinen Bachmann'schen Ausfällen weiter und bekam von einem Gericht im Mai ein weiteres Mal eins auf den Deckel. Er wurde in einem Prozess wegen Volksverhetzung schuldig gesprochen, bleibt zwar auf freiem Fuß, <a href="http://www.n-tv.de/politik/Bachmann-wegen-Volksverhetzung-verurteilt-article17612461.html" target="_blank">aber soll 9.600 Euro Strafe zahlen</a>. Bachmann hatte auf seiner Facebook-Seite Flüchtlinge als "Dreckspack", "Viehzeug" und "Gelumpe" bezeichnet.</p><p>Also eigentlich war Lutz Bachmann das nicht selbst. Er wurde nämlich gehackt. Sagt er jedenfalls. Ach so.</p><p>Bachmann sieht sich jedenfalls als Opfer eines gigantischen Justizskandals und postete gestern auf <a href="https://www.facebook.com/lutzbachmannoffiziell/posts/1083404075087775" target="_blank">seinem Facebook-Profil</a>:</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/28/lutz-bachmann-body-image-1469694247.png?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="501" data-original-height="341" data-model-id="209157" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="lutz-bachmann-body-image-1469694247.png" class="vmp-image"></p><p class="photo-credit">Screenshot von Lutz Bachmanns (hoffentlich nicht gehackter) <a href="https://www.facebook.com/lutzbachmannoffiziell/posts/1083404075087775" target="_blank">Facebook-Seite</a></p><p>Lutz Bachmann ist also die selbsternannte Sophie Scholl des 21. Jahrhunderts. Der <a href="http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/15/pegida-kathrin-oertel-lutz-bachmann" target="_blank">ehemalige Wurstverkäufer</a> kämpfe doch nur gegen die "Merkel-Diktatur", und dann posten gemeine Hacker auch noch solch <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-facebook-eintraege-von-lutz-bachmann-a-1013982.html" target="_blank">vollkommen untypische Behauptungen</a> bei Facebook. Und was macht die Justiz? Sie glaubt ihm nicht und verurteilt ihn. Es ist wirklich exakt ganz genauso wie in der <a href="http://www.vice.com/alps/read/darf-man-die-ereignisse-von-heute-mit-denen-der-ns-zeit-vergleichen-839" target="_blank">NS-Diktatur</a>. </p><p>Ganz klar ist Bachmanns Argumentation eher nicht. Geht es ihm jetzt um Meinungsfreiheit, Zensur oder Hacker? Sicher ist nur eins: Bachmann ist das Opfer und alle anderen Nazis. </p><p>Und ein Richter, der ihn verurteilt, muss deswegen ganz klar ein direkter Nachfolger von Freisler sein, dem wahrscheinlich berüchtigtsten Richter des Nationalsozialismus. Darunter macht es ein Lutz Bachmann nicht.</p>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>Eine Frau massierte meine Vagina bei einer Tantra-Session</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/eine-frau-massierte-meine-vagina-bei-einer-tantrasession</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 07:30:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Werde ich weniger verklemmt, wenn sie meine "energetischen Knoten" löst?
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/eine-frau-massierte-meine-vagina-bei-einer-tantrasession-body-image-1469627769-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="668" data-model-id="208801" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="eine-frau-massierte-meine-vagina-bei-einer-tantrasession-body-image-1469627769.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Das sind nicht die Beine der Autorin, sondern eine Massage in Indien | Foto: imago | Indiapicture
</p><p>Nicola umarmt mich zur Begrüßung, obwohl wir uns nicht kennen, sondern nur kurz telefoniert hatten. Anderseits: In wenigen Minuten werden wir <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-stripperinnen-und-sexarbeiterinnen-gefragt-wie-man-sich-nackt-richtig-wohl-fuehlt" target="_blank">beide nackt</a> sein, in den nächsten zwei Stunden wird sie mir zwischen die Beine fassen. Für die <a href="http://www.vice.com/alps/read/in-zuerich-bei-der-tantra-massage-184" target="_blank">Tantramassage</a> bin ich in eine kleine Wohnung in einer Wohngegend gefahren, vierter Stock, schwere Vorhänge verdunkeln den Raum. Das Zimmer ist voller rosé-farbener Bergkristalle. Auf einem kleinen Tisch steht das Foto einer <a href="http://www.vice.com/alps/read/schamane-aus-wels-oberoesterreich-richard-weixler-naturvolk-regenwald-chemtrails-mafia-heiler-253" target="_blank">Schamanin</a>.
</p><p>Nicola trägt eine <a href="http://www.vice.com/alps/video/indiens-psychiatrische-krise-563" target="_blank">indisch angehauchte Pluderhose</a>. Sie hat ein sympathisches Gesicht, von dunklen Locken umrahmt. Ich versuche, ihr Alter zu schätzen und tippe auf Ende 30. Später wird sie erzählen, dass sie 45 ist. Ich kann nicht sagen, ob ich sie heiß finde, aber ich habe das Gefühl, dass ich mich bei ihr fallen lassen kann. Trotzdem muss ich immer wieder auf die Matratze hinter Nicole blicken. Was mich darauf gleich erwartet? Eine Feder liegt daneben, eine Thermoskanne, außerdem zwei Handtücher und rotleuchtende Lampen, die Wärme abstrahlen.
</p><p>Ich habe eine Tantra-Massage gebucht und außerdem eine Yoni-Massage. Yoni ist der tantrische Begriff für weibliche Genitalien. Zum ersten Mal in meinem Leben wird sich also eine Frau um meine Vagina kümmern. Ich bin 28 und hatte bisher ein <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-leute-in-wien-gefragt-wie-oft-sie-pro-woche-sex-haben" target="_blank">durchschnittlich aufregendes Sexleben</a>: Kein Bondage, keine SM-Erfahrungen, keine Dreier. Vielleicht bin ich zu konservativ? Oder habe, wie es in tantrischer Sprache heißt, energetische Knoten? </p><p>Nicola erklärt mir, dass sie versuchen wird, solche aufzuspüren und mit ihren Händen zu lösen. Sie erzählt, dass sie aus einem katholischen Haus stammt und auch eher verklemmt wahr. Erst vor neun Jahren habe ein Mann ihre sexuelle Energie entfesselt. Darauf machte sie es zu ihrer Mission, andere Menschen sexuell zu befreien.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Beim <a href="http://www.vice.com/en_uk/tag/tantra" target="_blank">Tantra-Ritual</a> geht es laut der Seite des Tantramassage-Verbandes um "die Bejahung der Sinnlichkeit und Sexualität als Lebenskraft". Es  soll die Sexualenergie einer Person aktiviert werden, damit sie dadurch ein höheres Bewusstsein erlangt. Die Wurzeln von Tantra liegen in Indien, wo die Philosophie seit Jahrhunderten praktiziert wird. Seit <em>Sex and the City</em> ist die Intimmassage auch in der westlichen Welt ein Begriff. </p><p>Inzwischen gibt es sogar einen Tantramassage-Verband. Als billige Befriedigung taugt die Behandlung nicht: 180 Euro kostet der Spaß, das ist ja glatt ein Wochenendtrip. Aber was investiert man nicht schon alles für den freien Fluss der Sexualenergie! In Deutschland lassen sich meistens Männer durch eine Tantramassage auflockern. Frauen und Paare kommen häufig erst ab Mitte 40 in die Massagepraxis. Ich bin also eher die Ausnahme.
</p><p>Mir egal, ich habe das Gefühl, die Zeit ist reif für sexuelle Befreiung. Erst gestern habe ich mein erstes graues Haar ausgezupft und die Orangenhaut poabwärts wird wohl auch nicht besser. Noch ist mein Körper einigermaßen in Schuss—und ich sollte ihn nutzen, bevor es zu spät ist.
</p><p>Als ersten Schritt bittet Nicola mich zu duschen. Ich schäume mich mit ihrem Minze-Bergamotte-Duschgel ein und wickle mich ungeschickt in das gelbe Pareo-Tuch, das im Bad für mich bereit hängt. Auf die Frottee-Schlappen verzichte ich und tapse barfuß zurück in die Massage-Höhle. Auch Nicola hat sich mittlerweile in ein dünnes Tuch gehüllt, das sie elegant zum Neckholder-Kleid drapiert. Wir stehen voreinander. Dann fallen die Tücher. Nicola hat einen sehr weiblichen Körper. Mir gefällt es, wie ihr lockiges Haar über die Schultern wallt. </p><p>Ich lege mich hin und schließe die Augen. Im Hintergrund spielt indische Musik. Als die Massage beginnt, denke ich noch an die energetischen Knoten. War da etwa einer? Hat sie ihn gelöst bekommen? Irgendwann schaltet der Kopf aber ab. Ich genieße es einfach, wie sie mit der Feder und ihren Haaren über meinen Rücken und Bauch fährt, spüre die Wärme der aufgelegten Steine. Nicola redet während der Massage halblaut zu mir. Schon im Vorgespräch erzählte sie mir, wie wichtig Sprechen im Bett ist. Dass der Sex erst richtig gut wird, wenn man sich erzählt, was man fühlt, und wo man gern angefasst wird. Zugegeben: Das mache ich so gut wie nie. Im Bett bin ich eher schweigsam.
</p><p>Das Ganze fühlt sich gut an—aber irgendwie auch einseitig. Sie anfassen darf ich nicht. So sind die Regeln. Urplötzlich gleitet ihre Hand zwischen meine Beine. Mit Ankündigung wäre es vielleicht noch komischer gewesen. Aber das Gedankenkarussell springt trotzdem wieder an:  Was mache ich jetzt bloß? Wie verhalten sich andere Kundinnen? Macht Nicola das alles eigentlich auch Spaß?
</p><p>Ihre Bewegungen sind sanft und doch bestimmt. Ein Drücken hier, ein Zupfen dort, außen, innen. Ich habe den Eindruck, sie weiß ganz genau, was sie da macht—und wie es sich für mich anfühlen muss. Alles in meinem Beckenboden scheint anzuschwellen, pulsiert. Ein Spannungsbogen wie beim Sex fehlt dabei aber, ein Orgasmus bleibt aus. Und irgendwie bin ich auch froh darüber. Sonst hätte es sich wie eine bezahlte Sex-Dienstleistung angefühlt.
</p><p>Ich weiß nicht, ob meine energetischen Knoten gelöst sind. Aber vielleicht sind sie zumindest gelockert. Bei der Intimmassage habe ich gemerkt, wie gut es gut, wenn eine Person genau weiß, wo sie hinfassen muss. Aber nicht jeder meiner Bettpartner wird professionell Vaginen massieren. Ihnen muss ich wohl genau erklären, was mir gefällt. Und zwar nicht nur mit Bewegungen, sondern auch mal mit Worten, wie Nicola rät.
</p><p>Nach zwei Stunden ist die "Feeling of Elation"-Behandlung vorbei. Nicola lässt mich für ein paar Minuten allein im Raum mit heißen Steinen auf meinem Oberkörper. Irgendwo in der Mitte meines Körpers prickelt es. Ich fühle mich gut und so, als hätte ich tatsächlich etwas gelernt. Aber als im Hintergrund Walgesänge ertönen, frage ich mich plötzlich wieder, was ich hier eigentlich mache, nackt, in der Wohnung einer fremden Frau, am Stadtrand.
</p>
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<dc:creator>Janina Lackmann</dc:creator>
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<title>Jeden Tag 4/20: Polizei durchsucht das Haus eines mutmaßlichen Volksverhetzers und findet eine Gras-Plantage</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/kiffen-gegen-juden-fruehrentner-wegen-volksverhetzung-angezeigt-gras-plantage-gefunden</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 07:49:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Zum Abschied präsentierte der 34-Jährige den Polizisten seinen nackten Hintern und streckte ihnen beide Mittelfinger entgegen.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/28/kiffen-gegen-juden-fruehrentner-wegen-volksverhetzung-angezeigt-gras-plantage-gefunden-body-image-1469689346-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1333" data-model-id="209136" data-path="images/content-images/2016/07/28/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/28/" data-image-filename="kiffen-gegen-juden-fruehrentner-wegen-volksverhetzung-angezeigt-gras-plantage-gefunden-body-image-1469689346.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Ein Polizist beschlagnahmt eine private Cannabis-Plantage, ähnlich wie auf diesem Foto aus den Niederlanden muss es auch in Hessen ausgesehen haben | Foto: imago | Hollandse Hoogte
</p><p><a href="http://www.vice.com/alps/series/cannabis-kolumne" target="_blank">Weed ist ein Wundermittel</a>. Jetzt stellt sich heraus, dass es nicht nur gegen Symptome von <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-ein-hiv-patient-sich-mit-selbst-angebautem-cannabis-therapiert" target="_blank">Multipler Sklerose und HIV</a> eingesetzt werden kann, sondern durchaus auch gegen die der <a href="http://www.vice.com/alps/read/kiffen-am-rechten-rand-die-cannabis-verschwoerung-existiert-nicht-420" target="_blank">angeblichen jüdischen Weltverschwörung</a>.
</p><p>Schon im September vergangenen Jahres durchsuchte die Polizei die Wohnung eines 34-jährigen—und damit äußerst jungen—Frührentners im hessischen Weiterode, wie die <em>Hessische/Niedersächsische Allgemeine</em> <a href="http://www.hna.de/lokales/rotenburg-bebra/bebra-ort46578/ueberraschung-weiterode-computer-gesucht-rauschgiftplantage-gefunden-6613784.html" target="_blank">gestern berichtete</a>. Der Mann stand unter dem Verdacht <a href="http://www.vice.com/alps/read/hitlerplakate-gegenproteste-und-tausende-polizisten-das-war-der-tag-der-deutschen-zukunft-in-dortmund-tddz" target="_blank">der Volksverhetzung</a>, weil er sich <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-sollten-nicht-ueberrascht-sein-dass-neonazis-in-zuerich-juden-anpoebeln-718" target="_blank">antisemitisch geäußert</a> haben soll.
</p><p>Während die Polizei also versuchte, den Rechner des 34-jährigen zu beschlagnahmen, <a href="http://www.vice.com/de/read/die-polizei-hat-deine-cannabispflanze-im-wohnzimmer-gefunden-was-jetzt" target="_blank">fand sie in der Wohnung allerdings noch einen Grow-Raum</a> mit insgesamt sechs Cannabis-Pflanzen. Die Pflanzen enthielten 11,06 Gramm THC, in Hessen liegt die Obergrenze der "<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Menge_(Bet%C3%A4ubungsmittelrecht)#Geringe_Menge_bei_Cannabisprodukten" target="_blank">geringen Menge</a>" bei 6 Gramm.
</p><p>Der <a href="http://www.vice.com/alps/read/kiffen-gegen-die-brd-gmbh-420" target="_blank">möglicherweise antisemitische Frührentner</a> war überhaupt nicht begeistert über den Besuch der Polizei und beschimpfte die Beamten während der gesamten Hausdurchsuchung. Wie die <em>HNA</em> schreibt, zeigte er den Polizisten zum Abschied "seinen nackten Hintern und grüßte mit den beiden ausgestreckten Mittelfingern".
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Diesen durchaus Cartman'esquen Move bereut der Rentner allerdings mittlerweile. Beim gestrigen Prozess in Bad Hersfeld, bei dem es um den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und Beleidigung ging, entschuldigte er sich und legte ein Geständnis ab.
</p><p>Der Grund für sein, sagen wir mal exzentrisches, Verhalten sei sein labiler Gesundheitszustand gewesen. Neben Schmerzen in Beinen und Rücken habe er auch psychische Probleme. Cannabis baue er aus <a href="http://www.vice.com/alps/read/wenn-du-medizinisches-cannabis-anbauen-willst-musst-du-einiges-beachten" target="_blank">medizinischen Gründen an</a>. Das Gericht war davon nur bedingt überzeugt und attestierte dem Beklagten zwar verminderte Schuldunfähigkeit in Sachen Beleidigung, verurteilte ihn aber zu anderthalb Jahren Gefängnis, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung wegen Cannabis-Anbau. Zusätzlich muss der 34-jährige Rentner 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten und 600 Euro Strafe zahlen.
</p><p>Das Verfahren wegen Volksverhetzung bleibt davon aber erstmal unberührt. Die Behörden ermitteln und das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<category>news</category>
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<title>Illegal Musik runterladen: Funktionieren die Websites von früher noch?</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 07:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Was ist mit Napster, Kazaa, Soulseek und Co. passiert? Wir haben es getestet.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-1469610650.jpg" type="image/jpg" length="659"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610110.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="659" data-original-height="502" data-model-id="208543" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610110.jpg" class="vmp-image" style="font-size: 1em; line-height: 1.5em; color: rgb(102, 102, 102);">
</p><p class="photo-credit">Die glorreichen Tage der illegalen Downloads
</p><p>Alles begann mit Lars Ulrich. Bevor er im Jahr 2000 Napster verklagte und den <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-einen-tag-am-wiener-landesgericht-verbracht-356" target="_blank">Gerichtsprozess</a> gewann, wusste so recht niemand, um was es sich dabei eigentlich handelte. Nach dem Gerichtsprozess versuchten dann Hunderte erzürnte Musiker, Musiklabels und Länder, Menschen wie mich <a href="http://www.vice.com/de/read/abmahnung-wegen-filesharing-und-was-machst-du-jetzt" target="_blank">davon abzuhalten</a>, zum Beispiel die komplette Diskografie von Limp Bizkit kostenlos herunterzuladen. Erst vor Kurzem hat sich der einstige Betreiber des ehemaligen <a href="http://www.vice.com/alps/read/motherboard-nordkoreanisches-betriebssystem-redstar-30-installieren-630" target="_blank">Torrent-Portals</a> Isohunt mit Vertretern der kanadischen Musikindustrie auf eine Schadensersatzzahlung in Höhe von umgerechnet rund 45 Millionen Euro <a href="http://winfuture.de/news,93308.html" target="_blank">geeinigt</a>. Und die britische Regierung <a href="http://www.bbc.co.uk/newsbeat/article/36265301/the-governments-launched-a-crackdown-on-illegal-downloading" target="_blank">plant</a>, die Höchststrafe für Online-Piraterie auf bis zu zehn Jahre Gefängnis hochzuschrauben.
</p><p>Damals, als Napster aufkam, musste man noch 175 Schilling für ein Album hinblättern. Filme und Serien waren oftmals noch teurer. Im Allgemeinen ging die Unterhaltungsindustrie mit dem <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-es-verlogen-ist-nur-den-konsumenten-von-kokain-ein-schlechtes-gewissen-einzureden-298" target="_blank">Konsumenten</a> ziemlich rücksichtslos um und die Kundschaft fühlte sich dementsprechend abgezogen. Also hatte es schon fast etwas von Genugtuung, sich an dieser Industrie zu "rächen" und sich Unmengen an Musik kostenlos zu downloaden.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Irgendwann haben die Musiklabels dann erkannt, dass es nichts bringt, ständig nur Abmahnungen rauszuschicken. Und so stampfte man legale Streaming- und Download-Portale wie etwa Spotify aus dem Boden und ließ gleichzeitig die ganzen Websites schließen, die die Industrie fast zu Fall gebracht hätten.
</p><p>Diese Taktik ist quasi perfekt aufgegangen und ich bin heute genauso wie wohl jeder andere Mensch mehr als froh, die riesigen Datenbanken von YouTube oder eben Spotify durchsuchen zu können, anstatt meinen Computer mit zwielichtiger Software zuzumüllen. Ich frage mich jedoch auch manchmal, was eigentlich aus diesen ganzen Websites von damals geworden ist. Existieren sie noch auf einer Art Internet-Friedhof oder sind sie wirklich nicht mehr zugänglich?
</p><p>Als mich letztens mal wieder der Blues packte, entschied ich mich deswegen dazu, Simon & Garfunkels Hit "The Sound of Silence" zu downloaden—und zwar auf jeder alten, illegalen Download-Seite, die ich kannte. Vielleicht ist irgendeine in meiner Abwesenheit ja von den Toten auferstanden.
</p><p>Den Anfang machte dabei das Programm, das auch damals die ganze Welle losgetreten hatte—nämlich Napster.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610293-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="433" data-model-id="208545" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610293.jpg" class="vmp-image">
</p><p>So sieht es aus, wenn man heutzutage auf die Napster-Website geht. Das Ganze ist zu einer ziemlich typischen Streaming-Seite im Fahrwasser von Apple Music und Spotify geworden. Nach vielen kräfte- und geldraubenden Gerichtsprozessen haben sich die Macher von Napster wohl dazu entschieden, das ursprüngliche Download-Portal zu schließen und sich mithilfe der US-amerikanischen Elektronikmarkt-Kette Best Buy als Bezahl-Streaming-Service neu zu definieren. In anderen Worten: Dort finde ich garantiert keine kostenlose Version des Folk-Balladen-Klassikers.
</p><p>Als Nächstes versuchte ich es mit Pirate Bay. Auf der Seite ließ sich jedoch nur eine Liste von Links zu anderen Websites finden.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610319-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="503" data-model-id="208547" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610319.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Ich klickte auf einige der verführerisch klingenden Varianten wie etwa "fastpiratebay.co.uk" oder das ziemlich offiziell daherkommende "thepiratebay.uk.net" (ich bin in London), aber überall fand ich lediglich eine "Seite nicht verfügbar"-Meldung vor. Wie sich herausstellen sollte, hat man die schwedische Originalseite nach mehreren Razzien, Klagen und Festnahmen in verschiedenen Ländern geblockt. Und auch auf diversen Social-Media-Plattformen dürfen User das Ganze nicht mehr erwähnen. Nun, solche Blocks könnte ich mithilfe von Darknet-Browsern wie etwa Tor leicht umgehen, aber ich bin jetzt auch kein Superhacker. Ich wollte doch eigentlich nur mein Bedürfnis nach Simon & Garfunkel stillen, um meine aufgewühlte Seele zu beruhigen. Deshalb versuchte ich mein Glück anderswo.
</p><p>In meiner Jugend war der Star des Download-Universums irgendwie immer Limewire. Klar, durch das Programm fing man sich schneller einen Virus ein als im Wartezimmer einer Arztpraxis und das Ganze war dazu noch unglaublich langsam, aber eine solche User-Freundlichkeit fand man eben nirgendwo anders. Dementsprechend war ich auch ziemlich enttäuscht, als ich auf die Homepage ging und mir erneut eine "Seite nicht gefunden"-Meldung entgegenschlug. Also suchte ich nach herunterladbaren Versionen des Download-Portals und ließ mich sogar fast von der unten zu sehenden Option verführen. Dann fiel mir jedoch wieder ein, mit wie vielen Viren ich damals meinen Computer zerstörte, und ich überlegte es mir doch anders.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610386-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="483" data-model-id="208549" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610386.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Nach ein wenig Recherche fand ich heraus, dass man Limewire schon im Jahr 2010 vom Netz genommen hat—natürlich auch hier nach diversen Klagen und Gerichtsprozessen. Dementsprechend gibt es auch keine funktionierenden Versionen mehr. Und ich konnte auf mehreren Seiten lesen, dass die alten Versionen nicht nur nicht mehr laufen, sondern auch noch eine ganze Reihe an Trojanern enthalten. Also hielt ich es für schlauer, lieber die Finger davon zu lassen, denn ich wollte ja diesen Artikel fertig schreiben können.
</p><p>Und so ging ich über zu Kazaa, der mit noch viel mehr Viren verseuchten Limewire-Alternative.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610408-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="552" data-model-id="208550" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610408.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Und täglich grüßt das Murmeltier.
</p><p>Letztendlich blieb mir nur noch eine Wahl und ich musste mich an den letzten Strohhalm namens Soulseek klammern. Ah, das gute alte Soulseek, der hässlichste und benutzerunfreundlichste Vertreter aller Download-Portale. Soulseek ist immer das illegale P2P-Netzwerk gewesen, das dein älterer Bruder benutzt hat. Vielleicht stört sich auch deswegen niemand daran, dass die Seite immer noch zu bestehen und auch zu funktionieren scheint.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610440-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="430" data-model-id="208551" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610440.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Ich konnte das Programm tatsächlich kostenlos downloaden. Nachdem ich die Datei geöffnet hatte, schlugen meine Firewall und mein Virenscanner zwar ein wenig Alarm, aber ich wollte jetzt garantiert auch keinen Rückzieher mehr machen—so kurz vor den lieblichen Klängen von Simon & Garfunkel. Also machte ich einfach weiter und suchte nach dem gewünschten Lied. Und meine Herren, die Belohnung für meine Beharrlichkeit ließ nicht lange auf sich warten, denn gleich mehrere Varianten erschienen auf meinem Bildschirm.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610468.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="983" data-original-height="681" data-model-id="208552" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610468.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Im Gegensatz zu damals musste ich allerdings keine Ewigkeit mehr warten, bis der Download komplett war. Nein, 30 Sekunden später bekam ich folgendes Bild angezeigt:
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610491.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="912" data-original-height="352" data-model-id="208553" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-body-image-1469610491.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Heureka! Nach drei Stunden voller alter und nicht mehr funktionierender Download-Plattformen hatte mich Soulseek an die Hand genommen und ganz freundlich wieder zurück in die Welt des illegalen Herunterladens geführt. Ich konnte jetzt die zärtlichen und herzzerreißenden Töne von "The Sound of Silence" genießen—genauso wie es vor vielen Jahren mit Limp Bizkit der Fall war.
</p><p>Was haben wir jetzt aus dieser ganzen Sache gelernt? Als Erstes will ich mich bei Simon & Garfunkel entschuldigen. Ich habe das Lied natürlich wieder von meinem Computer gelöscht und höre es mir gerade bei YouTube an. Dadurch gehen bestimmt 0,0003 Cents an die Band. Dann habe ich erkannt, dass die Musikindustrie echt ganze Arbeit geleistet hat. Illegales Downloaden ist so nervig und legales Streamen so einfach geworden, dass die Betreiber der verbliebenen Portale in Bezug auf Klagen und so weiter wohl nichts mehr zu befürchten haben. Ich meine, wer hat schon die Zeit und die Nerven, sich jedes mal drei Stunden hinzusetzen und herauszufinden, welche Seite jetzt funktioniert und welche nicht mehr. Und zuletzt ist mir mal wieder klar geworden, dass es keinen besseren Song gibt als diesen hier:
</p><div class="resp-video-wrapper youtube-wrapper"><iframe src="//www.youtube.com/embed/4zLfCnGVeL4" width="100%" height="100%" frameborder="0" scrolling="no" data-original-width="420px" data-original-height="315px" webkitallowfullscreen webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowfullscreen></iframe></div>
]]></content:encoded>
<guid isPermaLink="false">http://www.vice.com/555173</guid>
<media:thumbnail url="https://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/funktionieren-die-illegalen-musikdownload-portale-von-damals-eigentlich-noch-1469610650.jpg"></media:thumbnail>
<dc:creator>Tom Usher</dc:creator>
<media:category>music</media:category>
<category>music</category>
</item>
<item>
<title>Ich brauche keine Therapie, ich habe Muay Thai </title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/ich-brauche-keine-therapie-ich-habe-muay-thai</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 05:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Dass man durch Kampfsport Depression oder Angststörung bekämpfen kann, werden sich manche Leute nur schwer vorstellen können.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/ich-brauche-keine-therapie-ich-habe-muay-thai-1469552553.jpg" type="image/jpg" length="1280"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="">Muay
Thai hat oft einen 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/die-zwielichtige-unterwelt-des-thaiboxens-097" target="_blank">zweifelhaften Ruf</a>. Viele
Menschen verstehen nicht wirklich, warum man sich freiwillig ins
Gesicht schlagen lässt und Knochenbrüche leichtfertig in Kauf
nimmt. Dazu kommt noch die Vorstellung von Kampfsportlern aus
der Filmindustrie und den Medien: Dort sind sie meistens Testosteron
gesteuert, aggressiv, verrückt und gewaltgeil. </p><p>Dem Vorurteil nach
nutzt man das, was man im Gym lernt, um Leute zu bedrohen, bei
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/diese-leute-aus-deutschland-knnen-sich-noch-prgeln" target="_blank">Clubschlägereien</a> ordentlich auszuteilen oder einfach, um sich auf
primitive Art gegenüber seinen Mitmenschen zu behaupten. Warum sonst
sollte man das schweißtreibende Training und die ständigen
Blessuren in Kauf nehmen?
</p><p align="LEFT">Dass
diese Stereotypen in einzelnen Fällen zutreffen, will ich gar nicht
bestreiten. Es kann aber durchaus auch einen 
	<a href="http://www.zdf.de/volle-kanne/praxis-taeglich-therapeutisches-boxen-40970766.htm" target="_blank">therapeutischen Effekt</a>
	haben, sich im Boxring auszupowern. Dass man durch Kampfsport Depression oder Angststörung bekämpfen
kann, werden sich manche Leute nur schwer vorstellen können; genau
das ist aber in meinem Fall der Grund, warum ich dabei geblieben bin.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p align="LEFT">Ende
2013 fing ich in einem Uni-Sportkurs mit dem Thaiboxen an. Bereits im 
	<a href="http://www.kickboxen-thaiboxen.de/muay-thai/thaiboxen-entstehungsgeschichte.html" target="_blank">16. Jahrhundert</a> sollen thailändische Soldaten diese Kampfkunst
genutzt haben, um sich in Auseinandersetzungen auch ohne Waffe
wirkungsvoll verteidigen zu
können. Diesen Hintergrund merkt man dem Sport heute noch an—gekämpft wird
im Vollkontakt und nicht selten enden Kämpfe durch Knockout des
Gegners. Tritte zum Kopf oder Ellenbogenschläge sind erlaubt und
führten dazu, dass Muay Thai oft als die brutalste, gleichzeitig
aber auch effektivste Kampfsportart bezeichnet wird.
</p><p align="LEFT">Zu
Beginn war es noch ein bisschen befremdlich, wie fortgeschrittene
Kämpfer ohne Hemmungen zuschlugen und harte Schläge einsteckten.
Sagen wir, es schlichen sich
leichte Zweifel ein, ob das wirklich der richtige Zeitvertreib für
mich war. Es schien ein aufopferungsvoller Sport zu sein und
die Vorstellung, ständig mit Blessuren und blauen Flecken nachhause
zu gehen, motivierte mich
irgendwie nicht wirklich. Eigentlich war ich eher zufällig
hier gelandet, da ich nach Jahren der sportlichen Abstinenz wieder
einen Einstieg suchte und verschiedene Sachen ausprobierte.
</p><p class="pullquote" align="LEFT">Stress oder persönlicher Misserfolge hatten keinen Platz im Training, da man sonst schnell einen ungedeckten Schlag ins Gesicht kassierte.<br>
</p><p align="LEFT">In
meiner Jugend hatte ich viel Sport gemacht, hauptsächlich Fußball
und Leichtathletik. Als ich dann für mein Studium nach Wien zog,
fand ich in den ersten Jahren keinen geeigneten Ausgleich. Das
äußerte sich nicht nur dadurch, dass meine körperliche Fitness
kontinuierlich sank, sondern auch, dass ich häufiger unausgeglichen
und gestresst war.Im
anstrengenden Studien- und Arbeitsalltag suchte ich immer häufiger
nach einem Ventil für meinen angestauten Frust.
</p><p align="LEFT">Eine
Zeitlang versuchte ich, diese negativen Gefühle zu verdrängen. In
Momenten, in denen andere laut geflucht oder geschrien hätten,
schluckte ich den Ärger runter und blieb äußerlich ruhig. Für
mich schien dieser Umgang mit alltäglichen Problemen zu
funktionieren. Mit Leuten, die sich laufend bei ihren Mitmenschen
beschwerten und aufregten, konnte ich mich nicht identifizieren. Dass
ich dadurch meine Gefühle verdrängte und nicht verarbeitete,
bemerkte ich nicht. Umso
überraschender war es, als plötzlich eine Angststörung bei mir
auftauchte.
	<br>
</p><p align="LEFT"><em><strong>Wir haben eine der wenigen Box-Promoterinnen Großbritanniens begleitet:</strong></em>
<iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/vice-profiles&vid=NyZGw3NDE61jtPKynKkJjkRpH8XkyGAv&embedCode=NyZGw3NDE61jtPKynKkJjkRpH8XkyGAv&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fwie-sich-die-schwarze-witwe-des-britischen-boxsports-gegen-vorurteile-und-missgunst-behauptet%26topic%3Dsports%26aid%3Dwie-sich-die-schwarze-witwe-des-britischen-boxsports-gegen-vorurteile-und-missgunst-behauptet%26auth%3DVICE+Staff%26keywords%3DBoxen%2CSport%2CGro%C3%9Fbritannien%2CDokumentation%2CPromotion%2CSexismus%2CCharme%2CNina+Cranstoun%2CSchwarze+Witwe%2CMaskulinit%C3%A4t%2CUntergrund%2CEngland%2CVorurteile%2CMissgunst%26ac%3Dno%26country%3Dalps%26contentId%3DNyZGw3NDE61jtPKynKkJjkRpH8XkyGAv&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fwie-sich-die-schwarze-witwe-des-britischen-boxsports-gegen-vorurteile-und-missgunst-behauptet&share_url=http://www.vice.com/alps/video/wie-sich-die-schwarze-witwe-des-britischen-boxsports-gegen-vorurteile-und-missgunst-behauptet&autoplay=0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen="" frameborder="0" height="341px" width="1004px">
</iframe>
</p><p align="LEFT">Meine
erste Panikattacke hatte ich eines Morgens direkt nach dem
Aufwachen—ich
war ziemlich überfordert und wusste nicht, wie ich damit umgehen
sollte. In den nächsten Monaten
hatte ich regelmäßig mit diesen Anfällen zu kämpfen.
Meistens war es das Gefühl einer
plötzlich eintretenden, undefinierten Angst, die mich in tiefe
innere Unruhe versetzte. Mir fiel es dann schwer, zu
atmen oder mich zu konzentrieren.
</p><p align="LEFT">Es
gab Zeiten, da traten diese Attacken mehrmals täglich auf und
führten dazu, dass ich versuchte, bestimmte Situationen ganz zu
vermeiden. Zunehmend wurde es schwieriger, meinen Tagesablauf
zu planen, da ich Angst hatte, in der Uni oder bei Treffen mit
Freunden eine solche Panikattacke zu bekommen. An
manchen Tagen musste ich mich überwinden, um überhaupt die Wohnung
zu verlassen. Ich merkte, dass sich einige Sachen ändern mussten,
damit ich mein verlorenes Gleichgewicht wiederherstellen konnte.
</p><p align="LEFT">Dass
Sport bei der Bekämpfung von psychischen Erkrankungen eine
wirkungsvolle Alternative zu Medikamenten oder Therapien sein kann,
war schon 2013 im 
	<a href="http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychotherapie-sport-hilft-bei-psychischen-erkrankungen-a-938242.html" target="_blank"><em>Spiegel</em></a> zu lesen. Auch ich bemerkte schnell eine Verbesserung. Im
Gym konnte ich mich komplett auspowern und negative Gedanken leichter
vergessen. Stress oder persönlicher Misserfolge hatten keinen
Platz im Training, da man sonst schnell zu abgelenkt war oder einen
ungedeckten Schlag ins Gesicht kassierte. Nach einer Weile waren die
regelmäßigen Trainingseinheiten Fixpunkte in meiner Wochenplanung.
</p><p class="pullquote" align="LEFT">Dass ich meine Gefühle verdrängte und nicht verarbeitete, bemerkte ich nicht. Umso überraschender war es, als plötzlich eine Angststörung bei mir auftauchte.<br>
</p><p align="LEFT">Irgendwie
gab mir Thaiboxen mehr als die anderen Sportarten, die ich davor
ausprobiert hatte.    Während ich als Anfänger noch große
Angst vor Schlägen ins Gesicht hatte, gewöhnte ich mich mit der
Zeit an die Situation und schaffte es immer besser, meine Angst zu
kontrollieren. Durch Muay Thai lernte ich, negative Gefühle nicht
mehr zu verdrängen, denn im Training war ich regelmäßig mit Wut
oder Aggression konfrontiert und konnte sie als Ansporn konstruktiv
nutzen. Ein positiver Nebeneffekt war auch, dass ich nach meiner
unsportlichen Zeit wieder fit wurde und nicht mehr das Gefühl hatte,
in einem Kreislauf aus ungesunder Ernährung und mangelnder Bewegung
festzustecken.
</p><p align="LEFT">Im
Gespräch mit Trainingspartnern oder Neueinsteigern erkannte ich,
dass häufig ähnliche Beweggründe zur Wahl dieses Sports geführt
hatten. Viele Kämpfer waren in ihrem Alltag mit Ängsten,
Unsicherheiten oder permanentem Stress konfrontiert und suchten nach
einem Ausweg. Das regelmäßige Ausreizen der psychischen und
körperlichen Grenzen half ihnen dabei, einen gelasseneren Umgang mit
ihren alltäglichen Problemen zu haben und 
	<a href="http://www.swp.de/heidenheim/sport/kampfsport/regional/art1171710,2862053" target="_blank">erhöhte auch noch das Selbstvertrauen.</a> Die Disziplin und das Gemeinschaftsgefühl—auch nachdem man sich
gegenseitig hart bearbeitet hatte—führten schnell dazu, dass viele
den Großteil ihrer Freizeit im Gym verbrachten.
</p><p align="LEFT">Um
mehr über die psychologische Wirkung des Boxsports zu erfahren, habe
ich mit dem österreichischen Boxmeister <a href="http://connykoenig.at/cms/" target="_blank">Conny König</a> geredet. Er leitet heute
therapeutische Box-Kurse für Kinder und Jugendliche. "Boxsport kann sehr gut als Handlungsalternative für aufgestaute
Emotionen genutzt werden", erklärt mir der ehemalige
Olympiateilnehmer im Gespräch. "Man lernt Verantwortung für
sich und sein Handeln zu übernehmen und steigert dadurch seine
Sozialkompetenz. Zusätzlich entwickelt man ein besseres Körpergefühl
und bekommt, durch das Gruppengefühl und den sportlichen Erfolg,
Anerkennung." Um diese Aspekte richtig zu vermitteln, braucht es
laut König aber geschulte Trainer und die richtigen pädagogischen
Rahmenbedingungen.</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ich-brauche-keine-therapie-ich-habe-muay-thai-body-image-1469564071-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1024" data-original-height="686" data-model-id="208376" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ich-brauche-keine-therapie-ich-habe-muay-thai-body-image-1469564071.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit" align="LEFT">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/claydevoute/" class="owner-name truncate" title="Geh zum Fotostream von Delaney Turner" data-track="attributionNameClick" data-rapid_p="62">Delaney Turner</a> | <a href="https://www.flickr.com/photos/claydevoute/7040690397/in/album-72157629654200715/" target="_blank">Flickr</a> | <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">CC BY 2.0</a>
</p><p align="LEFT">Ich
hatte Glück und konnte in Wien ein geeignetes Gym finden, das den
sportlichen mit den therapeutischen Aspekt verbindet. Mittlerweile
trainiere ich drei- bis viermal die Woche und habe meine
Panikattacken weitestgehend im Griff. In unserer Gesellschaft stellen
psychische Erkrankungen aber ein
	<a href="http://derstandard.at/2000025825862/Fehlzeitenreport-2015-Psychische-Erkrankungen-nehmen-zu" target="_blank">zunehmendes Problem</a> dar, das durch
herkömmliche Behandlungsmethoden oft nur unzureichend kuriert werden
kann.
</p><p align="LEFT">Damit will ich nicht sagen, dass Sport immer der richtige oder
alleinige Weg ist, um seine Probleme in den Griff zu bekommen—und
selbst wenn, muss sich trotzdem jeder selbst die Frage stellen,
welcher—, aber in meinem Fall hat Muay Thai sehr dabei geholfen,
mich meinen Ängsten zu stellen und die Erkrankung bewusst
wahrzunehmen. Anderen Leuten aus meinen Bekanntenkreis helfen
Klettern, Rad fahren oder Joggen genauso gut. </p><p align="LEFT">Das Wichtigste ist,
dass solche jüngeren Therapiemethoden gegen psychische Erkrankungen
immer öfter auch in der 
	<a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3567313/" target="_blank">Wissenschaft</a> Beachtung finden—und
sich somit langsam als wirkungsvolle Alternativen zu <a href="http://www.vice.com/alps/read/was-es-heisst-als-teenager-auf-psychopharmaka-angewiesen-zu-sein" target="_blank">betäubenden Medikamenten</a> und teuren Therapien etablieren.
</p><p><em>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/claydevoute/" class="owner-name truncate" title="Geh zum Fotostream von Delaney Turner" data-track="attributionNameClick" data-rapid_p="62">Delaney Turner</a> | <a href="https://www.flickr.com/photos/claydevoute/6894599930/" target="_blank">Flickr</a> | </em><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank"><em>CC BY 2.0</em></a>
</p>
]]></content:encoded>
<guid isPermaLink="false">http://www.vice.com/554621</guid>
<media:thumbnail url="https://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/ich-brauche-keine-therapie-ich-habe-muay-thai-1469552553.jpg"></media:thumbnail>
<dc:creator>Maximilian Stark</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
</item>
<item>
<title>Zwei Flüchtlinge berichten von ihrem Alltag in einem österreichischen Flüchtlingscamp</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/vice-refugee-reports-nachbericht</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 16:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Mohammed Ali Alamy und Mustafa Guevara stammen aus dem Irak und haben letzte Woche unseren Snapchat- und Instagram-Account übernommen. Hier das Protokoll ihrer Erlebnisse.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/vice-refugee-reports-nachbericht-1469633773.jpg" type="image/jpg" length="2418"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/vice-refugee-reports-nachbericht-body-image-1469622293.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="800" data-original-height="800" data-model-id="208748" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="vice-refugee-reports-nachbericht-body-image-1469622293.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Mohammed Ali Alamy (links) und Mustafa Guevara (rechts). Foto: Christoph Schattleitner / VICE Media.
</p><p>Die <a href="http://us10.campaign-archive2.com/?u=819a5599522cd04a31152ab3c&id=b0a4b4166b&e=" target="_blank">#ViceRefugeeReports</a> sind vorbei. Wir, Mohammed Ali Alamy und Mustafa Guevara, haben vergangene Woche den <a href="https://www.snapchat.com/add/vicealps" target="_blank">Snapchat</a>- und <a href="https://www.instagram.com/vice_alps/" target="_blank">Instagram</a>-Account von VICE Alps übernommen. Im Irak arbeiteten wir als Journalisten, vor 10 Monaten sind wir nach Österreich geflüchtet.
</p><p>Seit wir hier sind, wurden wir mit vielen ungewöhnlichen Fragen und Vorurteilen konfrontiert. Keiner unserer österreichischen Freunde konnte sich etwa vorstellen, wie das Leben in einem Camp abläuft. Deshalb fanden wir <a href="http://www.vice.com/alps/author/christoph-schattleitner" target="_blank">Christoph</a>s Idee, eine Woche lang unseren Alltag zu protokollieren, super. Neben Beiträgen auf Snapchat und Instagram sowie einem <a href="https://www.facebook.com/vicealps/videos/1775406682749047/" target="_blank">Facebook-Live-Video</a>, wollten wir eine exemplarische Woche im Camp auch in einem schriftlichen Protokoll festhalten. Hier lest ihr die Zusammenfassung und könnt euch nochmals die dazugehörigen Snaps im Video anschauen.
</p><h2>Montag</h2><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/desperados-hashtag-the-plus&vid=RneHJ5NDE6WHj6ErvuAKPIpb7c8-j9xU&embedCode=RneHJ5NDE6WHj6ErvuAKPIpb7c8-j9xU&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-montag%26topic%3D%26aid%3Dvicerefugeereports-montag%26auth%3D%26keywords%3D%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DRneHJ5NDE6WHj6ErvuAKPIpb7c8-j9xU&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-montag&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vicerefugeereports-montag&autoplay=0" width="1004px" height="565px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen="">
</iframe><p>Wir standen beide um kurz vor 09:30 Uhr auf, Christoph wartete schon auf uns. Er besuchte uns im Camp, um uns Equipment für das Smartphone vorbeizubringen und ein paar Presse-Fotos zu schießen. Wir probierten gleich alles aus: Stativ, Selfie-Stick, Mikrophon. In unserem ersten <a href="https://www.instagram.com/p/BIAoIx4Ae50/?taken-by=vice_alps" target="_blank">Instagram-Video</a> filmten wir die "Übergabe" und stellten uns vor. Als Christoph weg war, waren wir so aufgeregt, dass wir gleich mit dem Handy durch das ganze Gebäude liefen, um unseren Zuschauern alles zu zeigen.
</p><p>Besonders interessant sind die Schlafsäle. In den meisten übernachten ungefähr 20 Personen gemeinsam. Die fehlende Privatsphäre kann ganz schön anstrengend sein und einen stressen—vor allem, wenn man sich umziehen will. Die Verantwortlichen der Caritas haben bereits im Februar dieses Jahres gesagt, dass sie private Räume für jeden bauen würden. Bis jetzt ist nichts passiert. Wir wissen nicht, warum, und wollen auch niemanden dafür beschuldigen. Aber Fakt ist, dass die Situation nicht perfekt ist. Die meisten unserer Freunde haben keine Lust mehr zu warten und haben deshalb ihr <a href="https://www.instagram.com/p/BIA8yLlgxC1/?taken-by=vice_alps" target="_blank">eigenes Zimmer "gebaut"</a>. Mit alten Leintüchern und Seilen haben sie eine Art Wand oder eher einen Vorhang um das Bett errichtet, um etwas Privatsphäre zu haben. Wir haben das auch gemacht.</p><p>Dieser Tag war sehr ungewöhnlich und spiegelt nicht unbedingt unseren Alltag wieder. Wir hatten einfach so viel Spaß auf Snapchat und Instagram, wir haben fast den ganzen Tag damit verbracht. Und natürlich merkten das unsere Freunde im Camp, die wir vorab gefragt haben, ob wir sie filmen dürfen. Das war für niemanden ein Problem. Im Gegenteil. Alle, die wir fragten, reagierten gleich: Jeder war froh, dass endlich über unsere Situation berichtet wird und wir unsere Perspektive in die öffentliche Debatte über Flüchtlinge einbringen können.
</p><h2>Dienstag</h2><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/desperados-hashtag-the-plus&vid=pveHJ5NDE60ph4QLpDN0z-MKXNoaPSzB&embedCode=pveHJ5NDE60ph4QLpDN0z-MKXNoaPSzB&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-dienstag%26topic%3D%26aid%3Dvicerefugeereports-dienstag%26auth%3D%26keywords%3D%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DpveHJ5NDE60ph4QLpDN0z-MKXNoaPSzB&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-dienstag&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vicerefugeereports-dienstag&autoplay=0" width="1004px" height="565px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen=""></iframe><p>Ich, Mustafa, stand um 07:30 Uhr auf, duschte und machte mich fertig. Nach meinem obligatorischen Kaffee, nahm ich meine Bücher und fuhr zu meinen Deutschkurs in der Nähe der Wiener Volksoper. Von Montag bis Donnerstag habe ich immer von 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr Deutschkurs. Diese Kurse sind gewöhnlich gratis, aber die fortgeschrittenen und spezifischen kosten für Flüchtlinge 90 Euro pro Level. Da ich aber ein Stipendium vom <a href="http://www.vwfi.at/unsere-projekte/refugeementoringprogramm/"><span class="s2">Refugee Mentoring Program</span></a> bekommen habe, muss ich zum Glück nichts zahlen. Den Rest des Tages verbrachte ich mit meiner Freundin aus Österreich in ihrer Wohnung. Wir hatten sehr viel Spaß! Die Details sind privat, haha.
</p><p>Ich, Mohammed Ali, stand—sagen wir—etwas später auf. Als ich merkte, dass Mustafa weg ist, informierte ich gleich die Leute auf Snapchat. Nach dem Duschen kochte ich ein richtig großes "Frühstück" für alle meine Freunde. Im Camp haben wir eine Art Markt, bei dem sich jeder mit Zutaten bedienen darf, um sie dann zu verkochen. Ausreichend essen war am Dienstag wichtig, weil ich und meine Freunde danach Fußball spielen wollten. Das Feld dafür ist nicht weit vom Camp entfernt, zu Fuß brauchen wir ungefähr 15 Minuten dorthin. Wir spielten von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr, volle drei Stunden in der Sonne. Es war so anstrengend! Wir, alle vollkommen verschwitzt, freuten uns richtig auf die Dusche. Aber dieses Mal wollten wir keine normale Dusche haben. Wir sind einfach an einer passenden Stelle in die Donau gesprungen, die auf unserem Weg nach Hause liegt. Das hat ziemlich Spaß gemacht, wie man unschwer im Video erkennt ...
</p><h2>Mittwoch</h2><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/desperados-hashtag-the-plus&vid=RleHJ5NDE6AVa82lBheecSQgD0DTONqs&embedCode=RleHJ5NDE6AVa82lBheecSQgD0DTONqs&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-mittwoch%26topic%3D%26aid%3Dvicerefugeereports-mittwoch%26auth%3D%26keywords%3D%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DRleHJ5NDE6AVa82lBheecSQgD0DTONqs&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-mittwoch&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vicerefugeereports-mittwoch&autoplay=0" width="1004px" height="565px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen=""></iframe><p>Wir standen beide um ungefähr 10:00 Uhr auf. Gemeinsam mit Freunden starteten wir eine große Koch-Session—wie eine große Familie. Das machen wir fast jeden Morgen. Ehrlich gesagt war uns allen ein bisschen langweilig, weil wir nichts zu tun hatten und an diesem Tag auch nichts vorhatten. Deshalb haben wir versucht, uns selbst zu unterhalten. Wir blödelten herum, spielten und hörten Musik und machten Videos. Das sieht auf den Bildern vielleicht verrückt aus, aber das ist nunmal unsere Art um die tägliche Langeweile in Spaß umzuwandeln.
</p><p>Später ging Mustafa zu seiner Freundin und ich, Mohammed Ali, spielte mit Freunden Tischtennis und genoss eine Runde Shisha. Am Abend kochte ich etwas. Es ist fast immer das Gleiche, ich versuche, aus den vorhandenen Zutaten irgendetwas zu machen. Im "Markt" gibt es fast immer Kartoffeln, Reis, Eier, Zwiebel, Knoblauch, Milch, Linsen, Nudeln, Tomaten, Gurken, Käse, etwas Süßes, Oberschienen und ungefähr einmal die Woche Halal-Fleisch. Ich erzähle euch das, weil sonst an diesem Tag nicht viel passiert ist—wie so oft. Die meiste Zeit hier verbringen wir damit, auf den nächsten Termin für unseren Asylbescheid zu warten. Da kann einem schon langweilig werden.
</p><h2>Donnerstag</h2><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/desperados-hashtag-the-plus&vid=ppeHJ5NDE6g_ySDUzbJvg3ovynJeOTrU&embedCode=ppeHJ5NDE6g_ySDUzbJvg3ovynJeOTrU&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-donnerstag%26topic%3D%26aid%3Dvicerefugeereports-donnerstag%26auth%3D%26keywords%3D%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DppeHJ5NDE6g_ySDUzbJvg3ovynJeOTrU&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-donnerstag&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vicerefugeereports-donnerstag&autoplay=0" width="1004px" height="565px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen=""></iframe><p>Über Mustafa gibt es an diesem Tag nicht viel zu erzählen. Nach dem Deutschkurs verbrachte er die meiste Zeit damit, die deutsche Grammatik zu lernen (eure Artikel sind echt schwer zu lernen! die, der, das! die, der, den, die!). Ich, Mohammed Ali, hingegen freute mich auf einen gemütlichen Tag.
</p><p>Als ich dann meinen Kalender überprüfte, realisierte ich, dass am Freitag bereits das letzte Gespräch meines Asylverfahrens angesetzt war. Schlagartig wurde ich nervös und verbrachte den ganzen Tag damit, meine Dokumente zu ordnen. Ich machte das gemeinsam mit meinem Bruder Mahmoud, der ebenfalls am Freitag ein Gespräch beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) hatte. Meine Freunde im Camp sagten mir, dass die Beamten wirklich alles von uns wissen werden wollen. Sie würden versuchen werden, uns nervös zu machen, uns zu verwirren, um rauszufinden, ob wir wirklich die Wahrheit sagen.
</p><p>Ich habe nichts zu verstecken, aber das machte mich nervös. Es geht um viel. Bis 3:00 Uhr früh konnte ich nicht schlafen. Ich konnte echt ein bisschen Unterstützung brauchen. Ich snappte meine Gedanken und bekam wirklich sehr tolle Antworten von den VICE-Followern. Das hat mir sehr geholfen.
</p><h2>Freitag</h2><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/desperados-hashtag-the-plus&vid=pteHJ5NDE63WzkBj9mODwqgjAeiZ72kU&embedCode=pteHJ5NDE63WzkBj9mODwqgjAeiZ72kU&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-freitag%26topic%3D%26aid%3Dvicerefugeereports-freitag%26auth%3D%26keywords%3D%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DpteHJ5NDE63WzkBj9mODwqgjAeiZ72kU&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-freitag&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vicerefugeereports-freitag&autoplay=0" width="1004px" height="565px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen=""></iframe><p>Ich, Mohammed Ali, hatte schlecht geschlafen und wachte bereits um 6 in der Früh nach 3 Stunden Schlaf wieder auf. Gemeinsam mit meinem Bruder machte ich mich auf den Weg zur <a href="http://www.bfa.gv.at/bundesamt/standorte/wien/start.aspx"><span class="s2">Regionaldirektion</span></a> des BFA beim Hernalser Gürtel. Wir waren schon nervös, aber beruhigten uns gegenseitig. Vor dem Gebäude mussten wir ungefähr 30 Minuten warten, gleich wie im dritten Stock, wo das Gespräch dann war. Die Ermittlung war echt anstrengend, die Beamten hatten so viele Fragen! Mein Bruder war zwei Stunden drinnen, ich ganze vier!
</p><p>Es hieß, wir würden die Entscheidung in einem Monat per Mail erhalten. Das war echt ein unglaublich anstrengender Tag für mich. Stellt euch vor: vier Stunden mit einer Person, deren Job es ist, mit gefinkelten Fragen die Wahrheit rauszufinden. Manchmal baute er, glaube ich, absichtlich Fehler in die Fragen ein, um zu prüfen, ob mir das auffällt und ich ihm widerspreche. Zum Beispiel, sagte er mehrmals etwas Falsches, um zu prüfen, ob ich wirklich weiß, was mein ehemaliger Arbeitgeber im Irak macht. Danach war ich echt fertig. Ich hatte nichts gegessen und in den vier Stunden keine einzige Pause. Deshalb sind mein Bruder und ich danach in die Wohnung einer Freundin von uns gegangen. Sie war so freundlich und hat für uns gekocht. Danach sind wir gleich ins Bett gefallen.
</p><h2>Samstag</h2><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/desperados-hashtag-the-plus&vid=preHJ5NDE6b7419m_ru-JLOGnmfo4W8k&embedCode=preHJ5NDE6b7419m_ru-JLOGnmfo4W8k&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-samstag%26topic%3D%26aid%3Dvicerefugeereports-samstag%26auth%3D%26keywords%3D%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DpreHJ5NDE6b7419m_ru-JLOGnmfo4W8k&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-samstag&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vicerefugeereports-samstag&autoplay=0" width="1004px" height="565px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen=""></iframe><p>Diesen Samstag habe ich, Mustafa, sehr genossen. Mit einem Freund, der beim <a href="http://www.news.at/a/refugee-mentoring-programm-6951038" target="_blank"><em>News</em>-Magazin</a> als Journalist arbeitet, bin ich nach Eisenstadt gefahren. Wir haben das Weltreporter-Forum besucht, eine Konferenz, bei der unter anderem auch ein irakischer Journalist, der nach Deutschland geflohen ist, gesprochen hat. Das war ein wirkliches Vergnügen.
</p><p>Ich hatte die Chance, mich mit anderen Journalisten zu unterhalten und über die Situation von Flüchtlingen in Österreich zu diskutieren. Dieser Tag erinnerte mich ein wenig an meine alte Arbeit im Irak und daran, dass ich auf dem Weg zurück in das Berufsleben bin. Nach der Konferenz haben wir uns noch den Neusiedlersee angeschaut. Für mich war das etwas Besonderes, im Irak haben wir keine Seen. Es war echt ein schöner Ausflug. Erschöpft fiel ich im Home Sweet Home in Wien ins Bett.
</p><h2>Sonntag</h2><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/desperados-hashtag-the-plus&vid=pxeHJ5NDE6zS5TKJI505m-zBAEwKtjF2&embedCode=pxeHJ5NDE6zS5TKJI505m-zBAEwKtjF2&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-sonntag%26topic%3D%26aid%3Dvicerefugeereports-sonntag%26auth%3D%26keywords%3D%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DpxeHJ5NDE6zS5TKJI505m-zBAEwKtjF2&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvicerefugeereports-sonntag&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vicerefugeereports-sonntag&autoplay=0" width="1004px" height="565px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen=""></iframe><p>Sonntag wachte ich, Mustafa, zwischen Frühstück und Mittagessen auf, weshalb ich beides auf einmal zubereitete. Danach rief mich meine Freundin an, die mir mir etwas über ein <span class="s2"><a href="http://www.filmfestival-rathausplatz.at/">Film-Festival</a> am Rathausplatz erzählte</span>. Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben gesehen, im Irak gibt es solche Events nicht.
</p><p>Es war ein schöner Abend mit meiner Freundin. Wir genossen die große, <a href="https://www.instagram.com/p/BIR_A-UgXRF/?taken-by=vice_alps" target="_blank">weite Welt auf unseren Tellern</a>. Meine Freundin bestellte Chinesisch, während ich mir einen arabischen Shish-Kebab gönnte. Danach spazierten wir noch durch Wien, machten beim Parlament Fotos und setzten uns hin. Wir unterhielten uns und diskutierten über die kulturellen Differenzen zwischen verschiedenen Ländern.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/vice-refugee-reports-nachbericht-body-image-1469627793.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="850" data-original-height="850" data-model-id="208802" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="vice-refugee-reports-nachbericht-body-image-1469627793.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Wir hoffen, wir könnten euch mit diesem Text und mit den #ViceRefugeeReports etwas Einblick in unseren Alltag liefern und die ein oder andere Frage beantworten. Und wir möchten uns für die vielen, tollen Nachrichten, die wir in den letzten Tagen bekommen haben, bedanken. Es hat Spaß gemacht.
</p><p><em>Folgt <a href="https://www.facebook.com/mohammedali.allamy?fref=ts" target="_blank">Mohammed Ali</a>, <a href="https://www.facebook.com/mostafamg42?fref=ts" target="_blank">Mustafa</a> und <a href="https://www.facebook.com/christoph.schattleitner.journalist/?fref=ts" target="_blank">Christoph</a> auf Facebook.</em>
</p>
]]></content:encoded>
<guid isPermaLink="false">http://www.vice.com/554889</guid>
<media:thumbnail url="https://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/vice-refugee-reports-nachbericht-1469633773.jpg"></media:thumbnail>
<dc:creator>Mohammed Ali Alamy, Mustafa Guevara und Christoph Schattleitner</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
</item>
<item>
<title>Eure Fragen an zwei Flüchtlinge aus dem Irak – und ihre Antworten</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/ama-fluechtlinge-zusammenfassung</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 16:15:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Und sie haben ehrlich geantwortet.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/ama-fluechtlinge-zusammenfassung-1469634212.jpg" type="image/jpg" length="755"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/ama-fluechtlinge-zusammenfassung-body-image-1469634086.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="755" data-original-height="315" data-model-id="208841" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="ama-fluechtlinge-zusammenfassung-body-image-1469634086.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Screenshot via <a href="https://www.facebook.com/vicealps/videos/1775406682749047/" target="_blank">Facebook</a><br>
</p><p>In der letzten Woche haben wir uns <a href="http://www.horizont.at/home/news/detail/vice-alps-gibt-refugees-eine-stimme.html?cHash=49a57b5097ca54b3309b8361da5e1677" target="_blank">auf ein Experiment eingelassen</a> und zwei geflüchteten Journalisten aus dem Irak die Kontrolle über
unseren 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-verstehe-euren-snapchat-wahn-nicht" target="_blank">Snapchat</a>- und <a href="http://www.vice.com/alps/read/hot-migrants-instagram-045" target="_blank">Instagram-Account</a> gegeben. Sie haben uns gezeigt, wie sie
wohnen, wie ihr Alltag aussieht und uns generell erzählt, wie sie die Dinge sehen.
</p><p class="MsoNormal">Als Abschluss gab es gestern ein AMA (Ask-Me-Anything) via Facebook-Live
mit ihnen, um euch die Möglichkeit zu geben, wirklich alle Fragen zu stellen, die im Laufe
dieser Woche noch nicht beantwortet wurden. Für diejenigen, die keine Zeit hatten,
es anzusehen: Hier <a href="http://www.vice.com/alps/read/vice-refugee-reports-nachbericht" target="_blank">eine Zusammenfassung</a> und 
	<a href="https://www.facebook.com/vicealps/videos/1775406682749047/" target="_blank">der Link zum Video</a>.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p><strong>Was vermisst ihr an eurer Heimat?<br></strong><strong>Mohammed:</strong> Ich vermisse meine Freunde und meine Familie.<br><strong>Mustafa:</strong> Ich
vermisse vor allem meine Familie. Mit den Gedanken und dem Herzen bin ich immer
bei ihnen. Ich verfolge auch ständige die irakischen Nachrichten—vor allem die aus
Bagdad, wie sie dort wohnen. Mir fehlt auch das Essen. Ich mag zwar das lokale
Essen hier, aber ihr solltet mal arabisches versuchen. Es ist wirklich gut
(lacht).</p><p><strong>Wenn der Krieg im
Irak vorbei ist, kehrt ihr dann wieder nach Hause zurück?
	</strong><strong>Mohammed:</strong> Ich
würde nicht mehr zurückgehen. Ich bin 23 Jahre alt und habe noch nie Frieden in
meinem Land erlebt, bis jetzt war immer Krieg. Natürlich hoffe ich das Beste
für den Irak, aber ich erwarte mir nicht viel. 
	<br><strong>Mustafa: </strong>Ich kann
Mohammed nur zustimmen.
</p><p><strong>Glaubt ihr, dass Flüchtlinge etwas gegen den Terrorismus in Europa tun können?<br>
	</strong><strong>Mohammed:</strong> Ich glaube, dafür ist es wichtig, dass wir zusammenhalten, einander die Hände reichen und
nicht sagen: "Die Flüchtlinge tun das? Dann lasst sie uns alle aus dem Land
schmeißen." Gemeinsam, mit offenen Augen und einem wachen Geist, können wir die
Terroristen vertreiben. 
	<br><strong>Mustafa:</strong> Als
erstes muss ich sagen, dass es mir wirklich Leid tut für die Länder, in denen es
geschieht. Es macht mich traurig. Wenn man irgendwelche Informationen
in Bezug auf so etwas hat, sollte man das der Polizei sagen. Auch als Flüchtling.
Wir sollten kooperieren, wenn wir auch weiterhin sicher leben wollen.
</p><p class="pullquote">Wenn ich eine Gruppe besiege, bleiben noch immer drei bis vier übrig. <br>
</p><p><strong>Ist Religion eurer Ansicht nach der Grund für Terrorismus? Seid ihr religiös?<br></strong><strong>Mustafa:</strong> Es geht
um Macht, Geld und Öl. Wenn man eines dieser Dinge haben will, dann verwendet
man dafür am besten Religion. Jeder islamische Führer ist einflussreich und hat
viel Geld. Die Menschen folgen ihnen, weil sie nicht lesen und schreiben
können, es nicht besser wissen und durch die Religion davon angezogen werden. Ich
bin nicht religiös. Ich trinke und mache schlimme Sachen (lacht). Wobei: Eigentlich
sind es keine schlimmen Sachen, sie sind nur menschlich. Ich lebe einfach ein
normales Leben. 
	<br><strong>Mohammed:</strong> Ich
persönlich bin überhaupt nicht religiös, ich bin wohl der schlechteste Gläubige
aller Zeiten. Aber ich habe schon mitbekommen, dass die Leute die wirklich,
wirklich religiös sind, auch oft verdammt verrückt sind. Sie denken, dass sie
gute Muslime sind, wenn sie Menschen töten. Dabei steht im Koran sogar, dass
man andere Menschen nicht einmal schlagen darf. Es ist verboten. Ich weiß daher
nicht, wie diese Leute darauf kommen, dass sie Personen einer anderen Religion
töten sollten. Wenn es das ist, wozu Religion führt, dann scheiße ich auf Religion.
</p><p><strong>Warum bleibt ihr
nicht im Irak und kämpft dort für den Frieden?
	<br></strong><strong>Mohammed:</strong> Wen
will man denn bekämpfen? Wir haben die IS-Miliz, die Regierung, das Militär ... Es sind
einfach zu viele. Wenn ich eine Gruppe besiege, bleiben noch immer drei bis
vier übrig. Es ist nicht nur eine Gruppe, die eine andere bekämpft. Es sind
viele, die sich gegenseitig attackieren. Und wir stehen in der Mitte.
</p><p class="pullquote">Wir sind alle Menschen, darum sollten wir uns gegenseitig respektieren.<br>
</p><p><strong>Gibt es im
Flüchtlingscamp Konflikte zwischen den ethnischen Gruppen?
	</strong><strong>Mustafa: </strong>Es war
eine komische Situation am Anfang, vor allem in den ersten Wochen. Es gab
Probleme, weil wir uns alle nicht kannten. Aber wir haben sie gelöst und jetzt
ist alles cool. Unser Camp ist perfekt. 
	<br><strong>Mohammed:</strong> Am
Anfang hat es schon kleine Schwierigkeiten gegeben. Wir haben uns zu Beginn nicht so
gemocht, aber nach ein paar Monaten haben wir uns aneinander gewöhnt. Jetzt
habe ich dort zum Beispiel wirklich viele Freunde aus Afghanistan gefunden. Ich habe keine
Ahnung was sie sagen, weil ich ihre Sprache nicht spreche und sie meine nicht.
Aber wir spielen zusammen Fußball, machen viel zusammen ... Ich liebe sie sehr.
Es ist egal geworden, wer woher kommt, oder welche Sprache er spricht. Wir sind
alle Menschen und darum sollten wir uns gegenseitig respektieren.
</p><p><strong>Warum braucht ihr ein
Smartphone?
	<br></strong><strong>Mustafa:</strong><i> </i>Wir leben auf die gleiche Weise wie ihr.
Wir gehen zur Arbeit, werden gut bezahlt, heiraten ... alles ist an sich cool. Die
Dinge, die ihr hier macht, könnten wir theoretisch zuhause auch tun. Nur, dass
wir dabei sofort sterben könnten. 
	<br><strong>Mohammed: </strong>Natürlich
haben wir Smartphones. Geld ist zu Hause auch nicht das Problem—das Problem
ist, dass es daheim nicht friedlich ist. Ich hätte genug Geld, um schön
auszugehen, aber ich kann nicht nach draußen, weil ich dort getötet werde. Natürlich werde ich mich gut anziehen und mir ein Handy kaufen. Warum auch
nicht? Das ist normal. Aber ich kann im Irak nicht friedlich leben. Kleidung
und Statussymbole haben keinen Wert, ich würde sie sofort hergeben, wenn ich
dafür in Frieden leben könnte. Das ist es, was mir hier ermöglicht wird und so
ist es perfekt.
</p><p class="pullquote">Ich bin unglaublich dankbar für das hohe Maß an Hilfe, das mir die Österreicher entgegengebracht haben.<br>
</p><p><strong>Wie sieht es mit den
Rechten der Frau im Irak aus? Gibt es große Unterschiede zu Österreich?
	<br></strong><strong>Mohammed: </strong>Die
Frauen bei uns sind lange nicht so frei wie hier bei euch. Ich finde es super,
dass Frauen bei euch das gleiche Leben haben wie Männer. Warum auch nicht? Wir sind
alle gleich. Es gibt natürlich auch viele Unterschiede in Bezug auf das
Aussehen (lacht). Bei uns sehen Frauen natürlich auch gut aus, und vielleicht
kommt es mir auch nur so vor, aber ich habe das Gefühl, dass die Frauen hier alle wunderschön sind (lacht). Sie sind schön und frei. Das ist das Beste.
</p><p><strong>Was war euer erster Eindruck
von Österreich?
	<br></strong><strong>Mustafa:</strong> Als
erstes sind mir die Willkommens-Schilder aufgefallen. Das hat mir das Gefühl
gegeben, zuhause zu sein. Ich hatte Angst, dass die Menschen sich vor mir fürchten,
weil ich Araber bin. Aber als ich direkt gesehen habe, wie sie auf uns
reagierten, war die Angst weg. Das war unglaublich.
	<br><strong>Mohammed: </strong>Mein
erster Eindruck waren viele Menschen, die mich nicht kannten und mir trotzdem Essen
und einen Platz zum Schlafen gegeben haben. Das war toll. Ich bin unglaublich
dankbar für das hohe Maß an Hilfe, das mir die Österreicher entgegengebracht
haben. Das war super cool. Danke dafür!
</p><p><strong>Was ist euer größter
Wunsch?
	<br></strong><strong>Mustafa:</strong> Ich
würde mir wünschen, dass alle Menschen in Frieden miteinander leben könnten.
Das ist alles was ich will.
	<br><strong>Mohammed:</strong> Ich
würde mir auch wünschen, dass es keinen Krieg mehr gibt, keine Explosionen,
keine Schläge, keine Entführungen ... Ich möchte, dass sich alle lieben. Liebt
die Menschen, die Natur, das Leben!
</p><p class="MsoNormal"> 
</p>
]]></content:encoded>
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<media:thumbnail url="https://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/ama-fluechtlinge-zusammenfassung-1469634212.jpg"></media:thumbnail>
<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
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<item>
<title>Die nächtliche Routine von Stripperinnen und Strippern</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/fotos-von-stripperinnen-und-strippern-aus-miami</link>
<pubDate>Thu, 28 Jul 2016 07:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Die renommierte Fotografin Jill Freedman teilt bisher unveröffentlichte Fotos von Stripperinnen (und ein paar Strippern), die sie 2002 geschossen hat.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/25/fotos-von-stripperinnen-und-strippern-aus-miami-1469436224.jpg" type="image/jpg" length="2100"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-body-image-1469295968-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2100" data-original-height="1416" data-model-id="207398" data-path="images/content-images/2016/07/23/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/23/" data-image-filename="iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-body-image-1469295968.jpg" class="vmp-image">
</p><p><a href="http://www.jillfreedman.com/">Jill Freedman</a> ist eine erfahrene und versierte Fotokünstlerin. In den fünf Jahrzehnten ihrer Karriere hat sie sich mit ihrer preisgekrönten <a href="http://www.vice.com/alps/read/die-konfrontative-und-zeitgenoessische-strassenfotografie-von-jonathan-auch-371" target="_blank">New Yorker Straßenfotografie</a> weltweit einen Namen gemacht. Ihre Laufbahn fing damit an, dass sie in den 1960ern spontan auf einer geliehenen <a href="http://www.vice.com/alps/read/magnum-fotografen-teilen-bilder-die-im-perfekten-augenblick-entstanden-sind" target="_blank">Kamera</a> zwei Filmrollen verschoss, und seither kreiert sie unvergessliche Bilder.
</p><p>
	Ich kannte hauptsächlich ihre unglaublichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von <a href="http://www.vice.com/alps/read/polizei-oesterreich-klagen-547" target="_blank">Polizisten</a>, Feuerwehrleuten und dem New York City der 70er. Dementsprechend überrascht war ich, als ich eine E-Mail von ihr erhielt, deren Betreff "Miami Strippers 2002" lautete. Nachdem ich mich ein paar Mal mit ihr unterhalten hatte, wurde mir jedoch klar, dass sie mit derselben Abenteuerlust an all ihre Projekte herangeht. -<em>Elizabeth Renstrom, Photo Editor VICE US</em>
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>
	<strong>VICE: Du bist eine umtriebige Straßenfotografin. Wie kommst du an deine Protagonisten heran, ohne ein Eindringling zu sein?
	</strong><br><strong>Jill Freedman:</strong> Manchmal bin ich unsichtbar, manchmal nicht. Ich stelle Magie nicht infrage.
</p><p>
	<strong>Woher kam deine Motivation, diese Stripperinnen zu fotografieren?
	</strong><br>Ich habe eine Frau in lächerlichen Stripper-Schuhen in einem Hauseingang gesehen. Daraufhin wollte ich Stripperinnen fotografieren.
</p><p>
	<strong>Wie suchst du dir deine Themen aus?</strong>
	<br>Sie suchen mich aus.
</p><p>
	<strong>Du bist ja sehr bekannt für deine Fotos aus New York City. Macht es dir mehr Spaß, woanders zu fotografieren, wie für diese Story?</strong>
	<br>Ich liebe es, zu reisen und zu fotografieren. Die Menschen sind überall gleich; die meisten spinnen. Es macht Spaß, die verrückten Momente einzufangen.
</p><p>
	<strong>Ich habe bei unseren Gesprächen viel über dein Leben erfahren, aber es würde mich interessieren, inwiefern sich deine Lieblingsmotive im Laufe der Zeit gewandelt haben.</strong>
	<br>Anfangs wollte ich Menschen fotografieren und das will ich heute immer noch. Mir geht es darum, Momente einzufangen und zu teilen.
</p><p>
	<strong>Dieses Material wurde vorher nirgends veröffentlicht, und du hast mir auch schon gesagt, dass der Großteil deiner Arbeit nicht veröffentlicht worden ist. Das überrascht mich, denn die meisten Künstler brauchen immer sofort eine Reaktion oder werden ohnehin sofort beachtet. Aber du fotografierst, weil du ein Bedürfnis danach hast. Bist du schon immer so?</strong>
	<br>Ja—ich muss fotografieren, so wie eine Spinne ein Netz spinnen muss. Ich bin glücklich, wenn ich fotografiere. Es ist schön, sich draußen auf der Straße zu verlieren.
</p><p>
	<em>Mehr von Jill Freedmans Arbeit findest du <a href="https://www.instagram.com/jillfreedmanphoto/" target="_blank">hier</a>.</em>
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-417-1469295486-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-579-1469295489-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-518-1469295491-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-704-1469295495-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-384-1469295496-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-410-1469295498-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-729-1469295499-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-361-1469295501-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-880-1469295503-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
<p class="gallery-image has-image">
	<img src="https://vice-images.vice.com/images/galleries/crops/2016/07/23/iconic-street-photographer-jill-freedmans-photographs-of-miami-strippers-488-1469295505-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" alt="">
</p>
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</p>

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<dc:creator>Jill Freedman</dc:creator>
<media:category>photo</media:category>
<category>photo</category>
</item>
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<title>Wie sollen Medien mit Terroristen und Amokläufern umgehen? </title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/warum-sind-wir-so-geil-auf-taeterprofile</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 14:15:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Terror funktioniert mit Medien wesentlich besser. Darum müssen sich Medien überlegen, wie sie aus der Falle wieder raus kommen."
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/warum-sind-wir-so-geil-auf-taeterprofile-1469536908.png" type="image/png" length="1340"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/warum-sind-wir-so-geil-auf-taeterprofile-body-image-1469628993-size_1000.png?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1340" data-original-height="740" data-model-id="208806" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="warum-sind-wir-so-geil-auf-taeterprofile-body-image-1469628993.png" class="vmp-image"></p><p class="photo-credit">Collage aus Headlines von VICE Media<br></p><p>In der jüngsten Vergangenheit haben sich viele schreckliche Dinge innerhalb kürzester Zeit ereignet: In <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-die-medien-sofort-aufhoeren-muessten-ueber-nizza-zu-berichten" target="_blank">Nizza</a> ist ein Mann mit einem LKW in eine Menschenmenge gerast und hat dabei über 80 Menschen das Leben genommen. In <a href="http://www.vice.com/alps/read/ein-is-fan-hat-vier-menschen-in-der-regionalbahn-mit-einer-axt-schwer-verletzt" target="_blank">Würzburg</a> attackierte ein Mann im Zug Passagiere mit einer Axt, nur wenige Tage darauf lief ein 18-Jähriger in einem <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-ich-und-meine-freunde-den-amoklauf-erlebten" target="_blank">Münchner</a> Einkaufszentrum Amok und erschoss 10 Menschen. Und wiederum <a href="http://www.vice.com/alps/read/hangover-news-25-juli-2016-909" target="_blank">zwei Tage später</a> sprengte sich ein Asylwerber aus Syrien im Eingangsbereich eines Musikfestivals in Bayern in die Luft und verletzte etliche Menschen.
</p><p>All diese Vorfälle haben eines gemeinsam: Sobald der erste Schock über diese schrecklichen Taten vorbei ist, dreht sich die öffentliche Diskussion um den oder die Täter und deren Lebensgeschichte. Medien graben so tief sie können nach Informationen zur Vergangenheit des Täters, versuchen, alles über sein Umfeld herauszufinden, befragen Familie und Nachbarn aus dem Haus gegenüber, stürzen sich auf eigentlich nichts sagende Fotos von seiner Wohnung—und befriedigen damit die Sensationsgeilheit der Medienkonsumenten, die alles über dieses Monster erfahren wollen, das zahlreichen Menschen das Leben genommen hat. Auch VICE ist in der Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt.
</p><p>Darum ist es umso wichtiger, sich sowohl als Medienkonsument als auch als Medium zu fragen, ob diese Art der Aufmerksamkeit richtig ist. Die Berichterstattung beschränkt sich nämlich längst nicht auf Aspekte und Fakten, die für die Öffentlichkeit relevant sind und bei der Einordnung der Ereignisse helfen. Stattdessen wird oft jedes Detail ausgeschlachtet, um ein möglichst umfassendes Bild des Täters zu erzeugen und den Weg vom "normalen Menschen" zum Amokläufer oder Terroristen nachzuzeichnen.
</p><p class="p1"><span class="s1">
	<iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
	</iframe></span>
</p><p class="p1"><span class="s1">Nach jedem Anschlag oder Amoklauf stellen sich also dieselben Fragen: Sollten die Täter wirklich derart im Vordergrund stehen, wie sie es aktuell oft tun? Sollte ihnen wirklich der Status einer mythischen Figur verliehen werden, die viele von uns auf ziemlich falsche Weise fasziniert und neben der die Opfer zu gesichtslosen Zahlen verblassen?<br></span>
</p><p><span class="s1">Der Wiener Medienpsychologe Peter Vitouch beantwortet diese Fragen im VICE-Gespräch klar mit "Nein", und zwar mit folgender Begründung: "Je mehr über derartige Dinge berichtet wird, umso mehr derartige Taten gibt es. Das nennt man Trigger-Phänomen. Bei einem psychisch vorbelasteten Menschen kann es zum Beispiel noch genau diesen einen Tropfen im Fass brauchen, um es zum Überlaufen zu bringen und ihn dazu zu bewegen, eine Nachfolgetat zu begehen."</span>
</p><p><span class="s1">Auch Friedrich Hausjell, stellvertretender Vorstand des Publizistik-Instituts an der Uni Wien, dessen Forschungss</span><span class="s1">chwerpunkt auf Journalismusforschung und Medienkompetenz liegt, stimmt mit dem Medienpsychologen Vitouch überein. </span><span class="s1">Er ergänzt noch, dass es in der Berichterstattung mehr um die Opfer gehen </span>sollte<span class="s1">: "</span>Ich glaube, dass es wichtig ist, die Seite der Opfer mit mindestens dem gleichen Aufwand zu behandeln wie die des Täters."
</p><p>Den Opfer-Begriff dürfe man dabei auch ruhig ein bisschen weiter begreifen, so Hausjell weiter: "Also nicht nur an die denken, die man nicht mehr fragen kann, weil sie gestorben sind, sondern auch an Angehörige oder Menschen, die in der Nähe waren, als ein Anschlag passiert ist. Die gebraucht man journalistisch ja meistens nur dazu, ihre Wahrnehmungen zu schildern. Ich glaube aber, dass man sich fragen müsste, was Anschläge für einen Eindruck bei Menschen hinterlassen, denen knapp nichts passiert ist. Der Journalismus ist sehr täterfixiert. Wir schauen uns die Opfer nur dann genauer an, wenn es keinen Täter gibt, zum Beispiel bei Naturkatastrophen, oder wenn kein Schuldiger gefunden werden kann."
</p><p class="pullquote">Terror funktioniert mit Medien wesentlich besser. Darum müssen sich Medien überlegen: Wie kommen wir aus dieser Falle raus?<br>
</p><p class="p1"><span class="s1">Die Auswirkungen einer übermäßigen Berichterstattung über Amokläufe und Terroranschläge ließen sich übrigens auch in Rückwärtsanalysen zeigen, wie auch der </span>Medienpsychologe<span class="s1"> Vitouch erklärt: "Umfangreiches Berichten führt nachweislich zu sogenannten Epidemien und Nachahmungen. Es kann dann der sogenannte Werther-Effekt auftreten." Der Effekt, der nach dem Goethe-Werk </span><em>Die Leiden des jungen Werther</em> benannt ist, das nach seiner Veröffentlichung für viele Liebeskummer-Selbstmorde nach dem Werther-Vorbild gesorgt hat, dürfte den meisten noch aus der Diskussion über den Zusammenhang von Amokläufen und "Killerspielen" bekannt sein.
</p><p>"Auf etwas Ähnliches müssen wir uns in Bezug auf die wenigen Zuwanderer, die tatsächlich psychische Probleme haben, gefasst machen", sagt Vitouch. "Sie wählen das Modell des sogenannten Amok-Selbstmordes, weil das eben sehr oft und sehr deutlich in den Medien beschrieben wurde."
</p><p>Die Frage, wie Medien mit der Berichterstattung über Terroranschläge, Amokläufe und die Täter umgehen sollten, wird aktuell wieder heiß diskutiert. Die <em>Kleine Zeitung</em> und <a href="http://meedia.de/2016/07/25/b-z-chefredakteur-peter-huth-warum-wir-dem-muenchner-amoklaeufer-unsere-titelseite-verweigerten/" target="_blank">die </a><em><a href="http://meedia.de/2016/07/25/b-z-chefredakteur-peter-huth-warum-wir-dem-muenchner-amoklaeufer-unsere-titelseite-verweigerten/">B.Z. Berlin</a></em> brachten kürzlich leere Titelseiten, um den Täter auszublenden (oder, <a href="https://twitter.com/MartinThuer/status/758239158343176193" target="_blank">wie einige Kritiker meinen</a>, erst recht die Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken) und die französische Tageszeitung <em>Le Monde </em><a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/zeitung-le-monde-zeigt-keine-bilder-von-terroristen-mehr-1.3096671">gab als Reaktion vor kurzem bekannt</a>, dass sie keine Fotos von Terroristen mehr veröffentlichen wird. Auch <em>Falter</em>-Chefredakteur Florian Klenk stellt auf Twitter die Frage in den Raum, wie man über derartige Vorfälle berichten kann, ohne den Tätern in die Hände zu spielen und ihre Botschaften zu verbreiten.
</p><p><div class="twitter-container"><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>wenn es stimmt, dass berichterstattung über amokläufer andere amokläufer inspiriert wieso berichten wir dann?bei suiziden schweigen wir auch</p>— Florian Klenk (@florianklenk) <a href="https://twitter.com/florianklenk/statuses/757832074384375808">26. Juli 2016</a></blockquote></div>
</p><p>Hausjell sieht eine mögliche Lösung im Finden von Kodizes, die Hand in Hand mit der Aufklärung der Medienkonsumenten gehen müssen: "Wir haben im Journalismus die Macht, uns zu entscheiden, gewisse Dinge nicht zu zeigen. Wenn man so etwas macht, muss man das sehr genau und journalistisch durch Erklärung begleiten, weil sonst die Konkurrenz, die sich nicht daran hält, quasi obsiegt. Da hätte man dann nur einen weiteren Punkt, an dem jemand 'Lügenpresse!' schreit, weil man Teil irgendeines angeblichen Komplotts ist und Verschwörer haben ein eigenartiges Argument mehr. Es geht auch darum, eine Diskussion einzuleiten. Wir müssen die Bevölkerung für eine Diskussion gewinnen, in der es darum geht, dass wir im Journalismus gelegentlich etwas nicht schreiben, zeigen oder senden, weil es beispielsweise einer Seite sonst sehr nützlich wäre—und damit haben wir beim Thema Terror ja sehr viel Erfahrung. Terror funktioniert mit Medien wesentlich besser. Darum müssen sich Medien überlegen: Wie kommen wir aus dieser Falle raus?"
</p><p>Gar nicht darüber zu berichten, ginge auf keinen Fall, so Hausjell. In anderen Fällen halte man sich ja auch an Kodizes, wie zum Beispiel bei der Berichterstattung über Selbstmorde. Im <a href="http://www.presserat.at/show_content.php?hid=2" target="_blank">Ehrenkodex der österreichischen Presse</a> steht dazu: "Berichterstattung über Suizide und Selbstverstümmelung sowie Suizidversuche und Selbstverstümmelungsversuche gebietet im Allgemeinen große Zurückhaltung. Verantwortungsvoller Journalismus wägt—auch wegen der Gefahr der Nachahmung—ab, ob ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht und verzichtet auf überschießende Berichterstattung."
</p><p>Auch laut Vitouch ist es nicht möglich, gar nicht über Täter zu berichten: <span class="s1">Einerseits aus medienökonomischen Gründen, denn wenn alle anderen Medien darüber berichten, muss man selbst auch darüber berichten, um im Rennen zu bleiben (und in Zeiten von sozialen Medien kann ein einzelner Nachrichtenanbieter sowieso nichts mehr im Alleingang "unter Verschluss halten"). </span>Andererseits würden die Medienkonsumenten geradezu nach Informationen über die Täter gieren—und zwar ganz pragmatisch deshalb, um eine mögliche Bedrohung von sich abzuwenden.
</p><p>"Vielen Menschen hilft es sehr, wenn sie sich selbst sagen können, dass dieser oder jener Täter ein Psychopath war und sowas relativ selten vorkommt", sagt Vitouch. "Manche versuchen auch, sich auf Basis der Infos und Medienberichte Strategien zu überlegen, wie sie Bedrohungen und Gefahren aus dem Weg gehen—die überlegen sich dann zum Beispiel zum eigenen Schutz, dass sie an keine Orte mehr gehen, an denen Menschenansammlungen sind."<br>
</p><p class="pullquote"><strong>Der Journalismus ist täterfixiert. </strong>Wir schauen uns die Opfer nur dann genauer an, wenn es keinen Täter gibt, zum Beispiel bei Naturkatastrophen.
</p><p><span class="s1">Peter Vitouch sieht den dringenden Bedarf einer sogenannten Cool-Down-Phase in der Berichterstattung: "Man sollte die Angstmacherei und das Herbeischreiben einer extremen Gefahr nun endlich unterlassen", so der Medienexperte. In den 70er- und 80er-Jahren hätten die Zeitungen zum Beispiel jeden Tag über fürchterliche Verkehrsunfälle berichtet und das zu einem riesigen Thema gemacht—und auch immer mit schrecklichen Bildern illustriert. "Die Situation der Verkehrsunfälle hat sich heute kaum geändert, aber es wird nicht mehr so viel darüber berichtet. Heute werden stattdessen Anschläge medial gepusht. Das führt dazu, dass Menschen heute den Eindruck haben, dass man eher Opfer von Terror wird als Opfer eines Verkehrsunfalls—dabei ist es eigentlich umgekehrt."</span>
</p><p>Natürlich gibt es keine einfache oder ultimative Lösung für die Frage, wie Medien mit Terror und Amokläufen umgehen sollten. Einerseits wollen wir alles über die Täter lesen, um das Gefühl von Kontrolle über unser Leben zurück zu erlangen und nicht in ständiger Angst zu leben.
</p><p>Andererseits muss uns bewusst sein, dass Informationen über die Lebensgeschichte des Nizza-Attentäters oder des Amokläufers von München möglicherweise niemandem helfen außer unserem eigenen Wohlbefinden. Was in jedem Fall notwendig ist, ist—wie Hausjell sagt—eine Diskussion zwischen Medien und Rezipienten: "Man muss auf Argumente setzen und sich in einen Diskurs mit interessierten und vernunftbegabten Mediennutzern begeben. Wenn man an die nicht glaubt, kann man eigentlich gleich aufhören, Medien zu machen."
</p><p><em>Was denkt ihr: Wie sollten Medien mit der Berichterstattung über Terroranschläge, Amokläufe und Täter umgehen? Was sollten sie über die Täter veröffentlichen, was verschweigen? Welche Bilder sollen gezeigt werden? Helfen euch ausführliche Informationen über Täter und Tathergang dabei, mit einem Terroranschlag besser klarzukommen? Oder denkt ihr, zu genaue Berichte schaffen zu viel Aufmerksamkeit für die Täter und deren Beweggründe? </em>
</p><p><em>Diskutiert mit uns <a href="https://www.facebook.com/vicealps/posts/1775964829359899" target="_blank">auf Facebook</a>, oder sagt uns auf Twitter, ob man <strong>#ÜberTäterSchweigen</strong> soll.</em>
</p><p><em>Verena auf Twitter: <a href="https://twitter.com/verenabgnr" target="_blank">@verenabgnr</a></em>
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Verena Bogner</dc:creator>
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<category>stuff</category>
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<title>WordArt scheint das österreichische Snapchat zu erobern</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/snapchat-geofilter-oesterreich</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 07:13:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Österreich hat in Sachen Snapchat-Geofilter nicht gerade das große Los gezogen. Schuld daran seid ihr.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/snapchat-geofilter-oesterreich-body-image-1469541391-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1362" data-original-height="766" data-model-id="208245" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="snapchat-geofilter-oesterreich-body-image-1469541391.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Collage via VICE Media
</p><p>Ja, es ist passiert. Trotz anfänglichen <a href="http://www.vice.com/alps/read/msqrd-284" target="_blank">Widerstands</a> hat auch der Rest von uns irgendwann kapituliert und sich Snapchat hingegeben. Ist ja nicht so, als ob man groß eine Wahl gehabt hätte—unter den 10- bis 19-Jährigen hat die App Facebook bereits <a href="http://meedia.de/2016/04/25/snapchat-ueberholt-facebook-bravo-untersucht-mediennutzung-von-teenies/" target="_blank">überholt</a>, und solange unsere Mamas Snapchat noch nicht verstehen, wird sich dieser Trend wohl auch fortsetzen.
</p><p>Snapchat kann aber nicht nur Regenbogenkotze und Schlabber-Hund, Snapchat kann auch Geofilter. Das sind kleine Snap-Verzierungen—Sticker, wenn man so möchte—die mittels GPS in der Regel ausschließlich in einer bestimmten Umgebung verfügbar sind. Ein "Greetings from Vienna"-Geofilter kann demnach auch nur verwendet werden, um jene Snaps zu verschönern, die auch tatsächlich in Wien aufgenommen wurden.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Der Reiz dieser Filter besteht aus ihrer Exklusivität—um ein Selfie mit dem Buckingham Palace-Filter machen zu können, muss man vorm Buckingham Palace stehen. Und wenn man gerade auf Malle urlaubt, wird man auch mal zwischendurch Snapchat öffnen—einfach nur, um zu sehen, was es hier so für Geofilter gibt und diese auch zu benutzen. So reibt man seinen Followern unter die Nase, wo man gerade ist, ohne es zu aufdringlich erscheinen zu lassen.
</p><p>In Österreich ist die Situation eine besondere: Wenn man einem Kosmopoliten wie <a href="https://www.snapchat.com/add/diplo" target="_blank">Diplo</a> auf Snapchat folgt, kennt man innerhalb einer Woche nicht nur so ziemlich die Hälfte aller Geofilter dieser Welt, sondern auch den Unterschied zwischen gut gemachten Geofiltern und, naja, österreichischen Geofiltern. Letztere sehen nämlich meistens so aus, als hätte ein Volksschulkind sich gerade an WordArt ausgetobt. Das weckt zwar Erinnerungen an PowerPoint-Referate, wirklich ästhetisch sind die meisten aber nicht.
</p><p>Wie so ziemlich alles an Snapchat sind auch Geofilter nicht permanent und können jederzeit durch neue Varianten ersetzt werden—aktuell hätten wir <a href="http://goodnight.at/magazin/design/825-wien-snapchat-geofilter" target="_blank">in Wien</a> das Modell Wolkenbruch, ein Fiaker-Fiasko in Orange und einen schlicht gehaltenen, grafischen Lichtblick in Weiß. Die Version mit dieser aufdringlich wirkenden Österreich-Flagge im rechten Eck (ha!) sind wir glücklicherweise ebenso los wie den quietschbunten Schnörkel-Schriftzug, der mit seiner billig geschwungenen Notenzeile wohl an Wiens klassische Musikszene erinnern sollte, aber eher in Richtung Grußkarte ging. Der Sub-Filter für Hietzing war bis jetzt der einzig schöne Geofilter, der uns in Wien untergekommen ist.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/snapchat-geofilter-oesterreich-body-image-1469550085-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1662" data-original-height="969" data-model-id="208309" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="snapchat-geofilter-oesterreich-body-image-1469550085.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Noch weniger Glück hatten allerdings Städte wie Wels, Gmunden oder Kitzbühel, deren Geotags vor Einfallslosigkeit und typografischen Tragödien nur so strotzen. Entweder, die Snapchat-Verantwortlichkeiten für Österreich haben einfach grauenhaften Geschmack, oder österreichische Geotag-Designer haben es irgendwie versäumt, ihren künstlerischen Horizont über die Grenzen von Microsoft Paint zu erweitern.
</p><p>Prinzipiell kann nämlich jeder diese Geofilter gestalten und sie anschließend bei Snapchat  <a href="https://www.snapchat.com/l/de-de/geofilters" target="_blank">einreichen.</a> Ob sie in der Folge auch wirklich freigeschaltet werden, entscheidet Snapchat innerhalb einiger Wochen—Hauptsache, sie sind umkommerziell. Wer die "Künstler" sind, die für diese blauen Filter aus <a href="https://jeanareed.files.wordpress.com/2015/06/img_2243.jpg" target="_blank">Innsbruck</a> und <a href="http://www.studentenagenten.de/wp-content/uploads/2016/05/Snapchat-Salzburg.jpg" target="_blank">Salzburg</a> verantwortlich sind, konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht ausmachen. Wollen wir aber eigentlich auch gar nicht.
</p><p>Dass Snapchat und vor allem Geofilter immer wichtiger werden, haben inzwischen auch Unternehmen bemerkt—Experte Richard Gutjahr erwähnt beispielsweise gegenüber der <em><a href="http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article207933357/Snapchat-ist-das-wohl-wertvollste-Spielzeug-der-Welt.html" target="_blank">Morgenpost</a></em>, dass jeder fünfte Filter in den USA bereits eine Werbeeinblendung wäre. Die sogenannten On-Demand-Filter, die von Unternehmen und Marken in Auftrag gegeben werden können, haben es bislang noch nicht nach Österreich geschafft.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/snapchat-geofilter-oesterreich-body-image-1469548719-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1798" data-original-height="969" data-model-id="208302" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="snapchat-geofilter-oesterreich-body-image-1469548719.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">This could be us. Geofilter aus London, Paris und New York.
</p><p>International sind Snapchat-Städte-Sticker schon längst eine eigene Kunstform, zahlreiche Start-ups haben sich bereits auf Geofilter-Designs für Unternehmen und Privatkunden spezialisiert—österreichische Jungunternehmer stehen derweil schon in den Startlöchern und warten auf die Einführung hierzulande. Dann könnte man nämlich eigene Geofilter für die Hochzeit der Cousine bestellen, oder einen für unser Büro. Sollten wir uns notieren. Dass Geofilter auch richtig schick aussehen können, beweisen zahlreiche Beispiele aus internationalen Städten, die uns ein bisschen neidisch machen.
</p><p>Vielleicht sind diese WordArt-Geofilter aber ja auch genau das, was Österreich—oder zumindest Wien—verdient. Am Ende des Tages ist unsere Hauptstadt ja nicht gerade bekannt für ihre <a href="http://www.vice.com/alps/read/wiens-haesslichste-souvenirs-378" target="_blank">schönen Souvenirs</a>, da scheint es nur fair und eigentlich auch kohärent, wenn eine ähnliche Ästhetik in den hiesigen Geofiltern aufgegriffen wird. Aber mal im Ernst, österreichische Designer: Bitte, macht uns mal ein paar neue Geofilter. Unser Schiff soll schöner werden.</p><p><a href="https://www.snapchat.com/add/vicealps"></a><em><a href="https://www.snapchat.com/add/vicealps" target="_blank">Folgt VICE Alps auf Snapchat</a></em>
</p>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>Michael Mittermeier vernichtet Mario Barth mit nur einem Facebook-Post </title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/michael-mittermeier-hat-mit-nur-einem-facebook-post-mario-barth-zerstoert</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 09:58:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[R.I.P. Mario.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"> <img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/michael-mittermeier-hat-mit-nur-einem-facebook-post-mario-barth-zerstoert-body-image-1469614360-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2300" data-original-height="1532" data-model-id="208623" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="michael-mittermeier-hat-mit-nur-einem-facebook-post-mario-barth-zerstoert-body-image-1469614360.jpg" class="vmp-image"></p><p class="photo-credit">Foto: imago | Martin Winter</p><p>Wenn sich extreme Ereignisse wie in <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-sind-auf-die-suche-nach-den-bescheuertsten-reaktion-auf-das-wuerzburg-attentat-gegangen" target="_blank">Würzburg</a>, <a href="http://www.vice.com/alps/read/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat">Ansbach</a>, <a href="http://www.vice.com/alps/read/trump-und-co-vorschnelle-reaktionen-nach-den-schssen-in-muenchen" target="_blank">München</a> oder <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-die-medien-sofort-aufhoeren-muessten-ueber-nizza-zu-berichten" target="_blank">Nizza</a> abspielen, reagieren die Menschen extrem. Mit Angst, Wut, Hass, aber auch mit Mitgefühl, Mut oder Liebe. Personen des öffentlichen Lebens stehen dann vor der besonderen Herausforderung, sich von diesen Gefühlen—die auch in ihnen walten—nicht überwältigen zu lassen; nicht im Affekt Blödsinn in die Kamera reden, nicht in sozialen Medien mit halbgaren Thesen umherzuschwadronieren. Dann gibt es aber auch jene Promis, die sich die Gefühle der Masse zu Nutze machen und mit Stimmungsmache billig nach Fans und Likes jagen.</p><p>Didi Hallervorden war in der Causa Böhmenmann so ein Fall und vor wenigen Tagen platzte es auch aus <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-alle-mario-barth-dvds-am-stueck-geschaut" target="_blank">Mario Barth</a> heraus:
</p><p>
	<iframe src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fmario.barth%2Fposts%2F1188463784538207&width=500" width="500" height="332" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true">
	</iframe><br></p><p>Schwer zu sagen, ob hier das Gehirn mal Pause hatte oder dieser Kommentar reines Kalkül war. Doch gerade, als wir uns in der Redaktion diesem Floskelscheusal analytisch und orthografisch nähern wollten, reagierte Michael Mittermeier in einer Art und Weise auf seinen Kollegen Mario, wie wir es mit unserem Hirnschmalz zusammengenommen nicht besser hätten machen können. R.I.P Mario:
</p><p><iframe src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fm.mittermeier%2Fposts%2F10153629557706906%3A0&width=500" width="500" height="701" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true"></iframe></p>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>&#039;Pokémon Go&#039; heute: Eine Messerstecherei und das Militär schaltet sich ein</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/messersteicherei-nach-pokmon-go-zusammentreffen</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 11:21:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Die deutsche Bundeswehr verfasste eine Dienstanweisung zu Pokemons—das Spiel könnte nützlich für Spione sein, heißt es.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/messersteicherei-nach-pokmon-go-zusammentreffen-1469625116.jpg" type="image/jpg" length="2500"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<div class="resp-video-wrapper youtube-wrapper"><iframe src="//www.youtube.com/embed/z4NvLHQB-BU" width="100%" height="100%" frameborder="0" scrolling="no" data-original-width="560px" data-original-height="315px" webkitallowfullscreen webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowfullscreen></iframe></div><p>Zuweilen schauen wir amüsiert zu, wenn Menschen sich in die Haare kriegen. <a href="http://www.vice.com/alps/read/diese-leute-aus-deutschland-knnen-sich-noch-prgeln" target="_blank">Prügelszenen</a> können geradezu heiter, beschwingt und dynamisch wirken, vor allem, wenn Bud Spencer dabei ist. Es gibt viele Gründe für Prügeleien: Eifersucht, Wut, Verzweiflung, Liebe, Testosteronüberschuss, Massendynamik. Aber doch bitte nicht <a href="http://www.vice.com/alps/read/pokemon-go-ist-gut-fuer-deine-gesundheit" target="_blank"><em>Pokémon Go</em></a>. Und bitte nicht mit einem Messer.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Am Weserufer in <a href="http://www.vice.com/alps/read/17-jaehriger-haengt-in-basketballkorb-fest" target="_blank">Bremen</a>-Vegesack stach gestern ein junger Mann offenbar auf mehrere Männer ein. Sieben Menschen im Alter von 19 bis 23 waren an der Auseinandersetzung beteiligt, teilte die Polizei mit. Gegen 23:20 Uhr wurden Einsatzkräfte zum Stadtgarten gerufen. Ein Tatverdächtiger habe ein Messer gezogen, soll einem Mann ins Gesicht gestochen und drei weitere verletzt haben. Nachdem die Polizei kam, bildeten sich zwei größere Gruppen von je 20 bis 25 Schaulustigen. Sie beleidigten und bedrängten die Krankenwagenbesatzungen und die Polizisten. Die Jugendlichen sollen <a href="http://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/bremen-messerstecherei-nach-streit-pokmon-taeter-polizeilich-bekannt-6612606.html" target="_blank"><em>Pokémon Go</em> gespielt haben</a>—ein Streit zwischen der Gruppe und einem Rivalen könnte der Auslöser des Ganzen gewesen sein. "<em>Pokemon Go</em>-Unfall" entwickelt sich zu einem stehenden Begriff.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/messersteicherei-nach-pokmon-go-zusammentreffen-body-image-1469623508-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2500" data-original-height="1664" data-model-id="208753" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="messersteicherei-nach-pokmon-go-zusammentreffen-body-image-1469623508.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: imago | Donat Sorokin
</p><p>Fast wäre es in diesen Tagen sogar zu Schussverletzungen bei einem solchen <em>Pokémon Go</em>-Unfall gekommen. Jugendliche waren im Wald unabsichtlich <a href="http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/pokemon-go-spieler-stolpern-in-echtes-schiesstraining-auf-truppenuebungsplatz-aid-1.6124303" target="_blank">mitten in eine Schießübung</a> mit scharfen Waffen auf dem Truppenübungsplatz in Bergen hineingestolpert. Zum Glück ist dabei nichts passiert, möchte man sagen, aber es ist eben doch etwas passiert:
</p><p>In einer Dienstanweisung, dem <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/games/pokemon-go-bundeswehr-ruestet-sich-gegen-handy-spiel-a-1104871.html" target="_blank">"Sicherheitshinweis Nr. 02/2016"</a>, warnt man nun, dass "mehrere Sicherheitsvorkommnisse in Liegenschaften der Bundeswehr aufgetreten" seien—sprich <em>Pokémon Go</em>-Spieler auf Militärgelände.
</p><p>Kurz sacken lassen: Die deutsche Bundeswehr verfasste eine Dienstanweisung zu Pikachu, Raupsi und Co.</p><p>Soldaten, die sich dem Spiel hingäben, könnten über die GPS-Funktion geortet werden. Die Spionageabwehr fügte der Anweisung die Warnung hinzu, dass sich feindliche Agenten als <em>Pokémon Go</em>-Spieler tarnen und Fotos von militärisch geschützten Anlagen schießen könnten. Die Bundeswehr scheint sich darüber sehr ernsthaft Gedanken gemacht zu haben. Gab es dazu ein geheimes Militärtreffen oder bauen die Offiziere auf die Expertise ihrer Kinder?
</p><p>Bud Spencer, wir brauchen dich zurück.<br>
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>Ich habe mich eine Woche lang wie ein Arschloch verhalten</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-mich-eine-woche-lang-wie-ein-arschloch-verhalten</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 08:40:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Der Kellner bleibt nett, obwohl ich kein Trinkgeld gebe. Ich verspüre das dringende Bedürfnis, ihn auf Facebook ausfindig zu machen, und 'Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemanden bist du DIE WELT!' auf seine Pinnwand zu posten."
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/ich-habe-mich-eine-woche-lang-wie-ein-arschloch-verhalten-1469551446.jpg" type="image/jpg" length="2500"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/ich-habe-mich-eine-woche-lang-wie-ein-arschloch-verhalten-body-image-1469604958-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2500" data-original-height="1667" data-model-id="208470" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="ich-habe-mich-eine-woche-lang-wie-ein-arschloch-verhalten-body-image-1469604958.jpg" class="vmp-image">
</p><p><a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-eine-woche-zu-allem-ja-gesagt-und-bin-im-krankenhaus-gelandet-530" target="_blank">Ich bin immer viel zu nett</a>. Es liegt einfach in meiner Natur. Nicht selten lasse ich Menschen an der Supermarktkasse vor, weil ich mir denke, dass sie sicher einen anstrengenden Tag hatten und so schnell wie möglich Liebe mit ihrem Eimer Häagen-Dazs machen wollen. Muss ich niesen, so mache ich es mir zur Priorität, mich bei allen Anwesenden persönlich dafür zu entschuldigen, als wären sie soeben Zeuge eines unsagbaren Fehltritts geworden. Einmal bin ich in eine Straßenlaterne reingerannt und habe mich bei ihr entschuldigt.
</p><p>"Michael, du könntest eigentlich ein viel größeres Arschloch sein, und die Leute würden dich trotzdem mögen!", sagte mir ein Freund letztens, der in meiner Nettigkeit zurecht den <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-eine-woche-zu-allem-ja-gesagt-und-bin-im-krankenhaus-gelandet-530" target="_blank">Drang nach Bestätigung</a> erkannte. Ich habe in der Tat einige Menschen in meinem Umfeld, die ich als "Arschloch" bezeichnen würde. Magdalena zum Beispiel, eine "Freundin", die darauf besteht, alles, was ich beruflich mache, als "verrücktes Hobby!" abzustempeln. Unlängst habe ich ihr etwa erzählt, dass ich mein Buch an einen Verlag verkauft habe. Ihre genaue Antwort: "Heutzutage ist ALLES möglich!"
</p><p>Was für ein Arschloch. Und dennoch mag ich sie eigentlich ganz gern.
</p><p>Aber was macht einen Menschen überhaupt zum Arschloch? Kurzerhand startete ich eine <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Twitter" target="_blank">Twitter-Umfrage</a>, um eine genaue Definition zu erlangen. Die Antworten waren unzählig und reichten von "Auf der Rolltreppe links stehen" über <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Rassismus" target="_blank">Rassismus</a> und <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Sexismus" target="_blank">Sexismus</a> bis hin zu "<a href="http://www.vice.com/alps/read/dont-doener-oeffentliche-verkehrsmittel" target="_blank">in der U-Bahn ein stinkendes Sandwich essen</a>". Alle Äußerungen wiesen jedoch eine Gemeinsamkeit auf: Ein Arschloch tut, was es will, ohne auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen.
</p><p>Konnte ich, der Bursche, der selbst die Spracherkennung seines iPhones mit "Hallo, liebe Siri!" begrüßt und sich am Ende bei ihr bedankt, eine Woche lang ein Arschloch sein? Wie würde es sich auf meinen Alltag und meine Beziehungen auswirken? Würde es mir am Ende vielleicht doch gefallen? Ich musste es herausfinden.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><h2>TAG 1</h2><p>Ich möchte mit der Nettigkeit nicht Cold-Turkey-Style aufhören; meinen ersten Tag dieses Experiments widme ich daher vor allem dem passiven Arschloch-Sein, welches daraus besteht, dass ich Dinge einfach nicht tue. Ich halte keine Türen auf, sage nicht "Hallo" beim Betreten von Läden und gebe an der Eisdiele kein Trinkgeld. Für viele Leute ist das wohl normales Verhalten, aber ich fühle mich wie ein Bösewicht in einem Superhelden-Film, der eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt.
</p><p>"Michael hat die 1,80 Euro für sein Eis nicht auf 2 Euro aufgerundet? Er muss wirklich in Rage sein!!!", dachte sich meine Begleitung sicherlich beängstigt.
</p><p>Eine Freundin fragt mich später an diesem Tag, ob ich doch wohl hoffentlich nicht vergessen habe, ihre Pflanzen zu gießen, während sie im Urlaub war. Ich habe es tatsächlich vergessen, was zugegeben an sich schon ziemlich arschlochmäßig ist, aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich in letzter Zeit sehr viel<em> Pokémon Go</em> spiele und somit ohnehin schon zum asozialen Arschloch prädestiniert bin.
</p><p>Anstatt ehrlich zu sein, sage ich: "Jep, alle gegossen!", und mime mit der Hand eine Gießkanne. Tage später bedankt sie sich noch für meine fantastische Arbeit, obwohl ich absolut gar nichts gemacht habe.
</p><p class="pullquote">Ich halte keine Türen auf, sage nicht "Hallo" und gebe kein Trinkgeld. Für viele Leute ist das normales Verhalten, aber ich fühle mich wie ein Bösewicht in einem Superhelden-Film, der eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt.<br>
</p><p>Am Abend bin ich zum Fernsehen mit Freunden verabredet und beschließe kurzerhand, einfach nicht zu kommen—aus Sorge, sie können nach Ende des Abendprogramms wieder vorschlagen, eine Runde <em>Scrabble</em> zu spielen; eine supernervige Tätigkeit, bei der ich stets versuche, die Wortkombination "HELFT MIR" zu legen.
</p><p>Nach drei verpassten Anrufen und fünf SMS schreibe ich zurück: "Komme nicht." Meine Freunde sind verständnisvoll, lassen mich jedoch wissen, dass ich gerade einen "epischen dreifachen Buchstabenwert" verpasst habe. Ich könnte mich daran gewöhnen, ein Arschloch zu sein.
</p><h2>TAG 2</h2><p>Heute ist es so weit. Heute ist der Tag, an dem ich beschließe, grundlos unfreundlich zu einem Kellner zu sein; meiner Meinung nach der größte Arschloch-Move aller Zeiten. Selbst, wenn mir mein Essen nicht schmeckt oder ich mit dem Service unzufrieden bin, behandele ich Leute im Dienstleistungsbereich immer übertrieben nett, als wären sie Make-a-Wish-Kinder, weil ich mir sicher bin, dass sie ohnehin tagtäglich mit riesigen Arschlöchern konfrontiert werden. Dann hinterlasse ich 20 Prozent Trinkgeld, um meine Scharade aufrecht zu erhalten.
</p><p>Doch nicht heute! Von der Begrüßung bis hin zur Bestellung vermeide ich Augenkontakt, als wäre der Kellner die fürchterliche Sagengestalt Medusa. Ich sage weder "Bitte" noch "Danke" und ziehe generell eine Miene, als wäre mein Gegenüber für die unzufriedenstellende 7. Staffel von <em>Gilmore Girls</em> verantwortlich. Ich weiß wirklich nicht, was ich mir erwarte: vielleicht, dass der Kellner einen Handschuh wirft und mich zum Duell inmitten aller Gäste herausfordert.
</p><p>Doch der Garçon bleibt nett und wünscht mir einen schönen Tag, obwohl ich null Euro Trinkgeld gegeben habe. Es gibt kein schlimmeres Gefühl, als jemanden, der supernett zu dir ist, schlecht zu behandeln, und ich verspüre das dringende Bedürfnis, ihn auf Facebook ausfindig zu machen, und den Spruch "Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemanden bist du DIE WELT!" auf seine Pinnwand zu posten. Stattdessen lege ich mich schlafen und träume von dem Tag, an dem ich wieder nett sein darf.
</p><h2>TAG 3</h2><p>Auf dem Weg zum Supermarkt begegne ich meiner Bekannten Magdalena, der Arschloch-Lady, von der ich vorhin berichtet habe. Sie ist auch die Sorte Person, die ständig Dinge wie "Es wird Zeit, dass wir beide mal wieder Spaß zusammen haben!"  sagt und dabei völliger außer Acht lässt, dass wir noch nie Spaß miteinander hatten, was vor allem daran liegt, dass sie all ihre Mitmenschen gerne Waldorf-und-Statler-Style verbal fertig macht und dann "AHAHA, ich meine es nicht so—wir sind doch Freunde!" sagt, bevor sie auf ihrem Hexenbesen davonfliegt.
</p><p>Auch dieser Tag bildet keine Ausnahme. Wir begrüßen uns, geben uns ein kurzes Update über unser Leben und dann erklärt Magdalena, dass wir bald wieder gemeinsam was trinken gehen "müssen"; ohne Zweifel, weil sie ihren neuen Diss-Track gegen mich vortragen will. Ich hasse Konfrontationen, doch in diesem Moment nehme ich meinen Mut zusammen und sage: "Ich möchte nicht!" Diese Aussage ist zugegeben ziemlich unspannend, aber ich fühle mich, als hätte ich Magdalena aufs Übelste beleidigt.
</p><p>"Na gut, dann halt nicht", sagt sie ein bisschen enttäuscht und die darauf folgende Stille ist so unangenehm, dass ich aus irgendeinem Grund "Muss Kartoffeln kaufen ..." sage und in den Supermarkt verschwinde wie ein waschechtes Arschloch. Burn!
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/ich-habe-mich-eine-woche-lang-wie-ein-arschloch-verhalten-body-image-1469604986-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2500" data-original-height="1667" data-model-id="208471" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="ich-habe-mich-eine-woche-lang-wie-ein-arschloch-verhalten-body-image-1469604986.jpg" class="vmp-image">
</p><h2>TAG 4</h2><p>Da ich auf eine zweitägige Bierverkostung in einem anderen Bundesland eingeladen bin (eine Gelegenheit, auf die ich viel zu schnell und mit einem viel zu lauten "JA!!!" geantwortet habe), muss ich drei Stunden mit dem Zug fahren. Wir alle wissen, dass Züge reinste Convention-Center für die größten Arschlöcher dieser Welt sind und so sehe ich die Reise als ideale Gelegenheit, meine bisher erlernten Fähigkeiten weiter zu trainieren.
</p><p>Ich stoße auf Gold: In meinem Abteil befindet sich eine Familie mit vier Kindern, die jedes Mal, wenn wir durch einen Tunnel fahren, so laut schreien, als würden sie gerade das Portal zur Unterwelt passieren. Im Normalfall würde ich nichts sagen: Auch ich bin dafür bekannt, bei Dunkelheit die Beherrschung zu verlieren und mich wie ein Hund an Silvester zu verhalten.
</p><p class="pullquote">Ich habe den Zug als halbwegs normaler Mann betreten. Ich verlasse ihn als absolutes Arschloch.<br>
</p><p>Doch diese Woche nicht. Immer, wenn die Kinder schreien, räuspere ich mich oder nuschle in meinen Bart etwas wie "Kleine Racker ... ständig am Kläffen ... Papa braucht seine Siesta ...", während ich in meiner Zeitung lese und vor jedem Umblättern der Seite an meinem Finger lecke. Ich werde eiskalt ignoriert.
</p><p>Dann passiert mir ein absoluter Arschloch-Move, der tatsächlich nicht beabsichtigt ist. Der Vater versucht, seine Kinder zu besänftigen, und sagt: "Keine Sorge, das war der letzte Tunnel!" Ich kenne diese Strecke und weiß, dass er schieren Nonsens brabbelt. "Ich muss Sie enttäuschen", sage ich also, "auf dieser Strecke folgen sogar noch mehrere Tunnel!"
</p><p>In meinen Augen ist diese Aussage ein hilfreicher Tipp unter Reisenden, doch der Mann sieht mich entgeistert an, als hätte ich gerade platzen lassen, dass alte Haustiere gar nicht "auf den Bauernhof" kommen, sondern einfach sterben. Die Kinder fangen, eins nach dem anderen, verzweifelt und noch viel lauter als zuvor an zu weinen. Ich habe den Zug als halbwegs normaler Mann betreten. Ich verlasse ihn als absolutes Arschloch.
</p><p><strong><em>Eine echt starke Frau:</em></strong>
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</iframe><h2>TAG 5</h2><p>Bei der Bierverkostung sind alle so nett, dass es mir schwer fällt, unfreundlich zu sein. Obwohl ich mehrfach darauf hingewiesen werde, dass es nicht notwendig sei, jede servierte Bierprobe auszutrinken, genieße ich es bis zum letzten Tropfen, als wolle ich einen Guinness World Record aufstellen, was, wie ich finde, schon ziemlich arschlochmäßig ist.
</p><p>Am Ende des Tages wird uns gesagt, dass wir gerne so viele Flaschen Bier mit nach Hause nehmen können, wie wir wollen. Meine Augen weiten sich und Schaum bildet sich vor meinem Mund. Weil ich so ein gieriges Arschloch bin, laufe ich durch die Gänge und kralle mir Biere, als wäre ich ein Kandidat im Finale der Fernseh-Spieleshow <em>Super Toy Club</em>. Von Pils bis Craft Beer wandert alles in meinen Rucksack, und ich brauche beinahe einen Sherpa, um meine Ausbeute zurück zum Hotel zu bringen.
</p><h2>TAG 6</h2><p>Mittlerweile lege ich rücksichtsloses Verhalten an den Tag, als wäre es mir in die Wiege gelegt worden. Im Zug nach Hause mache ich es mir etwa zur Priorität, ein Blauschimmelkäse-Sandwich zu essen und es mit Bier runterzuschwappen. Meine Rülpser riechen top. Die übrigen Passagiere sagen nichts, aber werfen mir Blicke zu, die ich als "Ich hoffe, du erstickst an deinem Gorgonzola!" deute.
</p><p>Am Abend zu Hause angekommen besuche ich die Geburtstagsparty einer Freundin, die ich ganz ohne Gastgeschenk aufsuche; ja sogar ohne mitgebrachten Alkohol, obwohl mein Kühlschrank ob meiner gierigen Ausbeute so aussieht, als wäre ich der Erbe eines Bier-Imperiums.
</p><p>Im Smalltalk mit den übrigen Partygästen bin ich, wie ich finde, eigentlich ganz nett, was vielleicht daran liegt, dass ich seit 11 Uhr vormittags trinke. Ich erwische mich aber dabei, anstatt der seit Stunden laufenden House-Musik heimlich eine Tina-Turner-Playlist abspielen zu wollen, was zugegeben schon ein bisschen arschlochmäßig ist. Während "Simply the Best"—dem besten Exit-Song aller Zeiten—verlasse ich die Party völlig betrunken gegen 1 Uhr morgens, ohne irgendjemandem Bescheid zu sagen, und kralle mir noch ein Weg-Bier aus der Küche. Das ist nicht Teil des Arschloch-Projekts. So bin ich einfach, wenn ich trinke.
</p><h2>TAG 7</h2><p>Ich erwache mit üblen Kopfschmerzen und fühle mich schlecht. Das mag daran liegen, dass ich am Vortag praktisch Bier intravenös zu mir genommen habe, aber ich stelle mir auch gerne vor, dass es sich dabei um die Nebenwirkungen einer Woche des Arschloch-Daseins handelt.
</p><p>Mir ist durchaus bewusst, dass ich trotz meines Experiments dennoch relativ umgänglich war. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich während der gesamten Woche kein einziges Mal auf der Rolltreppe links gestanden und habe auch nie auf den Gehweg gespuckt, um meine Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Dennoch gab es Situationen, die für mich selbst mehr als unangenehm waren. Ähnlich wie Lindsay Lohan am Ende von <em>Girls Club</em> habe ich das dringende Bedürfnis, einige meiner Fehler richtig zu stellen.
</p><p class="pullquote">Im Smalltalk mit den übrigen Partygästen bin ich, wie ich finde, eigentlich ganz nett, was vielleicht daran liegt, dass ich seit 11 Uhr vormittags trinke.<br>
</p><p>Mein Kater-Frühstück hole ich mir deshalb aus dem Restaurant, in dem ich erst wenige Tage zuvor so unfreundlich zu dem Kellner war. Heute bin ich zuckersüß, halte penetrant viel Augenkontakt und verhalte mich generell so, als wäre ich Oprah in einer ihrer Talk-Show-Sendungen, in der sie Autos an alle Anwesenden verschenkt.
</p><p>Rückblickend betrachtet muss ich jedoch sagen, dass es unheimlich viele Momente meines Arschloch-Daseins gab, die ein schierer Genuss für mich waren: Ich habe mich erfolgreich vor einer Runde <em>Scrabble</em> gedrückt, habe einer unfreundlichen Person (mehr oder weniger) die Meinung gesagt und wurde gegen Ende der Woche mit einem Kühlschrank voller Bier belohnt.
</p><p>Ich goutiere Arschloch-Verhalten nicht. Egoistische Menschen, die keine Rücksicht auf andere nehmen, sind für mich das Schlimmste, und ich möchte nie wie Magdalena werden. Ich werde nett bleiben, meinen Sitzplatz in der U-Bahn Menschen anbieten, die auch nur einen Tag über 35 aussehen, und mich nach wie vor bei Straßenlaternen entschuldigen.
</p><p>Dennoch hege ich nun ein klein bisschen Verständnis für all die Arschlöcher dieser Welt: Ihr Leben erscheint mir fantastisch und voller egoistischer Genüsse; ähnlich wie Masturbation vor einem Wandspiegel. Ich kann jedem Leser empfehlen, ab und zu mal ein bisschen Arschloch zu sein, just for fun! Probiert es aus; es könnte auch euch gefallen. Aber bitte: Übertreibt es nicht.
</p>
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<dc:creator>Michael Buchinger</dc:creator>
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<title>Gauland will keinem einzigen Muslim mehr Asyl in Deutschland gewähren</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/gauland-will-keinem-einzigen-muslime-mehr-asyl-gewaehren</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 13:09:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Dabei müsste der AfD-VIze und Jurist doch am besten wissen, wie unfassbar verfassungswidrig seine Forderung ist.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/gauland-will-keinem-einzigen-muslime-mehr-asyl-gewaehren-body-image-1469623816-size_1000.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2500" data-original-height="1645" data-model-id="208755" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="gauland-will-keinem-einzigen-muslime-mehr-asyl-gewaehren-body-image-1469623816.jpeg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: imago | Christian Ditsch
</p><p>"Wir können es uns aus Sicherheitsgründen nicht mehr leisten, noch mehr Muslime unkontrolliert nach Deutschland einwandern zu lassen", so der Vizechef der <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-wurde-von-einem-afd-demonstranten-beraubt" target="_blank">AfD</a>, Alexander Gauland. Deshalb müsse "das Asylrecht für Muslime umgehend ausgesetzt werden, bis alle Asylbewerber, die sich in Deutschland aufhalten, registriert, kontrolliert und deren Anträge bearbeitet sind".
</p><p class="p2">Das ist mal eine Ansage. Hart und verfassungswidrig, denn im deutschen Grundgesetz-Artikel 16a ist verankert: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht." Ausnahmen gelten nur, wenn die <a href="http://www.vice.com/alps/read/die-migran-tenholle-0001316-v12n4" target="_blank">Zufluchtsuchenden</a> aus einem anderen EU-Land kommen oder aus einem sicheren Herkunftsstaat einreisen.
</p><p class="p2">Eigentlich müsste Gauland das wissen, er ist Jurist und war Staatskanzleichef in Hessen. Aber hier geht es nicht um Wissen, sondern um den Versuch, die Attentate in Bayern für die AfD nutzbar zu machen. Die juristische Aussichtslosigkeit Gaulands Forderungen brachte CDU-Generalsekretär Peter Tauber gegenüber dem <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-asylrecht-fuer-muslime-tauber-gauland-verkauft-die-leute-fuer-dumm/13932246.html" target="_blank"><span class="s2"><em>Tagesspiegel</em></span></a> treffend auf den Punkt: "Herr Gauland verkauft die Leute für dumm und schürt Angst (...). Ein Asylstopp für Muslime hätte vor keinem Gericht dieser Republik Bestand. Ich empfehle ihm einen Blick ins Grundgesetz."
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p class="p1"><span class="s1">Auch laut Genfer Flüchtlingskonvention ist es völkerrechtlich nicht erlaubt, Menschengruppen auf Grund ihrer Religiosität oder Ethnie vom Asylrecht auszuschließen. Die AfD wird um die Fakten wissen, doch sie weiß auch um die Wünsche ihrer Wähler. Da ist es unabdingbar, immer mal wieder die Gefolgschaft mit bewährten Themen zu triggern: Deutschland den Deutschen, Ausländer raus, oder zumindest nicht mehr rein. </span>
</p><p class="p1"><span class="s1">Gefährlich nahe dem AfD-Klima bewegt sich dieser Tage auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). So stellte er die Forderung, straffällige Asylbewerber wieder zurück in ihre Krisen- und Kriegsregionen abschieben zu können. Auch der bayerische Ministerpräsident Hort Seehofer <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/newsblog-zur-inneren-sicherheit-joachim-herrmann-fordert-abschiebungen-auch-nach-syrien/13926466.html" target="_blank"><span class="s2">sympathisiert</span></a> mit diesem bisherigen Tabu. Warum es ein Tabu ist, erklärt die Leiterin der Asylabteilung von Amnesty International, Andrea Berg gegenüber der <a href="http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/749839/amnesty-international-abschiebungen-in-krisengebiete-volkerrechtswidrig-1"><span class="s2"><em>Neuen Osnabrücker Zeitung</em></span></a>: "Kein Mensch darf in ein Land abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit gefährdet sind."</span>
</p><p>Natürlich gibt es jene, die kein Problem darin sehen, Straftäter über Kriegsgebiete abzuwerfen, auch wenn das ihren Tod bedeuten würde. Ähnlich wie es genügend Menschen gibt, die für die Einführung der <a href="http://www.vice.com/alps/read/ist-ich-bin-ja-nicht-fuer-die-todesstrafe-aber-das-neue-ich-habe-ja-nichts-gegen-auslaender-aber-afd-911" target="_blank">Todesstrafe</a> sind. Nur in beiden Fällen müssten wir uns dann die Frage gefallen lassen, ob wir moralisch nicht auf dieselbe Ebene der Täter sinken würden. Gesetzt den Fall, wir geben etwas auf die <a href="http://www.vice.com/alps/read/femen-sprengen-die-islamwoche" target="_blank">Moral</a>.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>Wie Schweizer Medien Terroristen und Rechtspopulisten in die Hände spielen</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/boulevard-medien-20-minuten-blick-terrorismus-is-rechtspopulismus-schweiz-muenchen-ansbach-svp-ch</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 09:15:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Das gefährliche Spiel mit der Angst.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/boulevard-medien-20-minuten-blick-terrorismus-is-rechtspopulismus-schweiz-muenchen-ansbach-svp-ch-1469552475.jpg" type="image/jpg" length="1392"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p>Würzburg am 18. Juli, München am 22. Juli, Reutlingen am 24. Juli, Ansbach am 24. Juli—innerhalb von nur einer Woche überschlugen sich die schockierenden Push-Meldungen, die vibrierend um meine Aufmerksamkeit kämpften. 56 Verletzte, 10 Tote bilanziert das <a href="http://graphics.wsj.com/what-we-know-about-the-attacks-in-germany/"><em>Wall Street Journal</em></a> die Taten trocken. Zahlen, die wohl kaum jemand noch so genau benennen kann. Zu viel ist in zu kurzer Zeit auf zu brutale Art geschehen—wobei noch nicht einmal die Todesfahrt in Nizza und der Putschversuch in der Türkei wirklich verarbeitet waren. Die vielen kleineren Ereignisse vermischten sich zu einem Grossen. Welches davon war nochmal der Amoklauf? Welches der Selbstmordanschlag? Welches die Beziehungstat? Und vor allem: Spielt das überhaupt noch eine Rolle?
</p><p>Bei vielen macht sich ein Gefühl der Hilflosigkeit breit, der Angst vor dem, was in Europa noch auf uns zukommen wird. Der Screenshot aus dem Video, in dem der Täter von Würzburg mit drohendem Blick ein Messer in die Kamera hält, wurde etliche Male übernommen. Auf Twitter geht ein Video viral, das zeigt, wie der Amokläufer von München vor einem McDonald's steht und unverhofft beginnt, auf Passanten zu schiessen. Es sind Bilder, die in uns Gefühle wecken und sich so in unser Gehirn einbrennen. Wer erinnert sich noch daran, wieviele Menschen bei 9/11 starben? Wer weiss noch, wie es aussah, als das zweite Flugzeug in die Twin Towers krachte? Fakten vergessen wir schnell einmal, Bilder bleiben als Symbol für das Ereignis bestehen.<br>
	
</p><p>Ein Facebook-Video der <em>ARD</em>-Tagesschau, das seit Freitag über 3.6 Millionen mal angeklickt wurde, zeigt, dass unser Gefühl der Unsicherheit aber völlig irrational ist: "Zumindest in Deutschland ist es deutlich wahrscheinlicher, beim Essen zu ersticken . Daran sind in den vergangenen Jahren jeweils mehrere Hundert Menschen gestorben, mehr als bei Terroranschlägen in ganz Europa zusammen", klärt die Journalistin Charlotte Gnändiger den Zuseher vor einem Diagramm auf. Klar, es mag zynisch erscheinen, Tote gegen Tote abzuwägen. Klar, wir können nicht wissen, ob die vergangene Woche der Beginn einer Zeit der Gewalt in Mitteleuropa ist. Aber wir können uns kurz einen Schritt zurück machen und überlegen, wieso uns etwas in eine solche Unsicherheit stürzt, das derzeit rein faktisch gesehen ungefährlicher ist, als am Abend mit Freunden oder der Familie zusammen zu Essen.
</p><p>
	<iframe src="https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Ftagesschau%2Fvideos%2F10154377284614407%2F&show_text=0&width=560" width="640" height="360" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true" allowfullscreen="true">
	</iframe><br>
</p><p><span id="docs-internal-guid-ef2b41d8-27e6-9d69-8ae4-4a01c4636290"><em>Deutschlandradio Kultur</em> sprach nach den Anschlägen in Brüssel vergangenen März mit jemandem, der sich intensiver mit dieser Frage auseinandersetzt. Der Professor für Kommunikationspsychologie Wolfgang Frindte erklärte im <a href="http://www.deutschlandradiokultur.de/terrorismus-und-medien-sie-muessen-berichten.1008.de.html?dram:article_id=349316">Interview</a> ein Paradox, das in Zeiten der Live-Ticker und sozialen Medien als Informationsquelle bedeutender sein dürfte als je zuvor: Die Medien müssen über Ereignisse berichten, helfen mit ihrer Berichterstattung aber auch den Terroristen, weil diese die Aufmerksamkeit brauchen. Doch gibt es innerhalb der Berichterstattung auch Unterschiede: "Eine starke Dramatisierung führt natürlich auch zu einer starken Emotionalisierung. Und die kann nun zu zwei Wegen führen: entweder zu Wut oder zu Angst", analysiert Frindte. Mittlerweile sollte uns allen klar sein, dass neben den Toten, der Gewalt und der Unberechenbarkeit  die Angst die stärkste Waffe des Terrorismus ist—und diese wird auch durch Menschen und Institutionen geschürt, die sich selbst wohl auf der Seite "der Guten" sehen.</span><br>
</p><p>Ein Beispiel dafür ist ein <a href="http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Wie-gefaehrlich-sind-minderjaehrige-Fluechtlinge--14970484">Artikel</a> von <em>20 Minuten</em> von voriger Woche. "Wie gefährlich sind minderjährige Flüchtlinge?" fragte die Zeitung seine <a href="https://mediadaten.20min.ch/20-minuten/print/">1.3 Millionen Print-</a> und <a href="https://mediadaten.20min.ch/20-minuten/onlinemobile/">über 3 Millionen Online-Leser</a> in einem Titel und impliziert dadurch, dass es nicht möglich ist, dass minderjährige Flüchtlinge nicht gefährlich sind. Bebildert ist der Artikel mit jenem bedrohlich wirkenden Foto des Täters von Würzburg, auf dem dieser ein Messer in die Kamera hält. Fairerweise muss ich anmerken, dass der Artikel selbst im Gegensatz zur visuellen Aufmachung inhaltlich sehr faktenorientiert ist—doch uns allen dürfte bewusst sein, dass gerade bei Häppchen-Journalismus wie <em>20 Minuten</em> viele Leute kaum mehr als die Headline und das Foto anschauen.</p><p><div class="twitter-container"><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>warum wir eine neue medienethik brauchen 2 
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Sebastian Sele</dc:creator>
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<title>Dem Arzt, der keine Asylwerber behandeln wollte, wurde die Lizenz entzogen</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/thomas-unden-lizenz</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 08:22:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Thomas Unden, der Anfang des Jahres verkündet hatte, "keine Asylanten" zu behandeln, darf seinen Beruf nicht mehr ausüben.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/thomas-unden-lizenz-1469607997.jpg" type="image/jpg" length="344"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/27/thomas-unden-lizenz-body-image-1469608109.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="344" data-original-height="421" data-model-id="208510" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="thomas-unden-lizenz-body-image-1469608109.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit"><a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-mit-dem-arzt-gesprochen-der-keine-asylwerber-mehr-behandeln-will" target="_blank">Screenshot via Facebook</a>
</p><p>Anfang des Jahres sorgte der Wiener Allgemeinmediziner Thomas Unden für Schlagzeilen, nachdem er auf seiner Facebook-Page und an seiner Tür verkündet hatte, "keine Asylanten" in seiner Ordination zu behandeln. Kurze Zeit später wurde ein Disziplinarverfahren gegen Unden eingeleitet. Jetzt wurde ihm die Ärztelizenz entzogen, wie das Internetportal <a href="http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/Wut-Arzt-verliert-die-Aerzte-Lizenz/245131979" target="_blank"><em>oe24</em> berichtet</a>. Laut der Standesvertretung fehle es Unden an der "nötigen Vertrauenswürdigkeit für die Ausübung dieses Berufes."
</p><p>Im selben Zeitraum kündete Unden an, das Amt des österreichischen Bundespräsidenten anzustreben. In einem mittlerweile entfernten Kandidatur-Video verkündete Unden <a href="http://www.heute.at/digital/multimedia/Facebook-sperrte-den-Asylverweigerer-Arzt-aus;art73472,1251655" target="_blank">unter anderem</a>, "den russischen Präsidenten bei der Wiederaufnahme der Menschen am afrikanischen Kontinent um Hilfe" bitten zu wollen.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Bereits im März gab Unden seine Praxis auf, nachdem sämtliche dort aufzufindende Laptops und Datenträger im Zuge von Ermittlungen wegen Wiederbetätigung vom Verfassungsschutz <a href="http://kurier.at/chronik/wien/umstrittener-arzt-gibt-seine-praxis-auf/186.285.211" target="_blank">beschlagnahmt wurden</a>. Thomas Unden sieht sich laut <em><a href="http://kurier.at/chronik/wien/disziplinarverfahren-wiener-arzt-behandelt-keine-asylwerber/174.871.977" target="_blank">Kurier</a></em> als einen der "letzten Verwandten Adolf Hilters."
</p><p>Thomas Unden sagte 2012 <a href="https://www.youtube.com/watch?v=pZ1Iu3FnVqE" target="_blank">in der ATV-Serie <em>Das Geschäft mit der Liebe</em></a><em>, "</em>die Österreicherin ist eine Kombination aus Hängebrust und Krampfader". Für diese Aussage bekam Unden von der <a href="http://www.krone.at/Wien/Nach_derbem_TV-Auftritt_Geldstrafe_fuer_Wiener_Arzt-Kein_Berufsverbot-Story-344125" target="_blank">Ärztekammer eine Strafe von 1500 Euro</a>. </p><p><br>
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>Wir haben Männer gefragt, wann sie bei Tinder nach rechts wischen</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 12:20:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Wenn ich richtig, richtig hübsche Frauen mit waschechten Modelfotos sehe, mache ich gar keinen Like. Das ist mir von Anfang an zu viel."
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-1469615750.jpg" type="image/jpg" length="2000"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p>Tinder ist mittlerweile zu einem so großen Running Gag über die angebliche Oberflächlichkeit und <a href="http://www.vice.com/alps/read/tinder-emotionale-krueppel-829" target="_blank">emotionale Verwahrlosung</a> unserer Gesellschaft geworden—ganz zu schweigen von unserer Sexbesessenheit—dass es jetzt selbst <a href="http://www.vice.com/alps/read/berliner-spd-politiker-auf-tinder" target="_blank">Wahlwerbung zum Swipen, Anfassen und Mitmachen</a> gibt. Die Popkultur würdigt das "<a href="http://www.vice.com/alps/read/swipe-2-fuck-erster-tinder-porno-wird-in-berlin-gedreht" target="_blank">Swipe 2 Fuck</a>"-Prinzip mit Pornos, Hörbüchern, Typologien der match-baren Prachtexemplare und sogar <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-uns-mit-leuten-unterhalten-die-laut-tinder-die-sexiesten-berufe-haben-624" target="_blank">Berufsempfehlungen zur Steigerung deiner Tinder-Chancen.</a>
</p><p>Jetzt können australische Nutzer der App sogar Orgien organisieren, auch, wenn die Sicherheitslücken in Tinder Social ein Fest für Stalker sind. Dennoch funktioniert das Aussuchen potenzieller Partner über ein Zucken des Daumens je nach Ort und persönlichen Dating-Fähigkeiten so effektiv, dass manche <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-nur-noch-ber-dating-apps-sex-383" target="_blank">ihr komplettes Sexleben über Swipes und oberflächliche Auswahl organisieren</a>.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Nachdem wir bereits <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-frauen-gefragt-wofuer-sie-bei-tinder-likes-verteilen" target="_blank">Frauen</a> zu ihren Tinder-Qualitätskriterien ausgefragt haben, dürfen nun die Männer ran. <a href="http://www.vice.com/alps/read/die-sieben-tinder-todsuenden-fuer-frauen-928" target="_blank">Pseudo-tiefe Zitate, Haustiere, Brüste</a>—was zieht und was ist dafür wirklich eine Todsünde?
</p><h2>Tobi, 25, Student</h2><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615404-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1335" data-model-id="208627" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615404.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Alle Fotos vom Autor
</p><p><strong>VICE: Benutzt du Tinder?<br>Tobi:</strong> Ich habe das ein halbes Jahr intensiver benutzt und später sehr, sehr sporadisch. Jetzt habe ich es nicht mehr.
</p><p><strong>Warum hast du aufgehört?</strong><br>Ich habe jetzt eine Freundin und finde es unpassend, dauernd da draufzuschauen, weil meine Freundin auch nicht besonders viel getindert hat. Kann man sich ja immer wiederholen, wenn man es wieder braucht.
</p><p><strong>Bei wem wischst du nach rechts?
	</strong><br>Erstmal müssen sie ein freundliches Gesicht haben, das ist wichtig. Außerdem geht es darum, dass das Bild nicht zu ausfallend, aber auch nicht zu langweilig sein darf und genau die richtige Mischung an Lebensfreude haben sollte. Wenn mir das Bild optisch gefällt, geht es in die richtige Richtung. Leute, die Duckfaces machen oder sehr arrogant in die Kamera schauen, finde ich nicht attraktiv—so sollte man sich meiner Meinung nach nicht von Anfang an präsentieren.
</p><p><strong>Was sagst du zu Bildern mit Haustieren oder kleinen Kindern?</strong>
	<br>Das kommt darauf an. Hunde finde ich generell nett. Wenn der Hund mir gefällt, gefällt mir auch das Bild.  Aber kleine Kinder würden mich eher abschrecken.
</p><p><strong>Backpacker-Bilder?
	</strong><br>Finde ich gut. Die zeigen auch, dass die Person ein bisschen rumgekommen ist und die könnte dann zum Beispiel eine Reise mit mir machen.
</p><p><strong>Hier schreiben Leute sehr ausführlich in ihre Profile rein, dass sie alle auf Kunst, Kaffee und Politik stehen. Wie stehst du dazu?
	</strong><br>Eigentlich finde ich das gar nicht so schlecht. Bei Tinder war es oft so, dass mir eine Person gefallen hat, bei der ich aber im Gespräch schnell herausfand, dass sie Hobbys hatte, die ich überhaupt nicht teile oder sogar abstoßend finde. Feminismus zum Beispiel ist dagegen ein interessantes Schlüsselwort, ich finde es gut, wenn Leute sowas äußern.
</p><p><strong>Was war dein schlimmster Gesprächsverlauf?
	</strong><br>Die Frau hat erwartet, dass wir uns gleich am nächsten Tag treffen. Das fand ich eigentlich interessant, aber gleichzeitig auch komisch. Vor allem, weil ich das bei ihr nicht erwartet hätte. Das war kurz witzig und dann ganz schnell ziemlich awkward. Was ich viel schlimmer finde, sind Treffen, bei denen ich merke, dass die andere Person total interessiert ist, ich aber gar nicht. Sowas tut mir leid. Da bin ich ein Mensch, der noch lange redet, obwohl es ganz unangenehm ist.
</p><p><br>
</p><h2>Marcus, 24, Hotelier</h2><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615600-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1335" data-model-id="208629" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615600.jpg" class="vmp-image">
</p><p><strong>VICE: Wie lange hattest du Tinder?
	<br>Marcus:</strong> Vor zwei Jahren hatte ich es länger und habe es ein Jahr lang öfter benutzt. Ich habe aber mit der Zeit gemerkt, dass es nicht mehr das ist, was ich brauche.
</p><p><strong>Warum nicht?
	</strong><br>Du kannst wirklich coole Leute kennenlernen, aber der Sinn der Sache sind eigentlich nur Sex-Dates. Darauf hatte ich doch nicht so Lust. Außerdem ist Tinder sehr oberflächlich, das nimmt einfach die Spannung raus. Du schreibst schon vor dem ersten Treffen und lernst die Person über das Texten kennen, was den ersten Moment total killt.
</p><p><strong>Nach welchen Kriterien hast du früher Likes verteilt?
	</strong><br>Es gibt ja immer verschiedene Phasen. Da ist der Moment, in dem du mit Tinder anfängst und noch sehr kritisch aussuchst, nicht nur optisch, sondern auch nach dem, was sie in ihr Profil schreiben, was sie machen, wie alt sie sind. Andererseits kommen auch Phasen, in denen du mit deinen Freunden in der Bahn sitzt und einfach alles likest. 
</p><p><strong>Nach welchen Punkten bist du denn kritisch?</strong>
	<br>Wenn ich richtig, richtig hübsche Frauen mit waschechten Modelfotos sehe, mache ich gar keinen Like. Das ist mir von Anfang an zu viel und bei diesen Bildern glaube ich auch oft nicht, dass die Person in der Realität so aussieht. Ansonsten sind es eher unspektakuläre Kriterien: wenn mir die Augen oder das Gesicht gefallen oder mir der Profiltext sympathisch ist.
</p><p><strong>Welche Bilder gehen außer Modelfotos nicht?
	</strong><br>Halbnackte Bilder sind ein bisschen komisch. Die sind nicht wirklich schlimm, aber das Bild ist billig. Nicht die Person! Die kenne ich ja gar nicht. Aber mit Bikini-Bildern machen sie es sich leicht. Das finde ich erstmal nicht so attraktiv wie eine Frau, die nicht so viele Fotos von sich einstellt. Das ist viel interessanter, als Leute, die sich von Anfang an über Bilder ausdrücken: Urlaubsbild, Sportbild, Hundebild, das sind die Klassiker.
</p><p><strong>Wem gibst du den Super-Like?
	</strong><br>Da musst du das erste Bild sehen und dir denken "Wenn die mich nicht liket, dann habe ich verkackt." Der Frau, die du unbedingt daten möchtest, willst du dieses Interesse zeigen. Diese Frau müsste mich also so flashen, dass ich gar nicht drüber nachdenken müsste.
</p><p><strong>Was war dein schlimmstes Gespräch?
	</strong><br>Da habe ich etwas Nettes gesagt und sie das gleich negativ aufgefasst. Sie war sehr bestimmerisch und das hat das Gespräch von Anfang an getötet.
</p><p><br>
</p><h2>Uli, 25, Student</h2><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615629-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2816" data-original-height="1880" data-model-id="208630" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615629.jpg" class="vmp-image">
</p><p><strong>VICE: Was magst du an Tinder?
	<br>Uli:</strong> Du siehst, welche Menschen in deiner Nähe sind. Ich will mich ja nicht mit allen Frauen dort treffen, aber wenn ich mal fünf Minuten Zeit habe, sehe ich, wer an Singles hier rumläuft.
</p><p><strong>Und stört dich etwas ganz besonders?
	</strong><br>Eigentlich gefällt mir das Prinzip nicht, sich innerhalb weniger Sekunden entscheiden zu müssen, ob man eine Person mag oder nicht. Mittlerweile mache ich es eher zur Gaudi, nicht, um mich jeden Tag mit jemandem zu treffen.
</p><p><strong>Bei welchen Frauen wischst du nach rechts?
	</strong><br>Das Blöde ist natürlich: Man schaut erstmal auf das Aussehen, das ist bei Tinder ja groß. Spannend sind oft aber auch die Profiltexte. Ich mag es, wenn sich Leute als alternativ beschreiben oder über das Thema Reisen schreiben. Ich achte aber auch darauf, was die Bilder mir erzählen—ob die Person arrogant wirkt oder ob ihr Leben interessant ist.
</p><p><strong>Schaust du immer ins Profil oder swipest du einfach die Bilder durch?
	</strong><br>Letzteres mache ich manchmal ganz gern. Es kommt darauf an, in welcher Stimmung ich gerade bin. Wenn ich auf der Kloschüssel sitze und Zeit habe, swipe ich einfach mal durch.
</p><p><strong>Hast du dich schon längerfristig mit Leuten von Tinder getroffen?
	</strong><br>Getroffen schon, aber etwas wirklich Großes ist daraus nicht entstanden. One-Night-Stands waren dabei, aber niemand für eine längere Beziehung.
</p><p><strong>Welche Bilder gehen besonders gut und welche gar nicht?
	</strong><br>Was gar nicht geht, sind Profile, in denen ich nur Sonnenbrillenfotos sehe. Dieser Sonnenbrilleneffekt kann ziemlich viel vertuschen. Ansonsten, bei positiven Sachen—das klingt vielleicht blöd, aber wenn eine Frau auf Bildern viel Haut zeigt, ist sie vielleicht lockerer drauf und dann wische ich schon eher mal nach rechts.
</p><p><strong>Ist "Kein ONS" ein Ausschlusskriterium?
	</strong><br>Prinzipiell nicht, aber das schwankt ein bisschen. Wenn ich auf der Suche nach der Liebe meines Lebens bin, ist das überhaupt kein Problem. Aber wenn ich Lust auf etwas Unkompliziertes habe, geht der Finger eher nach links.
</p><p><strong>Was war das schlimmste Gespräch beim Texten?
	</strong><br>Ich finde es immer unangenehm, wenn ich der anderen Person etwas aus der Nase ziehen muss und merke, dass die nicht wirklich Lust hat. Das regt mich auf, aber so richtig schlimm war das Schreiben noch nie.
</p><p><strong>Wie stehst du zu klassischen Selfie-Posen?</strong>
	<br>Ganz übel, ganz, ganz übel! Ich bin zwar selbst ziemlich unfotogen und schaue immer blöd in die Kamera, aber Selfie-Posen symbolisieren immer so ein bisschen, dass ich mit den Frauen eher nichts zu tun haben will.
</p><p><br>
</p><h2>Giulio, 27, Student</h2><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615668-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2816" data-original-height="1880" data-model-id="208631" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615668.jpg" class="vmp-image">
</p><p><strong>VICE: Wie lange hast du Tinder benutzt?
	<br>Giulio:</strong> Angemeldet bin ich glaube ich seit über zwei Jahren, aber ich habe es immer nur phasenweise für einige Wochen benutzt. Seit April letzten Jahres habe ich eine Freundin—nicht über Tinder—und benutze die App gar nicht mehr.
</p><p><strong>Wie aktiv warst du in deinen Hochphasen?</strong>
	<br>Ich habe geschaut, welche Matches ich habe und ein bisschen rumgeschrieben, aber so richtig auf Treffen angelegt habe ich es nicht. Das lag nicht daran, dass keine wollte, ich habe es einfach nicht forciert.
</p><p><strong>Was schreckt dich total ab?
	</strong><br>Die Bilder, auf denen derbe viel Make-up im Gesicht hängt und auf denen es eindeutig um Selbstdarstellung geht. Mich hat es eher angezogen, wenn Leute ihr Gesicht nicht komplett drin hatten.
</p><p><strong>Da bist du sehr anders als <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-frauen-gefragt-wofuer-sie-bei-tinder-likes-verteilen" target="_blank">eine unserer Interviewpartnerinnen von letzter Woche</a>, die das total hasst.
	</strong><br>Ich finde das direkt ein bisschen mysteriöser und du musst erstmal was tun, um etwas über sie zu erfahren. Bei Leuten, die sich übertrieben darstellen, weißt du sofort, was sie möchten, die anderen sind da ein bisschen subtiler.
</p><p><strong>Was findest du am besten an Tinder?
	</strong><br>Dass es schnell geht und du sehr schnell Antworten bekommst. Es passt sehr gut zu unserer schnellen Zeit und zu unserer Gesellschaft, in der Sex eine große Rolle spielt. Durch die App bekommst du Bestätigung relativ schnell.
</p><p><strong>Und was ist am schlimmsten?
	</strong><br>Wiederum genau das, deswegen bin ich auch raus.
</p><p><br>
</p><h2>Marvin, 21, Verkäufer in einer Boutique
</h2><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615713-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2816" data-original-height="1880" data-model-id="208632" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="wir-haben-maenner-gefragt-wie-sie-tindern-body-image-1469615713.jpg" class="vmp-image">
</p><p><strong>VICE: Worauf bist du bei Tinder aus?
	<br>Marvin:</strong> Ich genieße jeden Moment.  Man hat ja viele Gespräche dabei, manche sind mehr, manche weniger interessant. Sagen wir es so, normalerweise bin ich eher auf etwas Lockeres aus und da läuft es meistens ganz gut.
</p><p><strong>Welchen Leuten gibst du Likes?
	</strong><br>Es ist Tinder und keine Partnerbörse fürs Leben. Wenn sie mir optisch gefällt, dann gebe ich einen Like. Wenn sie allerdings in ihrem Status irgendwelche von Dichtern gestohlene Pseudo-Sprüche stehen hat, wische ich nach links. Das ist mir zu unpersönlich und wird auch schnell langweilig.
</p><p><strong>Was war dein schlimmster Chat auf Tinder?
	</strong><br>Das war eigentlich ziemlich witzig. Ich schrieb sie an und sie gab mir nur ganz, ganz knappe Antworten—immer nur ein oder zwei Worte. Irgendwann habe ich das dann gelassen—und genau dann fragt sie mich nach meiner Nummer. Hä, was?
</p><p><strong>Was sagst du zu Backpacker-Bildern?
	</strong><br>Es ist ja interessant, wenn Leute die Welt sehen möchten, aber ich sehe es einfach zu oft. Vielen kaufe ich das auch nicht ab. Aber immernoch besser als Duckface oder sowas. Da denke ich mir nur "nein, nein, nein, nein, nein, ciao!"
</p><p><em>Lukas ist bei <a href="https://twitter.com/KammerKopter" target="_blank">Twitter</a>.</em>
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Lukas Kammer</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
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<title>Alles, was ich über Sex gelernt habe</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/von-aromen-bis-latex-meine-gesammelten-weisheiten-zum-thema-sex</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 09:25:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Ich werde wahrscheinlich auch noch in den nächsten 50 Jahren immer wieder die gleichen Fehler machen, aber hoffentlich könnt zumindest ihr von meinem angesammelten Wissen irgendetwas mitnehmen.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p>Sex! Ficken! <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Orgasmus" target="_blank">Kommen</a>! Ein wahres Fest, oder? Ich wette, dass du das Ganze genau in diesem Moment auch gerne machen würdest—also deine Lust wie ein wildes und brünstiges Tier in einem versauten und feuchten Chaos der Körperflüssigkeiten zu befriedigen? Man denkt oft, viel über das Thema Sex zu wissen, aber im Laufe der Zeit wird einem dann doch irgendwie immer wieder klar, wie wenig man eigentlich darüber weiß. Seit wann finden heterosexuelle Männer <a href="http://www.vice.com/alps/read/wenn-anilingus-nach-hinten-losgeht" target="_blank">Anilingus</a> eigentlich so langweilig? Wie einigt man sich auf ein gutes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Safeword" target="_blank">Safeword</a>? Und steht eigentlich überhaupt irgendjemand aufs Fingern?
</p><p>Mithilfe meiner neuen BBC-Sendung <a href="http://www.bbc.co.uk/bbcthree/item/6120c1bf-354d-46af-8a07-5bb4a233d9bd" target="_blank"><em>The Paris Lees Sex Show</em></a> wollte ich die unterschiedlichen Aspekte der Sexualität untersuchen, die mir unbekannt waren. Außerdem war mein Ziel, das Ganze so schmutzig und oberflächlich wie nur möglich zu gestalten. Da es sich aber um die BBC handelt, musste die Show natürlich auch etwas Lehrreiches an sich haben—für die Jugend und so weiter. Gemessen an den BBC-Standards ist das Ganze aber dennoch ziemlich anrüchig. Schau dir zum Beispiel mal an, wie meine Brüste im folgenden Clip wie zwei mit Gelee gefüllte Ballons auf und ab wippen.
</p><div class="resp-video-wrapper youtube-wrapper"><iframe src="//www.youtube.com/embed/vC3fBcS7SeI" width="100%" height="100%" frameborder="0" scrolling="no" data-original-width="560px" data-original-height="315px" webkitallowfullscreen webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowfullscreen></iframe></div><p>Wie dem auch sei, VICE wollte von mir wissen, ob ich bei meinen doch recht speziellen Nachforschungen irgendetwas gelernt hätte. Das habe ich tatsächlich. Und in Kombination mit einem zehnjährigen Dasein als—sagen wir es, wie es ist—Schlampe bedeutet das, dass ich in Bezug auf das Thema Sex schon einen ziemlich guten Wissensstand und Erfahrungsschatz vorweisen kann. OK, ich will jetzt nicht länger um den heißen Brei herumreden und euch genau daran teilhaben lassen.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><h2>1.) Entspanne dich</h2><p>Schalte einen Gang zurück und atme einmal tief durch. Ganz ehrlich, wenn mir das Leben eine Sache beigebracht hat, dann folgende: Wenn man sich mal ein bisschen entspannt, dann kann man sich auch auf einen Verkehrspylonen setzen.
</p><h2>2.) Richte dir eine Sexschublade ein</h2><p>Jeder Mensch braucht eine Sexschublade. Selbst beim ganz normalen Penis-in-die-Vagina-Sex kommt es doch ab und an zu einer schönen Sperma-Sauerei, oder? Und vom ganzen Muschisaft will ich hier erst gar nicht anfangen. Genau deshalb braucht man auch einen Stauraum für die Taschentücher, Kondome, Handtücher, Handschellen, Dildos etc. Halt den ganzen Sexzeug. Ich bin außerdem ein großer Fan von Feuchttüchern. Immer wenn ich die Dinger irgendwo im Angebot sehe, lege ich mir wie eine geizige Hausfrau direkt einen großen Vorrat an. Aber glaubt mir, Feuchttücher erzeugen da unten ein wirklich unvergleichliches Frischegefühl. Durch die Aloe-Vera-Variante komme ich mir immer fast wieder wie eine Jungfrau vor.
</p><h2>3.) Schätze die Intimität</h2><p>Ich hatte in meinem Leben schon viele wirklich intime und besondere Beziehungen—zu meiner Nagelpflegerin, meiner Frisörin und zu der Frau, die mir die Augenbrauen zupft. Aber erst in den vergangenen paar Jahren bin ich wirklich erwachsen geworden und habe wahre Intimität richtig zu schätzen gelernt. Und ja, Promiskuität kann auch Spaß machen, aber ich bin dennoch der Meinung, dass dieses Konzept langfristig gesehen nicht viel hergibt. Inzwischen vergleiche ich zwanglosen Sex mit Fastfood und romantisches Liebemachen mit der Zubereitung eines eigenen Gerichts. Versteht mich hier aber nicht falsch! Manchmal braucht man eben einen vor Fett nur so triefenden Kebab. Dieser Kebab wird aber eben niemals so gut schmecken wie eine Speise, die man ganz langsam und liebevoll mit vielen verschiedenen Zutaten und Gewürzen selbst zubereitet hat. Wer hätte das gedacht?
</p><h2>4.) Springe über deinen Schatten</h2><p>Durch meine neue Wertschätzung habe ich noch eine weitere Sache gelernt. Wenn man jemanden liebt, dann ist so ziemlich alles drin. Auch ich habe meine Präferenzen und Grenzen, aber wenn es da einen ganz speziellen Menschen gibt, dann ist man dazu bereit, alles für diesen Menschen zu tun. Und zwar nicht auf eine komische, abhängige und erniedrigende, sondern auf eine gefühlvolle, offene und wunderschöne Art und Weise. Es gibt zwar immer Dinge, die man anfangs nur macht, weil sie das Gegenüber anturnen, aber irgendwann kann es tatsächlich passieren, dass man diese Dinge plötzlich auch selbst heiß findet.
</p><h2>5.) Sage niemals nie</h2><p>Ich würde mich zwar schon als "sex-positiv" bezeichnen, aber es gibt trotzdem gewisse Sachen, die mir instinktiv zuwiderlaufen. Beispiele hierfür wären Selbstverletzung oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Koprophilie" target="_blank">Fäkalspielchen</a>. Im Gegenzug habe ich inzwischen aber auch schon Vorlieben für Praktiken entwickelt, die ich früher noch als zu krass oder absurd eingestuft hätte. Und aus persönlicher Erfahrung heraus weiß ich, dass es vielen anderen Leuten da genauso geht. So habe ich schon einige Typen Ende 20 oder Anfang 30 getroffen, die auf Transgender-Frauen (egal ob vor oder nach der OP) stehen—und mit Anfang 20 niemals davon ausgegangen wären, jemals "so weit" zu gehen. Wie so viele andere Dinge ändert sich mit der Zeit eben auch die eigene sexuelle Perspektive oftmals ziemlich drastisch. Das ist vollkommen in Ordnung. Im Grunde will ich hier eigentlich nur sagen, dass ich neuerdings auch auf <a href="http://www.vice.com/alps/read/in-kanada-wurden-syrische-fluechtlingsfamilien-von-einer-furry-convention-willkommen-geheissen-462" target="_blank">Furrys</a> stehe.
</p><h2>6.) Fick mich, während ich emotional bin</h2><p>Findet ihr es nicht geil, im emotional aufgeladenen Zustand zu ficken? Also ich schon.
</p><h2>7.) Auch körperlich behinderte Menschen haben Bedürfnisse</h2><p>Ich bin ziemlich egoistisch und habe dementsprechend auch noch nie wirklich über dieses Thema nachgedacht. Seitdem ich jedoch meine Show moderiere, weiß ich, dass es nicht wirklich viele Pornos für Menschen gibt, die blind oder sehbehindert sind. Und das ist scheiße. Zwar existieren auch Porno-Bücher in Blindenschrift, aber man benötigt zwei Hände, um sie zu lesen. Super. Blinde brauchen bessere Erotik, die alle Sinne bedient.
</p><h2>8.) Schmutzige Fantasien sind OK</h2><p>Jeder von uns besitzt doch mindestens eine schmutzige Fantasie, die er oder sie im echten Leben niemals ausleben würde. Das ist ja auch nichts Schlimmes. Ich bin jedoch der Meinung, dass man immer mal wieder an diese Fantasie denken sollte, um sich anzuturnen—egal ob man sich nun gerade in einer Beziehung mit einem unglaublich tollen und hübschen Menschen befindet oder nicht. Mir ist dabei egal, wie genau deine Fantasie aussieht, und du musst mit Sicherheit auch nicht wissen, was in meinem Kopf abgeht. OK, wenn du es unbedingt hören willst, die Hauptdarsteller sind ein durchsichtiger Regenmantel, eine ehemalige Schulkameradin, sechs durchtrainierte und sexhungrige Feuerwehrmänner sowie ein Hundeleckerli. Mehr will ich aber wirklich nicht verraten.
</p><h2>9.) Drei sind einer zu viel</h2><p>Am Anfang macht man mit der neuen Bettbekanntschaft immer aus, dass es irgendwann mal zu einem <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Dreier" target="_blank">Dreier</a> kommen wird. Dieser Fall trifft letztendlich jedoch nur sehr selten ein. Ich will hier gar nicht behaupten, dass Dreier immer schlecht sind oder man sie nicht erfolgreich durchführen kann, aber ein gewisses Risiko haftet ihnen trotzdem immer an. Mein Tipp ist es, diese ganze Dreier-Fantasie in der sexuellen Sturm-und-Drang-Phase auszuleben. Da wir allerdings im Jahr 2016 leben, soll jeder einfach das machen, was er oder sie will.
</p><h2>10.) Lass dich untersuchen</h2><p>Keine Ahnung wie, aber ich hatte noch nie einen Tripper. Verrückt, oder? Und das, obwohl ich es schon ohne Verhütung in einer dreckigen Seitengasse mit einem ziemlich zwielichtig aussehenden Drogendealer getrieben habe. Ich bin jedoch ziemlich dumm. Du bist das nicht und benutzt deswegen auch immer ein Kondom. Du willst ja nicht irgendwelche fiesen <a href="http://www.vice.com/alps/read/die-fiesesten-geschlechtskrankheiten-von-denen-ihr-noch-nie-was-gehrt-habt" target="_blank">Geschlechtskrankheiten</a> oder ein Baby bekommen. Apropos ...
</p><h2>11.) Sexualkunde muss besser werden</h2><p>Im Grunde bereitet einen der Sexualkundeunterricht nicht wirklich auf die Realität und die Verantwortung des Geschlechtsakts vor (zumindest dort, wo ich herkomme). Moment, man führt den Penis in die Vagina ein und Frauen können schwanger werden? Welch Überraschung! Und ich habe noch an den Klapperstorch geglaubt. Klar, wir haben die Pflicht, unsere Kinder über das Thema Fortpflanzung aufklären. Dabei ist es jedoch wichtig, auch Dinge wie etwa Einverständnis anzusprechen. So kann man nämlich sexueller Gewalt vorbeugen, Respekt für die persönlichen Grenzen des sozialen Umfelds aufbauen und viel Leid verhindern. Als ich noch zu Schule ging, schauten wir einfach nur einen Film an, der uns darauf vorbereiten sollte, dass die Achseln jetzt mehr Hygiene benötigen, dass da unten Haare wachsen und dass <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Masturbation" target="_blank">Masturbation</a> doch sehr schön sein kann. Vielen Dank, all das hätte ich bis zu meinem 14. Lebensjahr auch selbst herausgefunden. Nie hat man uns gesagt, dass Homosexualität, Bisexualität und Asexualität nichts Schlechtes sind. Genau das ist jedoch bitter nötig.
</p><h2>12.) Genieße das Aroma</h2><p>Achseln sind heiß. Verschandle diese Stelle deines Körpers bitte nicht mit billigem Deodorant. Halte sie einfach nur sauber. Das ist wichtig. Ich habe da nämlich mal ein Video zu gesehen. Vielleicht handelt es sich hier auch nur um eine persönliche Vorliebe, aber ich ich bin überzeugt davon, dass wir auf den Geruch von anderen Menschen stehen sollen. Eine Ausnahme bildet hier der Brexit-Befürworter <a href="http://www.vice.com/alps/tag/boris%20johnson" target="_blank">Boris Johnson</a>. Ich glaube, er riecht nach Dosenfleisch und Versagen.
</p><h2>13.) Höre auf, unsicher zu sein</h2><p>Mach dir keine Sorgen. Dein Sexpartner bzw. deine Sexpartnerin liegt zusammen mit dir im Bett, weil er bzw. sie auf dich steht. Also lass dich gehen und habe einfach Spaß!
</p><h2>14.) Mit Latex liegst du nie falsch</h2><p>Latex ist geil. So sah mein Kleid Anfang März aus:
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/von-aromen-bis-latex-meine-gesammelten-weisheiten-zum-thema-sex-body-image-1469540696-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="1333" data-model-id="208235" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="von-aromen-bis-latex-meine-gesammelten-weisheiten-zum-thema-sex-body-image-1469540696.jpg" class="vmp-image">
</p><p>So sah mein Kleid Ende März aus:
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/von-aromen-bis-latex-meine-gesammelten-weisheiten-zum-thema-sex-body-image-1469540716-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="1333" data-model-id="208236" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="von-aromen-bis-latex-meine-gesammelten-weisheiten-zum-thema-sex-body-image-1469540716.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Tut mir leid, lieber Hersteller.
</p><h2>15.) Blasen will gelernt sein</h2><p>Ach ja, der gute alte <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Blowjob" target="_blank">Blowjob</a>. Ich zitiere an dieser Stelle einfach mal Samantha aus <em>Sex and the City</em>: "Leicht? Ihr Männer habt gar keine Ahnung, was wir uns da unten für Arbeit machen. Die Kieferspannung, der Unterdruck, der Würgereflex. Und dazu immer rauf und runter, stöhnen und schön durch die Nase atmen. Schätzchen, es heißt nicht umsonst BlowJOB!"
</p><p align="center">§
</p><p>Und das war's so ziemlich. Ich werde wahrscheinlich auch noch in den kommenden 50 Jahren immer wieder die gleichen Fehler machen, aber hoffentlich konntet zumindest ihr von meinem angesammelten Wissen irgendetwas mitnehmen. Und jetzt viel Spaß beim Ficken!<br><br>
</p><p class="photo-credit">Titelbild: <a href="http://www.samtaylorillustrator.com/" target="_blank">Sam Taylor</a>
</p>
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<dc:creator>Paris Lees</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
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<title>Schlau, schön und nackt: Warum sich Stripperinnen gegenseitig lieben und hassen</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/warum-sich-stripperinnen-gegenseitig-lieben-und-hassen</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 04:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Meine Kolleginnen verprügeln für mich respektlose Arschlöcher. Andere zerschneiden meine Unterwäsche und erzählen, ich hätte Genitalherpes.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class=""><br></p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/26/warum-sich-stripperinnen-gegenseitig-lieben-und-hassen-body-image-1469542842.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="720" data-original-height="534" data-model-id="208265" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="warum-sich-stripperinnen-gegenseitig-lieben-und-hassen-body-image-1469542842.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Die Frau links ist Cherry. Sie arbeitet in einer großen Tabledance-Bar in Deutschland. Cherry ist nicht ihr richtiger Strippername, weil sie in ihrer Kolumne maximal ehrlich sein und trotzdem ihren Job behalten will | Alle Fotos: privat<br>
</p><p>Der Sonntagabend ist da, um sich <a href="http://www.vice.com/alps/read/18-saetze-die-stripperinnen-nicht-mehr-hoeren-koennen" target="_blank">vom Stripclub</a> zu erholen: Ivy, Sky, Angel und ich sitzen in Jogginghosen in Ivys Wohnzimmer, kiffen und <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-stripper-keine-koerperkomplexe-haben" target="_blank">essen Gemüselasagne</a>. Kein Make-up, keine BHs, keine hohen Schuhe, <a href="http://www.vice.com/alps/read/was-mein-stripperjob-mit-meinen-beziehungen-macht" target="_blank">keine Männer</a>. Alles, was von unserem Arbeitsplatz bleibt, sind unsere Strippernamen. Klar wissen wir, wie wir eigentlich heißen, aber zu wechseln, ist uns zu anstrengend.
</p><p>Auf den ersten Blick ähneln wir uns kein bisschen. Die weißblonde Angel ist gerade mal 19, mit überirdischen Modelmaßen. Sky dagegen ist eine komplett tätowierte und gepiercte Berliner Punk-Göre mit pastellrosa Haaren. Ivy hat ein markantes Gesicht und etwas von Uma Thurman. Aber wir haben einiges gemeinsam: Gehirn, Titten und Ambitionen. Eigentlich hatten wir beruflich alle ganz andere Pläne. Sky hat Kunstgeschichte studiert, aber das war ihr zu langweilig. Sie strippt jetzt, um die Tierarztrechnungen ihrer Pitbulldame Queen Latifah zu bezahlen. Angel hat vor einem Jahr Abi gemacht und überlegt immer noch, was sie studieren soll. Vielleicht wird sie aber auch Model. Ivy ist DJ mit jeder Menge Techno im Blut. Und dann gibt's noch mich: Cherry. Mode- und Grafikdesignerin, Teilzeit-Stripperin.
</p><p>Wir vier halten zusammen—anders geht man in dieser Branche unter. Wir leihen uns Outfits, geben uns Schminktipps, teilen Dollar und Gras, und wenn der Abend zu Ende geht, springen wir alle zusammen unter die Duschen und seifen uns gegenseitig mit rosa Schaum ein. (Ja, wirklich, auch wenn sich das wie ein Softporno anhört. Wir haben aber nichts miteinander, sondern albern nur herum, weil wir so durch von der Schicht sind und irgendjemand eine riesige Flasche Sprühschaum im Duschraum vergessen hat.)
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Vor allem im Kampf gegen respektlose Schwanzträger ist der Zusammenhalt der Stripperinnen in unserem Club immens. Letzte Woche zum Beispiel: Ich mache eine Show für einen Junggesellenabschied. Das heißt: nuttiges Polizistenoutfit, Striptease, Lapdance und ein bisschen auspeitschen. Die Peitsche ist aber nur zur Show, ich hau nie fest zu.
</p><p>Die Gruppe ist eine von der schlimmen Sorte: ein Haufen Steroide schluckender Hulks. Irgendwann sitze ich ohne einen Fetzen Kleidung auf dem Bräutigam in spe—einem aufgepumpten Kerl, der ständig versucht, seine Hände in Gefilde zu bewegen, die absolut verboten sind. Ich klatsche ihm auf die Finger. Dummerweise habe ich meine Peitsche eine Sekunde aus den Augen gelassen. Einer der Hulks schnappt sie sich und zieht sie mir mit voller Kraft über den Rücken, so stark, dass meine Haut aufplatzt. Die Gruppe lacht. Ich nicht. Ich verpasse dem Muskelberg eine und laufe davon, damit sie nicht die Tränen sehen, die mir in die Augen schießen.
</p><p>Ich bin keine Heulsuse, aber das war zu viel. In der Garderobe fange ich vor lauter Demütigung an zu weinen. Ein riesiger roter Striemen zieht sich über meinen Rücken und blutet. Die Mädels sind entsetzt und strömen wie eine Horde Racheengel in Unterwäsche wieder in den Club und knöpfen sich die Männer mit ausgefahrenen Acryl-Krallen vor. Angel und Sky gehen verbal auf die Jungs los: "Wie kann man nur eine Frau schlagen?" Cheyenne beschimpft die Jungs in gebrochenem Deutsch: "Du bist eine dreckige Sexist und isch wette, deine Penis ist so groß wie eine Wurm!" Seraphina und die dicke Stella nehmen sich den Übeltäter persönlich an ihre überdimensionierten Plastikbrüste, Chantal hat zwar kein Pfefferspray zur Hand, aber in der Not tut es auch Chanel No. 5. Noch bevor die Türsteher überhaupt Wind von der Sache bekommen, gehen die Kerle freiwillig.
</p><blockquote><strong><a href="https://broadly.vice.com/de/article/mit-string-und-hidschab-nadia-ali-strippt-fuer-die-rechte-muslimischer-frauen" target="_blank"><em>Broadly: Mit String und Hidschad—Nadia Ali strippt für die Rechte muslimischer Frauen</em></a></strong></blockquote><p>Dass es so loyal zugeht wie in meinem Club, ist aber alles andere als normal. Vorher arbeitete ich in einem Edelstripclub in München mit lauter rumänischen Silikon-Diven. Freundschaften existierten dort nicht. Die Tänzerinnen hatten echt was drauf in Sachen psychologischer Kriegsführung: Kichern und Lästern, wenn eine Feindin auf der Bühne war, Make-up im Klo runterspülen, Unterwäsche zerschneiden, Lügen verbreiten, um Mädchen vor reichen Kunden schlecht zu machen ("Everybody knows that Cherry is suffering from genital herpes!").
</p><p>Manchmal kochten die Aggressionen hoch: Diebstahl, rausgerissene Piercings und Extensions—alles schon gesehen. Ich war gleich von Anfang an untendurch. (Grund: deutscher Pass und keine Schönheits-OP). Ich weiß, dass diese Stutenbissigkeit von Ressourcenkämpfen kam. Viele der wunderschönen Rumäninnen mussten mit ihrem Verdienst noch ihre Kinder und einen Ehemann durchbringen und hatten keinen Plan B. Existenzängste, wenig Schlaf, wenig Tageslicht—verständlich, dass die Frauen gereizt sind. Ich war im Vergleich dazu ein reiches Mädchen und hatte den simplen Vorteil, deutsch zu sprechen, was bei den Kunden natürlich gut ankam.
</p><p>Glücklicherweise habe ich mittlerweile in Berlin meine Stripper-Clique gefunden. Das ist wichtig für die geistige Gesundheit, denn unsere "anderen" Freunde wissen nichts oder nicht viel über unser Leben nach Sonnenuntergang. Ich kann meiner Kindheitsfreundin kaum erzählen, dass ein Mann einmal von mir wollte, dass ich seine Tochter spiele. Oder dass mich ein Kunde komplett bekokst in den Whirlpool getunkt hatte und so lange unters Wasser drückte, bis ich dachte, ich ertrinke. Mit solchen Geschichten kommen nur andere Stripperinnen zurecht. Bei Sky, Angel und Ivy weiß ich, sie verstehen mich. Sie sind meine Verbündeten im Rotlicht—und meine Freunde bei Tageslicht.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Cherry</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
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<title>Wie ich als überzeugter Linker nach Nordkorea reiste</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/ein-linker-zur-besuch-in-nordkorea-ein-reisebericht</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 04:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Ich musste vorher unterschreiben, dass ich die "Verehrung der politischen Führer" respektiere und darüber weder vor der Reise noch danach "kritische oder ironische Bemerkungen" mache.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ein-linker-zur-besuch-in-nordkorea-ein-reisebericht-body-image-1469542304-size_1000.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1500" data-model-id="208254" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ein-linker-zur-besuch-in-nordkorea-ein-reisebericht-body-image-1469542304.jpeg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Der Blick vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Monument_der_Chuch%E2%80%99e-Ideologie" target="_blank">Chuch'e-Turm</a>
</p><p>Seit fünf Jahren arbeite ich für die deutsche Partei <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Die%20Linke" target="_blank">DIE LINKE</a>. Zur Zeit bin ich Landesgeschäftsführer in Schleswig-Holstein. Auch ehrenamtlich habe ich Positionen von der Kommunalpolitik bis zum Parteivorstand bekleidet. Mein politisches Ziel ist der demokratische Sozialismus. Dutzende Male ist mir am Infostand vorgeworfen worden, ich wäre ein Fan von <a href="http://www.vice.com/alps/video/vice-guide-to-north-korea-1-of-3" target="_blank">Nordkorea</a>. Also beschloss ich, im September 2015 für zehn Tage mit acht Zufallsbekanntschaften privat nach <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Nordkorea" target="_blank">Nordkorea</a> zu reisen, um mir selbst ein Bild von diesem Land zu machen.
</p><p>Als Linker bin ich geneigt, den Dingen immer einen Widerspruch entgegenzusetzen. Einfache Wahrheiten gehören hinterfragt. Geschichte wird von den Siegern geschrieben, deswegen versuche ich, auch die Verlierer zu Wort kommen zu lassen. Als ich nach Nordkorea gefahren bin, war mein Anspruch, nichts zu erwarten und offen dieses Land zu entdecken. Ich wollte zurückkehren und meine Eindrücke den Klischeebildern gegenüberstellen, ja sie vielleicht sogar entlarven. Leider machte es mir Nordkorea aber nicht leicht.
</p><p>In tiefschwarzer Nacht sind wir außerhalb von Pjöngjang gelandet. Die Crew des russischen Transportfliegers Antonov stand bereit und scheuchte uns übers Flugfeld in einen Bus. "No photos!" Sie führten uns in einen Terminal, der im Gegensatz zur Dunkelheit draußen strahlend hell erleuchtet war. Militärbeamte mit viel zu großen Mützen erwarteten unsere Pässe. Sie waren ausgesprochen freundlich.
</p><p class="pullquote">Es war totenstill im Bus. Alle schauten gebannt aus den Fenstern und wurden sich bewusst, dass sie wirklich hier sind—im abgeschottetsten Land der Welt.<br>
</p><p>Ich wurde gebeten, meine mitgebrachten Bücher vorzuzeigen. Meine Wahl war auf <em>2001 - Odyssee im Weltraum</em> gefallen. Der Beamte blätterte es einmal durch und war zufrieden, ich durfte Nordkorea betreten. Wer hätte erwartet, dass es Nordkorea einem so einfach macht?
</p><p>Gleich in der Ankunftshalle erwartete mich mein adretter Reiseleiter. Von da an nannte ich ihn mit dem notwendigem Masochismus "mein geliebter Reiseführer".  Er nahm mir als Erstes meinen Pass ab, bevor er mich willkommen hieß. Von nun an bestimmte er fast jede Minute meines Tages. Bereits in Deutschland hatte ich per Unterschrift erklärt, mich ohne Beschwerden zu fügen.
</p><p>Während die anderen Reisegruppenmitglieder aus dem Security-Check kamen, schaute ich mich um: Eine leere, fast klinisch saubere Flughafenhalle, geschlossene Buchläden, ein geschlossenes Restaurant, ein kleiner Verkaufsstand für Limonade mit einer stramm lächelnden Verkäuferin. Kaum ein Geräusch außer dem Klacken von Schuhen auf dem blank polierten Boden.
</p><p>Wir wurden in einen Bus verfrachtet, verließen den mit Flutlicht erleuchteten  Parkplatz—und tauchten wieder in die Finsternis. Auf den unbeleuchteten Straßen war unser Bus die einzige Lichtquelle. Im Leuchtkegel der Busscheinwerfer tauchten immer wieder Menschen auf, die mit Fahrrädern ohne Licht oder zu Fuß in den Straßen  unterwegs waren. Einige wenige hatten Taschenlampen, hier und da hatten sich kleine Gruppen um ein Lagerfeuer gebildet. Ich erinnerte mich an Computerspiele wie <em>Fallout</em> oder <em>Wasteland</em>. Es war totenstill im Bus. Alle schauten gebannt aus den Fenstern und wurden sich bewusst, dass sie wirklich hier sind—im abgeschottetsten Land der Welt.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Die ersten Tage wurden zu einem Best-of der Nordkorea-Klischeebilder. Untergebracht waren wir im Hotel Yanggakdo in Pjöngjang, das auf einer Insel im Taedong-Fluss liegt und militärisch abgeriegelt ist. Mir ist unklar, ob man uns hindern wollte, die Insel zu verlassen, oder Unbefugte daran, sie zu betreten. Im Hotel gab es fließend Warmwasser, in allen Einrichtungen, die wir bei unseren Besichtigungstouren außerhalb des Hotels betraten, gab es nur einen großen Krug mit Schöpfkelle. Selten gibt es in ganz Pjöngjang Strom. In den Großstädten Wonsan und Kaesong wurde der Strom extra für uns angestellt. Es fuhren kaum Autos auf den Straßen. Gefühlt jedes dritte stand am Straßenrand mit zwei Nordkoreanern, die sich ratlos über den Motorraum beugten.</p><p> Die Schotterpisten Kambodschas sind angenehmer zu befahren als die Kraterlandschaft der nordkoreanischen Autobahn. Nordkorea ist ein bitterarmes Land der so genannten Dritten Welt. Dieser Zustand wird nicht geleugnet. Ich hatte fadenscheinige Erklärungen oder sogar dreiste Lügen erwartet. Tatsächlich zeigte man uns das alles aber mit Stolz. Mit dem Stolz einer Nation, die sich in einem trotzigen Underdogmythos eingerichtet hat. Ein Mythos, der besagt, dass die ganze Welt sich gegen dieses Land verbündet hat. Und obwohl die USA täglich den Angriff planten und mit Sanktionen das Nötigste zur Mangelware machten: Die Nordkoreaner lassen sich nicht unterkriegen. Wenn man in diesem Land aus seiner kalten Wohnung mit dem Schrottfahrrad zur Arbeit fährt, denkt man sich: "Den Imperialisten habe ich es heute wieder gezeigt!"
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ein-linker-zur-besuch-in-nordkorea-ein-reisebericht-body-image-1469542401-size_1000.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="2667" data-model-id="208255" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ein-linker-zur-besuch-in-nordkorea-ein-reisebericht-body-image-1469542401.jpeg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Selfie auf dem Kim-il-Sung-Platz
</p><p>Das politische System bietet keine Überraschungen. Laut meines geliebten Reiseführers ist es ganz simpel. Es gibt die Führer; die sind der Kopf des Staats. Darunter gibt es das Volk; das ist der Körper. Den Führern obliegen das Nachdenken und die Entscheidungen. Das Volk darf diese dann mit Inbrunst umsetzen. Zu seinem großen Glück wird das nordkoreanische Volk von der außergewöhnlichsten Familie des Menschengeschlechts geführt: der Familie Kim. Mittlerweile wird in dritter Generation geherrscht.
</p><p>Zu unseren Touristenpflichten gehörte, dass wir täglich an mehreren Kultstätten huldvolle Verbeugungen vollführten und/oder Blumen niederlegten. Die Regeln wurden mir dabei nicht ganz klar. Manche Statuen grüßten wir nur kurz, bei anderen verharrten wir in der Verbeugung. Es gibt Wachsfiguren der verstorbenen Führer in riesigen leeren Hallen, vor deren Betreten wir uns die Kleidung zurechtzupfen mussten. Der geliebte Reiseführer erzählte, dass viele Staatsmänner an jenem Ort in Tränen ausgebrochen waren. Zuletzt war ich versucht, mich vor einem Tomatengewächshaus zu verbeugen, da mir stolz berichtet wurde, dass Kim Jong-il es der Universität persönlich geschenkt hätte.
</p><p>Räume, die von den Führern besucht wurden, sind mit roten Schildern markiert, auf denen das genaue Datum des Besuches für die Ewigkeit verzeichnet ist. Es gibt Räume, denen die Gnade zu Teil wurde, bereits mehrfach besichtigt worden zu sein. Wir wurden gebeten, vor Betreten die Schuhe auszuziehen.
</p><p>Der Höhepunkt waren die Sarkophage im "Sonnenpalast" von Pjöngjang mit den nach stalinistischer Tradition einbalsamierten Leichnamen. Im Raum herrschte eine Stimmung, dass man befürchtete, bei einem Fehler in der hier besonders ausgefeilten Verbeugungszeremonie (zwei Särge, jeweils drei Verbeugungen, nicht mit dem Rücken zu den Toten) sofort an die Wand gestellt zu werden. Tatsächlich erinnere ich mich wegen der riesigen Anspannung kaum an diese Momente. Ich war im Tunnel der Ehrerbietung.
</p><p><em><strong>Diese geflüchtete Frau erzählt von ihren Erfahrung in nordkoreanischen Internierungslagern:</strong></em>
</p><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/vice-meets&vid=V5dWEydjpegmPmLf1QPuVvssVJn2I467&embedCode=V5dWEydjpegmPmLf1QPuVvssVJn2I467&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvice-meets-kim-hye-sook-018%26topic%3Dnews%26aid%3Dvice-meets-kim-hye-sook-018%26auth%3DVICE+Staff%26keywords%3DVICE+Meets%2CNordkorea%2CKim+Hye-sook%2CKonzentrationslager%2CInternierungslager%2CPukch%26%2339%3Bang%2CBukchang%2CSeoul%2CS%C3%BCdkorea%2CAsien%2CFlucht%2C%C3%9Cberl%C3%A4ufer%2C%C3%9Cberl%C3%A4uferin%2CBen+Makuch%2CStraflager+18%2CUN%2CVereinte+Nationen%26ac%3Dno%26country%3Dalps%26contentId%3DV5dWEydjpegmPmLf1QPuVvssVJn2I467&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fvice-meets-kim-hye-sook-018&autoplay=0&share_url=http://www.vice.com/alps/video/vice-meets-kim-hye-sook-018" width="1000px" height="360px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen="">
</iframe><p>Vor unserem Schaufensterblick bewegte sich das Volk vornehmlich in der Masse. Mittags wurde für kommende Paraden trainiert, nachmittags ein Massentanz aufgeführt und abends wieder geübt, um an wichtigen Jahrestagen in perfekter Choreographie den Kims zu huldigen. Immer morgens um 6 Uhr weckte mich der geliebte Reiseführer. Schlaftrunken ging ich zu meinem Hotelfenster mit der Pjöngjang-Skyline und starrte ratlos auf Hunderte Menschen, die am Ufer gegenüber bereits mit der Morgengymnastik begonnen hatten.
</p><p>Am achtenTag unserer Reise besuchten wir ein Kinderferienlager, um uns ins versprochene Erstaunen versetzen zu lassen. Es war kein Kind da, die seien gerade alle abgereist. Es roch nach frischer Farbe, die Einrichtung sah aus, als hätte sie nie ein Kind berührt. Vor Ort erklärt eine Führerin die Spaßwelt und wie Kim Jong-il persönlich Anweisungen gegeben hätte, um das Ganze im Sinne der Kinder zu optimieren. Diese Ausführungen übersetzte uns dann unser geliebter Reiseführer ins Deutsche. Zeitgleich war eine polnische Reisegruppe vor Ort, die ihrer polnisch sprechenden Reiseleitung lauschte. Nun befand sich in meiner Gruppe jemand, der polnisch wie deutsch sprach. Ihm wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, die nächsten Minuten nochmals den Reiseleiter der polnischen Reisegruppe ins Deutsche zu übersetzen, damit unser geliebter Reiseführer abgleichen konnte, ob die koreanische Vorgabe auch korrekt wiedergegeben wurde und nicht etwa wichtige Details des Geniestreichs der Großen Führer weggelassen wurden. Er verlor dabei seine Freundlichkeit und war voll zwanghaftem Eifer, einen Fehler beim Kollegen zu entdecken.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ein-linker-zur-besuch-in-nordkorea-ein-reisebericht-body-image-1469542501-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1500" data-model-id="208258" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ein-linker-zur-besuch-in-nordkorea-ein-reisebericht-body-image-1469542501.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Eine der wirklich zahlreichen Kim-Il-sung-Statuen
</p><p>Ein anderes Mal drückte unser Fahrer trotz gewaltiger Schlaglöcher aufs Gaspedal, als stünde er kurz vor dem Überschreiten der (nicht vorhandenen) Lenkzeiten. Die Straße war gesäumt mit Frauen, die mit Steinbrocken die Straße aufklopften. Der Mangel an tauglichen Arbeitsgeräten war nichts Ungewöhnliches, jedoch erschien uns dieses Aufgebot nicht wie ein regulärer Bautrupp. Auf die vorsichtige Nachfrage beim geliebten Reiseführer wurde mir entgegnet, dass es sich um "Freiwilligenarbeit" handeln würde. Es käme öfter vor, dass Betriebsgruppen sich in revolutionärer Begeisterung dazu entschlössen, solche Arbeiten zu verrichten.
</p><p>Unser geliebter Reiseführer illustrierte mit seiner Lebensgeschichte ganz gut, wie diese Freiwilligkeit in Nordkorea aussieht: Als Jugendlicher sei er total vernarrt in Pferde gewesen. Bei einem Bier am Abend erzählte er mir davon, wie er einen Freund, der im Zoo arbeitete, bestochen habe, um bei den Pferden schlafen zu können. Etwas erstaunt fragte ich ihn, wann sich seine Leidenschaft für Deutschland und die deutsche Sprache davorgeschoben habe. Er antwortete, dass er Deutschland überhaupt nicht interessant fände und die deutsche Sprache ziemlich nervig. Aber es habe einen Mangel an Dolmetschern gegeben, also habe er die Pferde vergessen und stattdessen uralte, deutsche Spielfilme auswendig gelernt, um akzentfrei Deutsch sprechen zu können. Gleichwohl wurde er nie müde zu erzählen, dass es in Nordkorea die freie Berufswahl gäbe.
</p><p class="pullquote">Zuletzt war ich versucht, mich vor einem Tomatengewächshaus zu verbeugen, da mir stolz berichtet wurde, dass Kim Jong-il es der Universität persönlich geschenkt hätte.<br>
</p><p>Ich hatte durchaus das Gefühl, dass es im täglichen Propagandaeintopf Schattierungen und Grautöne gab. Ein Beispiel: Während Staatsgründer Kim Il-sung mit glühender Verehrung zum Gottmenschen erhoben wurde, wurden die Stimmfarben bei Kim Jong-il schon verhaltener. Nicht nur, dass in seine Regentschaft der "Lange Marsch" fiel. Eine heute zur Prüfung erklärte Hungersnot die Hunderttausende das Leben kostete. Nein, er hatte im Gegensatz zu seinem Vater keinen erfolgreichen Krieg und keine nationale Befreiung vorzuweisen. Beim heutigen Regenten Kim Jong-un wird die Begeisterung dann zur gelangweilten Aufführung. Wie verkaterte Cheerleader rissen die dazu Verdammten ihren monologisierten Text herunter und schienen glücklich, wenn sie sich wieder Kim Il-sung zuwenden konnten.
</p><p>Aber auch dieser subjektive Eindruck konnte nicht relativieren, dass individuelle Gedanken und Einschätzungen in Nordkorea unerwünscht sind. Wie Kindern erklärte uns der geliebte Reiseführer zwar die Errungenschaften des koreanischen Sozialismus, darüber zu diskutieren, blieb aber unmöglich.
</p><p>Kim Jong-il analysiert in einem seiner vielen Aufsätze das Scheitern der DDR wie auch der UdSSR. Seiner Auffassung nach scheiterte der Sozialismus dort, weil man versuchte, ihn alleine durch die Planwirtschaft herbeizuführen. Dies sei falsch. Vornehmlich wäre der Aufbau des Sozialismus eine Frage der Erziehung. Du denkst, du bist im Arbeiterparadies, also ist es so. Wenn du siehst, dass es Kasten gibt, die sich mit einem Zugang zu Devisen bereichern, wenn du von Korruption weißt und dich wunderst, warum es ausgerechnet in deinem Lebensmittelgeschäft nichts zu kaufen gibt—dann arbeite gefälligst an deiner Einstellung zum System! Du bist das Problem, nicht das System.
</p><p>Und alle kritischen Gedanken legst du ganz tief in ein Loch.
</p><p>Das Erschreckende ist, dass es funktioniert. Ich hatte ich bereits ein Dokument unterschrieben, in dem es hieß:  "Ich werde die koreanische Kultur  oder ironischen Bemerkungen machen". Damals lachte ich darüber, doch vor Ort wurde mir bewusst, wie ernst es Nordkorea damit ist.
</p><p>Ich wagte nicht mal, an der Hotelbar mit den anderen aus meiner Reisegruppe über meine Erlebnisse des Tages zu sprechen. Man redete im besten Fall verklausuliert, aber nie kritisch. Ich hatte mir für mein Tagebuch einen Code ausgedacht, den ich aber nicht durchzog. So schrieb ich lauter positive Sachen auf und hoffte, mich später daran zu erinnern, wie ich wirklich darüber gedacht habe. Und irgendwann im Laufe eines Tages mit dem üblichen Monumentenmarathon kam er dann, dieser furchtbare Gedanke: "Vielleicht ist ja doch auch irgendwas dran an dem Ganzen. Vielleicht höre ich zum ersten Mal die Wahrheit." In Nordkorea gibt es für jeden kostenlose Bildung, Gesundheitsversorgung und mietfreie Wohnungen. Ist das nicht großartig?
</p><p>Es besteht kein Zweifel, dass es im Koreakrieg und der japanischen Kolonialherrschaft grausamste Verbrechen gegeben hat. Das Land selbst sieht sich aber nur als  vergessenes Opfer. Als armes von der Welt misshandeltes Volk unter dem notwendigen Schutz eines militarisierten Systems. Mein geliebter Reiseführer gab uns ein Sprichwort auf den Weg: "Mit einer schwachen Faust kann man sich nur die Tränen wegwischen."
</p><p>Überall lächeln dich gütig die Kims von Bildern an, die Farbgebung zu kitschig für jedes Märchenbuch. Man erfährt, wie Kim Jong-il bis spät in die Nacht arbeitete und dann über seinem Schreibtisch einem Herzinfarkt erlag. Der Zug, in dem dies geschah, wird besichtigt, aber man darf nicht fragen, warum da ein Apple-Laptop auf dem Schreibtisch steht.
</p><p>Als ich nach meiner Rückfahrt in Peking aus dem Bahnhof trat, erschien mir das autoritäre Reich der Mitte wie ein Ort unerhörter Freiheit. Klar, auch hier sind Webseiten gesperrt, aber in Nordkorea legen sich die Gedankenverbote wie Watte um dein Hirn, bis du Angst kriegst, dass du den Ausgang nicht mehr findest. Die enorme Stille im Land rührt nicht nur vom mangelnden Verkehr.
</p><p class="pullquote">"Ich habe deinen Reisepass als Klopapier benutzt, morgen kommst du in den Gulag."<br>
</p><p>So begleitete mich bei meinen ersten Schritten in Peking aber nicht nur Erleichterung, sondern auch große Scham.
</p><p>Ich hatte es tatsächlich getan. Ich war einer von gerade einmal 1.500 westlichen Besuchern im Jahr gewesen, die es gewagt hatten, das Reich der Kims zu betreten, und nun war ich einfach wieder draußen. Unser geliebter Reiseführer hatte uns in Pjöngjang zum Zug gebracht, ein bisschen Essen für die Reise mitgegeben, und dann fuhren wir zur chinesischen Grenze. Dort ließ sich ein nordkoreanischer Grenzer von uns auf Englisch den Unterschied zwischen Notebook und Notizblock erklären (gar nicht so einfach, versucht es mal) und dann war ich wieder raus. Einfach so.
</p><p>Dem überwiegende Teil der 23 Millionen Menschen, deren Land ich bereist hatte, ist das nicht vergönnt. Die meisten Menschen, die ich aus dem Busfenster beobachtet hatte, die Kinder, die mir heimlich zugewunken hatten, als ihr Lehrer wegsah, auch mein geliebter Reiseführer und alle Hotelbediensteten—sie haben diese Möglichkeit nicht und ich mag mir gar nicht ausmalen, wie zertrümmert es in ihren Köpfen aussieht.
</p><p>Ich fürchte, bei der bizarren Faszination, die viele an Nordkorea fesselt, vergessen wir allzu oft, dass dort Menschen ihr ganz alltägliches Leben verbringen. Heulen, lachen, weinen, lieben, essen, kacken, schlafen. Es sind keine Roboter oder Stalinismus-Zombies.
</p><p>Unser geliebter Reiseführer ließ sich niemals in die Karten schauen (warum sollte er auch für uns etwas riskieren?), aber oft trank er mit uns am Abend noch ein paar Bier und war auch einfach ein Mensch, mit dem man dumme Witze machen konnte. Einmal stellte er sein Bierglas ab und sah mir fest in die Augen: "Ich habe deinen Reisepass als Klopapier benutzt, morgen kommst du in den Gulag." Für einen Moment muss ich geguckt haben wie eins seiner geliebten Pferde, denn er fing lauthals an zu lachen. Er spielte sehr gerne mit dem Image seines Landes. Ob es ein sinistres Ironieverständnis oder Kalkül zur Vertrauensgewinnung war, vermag ich nicht zu sagen.
</p><p>Während die Erwachsenen bei Begegnungen mit uns so taten, als wären wir nicht weiter wichtig oder überhaupt vorhanden, konnten die Kinder ihre Begeisterung für unsere Reisegruppe aus fetten, großen, weißen Menschen kaum bändigen. Oft standen sie wie paralysiert da, wenn wir irgendwo hielten und aus dem Bus stiegen. Wer mal wissen will, wie sich Britney Spears fühlt, dort wird es möglich. Diese unwissende Unschuld in ihren Blicken, die nichts kennen als ein homogenes Land, war sehr berührend.
</p><p>Nordkorea ist ein Land, das die Welt mir Atomraketen in Atem hält und gefühlt zweimal pro Woche Südkorea mit der kompletten Vernichtung droht. Aber auch in so einem Land sah ich Menschen schüchtern Händchen halten. Ich sah ein Pärchen, das sich an seiner Zweisamkeit erfreute, als es auf einen Springbrunnen blickte, und zwei offensichtlich Verliebte. die eine kleine Bootstour auf einem romantischen See machten.
</p><p>Und so viel mehr: Ich sah Menschen, die im Zirkus herzerfrischend lachten, und welche, die sich um die besten Sitzplätze stritten. Unsere Barfrau war manchmal sauer, weil wir so lange sitzen blieben, und unserer geliebter Reiseleiter fand, dass seine Freundin ihn zu oft anrufen würde. All das existiert in einem psychedelischen Wahnsinnsgemisch aus Vernichtungsangst und gnadenloser Diktatur. Die schnellen Wahrheiten, die wir oft über Nordkorea lesen, verbergen menschliche Komplexität.
</p><p>Ein paar Wochen nachdem ich wieder in Deutschland war, stand ich mit einem Transparent vor einem Werbe-Truck der Bundeswehr auf einem Volksfest. Ich protestierte dagegen, dass die Bundeswehr für den tödlichen Beruf des Soldaten wirbt. Ein Haufen Leute ging an mir und meinen Mitstreitern vorüber. Die meisten sahen uns mit einer Mischung aus Unglauben und Mitleid an. Hinter uns stand ein Trupp Polizisten. Ich hörte, wie der Einsatzleiter seine Beamten einordnete: "Ich will, dass die hier demonstrieren. Lasst sie nur nicht weiter an den Truck kommen." Mich überlief ein kalter Schauer. Es ist ein unschätzbar hohes Gut, als einsamer Irrer mit einem Transparent auf der Straße stehen zu können, um seine Meinung zu sagen. Bakunin hatte Recht, als er schrieb: "Wir sind überzeugt, dass Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet."
</p>
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<dc:creator>Marco Höne</dc:creator>
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<title>Die schlimmsten Sprüche, die Leute beim ersten Date gebracht haben</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/die-schlimmsten-sprueche-vom-ersten-date</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 04:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Menschen sind furchtbar.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/die-schlimmsten-sprueche-vom-ersten-date-body-image-1469524322-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1019" data-original-height="719" data-model-id="208101" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="die-schlimmsten-sprueche-vom-ersten-date-body-image-1469524322.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Diese Frau scheint sich gerade so richtig zu amüsieren | Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/gazeronly/" target="_blank">Torba K. Hopper</a> | <a href="https://flic.kr/p/nNWwDQ" target="_blank">Flickr</a> | <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/" target="_blank">CC BY-ND 2.0</a>
</p><p>Erste Dates sind <a href="http://www.vice.com/alps/read/sex-mit-mitbewohnern" target="_blank">eine nervenaufreibende Angelegenheit</a>. Sie können einem richtig Angst machen. Wir machen uns Sorgen, wir könnten das Falsche sagen und alles ruinieren. Wir sind so beschäftigt mit diesen Gedanken, dass es manchmal einen Augenblick dauert, bis wir es kapieren, wenn stattdessen die andere Person etwas Schreckliches von sich gibt. Es gab mal eine Phase in meinem Leben, da habe ich aggressiv gedatet.</p><p> Ich suchte auf diversen <a href="http://www.vice.com/alps/read/der-vice-guide-zu-online-dating" target="_blank">Dating-Seiten</a> nach Männern, die meinen Anforderungen entsprachen. Die meisten meiner Dates waren eher mittelmäßig—sie waren vielleicht nicht schlecht, aber auch nicht gerade so toll, dass danach ein zweites Date oder auch nur eine SMS nötig gewesen wären. Die meiste Zeit war ich gelangweilt von meinem Gegenüber, oder einfach nicht an ihm interessiert—oder ich fand ihn sogar gruselig und unangenehm.</p><p>Einmal sagte mir mein Date, er setze romantische Verabredungen normalerweise als Geschäftsausgaben ab. Ich dachte, das würde schon den Vogel abschießen, doch ich lag falsch.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>"Hey, glaubst du, du könntest du jemals ohne Süßigkeiten leben?", fragte er, während ich mich praktisch in meinen Brownie-Eisbecher reinlegte. "Was?", fragte ich zurück und kicherte halb. "Warum zur Hölle sollte ich das versuchen?"
</p><p>Er seufzte. "Es ist nur so, dass du so viel sexyer wärst, wenn du abnehmen würdest. Im Moment bist du nur hübsch." Ich senkte den Löffel und starrte ihn ein paar Augenblicke lang einfach nur an. "Habe ich was Falsches gesagt?", fragte er. Ich lächelte und tippte den Kellner an, der gerade vorbeiging. "Hi, können wir bitte zahlen? Getrennt." Was hätte ich denn sonst noch sagen können? Angesichts der Tatsache, dass alle bei Dates so versessen darauf sind, einen guten ersten Eindruck zu machen, verblüfft mich die Gesprächskultur einiger Zeitgenossen immer wieder.
</p><p>Ich wusste, dass ich nicht die einzige sein konnte, die solche Geschichten hat. Also habe ich einige Leute befragt.
</p><p><strong>Hi. Was ist das Schlimmste, das du auf einem ersten Date zu hören bekommen hast?<br></strong>Nachdem sie eine halbe Stunde zu spät kam und die erste halbe Stunde nur feindselige Fragen gestellt hatte, drehte sie sich zu mir und sagte: "Also, ich habe jetzt für diesen Drink gezahlt, und das ist nicht in Ordnung. Du hast Glück, dass ich noch hier bin, aber wenn er leer ist, bin ich definitiv weg, wenn du mir nicht noch einen bestellst. Und du musst dir was anderes bestellen als Heineken. Das ist kein richtiges Getränk, sondern etwas, das Leute bestellen, wenn sie nicht wissen, was sie bestellen sollen."
</p><p><strong>Und dann?<br></strong>Ich habe noch einen Drink bestellt und mich den restlichen Abend lang verbal fertigmachen lassen.
</p><p><em>—	Mike</em>
</p><p><strong><em>Auch unsere Leser und Leserinnen können Sprüche klopfen — Wir haben die besten Kommentare von Professor Jo Groebel analysieren lassen</em></strong>
</p><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/shorties&vid=5qMXV3dDo6_o7RzXpCakn64Wo91EZqSz&embedCode=5qMXV3dDo6_o7RzXpCakn64Wo91EZqSz&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Fde%2Fvideo%2Fsocial-therapy-die-1-sitzung-mit-jo-groebel-187%26topic%3Dstuff%26aid%3Dsocial-therapy-die-1-sitzung-mit-jo-groebel-187%26auth%3D%26keywords%3DSocial+Therapy%2CJo+Groebel%2CJugend+in+Zeiten+des+Internets%2Cgeneration+Y%2CMillenials%2CMedienpsychologie%2CFscebook%2CTwitter%2COnline-Kommentare%2Chass-kommentare%2Chass-liebe%2CSoziale+Medien%2Csoziale+netzwerke%2CTrolle%2CPsychopathen%2CPsychogramm%2CPegida%2CIslamhass%2CSelbstreferentialit%C3%A4t%2CSelbsthass%2Cgeistige+Gesundheit%2CSelbstreflexion%2CDie+therapierende+Herrentorte%26ac%3Dno%26country%3Dde%26contentId%3D5qMXV3dDo6_o7RzXpCakn64Wo91EZqSz&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Fde%2Fvideo%2Fsocial-therapy-die-1-sitzung-mit-jo-groebel-187&share_url=http://www.vice.com/de/video/social-therapy-die-1-sitzung-mit-jo-groebel-187&autoplay=0" width="640px" height="360px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen="">
</iframe><p><strong>Was ist das Schlimmste, das du auf einem ersten Date zu hören bekommen hast?<br></strong>Der Typ, mit dem ich aus war, war "echt froh, dass wir uns treffen konnten", auch wenn ich "optisch nicht sein Typ" war. Er wollte "<a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-mit-einer-dating-app-fuer-dicke-menschen-nach-der-grossen-liebe-gesucht-462" target="_blank">etwas weniger Modelartiges</a>" im Bett probieren.
</p><p><strong>Und dann?<br></strong>Ich bin "auf die Toilette" gegangen, habe Mozzarella-Sticks zum Mitnehmen und eine Runde Bier für einen anderen Tisch bestellt und alles auf seine Rechnung setzen lassen. Dann bin ich gegangen.
</p><p><em>—	Alexandra Morinello</em>
</p><p><strong>Was ist das Schlimmste, das du auf einem ersten Date zu hören bekommen hast?<br></strong>"Warum ist dein Portemonnaie so dünn?"
</p><p><strong>Und dann?<br></strong>Habe ich meine Hälfte der Mahlzeit bezahlt und bin abgehauen. Den Rest konnte sie dann selber zahlen.
</p><p><em>—	Wize</em>
</p><p><strong>Was ist das Schlimmste, das du auf einem ersten Date zu hören bekommen hast?<br></strong>Das Date an sich war fantastisch. Er hat alles richtig gemacht und ich war sehr beeindruckt. Doch dann erwähnte er seinen Soundcloud-Account, und dass er auf Instagram gesehen habe, wer mir alles folgt. Ich wusste schon, worauf er hinaus wollte, aber ich wollte sehen, ob er wirklich so dreist war. War er. Ein paar Augenblicke später bat er mich um <a href="http://www.vice.com/alps/read/mein-leben-ist-zur-qual-geworden-weil-mir-drake-bei-instagram-folgt" target="_blank">Drakes "Kontaktinfo"</a>.
</p><p><strong>Und dann?<br></strong>Ich habe ihn unterbrochen, nach der Uhrzeit gefragt und bin sofort gegangen. Ich habe seine Nummer blockiert und seither nicht mit ihm gesprochen.
</p><p><em>—Jamz</em>
</p><p><strong>Was ist das Schlimmste, das du auf einem ersten Date zu hören bekommen hast?<br></strong>Nachdem ich einem Mann gesagt hatte, dass meine Familie aus Guyana kommt, sagte er mir, er habe gehört, dass alle Frauen aus Guyana eine .... er fing an, eine Vagina-Form mit seinen Händen zu zeigen. Ich fragte: "Was willst du mir damit sagen?" Und er antwortete: "Du weißt schon, fett!" Dann machte er wieder die Geste—"fette Vagina" also. Dann lächelte er und sagte, er würde sie liebend gern sehen.
</p><p><strong>Was hast du dann gemacht?<br></strong>Ich habe meinen Drink noch geleert und ihm dabei erklärt, dass er später mal eine Frau heiraten wird, die ihn wahrscheinlich nach einem Jahr und einem Kind <a href="http://www.vice.com/alps/read/meine-grossmutter-die-giftmischerin-0000860-v10n10" target="_blank">vergiften</a> wird. Ich sagte, es täte mir leid, dass seine Zukunft so düster aussieht. Er machte noch ein paar unbeholfene Versuche, seine Aussage zu rechtfertigen. Wie es das Schicksal so wollte, fiel bei diesen peinlichen Versuchen sein Portemonnaie auf den Boden. Also tat ich, was jeder vernünftige Mensch getan hätte. Ich schnappte mir einen Hunderter aus seinem Geldbeutel, als er gerade nicht hinsah, täuschte einen Familiennotfall vor, kaufte mir einen Smoothie und fuhr mit dem Bus nach Hause.
</p><p><em>— Alicia Bunyan-Sampson</em>
</p>
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<dc:creator>Sajae Elder</dc:creator>
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<title>Ein Wochenende im Schwulenparadies von Fire Island</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/photos-from-fire-island-gayest-weekend</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 07:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Bei der 18. Pines Party sind homosexuelle Männer jeglicher Couleur zusammengekommen, um das Gefühl des Zusammenhalts und der Offenheit zu zelebrieren.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/photos-from-fire-island-gayest-weekend-1469502284.jpg" type="image/jpg" length="1000"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/photos-from-fire-island-gayest-weekend-body-image-1469537717-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="800" data-model-id="208204" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="photos-from-fire-island-gayest-weekend-body-image-1469537717.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Auf Fire Island, einer Düneninsel vor Long Island, befindet sich Fire Island Pines. Das kleine Dorf dient als Schwulen-Community-Treffpunkt und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cruising_(Homosexualit%C3%A4t)" target="_blank">Cruising</a>-Gebiet. So treffen sich dort zwischen Kiefern und Sanddünen jeden Sommer homosexuelle Männer jeglicher Couleur, um das Gefühl des Zusammenhalts und der Offenheit zu spüren.
</p><p>Von allen Schwulen-Communitys der USA haben sich die Pines und das benachbarte Cherry Grove als das Mekka für Hedonisten herauskristallisiert. "Die Pines sind für Schwule das, was Israel für die Juden ist", hat ein Anwohner einst zu den <em>New York Times</em> <a href="http://www.nytimes.com/2013/05/23/fashion/looking-back-on-fire-island-pines-and-its-importance-to-gay-culture.html?_r=0" target="_blank">gesagt</a>.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Schon lange vor dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stonewall_Inn" target="_blank">Stonewall Inn</a> haben homosexuelle Männer in Fire Island Pines nach Sex und einem Rückzugsort gesucht. Die Gegend hat auch bereits die Werke von <a href="http://www.advocate.com/books/2016/3/01/edmund-whites-our-young-man-explores-trappings-male-beauty" target="_blank">Edmund White</a> und <a href="http://daily.redbullmusicacademy.com/2015/11/interview-andrew-holleran" target="_blank">Andrew Holleran</a> beeinflusst. Und ihr Ruf als wichtiger Treffpunkt der Schwulen-Community <a href="http://www.fireislandcc.org/cherry.html" target="_blank">soll entstanden sein</a>, als eine Gruppe von singenden Anhängern die beiden als Dionysos und Ganymed verkleideten Schriftsteller W. H. Auden und Christopher Isherwood "auf einer güldenen Bahre herumtrug".
</p><p>Vergangenes Wochenende hat man nun schon zum 18. Mal die sogenannte <a href="http://www.pinesparty.com/" target="_blank">Pines Party</a> veranstaltet. Dabei handelt es sich um eine 24 Stunden andauernde Tanz- und Benefizveranstaltung, bei der sich die Magie der Insel in einem alkoholgeschwängerten Fest entlädt. Der Fotograf Nathan Bajar hat sich aufgemacht, um die Gäste abzulichten, die sich dort im Licht der Sonne badeten und vor Leidenschaft erglühten.
</p>
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<dc:creator>Nathan Bajar</dc:creator>
<media:category>photo</media:category>
<category>photo</category>
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<title>17-Jähriger hängt in Basketballkorb fest und kommt nicht mehr runter</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/17-jaehriger-haengt-in-basketballkorb-fest</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 05:46:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Momente an der Grenze zwischen Triumph und Niederlage bergen eine Gefahr: Manchmal gehen sie schief. Ein Jugendlicher tritt in die Fußstapfen eines halbnackten Manns in Seattle.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/27/17-jaehriger-haengt-in-basketballkorb-fest-1469600705.jpg" type="image/jpg" length="2500"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="photo-credit has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/27/17-jaehriger-haengt-in-basketballkorb-fest-body-image-1469600172-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2500" data-original-height="1667" data-model-id="208437" data-path="images/content-images/2016/07/27/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/27/" data-image-filename="17-jaehriger-haengt-in-basketballkorb-fest-body-image-1469600172.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Wer hoch hinaus will, spielt mit der Gefahr, hart zu fallen | Foto: imago | Westend 61
</p><p>Am spannendsten sind die <a href="http://www.vice.com/alps/read/pferde-absamen-ist-nicht-gefaehrlicher-als-auf-der-bundesstrasse-fahrrad-fahren-132" target="_blank">Mutproben</a>, bei denen nicht klar ist, ob sie gut ausgehen. Wir schauen am liebsten jenem Seiltänzer zu, der immer wieder leicht schwankt, bei dem wir mitfiebern, weil nicht klar ist, ob er es bis auf die andere Seite schafft. Doch diese Momente an der schmalen Grenze zwischen Triumph und Niederlage bergen immer eine Gefahr: Manchmal gehen sie schief. Und in Bremen ist die Mutprobe eines 17-Jährigen jetzt richtig in die Hose gegangen.
</p><p>Die Feuerwehr musste am Montagabend einen Jugendlichen befreien, der auf einen <a href="http://www.vice.com/alps/video/vice-on-hbo-episode-10" target="_blank">Basketballkorb</a> geklettert war und dort festhing. Der 17-Jährige steckte mit dem Fuß im Kettennetz des Korbs an einem öffentlichem Spielfeld fest. Seine Freunde konnten ihm nicht helfen und riefen <a href="http://www.noz.de/deutschland-welt/vermischtes/artikel/749539/17-jahriger-hangt-in-bremen-in-basketballkorb-fest" target="_blank">die Feuerwehr</a>. Die rückte mit einer Leiter an, auf der der Junge festen Halt fand und so seinen Fuß selbst aus den Ketten ziehen konnte.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Er ist nicht der Erste, der hoch hinaus wollte und dort an sich selbst scheiterte. In eine ähnlich missliche Lage geriet letztes Jahr ein Mann in Seattle, der sich oberkörperfrei mit dem Fuß im Netz verhing. Fast ein Dutzend Polizisten standen um den Zappelnden, keiner konnte ihm helfen. Wie bei dem Unglücklichen in Bremen musste die Polizei mit einer Leiter anrücken, um ihn aus den Fängen Basketballkorbs des zu befreien.
</p><blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">Half-naked man dunks himself: <a href="http://t.co/Dch69rRCCG">http://t.co/Dch69rRCCG</a> <a href="http://t.co/Kjxsnfomek">pic.twitter.com/Kjxsnfomek</a><br>— Daily Intelligencer (@intelligencer) <a href="https://twitter.com/intelligencer/status/595319903336423424">4. Mai 2015</a>
</blockquote><p>Eines muss man den beiden lassen: Zumindest sind sie überhaupt <a href="http://www.vice.com/alps/read/so-fuehlt-es-sich-an-ein-riese-zu-sein-999" target="_blank">so hoch</a> geklettert. Man bereut nur das, was man nicht getan hat. Meistens zumindest.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<category>stuff</category>
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<title>Terror, Amok, Krankheit: Warum wir uns gegenseitig immer weiter hochschaukeln</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/terror-amok-krankheit-warum-wir-uns-gegenseitig-immer-weiter-hochschaukeln</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 04:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Politiker, Medien und Hobbyjournalisten suchen nach einfachen Erklärungen für die Verbrechen der letzten Tage und spielen dabei den echten Terroristen in die Hände.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/terror-amok-krankheit-warum-wir-uns-gegenseitig-immer-weiter-hochschaukeln-1469540227.jpg" type="image/jpg" length="2749"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/terror-amok-krankheit-warum-wir-uns-gegenseitig-immer-weiter-hochschaukeln-body-image-1469540111-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="4256" data-original-height="2832" data-model-id="208228" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="terror-amok-krankheit-warum-wir-uns-gegenseitig-immer-weiter-hochschaukeln-body-image-1469540111.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: imago | Spöttel Picture
</p><p>Die letzte Woche war beängstigend. Das <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-der-wuerzburg-attentaeter-innerhalb-von-zwei-tagen-zum-terroristen-wurde" target="_blank">Axtattentat von Würzburg</a>, der <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-ich-und-meine-freunde-den-amoklauf-erlebten" target="_blank">Amoklauf in München</a>, der Mann, der in Reutlingen mit einem Messer <a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/bluttat-in-reutlingen-taeter-und-opfer-waren-ein-paar-14356992.html" target="_blank">eine Frau getötet hat</a>, und der <a href="http://www.vice.com/alps/read/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat" target="_blank">Selbstmordanschlag in Ansbach</a>. All das innerhalb von sieben Tagen. Bei allen diesen Taten war für einige Beobachter, noch während sie gerade geschahen, klar: <a href="http://www.vice.com/alps/read/trump-und-co-vorschnelle-reaktionen-nach-den-schssen-in-muenchen" target="_blank">Es muss islamistischer Terror sein</a>.
</p><p>Das Attentat in München war ein Amoklauf, der Mord in Reutlingen eine Beziehungstat. Bei den Anschlägen in Würzburg und Ansbach gibt es tatsächlich Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Täter in Verbindungen zum sogenannten Islamischen Staat standen. Aber: Keines dieser Verbrechen ist bisher wirklich aufgeklärt, die Ermittlungen laufen. Was aber erreicht wurde—und zwar egal, was den jeweiligen Taten wirklich zu Grunde liegt—ist, Angst zu verbreiten. Damit hat der IS erreicht, was er will.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>In einer perfekten Welt würde man daraus lernen und abwarten, bis man Kommentare in die Welt setzt, um die eigene Überzeugung zur vermeintlichen Realität werden zu lassen. Die letzte Woche hat wieder mal bewiesen, dass eine perfekte Welt ziemlich weit entfernt ist. Als sich am Sonntagabend ein Attentäter vor einem Festival in Ansbach in die Luft sprengte und dabei 12 Menschen verletzte, wäre das unter Umständen eine gute Gelegenheit gewesen, erstmal innezuhalten und abzuwarten, gerade nach den Ereignissen in München.
</p><p>Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister, war sich ziemlich schnell sicher, dass es sich bei der Tat um "<a href="http://www.br.de/nachrichten/mittelfranken/inhalt/ansbach-explosion-100.html" target="_blank">islamistischen Terrorismus</a>" handelte, lange bevor es gesicherte Erkenntnisse dazu gab:
</p><blockquote>"Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat."
</blockquote><p>Persönliche Einschätzungen sind so eine Sache, wenn es um internationalen Terrorismus geht, vor allem wenn sie von jemandem kommen, der nicht für persönliche, sondern eher für professionelle Meinungen vom Volk bezahlt wird. Sicherlich besteht die Möglichkeit, dass es sich hier um Terrorismus handelt, aber erst Montagnachmittag, lange nach Herrmanns persönlicher Einschätzung, wurde klar, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/anschlag-in-ansbach-laptop-des-attentaeters-deutet-auf-islamistischen-hintergrund-hin-a-1104600.html" target="_blank">dass es ein Bekennervideo des Attentäters gibt</a>.
</p><p>Das alles spielt tatsächlichen Terroristen in die Hände. Natürlich ist es extrem beunruhigend, wenn Terrorismus offenbar vor der eigenen Haustür ankommt. Gerade die Fälle, die jetzt unter diesem Begriff diskutiert werden, fanden abseits der Metropolen statt. Selbst der Amoklauf in München passierte <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-ich-beim-amoklauf-von-muenchen-so-viel-unsinn-erzaehlt-habe" target="_blank">nicht an einem zentralen Ort</a>. Das vergrößert die Verunsicherung und lässt das Gefühl aufkommen, wirklich nirgends mehr sicher zu sein.
</p><p>Wenn Medien den Attentäter von Würzburg unverpixelt und mit vollem Namen auf die Titelseite bringt, dann ist es vielleicht nicht das größte Wunder auf Gottes weiter Welt, dass so Nachahmungstäter unter Umständen auf den Plan gerufen werden und sich wieder auf den IS berufen. Gleichzeitig wird Terror so erst zum Terror gemacht und <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-die-medien-sofort-aufhoeren-muessten-ueber-nizza-zu-berichten" target="_blank">Terroristen werden zu Stars</a>. Die Terrororganisation muss zwar <a href="http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/8754638/herbe-verluste-fuer-den-islamischen-staat.html" target="_blank">militärisch immer mehr Verluste einstecken</a>, ist aber auch durch die mediale Präsenz in unseren Köpfen zu einer fundamentalen Bedrohung geworden. Rechtspopulisten, Medien und Politiker stärken die Angst vor dem Terror und damit diejenigen, die davon profitieren.
</p><p>Schaut man sich die Fälle der letzten Woche nämlich auch nur etwas genauer an, merkt man schnell, dass es vor allem darum zu gehen scheint, so schnell wie möglich die einfachsten Antworten zu finden, die Politik und Medien geben können. Nur dass die einfachen Antworten nicht immer stimmen müssen.
</p><p>Der Attentäter aus dem Zug bei Würzburg war 17 und ein unbegleiteter Flüchtling. Der Amokläufer von München war in psychiatrischer Behandlung und der Mann, der sich in Ansbach in die Luft gesprengt hat, hatte bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich. Wäre es tendenziell nicht naheliegender, die Frage zu stellen, wie mit Menschen umgegangen wird, die offensichtlich psychische Probleme haben, statt, wenn Terrorismus nicht mehr zieht, als Erstes zu schreien "<a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/amoklauf-in-muenchen-zurueck-in-die-nullerjahre-de-maizire-reanimiert-killerspiel-debatte-1.3092117" target="_blank">DIE KILLERSPIELE SIND SCHULD!</a>"?
</p><p>Psychische Krankheiten und den Umgang damit einfach zu ignorieren, ist besonders perfide, weil man sicher davon ausgehen kann, dass der IS gezielt Menschen anspricht, <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-sich-der-is-terroristen-erschafft-wuerzburg" target="_blank">deren Psyche angeschlagen ist</a>. Und selbst wenn sich die Täter von Würzburg und Ansbach zum IS bekennen, heißt das noch lange nicht, dass sie psychisch gesund waren. Genauso wenig weiß man natürlich, ob man mit psychologischer oder psychiatrischer Hilfe die Taten hätte verhindern können.
</p><p>Taten wie die in Würzburg, Ansbach oder München sind eben nicht durch eine einfache Theorie zu erklären, die wir alle nach dem Lesen einer Schlagzeile verstanden haben. Wenn man wirklich verhindern will, dass ähnliche Attentate geschehen, reicht es nicht, nach einfachen Lösungen zu suchen. Einfache Lösungen nutzen niemandem, außer Rechtspopulisten und Islamisten.
</p><p><em>Stefan ist auf <a href="https://twitter.com/batepsycho" target="_blank">Twitter</a>.</em>
</p>
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<dc:creator>Stefan Lauer</dc:creator>
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<title>Eine Woche Porn Grind – mit Cliteater und Waco Jesus auf Tour</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/eine-woche-porn-grindmit-cliteater-und-waco-jesus-auf-tour-0001273-v12n2</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 04:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Wenn die Welt mal wieder weinen will, gibt es ein Heilmittel: Kopf aus und Porn Grind an. All die moralischen Sinnstrukturen ausknipsen und die Körperbeherrschung verlieren. Bands wie Kadaverficker, Razor Rape und Anal Grind sind da genau das Richtige.
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><em><img class="vmp-image" data-image-filename="eine-woche-porn-grindmit-cliteater-und-waco-jesus-auf-tour-0001273-v12n2-body-image-1462310430.jpg" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/05/03/" data-path="images/content-images/2016/05/03/" data-model-id="175944" data-original-height="563" data-original-width="1000" src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/05/03/eine-woche-porn-grindmit-cliteater-und-waco-jesus-auf-tour-0001273-v12n2-body-image-1462310430-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality="></em></p><p><em><em>Aus der </em><em><a href="http://www.vice.com/alps/magazine/10/4" target="_blank">The Holy Cow Issue</a></em><br></em></p><p><em>Wenn die Welt mal wieder weinen will, gibt es ein Heilmittel: Kopf aus und Porn Grind an. All die moralischen Sinnstrukturen ausknipsen und die Körperbeherrschung verlieren. Bands wie Kadaverficker, Razor Rape und Anal Grind sind da genau das Richtige. Für den Moment zumindest. Dass wir aber plötzlich mit unserer gerade erst gegründeten Band Verderver von zwei Szenegrößen eingeladen werden, ihren Tourbus gemeinsam zu beschmutzen, macht mir doch ein mulmiges Gefühl. Ich meine, was sind das für Menschen hinter Zeilen wie "punch you in the cunt"? Waco Jesus heißen die "Scum Grind IV Life Tour"-Veranstalter, die auf ihrem meistgekauften Kleidungsstück den Aufdruck einer nackigen Dame glänzen lassen, die einer anderen nackigen Dame in den Rachen stuhlt. Na wer drauf steht.</em></p><p><strong>26.02.16 Oberhausen, Helvete Club</strong><br>Früh um 6 Uhr, der Bus geht auf. Aus dem Heck kommt ein Kasten Bier angeflogen. Pflichtprogramm ab sofort. Grindcore geht so. Doch mein Körper sackt müde in sich zusammen, während im Kopf wirre Träume ihr Unwesen treiben. Ich sehe eine Frau mit dem nackten Unterkörper nach oben gerichtet. Direkt vor der Kamera quillt ihr Darm aus dem Analtrakt. Ich schrecke auf, Waco Jesus stehen in der Tür. Die selbsternannten Scum Grinder haben meine Angstvision auf CD gepackt: <em>Filth</em> heißt ihr ehemals indiziertes Album mit dem, nun ja, speziellen Cover. Nach überraschend herzlichen Umarmungen taumele ich aus dem Bus, direkt in die Arme von Cliteater. Wir lachen uns verlegen an, helfen, das Merch in den Keller zu bringen. Auf T-Shirts: ein verstümmelter Frauentorso zwischen Blut und Gedärmen, der Kopf der Blondine zwischen ihren Geschlechtsteilen, an den Seiten riesige Hackbeile. Warum? "Das ist nur Fiktion, alles Spaß", grinst mich ihr Gitarrist Ivan Cuijpers an. "Du guckst doch auch Horrorfilme und Pornos." </p><p><strong>27.02.16 Lyss (CH), Kulturfabrik</strong><br>Geblendet vom Tageslicht stolpere ich in die Lysser Kulturfabrik, direkt in einen Maskenball. Der Moment, wo eigentlich alles schiefgehen kann und muss: Ich sehe schon kaputte Tische vor mir, Erbrochenes auf samtweichen Kleidern und weinende Mädchen. Entsetzt stelle ich das Gegenteil fest: Mit offenen Armen und lachenden Gesichtern begrüßen uns maskierte Anzugträger, sogar der Herr des Hauses hängt sich in unsere Arme und feiert wild. </p><p><strong>28.02.2016 Tannheim, Schwarzer Adler</strong><br>Tiefstes Baden-Württemberg, Sonntagnacht. Kaum eine Menschenseele kämpft sich durch die dichten Wälder. Extreme Metal und keine Zuschauer, kennt man. Ein paar turnen nachts dann doch noch nackt im Kreis herum, fassen Waco-Jesus-Sänger Shane Bottens sogar mehrmals an den Schwanz. Was bringen solche Shows mit sieben Verrückten? "Wir sind froh, wenn wir am Ende mit null rausgehen. Das ist nicht mein Job, sondern mein Hobby", grinst der Hüne. </p><p><strong>01.03.2016 Ljubljana, Klub Gromka</strong><br>In einem Rausch unendlicher Bierquellen und mörderischer Musik bahnen sich die Tage zu einem undurchschaubaren Knäuel an fragmentarischen Erinnerungen. Fruchtige Selbstgebrannte lassen den Kater aus Wien vergessen (wann war Wien eigentlich?). Die Slowenen behandeln Waco Jesus wie einen Staatsbesuch. Mitternacht ist Abfahrt. Ivan schmeißt Anekdoten um sich: "Da hat sich ein nackter Typ auf unserer Bühne einen gewichst. Und dann hat ein Mädel aus der ersten Reihe seinen Schwanz in den Mund genommen und ihn geblasen. Oder der Typ, der sich vor der Menge den Finger in den Arsch gesteckt hat."</p><p><strong>03.03.16 Leipzig, 4rooms</strong><br>Ivan ist stiller als sonst, seine Freundin hat ihn verlassen. In einer ruhigen Minute gesteht er, dass der Humor von Porn Grind nicht immer ankommt. Beim Berliner Swamp Festival 2015 wurden Cliteater geächtet von einer anderen Band: "Sie haben uns unterstellt, wir seien homophobe, frauenfeindliche Rassisten. Sie wollten die Bühne nicht mit uns teilen, es wäre eine Schande." </p><p><strong>04.03.15 Dresden, Skullcrusher Club</strong><br>Volles Haus, endlich! Grindcore dient als Auflösung erwachsener Verpflichtungen, all der Alltagsfrust verpufft in rotzigen Slam-Parts. Waco Jesus wollen uns nicht gehen lassen, bieten Schlafplätze in der Buslounge an. Verdutzt, überwältigt und mit Tränen in den Augen schiele ich zu Ivan rüber: "Es geht nicht darum, wie lange du das schon machst", wird er ernst, "es geht um den Respekt und das Teilen derselben Sache." Und am Ende traut man seinen eigenen Augen nicht, wenn bei WhatsApp die nächste Herzchen überflutete Nachricht von Cliteater kommt: "we miss you guys".</p><p class="has-image"><img class="vmp-image" data-image-filename="eine-woche-porn-grindmit-cliteater-und-waco-jesus-auf-tour-0001273-v12n2-body-image-1462310476.jpg" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/05/03/" data-path="images/content-images/2016/05/03/" data-model-id="175946" data-original-height="15" data-original-width="62" src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/05/03/eine-woche-porn-grindmit-cliteater-und-waco-jesus-auf-tour-0001273-v12n2-body-image-1462310476.jpg?resize=*:*&output-quality=">  |  DER MUSIK-KANAL VON VICE</p>
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<dc:creator>Vincent Grundke</dc:creator>
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<title>Ich tätowiere mich selbst und habe viel über Schmerz und Disziplin gelernt</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt</link>
<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 04:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Du machst den ersten Stich und denkst dir erstmal nichts als 'Fuck'."
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529737-size_1000.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1333" data-model-id="208141" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529737.jpeg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Alle Fotos vom Autor
</p><p>Feuerzeug, Nähnadel und Tusche. Ich sitze in meinem Zimmer zwischen dreckigen Unterhosen, Büchern und CDs, höre Hardcore Punk und erhitze die Nadel. Ich tunke sie in die Tusche und steche mir in meinen Oberschenkel. Kratze auf der Haut herum, bis irgendwann Blut kommt. Ein etwa zwei Millimeter großer schwarzer Punkt ist jetzt in meiner geröteten Haut. Ich bin stolz: Ich habe mich das erste Mal <a href="http://www.vice.com/alps/read/torontos-anonymer-tattoo-rebell-homepoke-887" target="_blank">selbst tätowiert</a>. Meine Brandingversuche sind <a href="http://www.vice.com/alps/read/eine-narbe-ist-eine-narbe-ist-eine-geschichte-dahinter" target="_blank">zuvor gescheitert</a>. Es hat einfach zu sehr geschmerzt.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529807-size_1000.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1333" data-model-id="208145" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529807.jpeg" class="vmp-image">
</p><p>Damals war ich 16, jetzt bin ich 25 und tätowiere mich und ein paar Freunde seit über einem Jahr selbst. <a href="http://www.vice.com/alps/read/maedels-und-maschinen-dieses-tattoostudio-in-sao-paulo-ist-fest-in-frauenhand-623" target="_blank">Handpoking heißt die Variante</a>, für die ich mich entschieden habe. Das ist mitunter die älteste Form des Tätowierens, die in vielen Kulturen und Epochen praktiziert wurde. Dabei wird mit einem spitzen Gegenstand, der in Farbe getaucht wurde, die Haut punktiert, bis Muster, Linien und ganze Kunstwerke entstehen. Unter mehr oder weniger hygienischen Bedingungen. Mir jedenfalls war eine richtige Tattoomaschine einfach viel zu teuer und ich bin in bester Gesellschaft: Pharaonen, Maori, Yakuza, <a href="http://motherboard.vice.com/de/read/der-aelteste-tintling-der-welt-warum-hatte-oetzi-so-viele-ttowierungen-394" target="_blank">Ötzi</a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ePqfnkzAQjQ&feature=youtu.be" target="_blank">Rihanna</a>
	—alle durch Handpoking tätowiert.
</p><span id="docs-internal-guid-9539fe19-26bc-1d9e-bf0e-30bb66c3aa99"><p dir="ltr">
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</iframe>

	Vor allem in Nordamerika ist Handpoking beliebt. <a href="http://www.vice.com/alps/read/torontos-anonymer-tattoo-rebell-homepoke-887" target="_blank">Homepoke</a> heißt der kanadische Tätowierer und Performance-Künstler, <a href="http://torontostickandpoke.tumblr.com/" target="_blank">der die Leute in Toronto</a> verziert. Sein Stil ist, gelinde gesagt, simpel: Er scheißt auf Konventionen und handwerkliche Präzision in einer Zeit, in der sich Tätowierer gegenseitig mit ihrer Perfektion übertreffen. Seine Arbeit machte es mir einfacher, mein eher geringes Können zu akzeptieren und trotzdem loszulegen.
</p><p dir="ltr" class="pullquote">Du machst den ersten Stich und denkst dir erstmal nichts als 'Fuck'.<br>
</p><p dir="ltr">Die meisten Tätowierer und Tätowierten werden den Kopf schütteln, wenn ich erzähle, dass ich mir meine Beine auf dem Sofa im Wohnzimmer vollhacke. Aber das ist mir egal, ich habe kein Geld, um mir einen Termin bei irgendjemandem auszumachen. Klar, ich musste erstmal üben. Ich habe tagelang gezeichnet und die ganze Obstschale tätowiert. Bis ich selbst dran war. Dieser Hasengeist aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Unten_am_Flu%C3%9F_(Film)" target="_blank"><em>Unten am Fluss</em></a> hat es mir schon lange angetan, also wurde er mein erstes Motiv. Ich habe mir online Nadeln und Farbe bestellt, alles mit Frischhaltefolie abgedeckt, die Umgebung und meine Haut einigermaßen desinfiziert, die Vorlage angebracht und losgestochen. Vielleicht ist die Stelle seitlich unter dem Knie für das erste Tattoo ein bisschen zu schmerzhaft gewesen. Aber ich habe in zwei Stunden den Hasen auf die Haut gebracht und dabei viel über Schmerzempfinden und Disziplin gelernt.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529772-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1333" data-model-id="208143" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529772.jpg" class="vmp-image">
</p><p dir="ltr">Du machst den ersten Stich und denkst dir erstmal nichts als "Fuck". Dann machst du ein paar Stiche mehr, wischst die übrige Farbe weg und merkst langsam, dass du das nicht mehr ungeschehen machen kannst. Dann zweifelst du an der ganzen Sache, während deine Haut langsam rot wird und brennt wie ein richtig übler Sonnenbrand. OK, nochmal ein paar Stiche, das wird ja nicht so lange dauern. Bis du endlich kapierst: Das dauert, aber da musst du durch. Wenn du es angefangen hast, dann musst du es auch fertig machen, sonst sieht es aus, als ob du auf einer frisch geteerten Straße ausgerutscht bist.</p><p dir="ltr"> Du wirst deine Vorlage teilweise wegwischen, hast auch keine Ahnung, wieso manche Tätowierer Vaseline verwenden und hast deine Haut sowieso nicht richtig gespannt. Du stichst zu lasch und ungenau, die Farbe bleibt nicht drin oder du stichst zu tief und Blut läuft dir das Bein runter. Aber du lernst, dass du deinen Schmerz erleben kannst, ohne aufzugeben, bis das Scheißding fertig ist und du mächtig stolz auf dich sein kannst. Insbesondere, weil Selbsttätowieren als etwas gilt, das Leute im Suff machen oder in ihrer Jugend, wenn sie Liebeskummer haben und sich den Namen der oder des Begehrten mit einem Kugelschreiber in den Unterarm stechen.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529789-size_1000.jpeg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1334" data-model-id="208144" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="ich-taetowiere-mich-selbst-und-habe-viel-ueber-schmerz-und-disziplin-gelernt-body-image-1469529789.jpeg" class="vmp-image">
</p><p dir="ltr">Ich war schweißgebadet nach den zwei Stunden, aber der Zweifel war weg. Als Kind habe ich schon gelernt, dass man Dinge wieder verwenden kann und eigentlich nichts wegwirft, solange man es noch flicken oder reparieren kann. Später bin ich in die DIY-Kultur des Punk reingerutscht und jetzt habe ich den Do-It-Youself-Gedanken auf meine persönliche Spitze getrieben. Und ich kann es empfehlen. Du solltest dich aber informieren, damit dir nicht die Beine abgenommen werden müssen, und du musst üben und zeichnen, um nicht in einer <a href="http://www.vice.com/alps/read/ein-psychologe-erklaert-warum-leute-sich-schlechte-tattoos-stechen-lassen-774" target="_blank">Sammlung mit den schlechtesten Tattoos</a> zu landen. Aber letzten Endes stehen dir Tür und Tor offen für alle möglichen Motive und Ideen—solange du irgendwie an die Stelle deines Körpers kommst, die tätowiert werden soll. Ich rate unbeweglichen Menschen davon ab, sich das Schienbein zu schmücken. Oder die Waden. Wirklich. Ich habe es probiert. Und dann bleibt nichts anderes über, als doch wieder Geld für ein ordentliches Cover-up zu sparen.
</p><p dir="ltr">Mir hat das Selbsttätowieren geholfen, mit Prokrastination und fehlender Disziplin klarzukommen. Wenn du etwas tun willst, musst du es fertig machen, auch wenn es wehtut. Das hat jeder schon durchgemacht, ob in Prüfungszeiten, Beziehungsstress, auf der Arbeit oder schlimmen Situationen, die das Leben immer wieder für dich bereit hält. Wenn ich mich wieder einmal vor etwas drücken will, schau ich mir meine eigenen Tattoos an. Dann kann ich die Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Auch wenn die Tattoos oder eben die Prüfungen mal nicht so gut werden, ich kann stolz sein, den Schmerz und den Stress überwunden zu haben.
</p><p>Mein erstes Tattoo habe ich mittlerweile gecovert. Selbst, natürlich.
</p></span>
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<dc:creator>Felix Hølter</dc:creator>
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<title>Eine tschetschenische Journalistin erklärt, warum sie keine Angst vor Terror hat</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/in-diesen-tagen-habe-ich-keine-angst</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 12:50:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Beruhigt euch alle. Noch nie und nirgendwo auf der Welt war das Leben so schön und so sicher wie hier und jetzt."
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><em><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/26/in-diesen-tagen-habe-ich-keine-angst-body-image-1469531662.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="640" data-original-height="427" data-model-id="208164" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="in-diesen-tagen-habe-ich-keine-angst-body-image-1469531662.jpg" class="vmp-image"></em>
</p><p class="photo-credit">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/nrkbeta/" class="owner-name truncate" title="Geh zum Fotostream von nrkbeta" data-track="attributionNameClick" data-rapid_p="29" target="_blank">nrkbeta</a> | <a href="https://www.flickr.com/photos/nrkbeta/6910453401/in/photolist-bwDT3i-bwDRJ6-9qnWQK-6FUFWZ-3L9DsQ-hFhVx-6s5uT1-73BzFU-3VDRg-hFoRG-bmPARL-grV4jA-k4Xs3X-Fzur2y-feHBi-d8oHyS-pTHFMp-hFjJY-bwDThV-dDNKkP-gvbTFe-ouBSC-hFjK1-4z1nv-kDhyv-9jMbvk-7ZZK3G-ac5u54-6s5ufN-hFoRH-6s1pxH-cBxNjh-9j2F51-6s5sQy-8AMxDH-pNMLx-PuLeE-4XQebg-KAD7r-oAHFU-9zZnS6-9DEtA-54PsFN-a7kccg-eVw9Z3-6s5wcJ-2BS6CC-KAqsg-KAqsa-9DEtD" target="_blank">flickr</a> | <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">CC BY-SA 2.0</a>
</p><p><em><a href="http://www.pen-deutschland.de/de/themen/writers-in-exile/ehemalige-stipendiaten/maynat-kurbanova/" target="_blank">Maynat Kurbanova</a> stammt aus Tschetschenien und berichtet in ihren Reportagen unter anderem über die Kriegsereignisse, die unrühmlichen Taten des Militärs und über die Gewalt in der Tschetschenischen Republik. Nach Drohungen gegen ihre Person verließ die Journalistin ihre Heimat. Inzwischen lebt Maynat in Wien. Der nachfolgende Text erschien zuerst auf <a href="https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=283290358697812&id=100010505495241" target="_blank">Facebook</a> und wurde für VICE in Absprache mit der Autorin überarbeitet. </em>
</p><p>In diesen Tagen habe ich erfahren, dass es eine <a href="http://www.vice.com/alps/read/waffen-shopping-im-internet-teil-1" target="_blank">dunkle Seite des Internets</a> gibt. Mir wurde gezeigt, wie man sich dort bewegt. Immer wieder wurde ich auf diesen Browser aufmerksam gemacht, sein Logo wurde mir mehrmals unter die Nase gehalten.
</p><p>Detailliert wurde mir erklärt, wie leicht es im Darknet ist, sich eine illegale Waffe zu besorgen. In diesen Tagen habe ich auch erfahren, wie und wo ich in Osteuropa—praktisch nur ein paar Dutzend Kilometer entfernt—Waffen kaufen kann. Auch der Preis für eine solche Waffe wurde mir genannt; finanziell gesehen keine große Investition, habe ich mir gedacht.
</p><p>Mir wurde erklärt, wie man eine Theaterwaffe reaktivieren kann. Wie ich sie mit ein wenig handwerklicher Begabung zu einer Schusswaffe umbauen kann. Mehrmals wurde mir das in Videos gezeigt, damit ich mir besser merke, welche Werkzeuge ich dafür brauche.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>In diesen Tagen habe ich erfahren, in was für einer gefährlichen Welt wir leben. Non-stop wurde mir in endlosen Sondersendungen von völlig überforderten Moderatoren und aufgeregten selbst- und fremdernannten Terror- und Islam-Experten erzählt, wie groß die Gefahr doch sei, dass ich selbst Opfer des nächsten Terroranschlags würde. Ungeachtet dessen, dass das, worüber sie berichten, kein Terroranschlag ist.
</p><p>In diesen Tagen habe ich gesehen, wie sehr die Moderatoren von seriösen Sendern bemüht waren, in jedem traurigen Ereignis der letzten Tage, eine islamische, islamistische, muslimische, muselmanische Spur zu finden. Ich habe gesehen, wie Journalisten fast verzweifelt nach einer Verbindung zu <a href="http://www.vice.com/alps/read/how-to-jihadi-731" target="_blank">Daesh</a>, oder wenigstens zu irgendwelchen Islamisten, gesucht haben und dabei die Arbeit von Daesh quasi freiwillig übernommen haben.
</p><p>In diesen Tagen habe ich erfahren, wer die Täter von <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-sich-der-is-terroristen-erschafft-wuerzburg" target="_blank">Würzburg</a>, <a href="http://www.vice.com/alps/read/warum-ich-beim-amoklauf-von-muenchen-so-viel-unsinn-erzaehlt-habe" target="_blank">München</a>, <a href="http://www.vice.com/alps/read/hangover-news-25-juli-2016-909" target="_blank">Reutlingen</a> und <a href="http://www.vice.com/alps/read/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat" target="_blank">Ansbach</a> waren. Ich weiß woher sie kommen, seit wann sie da waren, an welchen Gott sie geglaubt haben, welche Internetseiten sie besucht haben, in welchem Haushalt und welchem Bezirk sie gelebt haben. Und wie sie ausgesehen haben, dass weiß ich auch.
</p><blockquote><a href="http://www.vice.com/alps/read/trump-und-co-vorschnelle-reaktionen-nach-den-schssen-in-muenchen" target="_blank">Wie AfD, Donald Trump und andere die Schüsse in München missbrauchen</a>
</blockquote><p>Wie die Menschen ausgesehen haben, die zu Opfern dieser Verrückten geworden sind, weiß ich nicht. Ich kenne ihre Gesichter nicht. Ich weiß nicht, wo und wie sie gelebt haben, wen und was sie geliebt haben. Ich weiß auch nicht, an welchen Gott sie geglaubt haben, den Zahlen glauben an nichts und niemanden.
</p><p>Die Menschen, die in diesen Tagen getötet oder verletzt worden sind, wurden zu gesichtslosen Zahlen gemacht–als ob es darum gehen würde, wie viele Menschen bei einem Anschlag ums Leben kommen. Als ob 10 Menschen mehr wären, als ein einziger Mensch und als ob ein einziges Menschenleben weniger wäre als 10, 100 oder 1000 Menschenleben.
</p><p>Ich habe nichts über die Angehörigen der Opfer erfahren, nichts über die Hinterbliebenen. Wer hilf ihnen? Wer steht ihnen bei? Wenn all diejenigen, die auf Kosten der Trauer und des Verlustes dieser Menschen Panik und Angst, ja manchmal sogar Schadenfreude verbreiten den Fernseher ausschalten, den Stecker von Computer und Internet ziehen und sich nicht mehr einmischen und wenn die Angehörigen der Opfer dann abends ihre Türe schließen und alleine bleiben, wer und was tröstet sie? Ich weiß es nicht, darüber wird nicht berichtet.
</p><p class="pullquote">Noch nie und nirgendwo auf der Welt war das Leben so schön und so sicher wie hier und jetzt.<br>
</p><p>Ich habe nichts darüber gehört, dass ich oder die anderen Bewohner dieses Landes, dieses Kontinents, dieser Erde weiter leben sollen. Dass wir weiter arbeiten, weiter studieren, weiter Kinder erziehen, weiter lieben sollen.
</p><p>Stattdessen wurde von unzähligen terrorgeilen Reportern und Experten ununterbrochen versucht, mir Angst zu machen, mich einzuschüchtern, mir zu vermitteln, in welch schrecklicher, gefährlicher, unerträglicher und hilfloser Welt und Zeit wir leben.
</p><p>Ich habe zwei Kriege miterlebt und mehrere beobachtet. Ich weiß, was Worte wie <em>gefährlich</em>, <em>schrecklich</em>, <em>unerträglich</em>, <em>hilflos</em> und viele andere Worte, die in diesen Tagen leichtsinnig gesagt werden, wirklich bedeuten. Das alles hier kann mir keine Angst machen.
</p><p>Beruhigt euch alle. Noch nie und nirgendwo auf der Welt war das Leben so schön und so sicher wie hier und jetzt. Und wenn ich heute oder morgen Opfer der nächsten Verrückten werde, wird auch das nichts daran ändern, dass sie mir keine Angst machen.</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Maynat Kurbanova</dc:creator>
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<title>Vea Kaiser und der &quot;sexy Polizeiboy&quot; – eine kritische Edition</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/vea-kaiser-und-der-sexy-polizeiboy-eine-kritische-edition</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 11:30:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Ist das schon Empowerment oder kann das weg?
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/vea-kaiser-und-der-sexy-polizeiboy-eine-kritische-edition-1469532319.png" type="image/png" length="1238"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p><div class="twitter-container"><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>Atze Schröder schreibt jetzt unter dem Pseudonym </p>— Sebastian Huber (@SebastianHbr) <a href="https://twitter.com/SebastianHbr/statuses/757162782219444224">24. Juli 2016</a></blockquote></div>
</p><p>Die Autorin Vea Kaiser ist angeblich eines der neuen österreichischen It-Girls—zumindest wenn man dem <i>Falter</i> (und hier konkret Klaus Nüchtern) glaubt. Dort wurde sie neben Stefanie Sargnagel und Valerie Fritsch als eben solches bezeichnet, was in weiterer Folge zum inzwischen ikonischen "Rollmops"-Beef zwischen Thomas Glavinic und Stefanie Sargnagel führte, weil dieser Stefanie Sargnagel in einem Posting als "talentfreie Krawallnudel" bezeichnet hatte.
</p><p>Dass Vea Kaiser unter besagtem Status einen kurzen Cameo-Auftritt hatte, im Zuge dessen sie Thomas Glavinic mit "Du hast es auf den Punkt gebracht" beipflichtete, interessiert zum Zeitpunkt des Streits niemanden.
</p><p class="p2">Seit Erscheinen ihres für dösende Menschen auf der Freibad-Liegewiese verfassten Debüt-Romans <i>Blasmusikpop</i> im Jahr 2012 wird Kaiser als Austro-Ausnahmetalent der heimat-affinen Heimatkritiker bezeichnet—und zumindest der Teil mit dem "Ausnahmetalent" hat es sogar in den kurzen Beschreibungstext ihrer wöchentlichen Kolumne beim <i>Kurier</i> geschafft, wo sie die Leser jede Woche mit erfrischend ereignisbefreiten Anekdoten aus ihrem Leben beglückt. Am 16. Juli ging es zum Beispiel um <a href="http://kurier.at/meinung/kolumnen/fabelhafte-welt/fabelhafte-welt-vea-kaiser/209.963.979" target="_blank">ihre Begegnung mit einem Polizisten</a>, den sie nur den "Polizeiboy" nennt. </p><p>Tage-, wenn nicht sogar ziemlich genau eine Woche lang ist die Kolumne niemandem außerhalb der Leserschaft des Freizeit-<i>Kurier</i> aufgefallen, was nach der Anzahl der Kommentaren zu urteilen mindestens zwei Personen gewesen sein müssen. Seit vergangenem Wochenende geistert der Text jedoch wie eine Boje durch unsere Timelines und niemand weiß so recht, was uns Vea Kaiser (oder die Leute, die den Beitrag mit Begleittexten wie "..." oder "???" teilen) eigentlich damit sagen will.</p><p class="p2">Wir haben natürlich auch bei Vea Kaiser selbst nachgefragt; laut der Autorin ist der Vorfall tatsächlich genauso passiert und hat überhaupt keine symbolische Bedeutung. Aber weil es das für uns fast noch kryptischer macht und wir uns auch nach mehrfachem Lesen noch ziemlich schwer mit der Einordnung dieses Textstücks tun, folgt nun der Versuch einer kritischen Edition von <i>Tuten und Blasen</i>—und hoffentlich die Beantwortung der großen Frage, die dem sozialen Netz unter den Nägeln brennt: Was ist das für 1 Text? </p><p>
	<iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
	</iframe>
</p><blockquote>Man muss nicht immer Augen-Rollen. (1) Man kann es auch schmeichelnd finden, von einem jungen schnittigen Mann angesprochen zu werden. Besonders, wenn er eine eng am Apfelpopsch anliegende Uniform trägt. (2) Und, um die Kontaktaufnahme zu ermöglichen, sogar das eigene Auto aus dem Verkehr winkt.
</blockquote><p class="p1"><span class="s1">1 Bereits der erste Satz der Kolumne wirft einige wichtige Fragen auf. Zum Beispiel: Hat Vea Kaiser gerade zum ersten Mal eine radikale Position vertreten? Und beinhaltet diese radikale Position, dass Frauen sich gefälligst auch mal geschmeichelt fühlen und nicht immer so anstellen sollen, wenn sie angebaggert werden? Ist die Eröffnung einer zweiten Option für jene, die vielleicht gerade noch dachten, sie müssten eben doch, ein Befreiungsschlag? </span>Wird sich nach diesem Text eine ganze Generation von weiblichen Augen-Rollern endlich wieder geradeaus schauen trauen und inspirierende Texte mit Überschriften wie "Ich dachte, die längste Zeit, ich müsste, LOL!?" schreiben? Festzustehen scheint nur: Vea findet Augen-Rollen von Frauen zum Augen-Rollen. Was an sich natürlich genauso legitim ist wie, sagen wir zum Beispiel, Augen-Rollen.
</p><p class="p1"><span class="s1">2 Mit diesem Satz will Vea noch einmal die Sexyness des sexy Polizeiboys mit dem sexy Hintern und der sexy Hose betonen, von dessen sexy Verkehrskontrolle sie sich offensichtlich sehr geschmeichelt fühlt (auf die sexy Art). Zu diesem Zeitpunkt ist den geneigten Lesenden bestimmt schon die Ambivalenz dieses Textes aufgefallen: Irgendwo zwischen Sexismus-Kritik durch Rollenumkehrung à la Burschenschaft Hysteria und dem Tagebucheintrag einer Probeführerschein-Trägerin, die gerade ihre erste Runde im Auto der Mutter gedreht hat.</span>
</p><blockquote>"Griaß Goooood, Vakeaskontroje, Fiahraschein und Zuilassung biiiiittschee!" (3)
</blockquote><p class="p1"><span class="s1">3 Die Liebe am Einfachen durchzieht die Literatur ja wie einen roten Faden. Akademische Schreibende haben schon immer mit dem Bierbeisl kokettiert und arrivierte Autoren sich seit jeher mit dem Verständnis für </span>Arbeiter, Bauern und das simple Leben abseits des Hofes gebrüstet. Was früher die "Schäferromantik" war, ist heute die Anbiederung an den Dialekt. Offenbar hat auch Vea Kaiser Gefallen an dieser Ausdrucksweise gefunden und transkribiert hier die Umgangssprache ihres Polizeiboys, um vermutlich etwas Schlaues über sein Wesen und seine ländliche Geradlinigkeit auszusagen. Eine zusätzliche Verständnishürde (aber auch: ein weiteres Erzähl-Enigma) liefert der schwer lokalisierbare Dialekt. Wo außer in Spanien spricht man ein Doppel-L als J aus ("Kontroje")? Wo sagt man auf Wienerisch "Fiahraschein" und zwei Worte später in Para-Vorarlbergerisch "Zuilassung"? Soll uns das alles nur ein Lächeln in die schmerzverzerrte Visage zaubern? Oder ist es ein Hinweis auf den Fabel-Aspekt der Polizeiboy-Figur?
</p><blockquote>Die Tragödie von Mann und Frau ist ja oftmals, dass es dem einen schlichtweg nicht passt, wenn der andere Aufmerksamkeit sucht. (4) Er will flirten, sie muss zu einem Termin. Sie hat Lust auf Schmusen, er Kopfweh. (5)
</blockquote><p class="p1"><span class="s1">4 Sagen wir so: Vielleicht war Vea Kaiser auch schon müde, als sie diesen Satz geschrieben hat. Müdigkeit kommt von Melatonin—einer körpereigenen Droge, die einen Großteil unserer kognitiven Fähigkeiten massiv beeinträchtigt. Versucht ihr mal, mit einer ordentlichen Dosis Melatonin im Blut auf die Funktionsweise von sexistischen Mechanismen aufmerksam zu machen, ohne dabei in pauschalisierende Frauenzeitschrift-Weisheiten über das Wesen von Mann und Frau zu verfallen! Na eben.</span>
</p><p class="p1"><span class="s1">5 Ein Mann, der nicht schmusen will und Kopfweh hat? Eine Frau, die zu einem Termin muss? We see what you did there! Aber was kommt als nächstes? Ein Mann, der Emotionen zeigt und eine Frau, die Fußball mag? Irgendwann reicht's aber auch wieder mit dem symbolischen Feminismus. Mit dieser Hommage an bisher längst vergessen gehoffte Geschlechterklischees schafft es der Text, noch mehr Fragen in unseren ohnehin schon ratlosen Köpfen zu platzieren: Sind wir jetzt alle Sexisten? Und wenn nicht, hilft dann dieser Text dabei? </span>Ist Sexismus nicht eher blöd? Ist das schon Empowerment oder kann das weg?
</p><blockquote>Natürlich war auch ich viel zu spät dran, als sich Polizeiboy an mein Auto lehnte. "Sie ham net de Spur eingh'oiten, täten S' ma oiso blosn, biiiiittschee." Natürlich hatte ich die Spur eingehalten, aber gut, das ist ja auch so eine männliche Eigenschaft, nicht klar zu kommunizieren, was man eigentlich wünscht, sondern mit diversen Vorwänden das eigentliche Begehren zu verdecken. (6)
</blockquote><p class="p1"><span class="s1">6 Auch hier erteilt uns Vea Kaiser eine wichtige Lektion über das männliche Geschlecht. Ganz hin und weg vom Polizeiboy-Apfelpopsch beginnt sie, über die heimlichen (sexyen oder doch sexistischen?) Kommunikationsabsichten von Männern zu sinnieren. Indem sie dem Polizeiboy versteckte und vor allem unsittliche Hintergedanken vorwirft, wärmt sie gleich noch ein anderes Gender-Klischee auf; das vom männlichen Dominanzverhalten und den Machtspielchen mit Sexabsicht, erst recht bei Männern mit Uniform. Weil alle gleich sind, versteht ihr? So wie man das sonst Frauen gerne vorwirft! Aber natürlich hat der Polizistenboy die Rechnung mit dem falschen "It-Girl" gemacht und ein bisschen zu viel Britney Spears in Vea Kaiser gesehen. Biografie-Sud-Lesende Kritiker, die aufgrund des Textes annehmen, dass sich hier ein Britney-Spears-Moment vorankündigt, haben Unrecht.</span>
</p><blockquote>"Gonz long und sonft". Ich blase also, lang und sanft. "Na, des geht so net, Sie miaßen long und sonft blosn!" Ich blase weiter, lang und sanft. (7) "Frau Kaiser, hom Sie was trunkn? Long und sonft!" Die Zeit vergeht, ich blase sanft, ich blase lang, ihm ist es nicht sanft und lang genug, und das kennt man ja auch, dass manche Männer einfach ewig brauchen, doch meine Geduld ist endlich. (8)
</blockquote><p class="p1"><span class="s1">7 <i>Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs</i> hatte die meisten Tode. <i>Swearnet: The Movie</i> hatte die meisten "Fuck"-Erwähnungen. Vea Kaisers <i>Tuten und Blasen</i> hat ziemlich sicher die höchste Dichte an "Blasen"-Nennungen (zumindest relativ an der Textlänge gemessen). Wenn das nichts ist, was ist dann noch was?</span>
</p><p class="p2">8 Hier rekurriert Vea Kaiser auf einen Stil, der Afficionados von Softsexfilm-Drehbüchern mehr als geläufig ist. Ob besagte <i>Schulmädchenreport</i>-Schauer und <i>Emanuelle: Das Buch zum Film</i>-Leser aber wirklich die Zielgruppe des Textes sind—und falls ja, ob für diese Leute ihre Standhaftigkeit wirklich abschreckend wirkt—, bleibt offen.
</p><blockquote>"Soll ich versuchen, etwas kräftiger und kürzer zu blasen?" Wie vom Blitz getroffen starrt er mich an. "Jo des sog i do de gonze Zeijt, kräftig und hort!" "Nein, Sie wollten es lang und sanft!" "Na, sicha nit!" "Na sicher doch!" "I weiß do, was i wü! Und jetzt blosns weita!" (9)
</blockquote><p class="p1"><span class="s1">9 Es gibt Schriftstellende, die arbeiten an Dialogen wie Michelangelo an einem Fresco. Gleich nach ihnen kommt Vea Kaiser, die schreibt wie nach einem Jahr Schweigekloster bei konstanter Beschallung mit <i>Dinner for One</i> und deren verschriftlichtem Schlagabtausch man förmlich anliest, wie schwierig es sein muss, einen guten "Blase"-Joke auch mal loszulassen. Wir verstehen das. Alleine, wenn man "Hihi, Blasen" sagt, ist das so lustig, dass man es am liebsten jede Minute wiederholen würde. </span>Diese inneren Kämpfe auf dem Bildschirm mitverfolgen zu dürfen ist das Privileg, das uns Lesenden vermittels der Werke der ganz Großen zuteil wird.
</p><blockquote>Er trägt die Uniform, also blase ich weiter. (10) Nun aber kräftig, mit Einsatz der Zähne, und voila: 0,0. (11) Ach Ihr schönen Männer (12), Ihr wärt verloren, wenn nicht wir Frauen wüssten, wie und was Ihr wirklich braucht. (13)
</blockquote><p class="p1"><span class="s1">10 Ist das schon dieser Anti- oder doch noch dieser Postfeminismus? Wenn Kaiser sonst an jeder zweiten Stelle, wo Geschlechter-Pronomen verwendet werden, Klischees exakt auf den Kopf stellt, was tut sie dann hier? Gibt es ein weit verbreitetes Vorurteil dazu, dass Frauen in gewissen Outfits Männer zu anhaltendem, aber widerwilligem Lecken nötigen? Und wenn ja, was weiß Vea Kaiser darüber, das wir nicht wissen?</span>
</p><p class="p1"><span class="s1">11 Fast wäre diese drei Zeichen fassende Raffinesse an unserem Gaumen ungeschmeckt vorbei gegangen, aber dann haben wir sie doch noch entdeckt: die feine Klinge der Autorin, in diesem kleinen, aber fulminanten "0,0". Ihr dachtet sicher alle, ihr lest hier das eindeutige Ergebnis des Alkotests, richtig? Aber das macht alles nur euer <em>Kopf</em>; genau so, wie man in Hitchcocks <i>Psycho</i> niemals wirklich sieht, wie unter der Dusche jemand zusticht, sondern nur ein Messer mit einem schreienden Mund zusammengeschnitten wird und euer Gehirn den Rest erledigt. Obwohl—für so viel Denkleistung an einer so weit fortgeschrittenen Textstelle hat eigentlich euer Gehirn den Applaus verdient und nicht Vea Kaiser. Aber wir wollen mal nicht so sein. Ihr habt den Text vielleicht zu Ende gelesen, aber sie musste ihn <em>schreiben</em>. Also: Chapeau an uns alle.</span>
</p><p class="p1"><span class="s1">12 Die wahrscheinlich am wenigsten beachtete Frage in der Auseinandersetzung mit diesem Kolumnenbeitrag ist, seit wann man Personalpronomen wieder groß schreibt. Allerdings: was macht ein antiquierter Wassertropfen in einem</span> Meer aus Antiquiertheit noch für einen Unterschied.
</p><p>13 Das andere, fast genauso große Problem ist eines (wie moderne Netzphilosophen sagen würden) "vong Logik her": Da versucht Vea Kaiser einen ganzen Text lang, Geschlechterklischees durch freches Auf-den-Kopf-stellen auffliegen zu lassen; und am Ende liefert sie ein "Ihr wärt verloren, wenn wir nicht wüssten, was ihr braucht", das bezeichnenderweise innerhalb ihres Textes nicht ironisch, sondern sehr ernst gemeint ist. Was ist also die Botschaft ihrer Geschichte? Dass Geschlechterklischees komplett zutreffen, wenn sie von der anderen Seite kommen? Oder vielleicht doch, dass jede Geschlechterklischee-Galore auch mit umgekehrten Vorzeichen zum Scheitern verurteilt ist?
</p><p>Eines bringt uns der Text auf jeden Fall bei: Es ist sehr kompliziert und in Geschlechterfragen gibt es noch viel Unaufgearbeitetes. Und alleine wegen der freudianischen Komponente ist Vea Kaiser natürlich kein It-, sondern mindestens ein Id-Girl.
</p>
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<dc:creator>Markus Lust &amp; Verena Bogner </dc:creator>
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<title>Mit dem &quot;Bea Blocker&quot; könnt ihr eure Timelines von Beatrix von Storch befreien</title>
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<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 11:27:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Jetzt müssen wir uns den Blödsinn der AfD-Politikerin endlich nicht mehr geben.
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/26/jetzt-gibt-es-einen-bea-blocker-als-chrome-plugin-zum-download-body-image-1469533416.png?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="644" data-original-height="403" data-model-id="208184" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="jetzt-gibt-es-einen-bea-blocker-als-chrome-plugin-zum-download-body-image-1469533416.png" class="vmp-image"></p><p class="photo-credit">Screenshot: <a href="https://chrome.google.com/webstore/detail/bea-blocker/blkjaedinichnjpkkpkflcmnifgndond" target="_blank">Chrome web store</a></p><p>Quote durch Brüste—ein gern gewähltes Prinzip vom privaten Fernsehen. Quote durch Provokation kann man das Prinzip von <a href="http://www.vice.com/alps/read/hat-beatrix-von-storch-illegal-daten-weitergegeben" target="_blank">Beatrix von Storch</a> nennen.
</p><p>Denn so wie RTLs <em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=KWrGo_q_w8I" target="_blank">Tutti-Frutti</a></em> mit seinem Nacktheitskalkül die Menschen polarisierte, tut es Beatrix von Storch. Nur wählt sie dafür nicht ihre blanken Brüste, sondern einen bewusst bis zur <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-tweets-von-beatrix-von-storch-nach-bloedheit-geordnet" target="_blank">Dummheit</a> entblößten Geist. Das Prinzip ist denkbar einfach, denkbar alt und denkbar effizient: Sag' was Dummes und die Dummen werden dir folgen, der Rest wird sich an dir reiben und dich im Gespräch halten. Gutes Beispiel, der Kommentar nach der Niederlage Deutschlands im EM-Halbfinale:</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/26/jetzt-gibt-es-einen-bea-blocker-als-chrome-plugin-zum-download-body-image-1469532734.png?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="651" data-original-height="403" data-model-id="208166" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="jetzt-gibt-es-einen-bea-blocker-als-chrome-plugin-zum-download-body-image-1469532734.png" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Screenshot Twitter, Kommentar mittlerweile gelöscht.<br>
</p><p>Die Dummen und Rassisten schreien "Ja, genau! Mesut Özil, du kannst nach Hause fahren!", dann beißen sie in ihre <a href="http://www.vice.com/alps/read/pegida-bw-rastet-wegen-nationalspielern-auf-der-kinderschokolade-aus" target="_blank">Kinderriegel</a> und machen das Kreuz bei der <a href="http://www.vice.com/alps/read/mit-lesben-schwulen-und-kiffern-geht-die-afd-auf-stimmenjagd" target="_blank">AfD</a>. Der Rest echauf­fiert sich in den Weiten des Netzes und rührt so die Werbetrommel für die Adelsfrau vom Volk.<br>
</p><p>Gregor Weichbrodt und Christian Brandes alias <a href="http://www.schleckysilberstein.com/" target="_blank">Schlecky Silberstein</a> hatten da keinen Bock mehr drauf. Deshalb haben sie das Browser-Plugin "Bea Blocker" entwickelt, das alle digitalen Ergüsse der AfD-Populisitin wie folgt blockiert:</p><p><iframe src="https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fbohemianbrowserballett%2Fvideos%2F295554300835749%2F&show_text=0&width=400" width="400" height="400" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true" allowfullscreen="true"></iframe>







</p><p class="p1"><span class="s1">Den Link zum Download im Chrome-webstore findet ihr <em><strong><a href="https://chrome.google.com/webstore/detail/bea-blocker/blkjaedinichnjpkkpkflcmnifgndond" target="_blank">hier</a></strong></em>. Danke.</span></p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<category>stuff</category>
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<title>Dieser deutsche Politiker macht Wahlkampf auf Tinder</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/berliner-spd-politiker-auf-tinder</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 10:50:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Über sich selbst sagt Alexander Freier, er sei ein Kandidat "zum Liebhaben". Sein Ziel: Politik zum "Anfassen und Mitmachen".
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/berliner-spd-politiker-auf-tinder-1469526492.jpg" type="image/jpg" length="498"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/26/berliner-spd-politiker-auf-tinder-body-image-1469525128.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="500" data-original-height="764" data-model-id="208107" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="berliner-spd-politiker-auf-tinder-body-image-1469525128.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="read-more photo-credit">Links oder rechts für Alexander, 29? | Alle Screenshots: Alexander Freier, privat
</p><p>"Ich bin ein unorthodoxer Kandidat, einer zum Liebhaben", <a href="http://www.vorwaerts.de/artikel/spd-politiker-wahlkampf-per-flirt-app-tinder-macht">sagt Alexander Freier</a>, Kandidat für das Berliner Abgeordnetenhaus. Das Ziel des 29-Jährigen sei, "Politik zum Anfassen und Mitmachen" zu machen. Nun sind das, wenn man so mag, zweideutige Worte. Denn Alexander Freier macht Wahlkampf auf einer Plattform, über die sonst Menschen eine Nacht lang der Einsamkeit der Großstadt zu entfliehen versuchen oder einen Partner für einen Dreier suchen. <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-frauen-gefragt-wofuer-sie-bei-tinder-likes-verteilen" target="_blank">Tinder</a>. Dort sammelt Alexander Freier seit Mitte Juli Matches. Matches, die zu neuen Wählern werden sollen. 200 hat er bislang.
</p><p>"Mittlerweile werde ich auch auf der Straße erkannt. Die Leute sagen: 'Hey, ich habe dich auf Tinder gesehen'", sagt er zu VICE. Zwei Mädchen auf dem <a href="http://www.vice.com/alps/read/danke-fuer-nix-latex-licht-und-ausgelassene-penisse-auf-dem-csd-in-berlin" target="_blank">CSD</a> zum Beispiel, Nicole und Nicole hießen die. "Ich finde das super", sagt Freier. Seine Sucheinstellungen: Frauen und Männer von 18 bis 99. Also alle, die als Wähler in Frage kommen. Sein Umkreis: zwei Kilometer. So hat er besonders viele Matches in seinem Wahlkreis, wo er sich oft aufhält.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/26/berliner-spd-politiker-auf-tinder-body-image-1469525071.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="500" data-original-height="767" data-model-id="208106" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="berliner-spd-politiker-auf-tinder-body-image-1469525071.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Für homosexuelle Frauen und heterosexuelle Männer erscheint er auf Tinder nicht</p><p>Freier wischt bei jedem nach links. "Außer, wenn jemand offensichtlich rechtsradikal wäre, dann würde ich ihn nicht matchen." Die Gruppe, die er mit Tinder erreichen kann, ist trotzdem eingeschränkt. Er kann Matches haben mit hetero- und bisexuellen Frauen und homo- und bisexuellen Männern. Bei heterosexuellen Männern und homosexuellen Frauen taucht er als Mann gar nicht erst in den Vorschlägen auf.
</p><p>Ziel der Kampagne: Die Leute zu erreichen, die er mit Flyern und klassischen Wahlkampfveranstaltungen nicht erreicht. Und wo sind diese ominösen jungen Leute? Neben Facebook, Instagram und Twitter eben auch auf Reddit, <a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-verstehe-euren-snapchat-wahn-nicht" target="_blank">Snapchat</a> und Tinder. Er ist nicht der Erste, der so was probiert. <a href="http://t3n.de/news/kickoff-donald-trump-reddit-729102/" target="_blank">Donald Trump</a> hostet morgen auf Reddit eine <a href="http://www.theverge.com/2016/7/25/12270738/donald-trump-reddit-ama-democratic-national-convention" target="_blank">"Ask me anything"-Session</a>, in der Schweiz erntete die Grüne Aline Trede letztes Jahr <a href="http://www.netzpiloten.de/tinder-wahlkampf-schweiz-politik/" target="_blank">Medienaufmerksamkeit</a>, nachdem ihr Tinder-Wahlkampfprofil zeitweise gesperrt wurde.<br>
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/26/berliner-spd-politiker-auf-tinder-body-image-1469528355.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="500" data-original-height="723" data-model-id="208132" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="berliner-spd-politiker-auf-tinder-body-image-1469528355.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Das Wahlkampfprofil: "Was machst du heute Abend, Alexander?"
</p><p>Was gibt es genau zu lesen von dem Berliner SPD-Politiker auf Tinder? "Fragen zur Kindertagesbetreuung, wie man am besten einen KITA-Platz bekommt, oder zu TTIP", sagt Freier. Ernsthaft? Keine anzüglichen Anfragen? "Nein, mein Profil ist ja offensichtlich eine Wahlkampfkampagne, das nehmen die Leute auch so wahr."
</p><p>Ein bisschen intimer als mit Fragen zu TTIP und KITA wird es aber schon auf seinem Tinder-Account. Die Matches duzen ihn. "In der SPD duzen sich alle und das ist auch darüber hinaus OK", sagt Freier. Manche Leute schreiben sehr regelmäßig, er antwortet ihnen dreimal am Tag. "Sie interessieren sich dafür, wo ich war, was ich gemacht habe", sagt er. Manchmal verweise er nach einer Weile auf seine Facebook-Seiten. "Da gibt es meine Seite als Politiker und einen halb privaten, halb politischen Account." Auf dem privaten Account findet sich zum Beispiel ein Bild aus der Bar, Getränk in der Hand, Bildunterschrift: "Keine Termine und leicht einen sitzen (Harald Juhnke)".</p><p><iframe src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Falexander.freier.3%2Fposts%2F10209433471655771&width=500" width="500" height="626" style="border:none;overflow:hidden" scrolling="no" frameborder="0" allowtransparency="true"></iframe>
</p><p>Letztes Jahr hieß es von der SPD auf die Frage, ob man sich einen Wahlkampf auch auf Dating-Plattformen vorstellen könnte, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk noch: "Eine Präsenz auf Flirt-Portalen kommt nicht infrage." Marisa Strobel, Pressesprecherin der Berliner SPD, sieht aber kein Problem. Zur <a href="http://www.bz-berlin.de/berlin/spd-kandidat-freier-will-mit-tinder-ins-abgeordnetenhaus" target="_blank"><em>B.Z.</em></a> sagte sie: "Die Kandidaten sind frei in ihrer persönlichen Wahlkampfführung, solange sie nicht gegen Recht und Gesetz oder gegen das Parteistatut verstoßen." Freier hat seine Idee ohne Rücksprache trotzdem durchgezogen. Die Kollegen finden es gut. "Die Rückmeldung ist positiv", sagt er. Kollegen würden sich eher ärgern, dass sie die Idee nicht selbst hatten.
</p>
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<dc:creator>Sofia Faltenbacher</dc:creator>
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<title>Bernie Ecclestones Schwiegermutter ist entführt worden</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/bernie-ecclestones-17-jahre-juengere-schwiegermutter-ist-entfuehrt-worden</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 08:38:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Über 33 Millionen Euro fordern die Kidnapper als Lösegeld.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/bernie-ecclestones-17-jahre-juengere-schwiegermutter-ist-entfuehrt-worden-body-image-1469522853-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2900" data-original-height="1934" data-model-id="208081" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="bernie-ecclestones-17-jahre-juengere-schwiegermutter-ist-entfuehrt-worden-body-image-1469522853.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: imago | Hartenfelser
</p><p>Bernie Ecclestones Schwiegermutter ist am Freitag in <a href="http://www.vice.com/alps/read/crackland-aus-der-sicht-seines-beruehmtesten-bewohners-551" target="_blank">São Paulo</a> entführt worden. Wie das brasilianische Wochenmagazin <i>Veja </i><a href="http://veja.abril.com.br/brasil/o-maior-sequestro-do-brasil/" target="_blank"><span class="s2">berichtet</span></a>, fordern die Kidnapper Lösegeld vom Formel-1-Boss: 120 Millionen Real, das sind über 33 Millionen Euro. Das Geld soll in Britischen Pfund ausgezahlt werden, aufgeteilt auf vier Tragetaschen.
</p><p class="p2">2012 heiratete der 85-jährige Multimilliardär die 38-jährige Brasilianerin Fabiana Flosi. Kennengelernt hatten die beiden sich 2009 im Zuge des Großen Preises von São Paulo. Laut Brasiliens Hauptnachrichtensendung <a href="http://globoplay.globo.com/v/5188871/" target="_blank"><span class="s2"><em>Jornal Nacional</em></span></a> sollen die Kidnapper in ständigem Kontakt zur Familie der 67 Jahre alten Aparecida Schunk Flosi stehen.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Dies ist nicht das erste Mal, dass der Brite erpresst wird. Bereits 2012 drohte ihm der Kriminelle Martin Peckham, seine Tochter aus zweiter Ehe, Tamara Ecclestone, zu entführen. Peckham forderte 200.000 Pfund (damals umgerechnet 255.000 Euro). Anstatt des Geldes erhielt er eine fünfjährige <a href="http://www.vice.com/alps/read/kanadas-schlimmster-serienmoerder-hat-im-gefaengnis-ein-buch-geschrieben-in-dem-er-weiter-auf-seine-unschuld-pocht-462" target="_blank">Haftstrafe</a>. Hoffen wir für Ecclestone und seine Familie, dass auch diese Entführung glimpflich ausgeht.
</p>
]]></content:encoded>
<guid isPermaLink="false">http://www.vice.com/554529</guid>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
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<title>Dinge, die Leute in Carsharing-Autos verlieren</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 09:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Eine Person hat eine VICE-Ausgabe liegen lassen. Das hat uns verletzt.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/26/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-1469522258.jpg" type="image/jpg" length="900"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432317.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207534" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432317.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Diese drei Laptops wurden in einem Auto vergessen. Die Frage: Wozu braucht jemand alle drei? (Auf dem Bild sieht es aus, als seien es vier, aber das ist nur eine Spiegelung.) | Alle Fotos: <a href="http://www.vice.com/de/author/grey-hutton" target="_blank">Grey Hutton</a>
</p><p>Dass Menschen sich selbst oder ihre Sachen in Autos vergessen, erzählen vor allem <a href="http://www.vice.com/alps/read/nachttaxifahrer" target="_blank">Taxifahrer</a>. Aber auch in den Gefährten der "<a href="http://www.vice.com/en_uk/read/the-case-against-airbnb-and-uber" target="_blank">Sharing Economy</a>" breiten Leute ihren Tascheninhalt aus, tun grausige Dinge oder verwandeln kurzerhand den fahrbaren Untersatz in ein Mülldepot.
</p><p>Was die Leute alles in den Autos liegen lassen, sieht man im Keller des Berliner Büros von Drive Now. Die Carsharing-Firma stellt in der deutschen Hauptstadt 1.170 Wagen bereit. Bei mittlerweile 500.000 Nutzern in Deutschland kommen viele Fundsachen zusammen.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432144.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207531" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432144.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Die Riesenglühbirnen waren noch alle funktionstüchtig<br>
</p><p>Tobias von Drive Now hat schon haufenweise alte Laptops, Kartons voll alter Zeitschriften und Holztische gefunden. "Sowas ist natürlich nervig für uns, weil Möbel und Ähnliches die Fahrzeuge für nachfolgende Kunden blockieren", sagt er.
</p><p><br>
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432865.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207543" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432865.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Da fuhr jemand seinen PC-Tower spazieren
</p><p>Auch Fernseher aller Art, von riesigen, nach dem Umzug ausgemusterten Röhrenmodellen bis zu neu gekauften Plasmafernsehern, haben Kunden schon stehen lassen. "Das meiste, was wir finden, sind aber Schlüssel, Geldbörsen, Dokumente und Brillen ohne Ende", sagt Tobias' Kollege Alex.
</p><p>"Einer hat uns sein Kunstprojekt dagelassen", sagt Kollegin Gabriele. "Das war ein Notizblock mit einem Text namens 'My Carsharing Experience'. Wir dachten zuerst, das sei von unserem Marketing, aber da wollte wohl definitiv jemand, dass man sein Werk findet." Solche Dinge blieben länger in den Autos liegen, sagt sie, da die Nachmieter sie nicht wichtig genug fänden, um sie zu melden.
</p><p>Der seltsamste Fund, der Gabriele einfällt: "Vor zwei Jahren hat eine Person ein Hochzeitskleid liegen lassen. Einfach so in eine Tasche gestopft." Ein halbes Jahr lang bewahrt die Firma die Fundsachen auf, dann gehen die Sachen ans Fundbüro. Viele kämen aber erst gar nicht auf die Idee, bei Drive Now nach ihren vermissten Stücken zu fragen, weil sie bei verlorenen Jacken, Handys oder Schlüsseln eher an Bars dächten.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432246.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207532" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432246.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Ein Skizzenbuch von einem vergesslichen Kritzelkünstler
</p><p class="">Wenn jemand Sperrmüll liegen lässt, muss ein Techniker zum Auto. Die Carsharing-Firma versucht dann konsequent, die Kunden zu orten, die ihre alten Rechner und Kommoden in den Autos deponieren. Dann müssen sie für den Einsatz zahlen.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432104.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207530" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432104.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Wir vermuten, der Besitzer kam von der Fanmeile<br>
</p><p>Wer etwas Wertvolles liegen lässt, bekommt es manchmal aber auch nicht zurück. "Bei einer hohen Auslastung haben manchmal drei, vier Leute das Auto angemietet, bis ein Kunde merkt, dass er etwas verloren hat", sagt Tobias. Die Sachen können dann natürlich weg sein. Das Einzige, was Kunden in der Situation machen können, ist es, eine Anzeige zu stellen. Die Polizei kann überprüfen, wer das Auto alles hatte.
</p><p>"Aber unsere Kunden sind sehr fair", sagt Alex. "Die melden sich und lassen die Geldbörsen mit 100 Euro im Auto." Die Firma blockiert dann das Auto, bis der Besitzer seine Sachen abholt.
</p><p>Wir würden gern die Geschichten dahinter wissen. Wer hat einen Stapel Riesenglühbirnen um den Block gefahren? Was ist in der Nacht passiert, als der teuere Kaschmirmantel verloren ging? Und was ist das für ein Mensch, der gleich drei Laptops besitzt—und diese nie abgeholt hat?
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432384.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207535" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432384.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Ein sehr teuer aussehender, sehr neuer Kaschmirmantel—seit fünf Monaten im Lager
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469433168.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207549" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469433168.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Vermutlich einige Diensthandys #workingalldayeveryday
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432425.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207536" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432425.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">"Die sehen alle Fake aus", meint Fotograf Grey mit Blick auf die lockeren Scharniere
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432488.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207537" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432488.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">War die Person mit dem oberen Schlüsselbund ein Hausmeister? Und wer vermisst nicht den Schlüssel für sein sauteueres <a href="http://www.vice.com/de/read/so-habe-ich-zwei-typen-vertrieben-die-leute-in-der-s-bahn-anzuenden-wollten" target="_blank">ABUS-Fahrradschloss</a>?
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469433006.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207544" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469433006.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Weit gefächertes Literaturinteresse oder willkürlicher Flohmarktkauf?
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432590.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207538" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432590.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Sieht aus, als hätte jemand geplant, bei seinem Date zu übernachten
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432629.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207539" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432629.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Verlorenheit in einem Bild
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432681.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207540" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432681.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Eine Krawatte von <em>Marks and Spencers.</em> Hauptsache Seide, Design ist zweitrangig
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432742.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207541" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432742.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Das lief wohl gar nicht gut
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432766.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="900" data-original-height="900" data-model-id="207542" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="dinge-die-leute-in-carsharing-autos-verlieren-body-image-1469432766.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Wir hoffen, jemand hat das VICE Magazine nicht weggeschmissen, sondern vergessen und vermisst es jetzt schrecklich
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Lukas Kammer</dc:creator>
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<category>stuff</category>
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<title>Der neue &#039;Trainspotting 2&#039;-Teaser ist genauso nichtssagend wie der erste</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/der-neue-trainspotting-2-teaser-ist-genauso-nichtssagend-wie-der-erste</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 08:39:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Obwohl man jetzt tatsächlich neue Aufnahmen zu sehen bekommt, ist der kleine Clip trotzdem ungefähr so langweilig wie vorbeifahrende Züge.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<iframe src="https://embed.theguardian.com/embed/video/film/video/2016/jul/25/trainspotting-2-exclusive-teaser-trailer-for-danny-boyles-sequel-video" width="100%" height="360" frameborder="0" allowfullscreen="">&amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;lt;span id="selection-marker-1" class="redactor-selection-marker" data-verified="redactor"&amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;gt;&amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;lt;/span&amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;gt;
</iframe><p>Am Montag <a href="https://www.theguardian.com/film/video/2016/jul/25/trainspotting-2-exclusive-teaser-trailer-for-danny-boyles-sequel-video?CMP=embed_video" target="_blank">erschien</a> auf der Homepage des <em>Guardian</em> ein zweiter Teaser-Trailer für Danny Boyles <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Trainspotting" target="_blank"><em>Trainspotting</em></a>-Fortsetzung. Das Ganze ist dabei jedoch genauso vage wie das <a href="http://www.vice.com/read/we-waited-20-years-for-trainspotting-2-and-all-we-got-was-this-lousy-teaser-vgtrn" target="_blank">erste Appetithäppchen</a>, das man uns serviert hat. Obwohl man jetzt tatsächlich neue Aufnahmen zu sehen bekommt, ist der kleine Clip nämlich trotzdem ungefähr so langweilig wie vorbeifahrende Züge (was wohl daran liegt, dass in den 41 Sekunden sonst nicht viel passiert).
</p><p>Die Filmadaption von Irvine Welshs Buch <em>Trainspotting</em> war damals so etwas wie <a href="http://www.vice.com/alps/read/zwanzig-jahre-spaeter-ein-rueckblick-auf-die-entstehung-des-kultfilms-trainspotting-462" target="_blank">das Karrieresprungbrett</a> von Regisseur Danny Boyle und Schauspieler Ewan McGregor. Die Fortsetzung mit dem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=LAPo1dgrHms" target="_blank">doch recht familiär klingenden</a> Titel <em>T2</em> soll nun wohl teilweise auf Welshs zweitem <em>Trainspotting</em>-Buch <em>Porno</em> basieren.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Abgesehen von einer einzigen Aufnahme, die sich auf den Film von 1996 bezieht, hat der neue Teaser nicht viel zu bieten. Zwar kann man die vier gealterten Gesichter von Spud, Renton, Sick Boy und Begbie kaum ausmachen, aber für vier genesende <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-echte-drogensuechtige-den-trainspotting-darstellern-das-junkie-leben-naeher-gebracht-haben-462" target="_blank">Heroinsüchtige</a> sehen die Jungs doch recht fit aus.
</p><p>Noch ist nicht ganz klar, wie sehr sich <em>T2</em> auf <em>Porno</em> beziehen oder worum es in dem Film überhaupt gehen wird. Spätestens im Januar 2017 können wir diese Fragen dann aber endlich beantworten.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
<media:category>film</media:category>
<category>film</category>
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<title>Mindestens 19 Tote bei Messerattacke auf ein Behindertenheim in Japan</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/mindestens-19-tote-bei-messerattacke-auf-ein-behindertenheim-in-japan</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 05:23:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Es ist besser, wenn die Behinderten verschwinden", soll der Tatverdächtige gesagt haben.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/26/mindestens-19-tote-bei-messerattacke-auf-ein-behindertenheim-in-japan-body-image-1469513180-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2500" data-original-height="1519" data-model-id="208038" data-path="images/content-images/2016/07/26/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/26/" data-image-filename="mindestens-19-tote-bei-messerattacke-auf-ein-behindertenheim-in-japan-body-image-1469513180.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Amoklauf im Behindertenheim in Sagamihara | Foto: imago | Kyodo News
</p><p>Der Blick aufs Handy, auf Twitter und Facebook sagt: jeden Tag dasselbe, jeden Tag ein Massaker. Das ist nicht ganz richtig. Es passiert nicht jeden Tag dasselbe, es gab in den letzten Tagen und Wochen eine <a href="http://www.vice.com/alps/read/hangover-news-25-juli-2016-909" target="_blank">Häufung</a> sehr <a href="http://www.vice.com/alps/read/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat" target="_blank">unterschiedlicher</a> <a href="http://www.vice.com/de/read/was-wir-ueber-die-schuesse-in-muenchen-wissen" target="_blank">Taten</a>. Jede auf eine andere Weise furchtbar.
</p><p>In der japanischen Stadt Sagamihara tötete ein 26-Jähriger in der Nacht zum Dienstag in einem Heim für Behinderte mindestens 19 Menschen. Das <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/gewalttat-mindestens-tote-bei-messerattacke-in-japan-1.3094967" target="_blank">berichten</a> japanische Medien, die sich auf die örtliche Polizei berufen. Weitere 26 Menschen wurden verletzt, 20 von ihnen schwer.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Der Tatverdächtige ergab sich und wurde verhaftet. Er soll das Verbrechen auf einer Polizeistation gestanden haben. "Ich habe es getan", wird der Mann zitiert. "Es ist besser, wenn die Behinderten verschwinden." Er habe eine Tasche dabei gehabt, voll mit teils blutverschmierten Messern und anderen scharfen Werkzeugen.
</p><p>Er habe angegeben, dass er früherer Mitarbeiter der Einrichtung war.
Das Heim kann bis zu 160 Menschen aufnehmen. Ende April lebten dort nach japanischen Medienangaben 149 Bewohner im Alter zwischen 19 und 75 Jahren.
</p><p>Japan hat eine der <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/7257072.stm" target="_blank">niedrigsten Gewaltstatistiken</a> weltweit. 2006 wurden dort gerade mal zwei Menschen erschossen.
</p><p>Auf Twitter versuchen die Menschen mit dem mittlerweile allzu vertrauten Hashtag, ihre Bestürzung auszudrücken— #PrayForJapan.
</p><blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">Hab mittlerweile schlechtes Gefühl dabei in die Twittertrends zu schauen. Jeden Tag passiert was grausames <a href="https://twitter.com/dimakoslowski/status/757726236198244352">25. Juli 2016</a>
</blockquote><blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">Wie kann nur in so wenigen Tagen so viel grausames passieren? Unglaublich traurig... <a href="https://twitter.com/hashtag/PrayForJapan?src=hash">#PrayForJapan</a><br>— Pat (@CraftingPat) <a href="https://twitter.com/CraftingPat/status/757750924408418304">26. Juli 2016</a>
</blockquote><blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">Messerattacke in einem Behindertenheim<br>Mir fehlen die worte<a href="https://twitter.com/hashtag/PrayForJapan?src=hash">#PrayForJapan</a><br>— Franzi❥ (@Bee_Franzii) <a href="https://twitter.com/Bee_Franzii/status/757704255851692033">25. Juli 2016</a>
</blockquote>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
<media:category>news</media:category>
<category>news</category>
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<title>Sie waren heilig, jetzt werden sie zu Handtaschen</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 10:30:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[In Indien werden Kühe verehrt—im benachbarten Bangladesch zu Leder verarbeitet. Über zwei Millionen Kühe wurden 2014 über die Grenze geschmuggelt.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-1469175475.jpg" type="image/jpg" length="2500"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p>Im hinduistischen <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Indien" target="_blank">Indien</a> sind sie heilig und werden verehrt. Jenseits der Grenze, im muslimischen <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Bangladesch" target="_blank">Bangladesch</a>, nur noch ein Rohstoff: indische Kühe. Der Hamburger Fotograf Christian Faesecke ist ihnen auf ihrer schicksalshaften Reise gefolgt. Sein Weg führt von den Ufern des heiligen Ganges über regionale indische Viehmärkte bis zum lukrativen Grenzschmuggel. Auf den grenznahen Viehmärkten in Bangladesch werden indische Kühe auf dem Papier zu einheimischem Schlachtvieh umdeklariert und zur Verwertung in die Schlachthäuser Dhakas transportiert. Dort beginnt ein industrieller Prozess, an dessen Ende verseuchte Flüsse, kranke Arbeiter und billiges Leder für den Weltmarkt entstehen.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469175546-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="206899" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469175546.jpg" class="vmp-image" title="" "=""
/pp class="p1 photo-credit"Eine Gruppe Hindus berührt eine Kuh auf einer Strasse in Varanasi, im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Die Berührung einer Kuh gilt im Hinduismus als Zeichen der Verehrung. Aber in den letzten Jahrzehnten verkaufen indische Bauern die Kühe oft nach Bangladesch, da sie im muslimischen Nachbarland oft doppelt so viel Geld für sie bekommen wie auf dem einheimischen Markt. Immer mehr Kühe werden aus ganz Indien in die Grenzregion gebracht. Junge Bangladescher treiben sie über die schwer zu kontrollierende Grenze. Geschätzte zwei Millionen Kühe wurden so 2014 über die 4000 km lange Grenze nach Bangladesch geschmuggelt. Mit dem Wahlerfolg der indischen rechts-konservativen BJP (Bharatiya Janata Party) bei den Parlamentswahlen 2014 bekam der Schutz der Kühe wieder mehr Bedeutung.  30.000 indische Grenzsoldaten wurden angewiesen, dem Kuhschmuggel Einhalt zu gebieten.
/pp class="has-image"img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469176970-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="206908" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469176970.jpg" class="vmp-image" title="" "="">
</p><p class="photo-credit">Blick über einen Viehmarkt in Bagachra im Jessore-Distrikt im Westen Bangladeschs nahe der indischen Grenze. Viehhändler kaufen hier ihre Kühe und Rinder, um sie später im ganzen Land weiter zu verkaufen. Trotz verschärfter Grenzkontrollen bleiben die Schmuggler am Ball, denn die Nachfrage ist hoch. Sie nehmen dafür immer riskantere Routen oder höhere Bestechungsgelder in Kauf.<br>
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199073-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207204" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199073.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="photo-credit">Ein jugendlicher Viehhändler führt seine Kuh über den Viehmarkt von Bagachra. Auch die wesentlich kleineren, einheimischen Kühe werden hier gehandelt. Ihre Preise sind seit den verschärften indischen Grenzkontrollen sprunghaft angestiegen.<br>
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199525-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="667" data-model-id="207208" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199525.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="photo-credit">Ein Kuhhändler wartet auf dem Viehmarkt von Bagachra auf potenzielle Käufer. Der Viehmarkt von Bagachra ist der größte seiner Art im Südwesten Bangladeschs. Bis zu 10.000 Kühe werden hier an einem Markttag verkauft.<br>
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199548-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207209" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199548.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="photo-credit">Eine Zahlstelle des Viehmarkts in Bagachra. Jeder Kuhkauf muss von den lokalen Behörden erfasst und durch einen Kassenbeleg quittiert werden. Für diesen Beleg werden pro Kuh rund 500 Taka fällig (knapp 6 <span class="s1">Euro</span>). Damit ist die Kuh in Bangladesch vorschriftsmäßig anerkannt und darf weiterverkauft und geschlachtet werden.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199659-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207212" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199659.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="photo-credit">Ein Lastwagen mit Kühen wird am Viehmarkt in Gabtoli, im Norden Dhakas, angeliefert. Vielen Kühen wird während des langen Transports Tabak oder Chilli in die Augen gerieben, damit sie wach bleiben und nicht vor Erschöpfung umfallen.<br>
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199721-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207214" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199721.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="photo-credit">Am Viehmarkt von Gabtoli putzen Arbeiter die frisch angekommenen Kühe, um sie besser verkaufen zu können. Nach dem langen Transport kommen die Kühe hier erstmals zur Ruhe und werden mit dem Nötigsten versorgt.<br>
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199792-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207215" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199792.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="p1 photo-credit">Zwei abgetrennte Büffelköpfe in einem Schlachthaus im Stadtteil Motijheel im Zentrum Dhakas. Annähernd acht Millionen Kühe werden jährlich in Bangladesch geschlachtet, die Hälfte davon zum Islamischen Opferfest.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199827-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207216" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199827.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="p1 photo-credit">Rinderhälften in einem Schlachthaus in Motijheel in Dhaka. Der blaue Stempel zeigt die Freigabe der Gesundheitsbehörde an, die stichprobenartige Kontrollen macht.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199854-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207217" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199854.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="photo-credit">Ein Lieferant trägt seine Ware über den morgendlichen Gemüsemarkt in Motijheel, Dhaka. Durch die verschärften indischen Grenzbeschränkungen ist der Kilopreis von Rindfleisch in Bangladesch von vormals 280 Taka auf bis zu 400 Taka gestiegen (von ca. 3,20 <span class="s1">Euro </span>auf 4,60 <span class="s1">Euro</span>).<br>
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199990-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="665" data-model-id="207219" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="heiliges-leder-bangladesch-christian-faesecke-body-image-1469199990.jpg" class="vmp-image" title="">
</p><p class="photo-credit">Abgelöste Häute liegen bei einem Leder-Zwischenhändler in Lalbagh, im Zentrum Dhakas. Auch die Lederindustrie in Bangladesch wird langfristig von den indischen Grenzbeschränkungen betroffen sein. Indische Kuhhäute gelten als qualitativ hochwertiger als die der kleineren einheimischen Kühe.
</p><p class="has-image">
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Christian Faesecke</dc:creator>
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<title>Wie man 250 Millionen Dollar fälscht und (fast) damit davonkommt</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 07:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Bei einem Blattgold-Drink erklärt der angeblich "beste Geldfälscher der Welt", wie er erwischt wurde und trotzdem heute auf freiem Fuß und glücklich ist.
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/25/wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-1469457950.jpg" type="image/jpg" length="2000"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p>Frank Bourassa trinkt süßen Goldschläger, weil er den Geschmack von Alkohol nicht mag. Der mit Blattgoldflocken versetzte, schimmernde Zimtschnaps passt außerdem perfekt zu einem Mann wie ihm. Bourassa hat einst 250 Millionen Dollar Falschgeld gedruckt—und ist heute trotzdem <a href="http://www.vice.com/alps/read/der-beruehmteste-marihuana-schmuggelnde-rennfahrer-wurde-aus-der-haft-entlassen-randy-lanier-341" target="_blank">ein freier Mann</a>.
</p><p>Wir treffen uns mit dem selbsterklärten <a href="http://www.gq.com/long-form/the-great-paper-caper" target="_blank">besten Geldfälscher der Welt</a> in seiner Heimatstadt Trois-Rivières in der kanadischen Provinz Quebec. Dort gibt es eine Bar, die auch nach ihm benannt sein könnte: Les Contrabandiers, französisch für "die Schmuggler". Doch Bourassa ist hier nur ein Kunde unter vielen.
</p><p>Das liegt laut Bourassa daran, dass es hauptsächlich die englischsprachigen US-Medien waren, die über sein Verbrechen berichteten. "Seltsamerweise wissen die Leute hier einfach nicht davon. Das Leben hier spielt sich auf Französisch ab. Englisch dringt erst gar nicht nach Quebec vor."<br><br>
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>Und so lebt Bourassa nun ein bescheidenes, stilles Leben in der Kleinstadt am Saint Lawrence River.
</p><p>Erst vor wenigen Jahren heckte der ehemalige Berufsverbrecher den Plan aus, der sein Leben für immer verändern würde. "Ich stand gerade an der Ampel", erinnert er sich, "und dachte: Wir stehen alle morgens auf, um ein Produkt zu verkaufen oder eine Dienstleistung anzubieten—aber das Ziel ist dabei immer Geld."
</p><p>"Also dachte ich, man könnte das Problem doch lösen, indem man die Zwischenschritte rauslässt und das Geld direkt herstellt. Damit würden mir die ganzen Komplikationen und Probleme im Zusammenhang mit der Arbeit erspart bleiben."
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458389-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="559" data-model-id="207888" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458389.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Frank Bourassa: "Mäßigung war noch nie mein Ding."
</p><p>Bourassa recherchierte jahrelang für seinen Plan. Er studierte akribisch die Sicherheitsmerkmale der US-Banknoten und kontaktierte Hunderte Papierhersteller, um die richtige "Leinwand" für seine Kunstwerke zu finden.
</p><p>"Ich habe echt einiges drauf, wenn es um Recherche geht", prahlt er. "Samba tanzen? Eher nicht so meins. Aber recherchieren? Ich habe Tausende Stunden gebraucht", sagt Bourassa. "Ich musste eine Rezeptur, Zutaten, Bestandteile und einen Ort dafür finden. Ich musste einen Zulieferer finden, der mein Rezept herstellen würde, ohne dass es wirkte, als ginge es dabei um Papier für Geld."
</p><p>Nach Monaten der Suche und E-Mail-Korrespondenz fand Bourassa endlich einen Hersteller in Europa, der gewillt war, seine Bestellung zu liefern. Bourassa besteht allerdings darauf, dass der Hersteller keine Ahnung von seinen Plänen hatte. Er beschreibt den Tag, an dem seine Lieferung eintraf, als den "schönsten Tag meines Lebens, bei Weitem".
</p><p>Doch es war gleichzeitig der stressigste Tag seines Lebens. "Bis dahin hatte ich mich kein einziges Mal persönlich unterhalten, denn eine Stimmaufnahme ist ein ganz schön schwerwiegendes Beweismittel vor Gericht", sagt Bourassa. "Ich wickelte alles über E-Mail ab. Ich hatte keine Ahnung, ob sie nicht vielleicht das Papier abgeschickt und sofort das FBI kontaktiert hatten."
</p><p>Um das Papier in Montreal abzuholen, musste Bourassa drei Tage lang den Hafen beobachten, zahlreiche Komplizen involvieren und mit verschiedenen Autos arbeiten, um seine Spuren zu verwischen.
</p><p>Wir sitzen in einer dunklen Ecke, abseits von den restlichen Bargästen. Bourassa bezeichnet normale, nicht-kriminelle Menschen als "legale Leute". Er behauptet, auf den Großteil seiner unzähligen Sicherheitsvorkehrungen wären die meisten Leute nicht gekommen.
</p><p>"Du musst das Papier auf eine andere Palette laden, weil die ursprüngliche vielleicht verwanzt ist", erklärt er. "Aber als ich es erst einmal in einen anderen Laster geladen und zu meiner Druckerpresse gebracht hatte, konnte mich nichts mehr aufhalten."
</p><p>Auf die Summe von 250 Millionen Dollar kam Bourassa nach eigenen Angaben, weil die Papierfirma diese Menge als Mindestbestellwert für eine neue Rezeptur vorgegeben hatte. Außerdem wird bei Bourassa grundsätzlich geklotzt und nicht gekleckert. "Wenn schon, dann gleich im großen Stil. Und ich hatte vor, es richtig zu machen, denn anders geht es nicht, wenn du etwas im großen Stil machst."
</p><p>"Mäßigung war noch nie mein Ding."
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458513-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="561" data-model-id="207889" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458513.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">"Ich würde einen falschen Zwanziger nicht mal mehr mit der Kneifzange anfassen."
</p><p>Ein paar Monate lang lebte Bourassa in Saus und Braus, wobei er gleichzeitig darauf achtete, eine bescheidene Fassade aufrecht zu erhalten. " lief, ich hatte die ersten Kunden, kleine Bestellungen von 700.000 Dollar hier und da ... Anfangs waren es noch Probekäufe. Sie wollten alles sehen und überprüfen, bevor sie es an ihre Leute weitergaben. Nach den Tests riefen sie mich zurück."
</p><p>Am besten war es für ihn, wenn eine kleine Zahl von Kunden große Summen kaufte. Bourassa verlangte 30 Dollar pro Hunderter-Bündel Falschgeld. Doch die Suche nach neuen Kunden trieb ihn direkt einem verdeckten Ermittler in die Arme. Sein blühendes Geschäft mit den Blüten nahm ein jähes Ende. "Alles ist wunderbar, dann klopft es an der Tür und plötzlich fällt deine Welt in sich zusammen. Alles in einer Sekunde", beschreibt Bourassa.
</p><p>Nun war Bourassas Schicksal in den Händen der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) und des U.S. Secret Service. Die US-Behörde bemühte sich um seine Auslieferung an die Staaten. Das wäre sein schlimmster Albtraum gewesen, meint Bourassa. "Dann wäre wirklich alles vorbei gewesen. Das Ende der Welt. In den Staaten wäre ich weit von zu Hause, würde keinen Besuch kriegen. Ich würde meinen Dad nicht mehr sehen, bevor er irgendwann stirbt. Es war eine Katastrophe."
</p><p>Mit der Hilfe eines Mannes, den er als "den besten Anwalt der Welt" bezeichnet, und ein wenig Glück, konnte Bourassa die Anklagen reduzieren lassen und einer Auslieferung an die USA entgehen. Letzten Endes lief alles auf eine Vorsichtsmaßnahme hinaus, die Bourassa genommen hatte: Bei der Lieferung des Falschgelds hatte er sein Auto unter ein Dach gestellt, sodass die beschattenden Polizisten ihn niemals tatsächlich mit der Ware hantieren sahen.
</p><p>Sein Anwalt argumentierte, dieser Fehler mache den Durchsuchungsbefehl nichtig. Bourassa verschaffte sich einen weiteren Vorteil, indem er anbot, den Ermittlern bis zu 200 Millionen Dollar unentdeckten Falschgelds zu liefern. Am Ende musste er für sechs Wochen ins Gefängnis und 1.350 Dollar Bußgeld zahlen.
</p><p>Und dabei war das Bußgeld nicht einmal für Falschgeld, sondern für kleine Drogenmengen. "Sie haben in meinem Auto Drogen gefunden, weil ich ständig Leute dabeihatte—klingt unglaubwürdig, aber ich habe wirklich nichts genommen. Sie haben Rückstände von Dingen gefunden, von denen ich gar nichts wusste, und eine Pille, die auf den Boden gefallen war."
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458530-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="560" data-model-id="207890" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458530.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Die Schmuggler in der Schmuggler-Bar
</p><p>Hinter der Bar hängen gerahmte Festnahmefotos von Lucky Luciano, Arnold Rothstein und Al Capone—berühmte Verbrecher, die lange Haftstrafen absitzen mussten oder brutal zu Tode kamen.
</p><p>Bourassa sagt, er fühlt sich, als habe er gewonnen: Er ist mit dem Leben, seiner Freiheit und vielleicht sogar einem Teil seines Geldes davongekommen. Von seinem Blüten-Vermögen wurden 50 Millionen Dollar niemals gefunden.
</p><p>"Ich kann nicht viel sagen. Nur, dass es gut versteckt ist und ich bestimmt keine Eile habe, es herauszuholen", sagt er. "Früher habe ich gescherzt, dass es 50 Schritte von der großen Eiche entfernt liegt, aber ich kann es natürlich nicht verraten. Mein Geheimnis", grinst er.
</p><p>Bourassa sieht sein Verbrechen als <a href="http://www.vice.com/alps/read/ex-verbrecher-erklaeren-wie-sie-ihre-taten-vor-sich-selbst-gerechtfertigt-haben" target="_blank">ein größtenteils opferloses</a>, da er das meiste des Geldes an asiatische, afrikanische und europäische Kunden verkauft hat, um mit seinen Geschäften nicht den Amerikanern zu schaden.
</p><p>" gehören zu den besten Menschen der Welt, aber ihre Regierung schadet ihnen. Sie haben es schwer", sagt er und nennt als Beispiel den Mangel an bezahlbaren Krankenversicherungen. "Daher wollte ich kein Netzwerk von Kunden, die das Geld in den USA ausgeben, denn wer mit Falschgeld erwischt wird, verliert das Geld natürlich."
</p><p>"Ich mag viele schlechte Eigenschaften haben, aber ich bin kein Typ, der darauf steht, Leute zu bestehlen und ihnen zu schaden. Wenn jemand aber etwas gegen die Regierung macht, tja, damit habe ich weniger Probleme."
</p><p>Das Geld, das Bourassa verkauft hat, lässt sich kaum verfolgen, weswegen er auch nicht wissen kann, ob es für weitere Verbrechen eingesetzt wurde. "Ich bezweifle mal, dass es in die Kirche geflossen ist", sagt er.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458545-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="559" data-model-id="207891" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="wie-man-250-millionen-dollar-faelscht-und-fast-damit-davonkommt-body-image-1469458545.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Der Geschmack der Freiheit—zumindest in Kanada
</p><p>Der weltbeste Geldfälscher betreibt heute sein eigenes Unternehmen, das Firmen berät, die sich vor Falschgeld schützen wollen.
</p><p>Doch völlig frei ist Bourassa nicht: Nur, wenn er in Kanada bleibt, ist er sicher vor der Auslieferung an die Staaten. Auch kann er nicht wissen, ob er noch beschattet wird—der Secret Service teilte VICE mit, er könne den Fall nicht kommentieren, da die Ermittlungen noch laufen würden.
</p><p>Bourassa findet jedoch, weitere Beschattung sei nur <a href="http://www.vice.com/alps/read/diese-dinge-passieren-wenn-du-deinen-uni-abschluss-in-der-tasche-hast-476" target="_blank">Zeitverschwendung</a>. "Ich würde einen falschen Zwanziger nicht mal mehr mit der Kneifzange anfassen", sagt er. "Nie im Leben." Und würde er alles noch einmal so machen, wenn er die Wahl hätte? "Ja. Ich bin glücklich und ich habe meine Sache gut gemacht."
</p>
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<dc:creator>Brigitte Noël</dc:creator>
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<title>Himmel oder Hölle? Wir haben Menschen nach Sexgeschichten mit ihren Mitbewohnern gefragt</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/sex-mit-mitbewohnern</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 07:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Was passiert eigentlich, wenn man nicht nur die Nebenkostenabrechnung, sondern auch das Bett miteinander teilt?
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/22/sex-mit-mitbewohnern-body-image-1469176902-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="750" data-model-id="206907" data-path="images/content-images/2016/07/22/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/22/" data-image-filename="sex-mit-mitbewohnern-body-image-1469176902.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Illustration: <a href="https://twitter.com/hamburgerphone" target="_blank">Jamie Loftus</a>
</p><p>Ich will nicht behaupten, dass es jemals einfach gewesen ist, mit anderen Menschen zusammenzuleben—komplizierter war es allerdings auch noch nie.
</p><p>Jetzt, da unser Reichtum in Scherben liegt, sich unsere Lebensqualität im Vergleich zu vorangegangenen Generationen <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-mit-millenials-aus-ganz-europa-ueber-ihre-schulden-gesprochen-462" target="_blank">deutlich verschlechtert hat</a> und uns eine Studienkredit-Krise ungeheuren Ausmaßes droht, sehen wir Millenials uns mit doch recht ungewöhnlichen Wohnsituation konfrontiert. Viele Menschen zwischen 18 und 34 ziehen <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-leute-in-ihren-zwanzigern-gefragt-warum-sie-noch-bei-ihren-eltern-wohnen" target="_blank">wieder bei ihren Eltern ein (oder gar nicht erst aus)</a>, leben in sogenannten <a href="http://motherboard.vice.com/de/read/in-diesem-coworking-space-muss-man-auch-wohnen-darf-aber-keinen-sex-haben" target="_blank">"Pods"</a>, mieten <a href="http://www.vice.com/alps/read/dieser-typ-bezahlt-350-euro-miete-fr-einen-holzverschlag-im-wohnzimmer-einer-wg" target="_blank">Holzverschläge in anderen Wohnungen</a> oder müssen sich ganz einfach <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-leute-nach-ihren-schlimmsten-mitbewohnern-gefragt" target="_blank">Mitbewohner</a> suchen. Und genau diese Mitbewohner können ziemlich schnell zum Objekt der eigenen Begierde werden.
</p><p>Aber junge Menschen haben die Definition einer engen Beziehung ja sowieso komplett über den Haufen geworfen. Wir haben euch ja bereits schon gesagt, was passiert, <a href="http://www.vice.com/alps/read/college-studenten-erzaehlen-uns-von-ihrem-sexleben-im-wohnheim" target="_blank">wenn es im Studentenwohnheim knistert.</a> Aber wie verändert sich dieses Szenario, wenn man die Blase des Studentenlebens verlässt? Bei der Generation <a href="http://www.vice.com/alps/tag/Tinder" target="_blank">Tinder</a> verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Liebhaber sowieso zunehmend und das Konzept des "Mitbewohners mit Vorzügen" ist auf dem Vormarsch. Die nun folgenden Geschichten zeigen die Vor- und Nachteile der unangenehmen, zuckersüßen, manchmal lebensverändernden und oftmals ziemlich unschönen Realität auf, die über einen hereinbricht, wenn man sich auch noch körperlich auf die Leute einlässt, mit denen man sich schon die Stromrechnung teilt.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><h2>Kathleen, 42</h2><p>In den 90ern haben mein Mitbewohner AJ und ich ständig miteinander gekifft. Und wenn wir dann richtig bekifft waren, haben wir rumgemacht. So fing das an.
</p><p>Unser Verhältnis war sehr innig. Wir hatten sogar jeweils die Passwörter zum Bankkonto des anderen. Und dann ist er mir in den Rücken gefallen. Er fing an, was mit einer gemeinsamen Freundin von uns zu haben, die sich als totaler Psycho herausstellte und unsere Freundschaft zerstörte. Sie las meine Post und zerstach mir die Autoreifen—mehr als einmal.
</p><p>AJ war am Anfang dieser wirklich tolle Typ, bis einer seiner Freunde zu ihm sagte: "Du bist immer der Nette. So bekommst du das Mädchen nie." Von diesem Punkt an begann er mich auszunutzen. Es tat weh. Ich würde definitiv nicht empfehlen, etwas mit deinem Mitbewohner anzufangen. Es wird einfach unschön. In meinem Fall hat es alles ruiniert, was wir miteinander hatten. Jetzt bin ich glücklich Single.
</p><h2>Heath, 25
</h2><p>Ich war 19 und hatte Kentucky noch nie verlassen, bis ich dann nach Portland zog. Ich wollte neue Leute kennenlernen und natürlich auch etwas Spaß haben, also benutzte ich  Scruff, um Freunde zu finden.
</p><p>Ich lernte Chris kennen. Chris ist heute 51 und ich bin 25. Bei unserem ersten Treffen war ich noch sehr unerfahren, also haben wir nur rumgemacht und es langsam angehen lassen. Damals war er mit einem Typen namens Lance zusammen, und wir hatten einen Dreier. Dann meinten sie zu mir: "Unser Zuhause ist auch dein Zuhause."
</p><p>Irgendwann verließ ihn Lance und ich zog bei Chris ein. Ich wohne inzwischen seit fünf Jahren bei ihm, in meinem eigenen Zimmer. Wir haben keinen Sex mehr—das hat vor drei Jahren aufgehört. Aber wir haben beide viele Gemeinsamkeiten. Wir gucken beide unheimlich gern Rugby und ich spiele selbst auch. Außerdem mögen wir Hockey und haben das gleiche Lieblingsteam: die San Jose Sharks.
</p><p>Ich bin transgender und hatte meine Transition im vorletzten High-School-Jahr. Meine Mitschüler haben mich damals grausam gemobbt. Sie haben mir die Haare angezündet und mich direkt vor den Augen der Lehrer geschlagen, die nichts unternommen haben. Ich bekam Morddrohungen ohne Ende. Ich brauchte einen sicheren Ort und Chris bot mir einen. Chris hat vor knapp drei Monaten geheiratet und jetzt suchen wir zusammen ein Haus mit einem Keller, in dem ich wohnen kann. Er will, dass ich weiterhin ein Teil seines Lebens bleibe. Meine Mutter war alleinerziehend und er ist für mich wie der Vater, den ich nie hatte.
</p><p>Heute habe ich einen tollen Job und mache einen Bachelor in Datenanalyse. Ich date auch wieder, aber mein Geschmack hat sich geändert. Jetzt suche ich eher nach Menschen in meinem Alter. Ich schätze, jetzt da ich erwachsen bin, geht es mir weniger um Sex und mehr darum, einen Partner fürs Leben zu finden. Ich suche jemanden, mit dem ich alt werden kann.</p><p><strong>Wir haben mit Menschen direkt nach dem Sex geredet.</strong></p><iframe src="//embeds.vice.com/?playerId=YjMwNmI4YjU2MGM5ZWRjMzRmMjljMjc5&aid=vice.com/people-who-just-had-sex&vid=lhdjlmNTpNumxL5PSJuKLR6vvA1aG4Ch&embedCode=lhdjlmNTpNumxL5PSJuKLR6vvA1aG4Ch&cust_params=embdom%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fbrian-and-john%26topic%3Dstuff%26aid%3Dbrian-and-john%26auth%3DVice+Staff%26keywords%3Dpeople+who+just+had+sex%2Csex%2Cgay+stuff%2Cgays%2Canal+sex%26ac%3Dyes%26country%3Dalps%26contentId%3DlhdjlmNTpNumxL5PSJuKLR6vvA1aG4Ch&ad_rule=1&description_url=http%3A%2F%2Fwww.vice.com%2Falps%2Fvideo%2Fbrian-and-john&share_url=http://www.vice.com/alps/video/brian-and-john&autoplay=0" width="631px" height="341px" frameborder="0" webkitallowfullscreen="" mozallowfullscreen="" allowfullscreen=""></iframe><h2>Lauren, 27
</h2><p>Alles, was ich während meines Studiums in Oxford gemacht habe, war lesen, schreiben und ficken.
</p><p>Meine Mitbewohner verbrachten ihre Tage damit, ein Bier nach dem anderen zu trinken und Fish and Chips vom Laden nebenan zu essen. Wir waren zu fünft. Ich, noch ein Mädchen, und fünf Typen in einer dreigeschossigen Wohnung. Es waren finstere Zeiten.
</p><p>Mein Mitbewohner Tommy hatte bereits mit einem anderen Mädchen in dem Haus geschlafen, aber dann hatten er und ich auch plötzlich regelmäßig miteinander Sex. Wir schossen uns total ab und hatten dann den besten Sex überhaupt. Irgendwann bin ich mit ihm zu einem Polo-Spiel außerhalb von London gefahren. Wir hatten uns dafür richtig aufgebrezelt und es war megawitzig. Dann haben wir uns aber wieder die Kante gegeben und im Rausch habe ich ein paar wirklich gemeine und furchtbare Dinge zu ihm gesagt. Ich nannte ihn einen verdammten Psycho und machte mich über seine Tattoos lustig. Ich war ein richtiges Arschloch. Letzten Endes wurde ich sogar aus dem Publikum entfernt.
</p><p>Es in einem Haus mit so vielen Mitbewohnern zu treiben, hat ziemlich großen Spaß gemacht. Es fühlte sich auch wirklich verdorben an, weil wir immer heimlich zueinander rüber geschlichen sind. Seitdem habe ich ihn erst einmal wieder gesehen. Er kam vorbei, um bei mir zu übernachten, und wir haben noch einmal miteinander geschlafen. Dann habe ich ihn auf allen Kanälen geblockt. Jetzt habe ich wieder einen Mitbewohner und wir sind wie Geschwister. Aber ich werde nie wieder mit einem Mitbewohner schlafen. Es wird einfach zu schnell zu komisch—und dann wird es auch für alle anderen in der Wohnung komisch. Ich bin damit durch.
</p><h2>Scott, 50
</h2><p>Ich lebe in Denver und arbeite in der Reiseindustrie. Ich habe eigentlich immer alleine gelebt, nur letztes Jahr hatte ich einen Mitbewohner, den ich über Grindr kennengelernt hatte. Ursprünglich hatten wir uns nur zum Vögeln getroffen. Ich wollte dann was Ernsteres, aber er war nicht interessiert. Er brauchte allerdings ein Zimmer, also vermietete ich ihm eins für 400 Dollar im Monat. Sobald er eingezogen war, beschlossen wir, dass alles andere aufhören muss.
</p><p>Er stammte aus Pakistan und kochte fast jeden Tag wunderbares Essen. Ein großer Pluspunkt für mich. Nach dem Essen machte ich uns eine Kanne englischen Tee und wir schauten zusammen pakistanische Seifenopern auf YouTube. Ich verstand kein Wort, aber wusste genau, was los war. Dann gab ich ihm noch eine Fußmassage und er ging schlafen. In gewisser Weise waren wir wie ein verheiratetes Pärchen, nur ohne den Sex. Es war eine nette und schöne Beziehung, aber ohne sexuelle Spannungen oder irgendwelchen Stress.
</p><p>Insgesamt hat mir unser Zusammenleben wirklich gefallen und ich vermisse ihn heute. Nach seinem Auszug lebte ich wieder alleine. Es war eine dieser seltenen, wirklich besonderen Erfahrungen, die einem manchmal im Leben widerfahren. Ich habe dadurch einen liebevollen Freund gewonnen. Wir sind heute noch in Kontakt und erinnern uns gerne an unsere gemeinsame Zeit.
</p><p>Es ist extrem unwahrscheinlich, auf Dating Apps jemanden kennenzulernen, der wirklich zuverlässig ist und auf den du zählen kannst. Manchmal lernt man aber einen besonderen Menschen kennen. Sei also offen für andere.
</p><h2>Amanda, 28
</h2><p>Ich bin Bartenderin und lebe in Bushwick, Brooklyn. Wenn du unbedingt willst, kannst du mich einen Hipster nennen, ich selbst vermeide den Begriff aber. Ich spiele allerdings Keyboard und Bass in zwei unterschiedlichen Bands.
</p><p>Ein Jahr lang lebte ich in dieser Art DIY-Punker-Haus. Das Teil war durch und durch von Ratten befallen. Viele dieser DIY-Orte in Bushwick sind einfach große Lofträume, die in kleinere Räume unterteilt sind. Und so habe ich Nate kennengelernt. Nate und ich waren viele Jahre miteinander befreundet, aber es ist nie was gelaufen.
</p><p>An einem Abend sind wir sehr, sehr betrunken nach einem Konzert nach Hause gekommen und in sein Zimmer gegangen. Weil sein Zimmer direkt neben der Küche lag, war es auch besonders anfällig für unerwünschten Rattenbesuch. Genau in dem Moment, als wir Sex hatten, kamen die Ratten rein. Nate, der eine Rattenphobie hat, ist total durchgedreht und mit heruntergelassener Hose aus dem Zimmer gerannt. Danach ist zwischen uns nie wieder was gelaufen.
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Conor Bezane</dc:creator>
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<category>stuff</category>
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<title>Dieses deutsche Plakat ist eine der dümmsten Wahlwerbungen aller Zeiten</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/die-cdu-hannover-packt-die-richtig-heissen-wahlkampfthemen-an-strassenumbenennung</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 08:20:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Die neue Zielgruppe der CDU in Deutschland: Pensionisten, die vergessen haben, wo sie wohnen.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p>Flüchtlinge, Terror, <a href="http://www.vice.com/alps/read/ins-ansbach-sprengt-sich-ein-27-jaehriger-mit-einer-bombe-in-die-luft" target="_blank">Attentate</a> oder die Klassiker wie <a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-mit-einem-dealenden-schueler-ueber-drogen-am-schulhof-gesprochen" target="_blank">Bildung</a>, Arbeitslosigkeit und Umwelt. Bei all der Scheiße, die uns gerade um die Ohren fliegt, könnte man meinen, dass Parteien sich um eine Sache zumindest keinen Kopf mehr machen müssen: Wahlkampfthemen. Die deutsche CDU sieht das anders. Der Kommunalwahlkampf ist in Niedersachen im vollem Gange und offenbar hatte man in der Wahlkampfzentrale der Christ-Demokraten den Anspruch, mal so richtig mit den wirklich relevanten Themen bei der Wählerschaft zu punkten. Heraus kam diese Perle:</p><p><div class="twitter-container"><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>Was ist das für 1 Wahlkampfthema? Straßenumbenennungen, srsly?  
]]></content:encoded>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>Warum wir viel öfter streiten sollten</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/warum-menschen-streiten-sollten</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 05:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Bei einem Konflikt reden wir lieber erst einmal mit Freunden, der Mama oder dem Psychotherapeuten. Warum eigentlich nicht mit der betreffenden Person?
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/25/warum-menschen-streiten-sollten-1469445527.jpg" type="image/jpg" length="853"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/warum-menschen-streiten-sollten-body-image-1469445635.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="916" data-original-height="474" data-model-id="207689" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="warum-menschen-streiten-sollten-body-image-1469445635.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit"><em>Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/archeon/" target="_blank">Hans Splinter</a> | <a href="https://www.flickr.com/photos/archeon/9783141/" target="_blank">Flickr</a> | <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/" target="_blank">CC 2.0</a></em><br>
</p><p>Die schönsten <a href="http://www.vice.com/alps/read/maedchenfreundschaften-918" target="_blank">Streitgespräche</a> hatte ich mit einem ehemaligen
Freund von mir (das Wort "ehemalig" ist in dem Satz nicht ganz unwichtig). Wir waren besonders gut im Aneinander-vorbei-reden. Das ewige
Anbringen der eigenen Standpunkte, bei gleichzeitiger völliger Ignoranz des
Anderen, ließ unsere Konversationen zirka so aussehen:
</p><p class="MsoNormal">Er: Fick dich.<br>Ich: <br>Er: Ich glaube, du solltest jetzt gehen.</p><p>Es war, als würde jemand mit einem klitzekleinen Hammer auf
die immer gleiche Stelle meines Kopfes einschlagen, ähnlich wie experimentelle
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/bei-folter-liegen-aesthetik-und-schrecken-verdammt-nah-beieinander" target="_blank">Foltermethoden</a>; nicht tödlich und ohne großen körperlichen Schaden zu
hinterlassen, aber dafür extrem zermürbend. Für ihn hat es sich sicher gleich
angefühlt.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p class="MsoNormal">Das Beispiel symbolisiert gut, warum wir Konflikten wahrscheinlich
oft lieber aus dem Weg gehen. Sie sind einfach unglaublich mühsam. Häufig redet
man aneinander vorbei, ohne es zu merken, oder es fehlt einfach das
grundlegende 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/brauchen-wir-verhaltensregeln-fuer-maenner-um-vergewaltigungen-zu-verhindern-234" target="_blank">Verständnis für den anderen</a>. Wer wiederholt schon gerne zig-mal
seinen Standpunkt, um am Ende das Gefühl zu haben, er hätte gerade versucht,
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/was-wir-von-donald-trump-ueber-deutschland-lernen-koennen-angela-merkel-heidi-klum" target="_blank">Donald Trump</a> davon zu überzeugen, <a href="http://www.vice.com/alps/read/donald-trump-legt-haarstraeubenden-plan-zur-finanzierung-der-us-mexikanischen-mauer-vor" target="_blank">etwas Positives über Mexikaner</a> zu sagen?
</p><p class="MsoNormal">Eine Strategie, um das alles zu vermeiden, ist natürlich schweigen—zumindest
in meinem Freundes- und Familienkreis weit verbreitet. Einfach mal nicht
darüber reden und stattdessen lieber durch kleine, 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/jung-aggressiv-und-reflektiert-die-svp-von-morgen-523" target="_blank">passivaggressive Zeichen kommunizieren</a>. Der Streit wird schon weggehen, irgendwie. Vielleicht macht er
ja einen polnischen Abgang, verdunstet und wird plötzlich zu Liebe und
gegenseitigem Verständnis. Das passiert nur meistens einfach nicht. Stattdessen
baut sich die Wut zu einer Mauer auf, die mit dem Nordwall in 
	<i><a href="http://www.vice.com/alps/read/endlich-keine-unbeabsichtigter-inzest-mehr-bei-game-of-thrones" target="_blank">Game of Thrones</a></i> mithalten kann.
</p><p class="pullquote">Ein Jahr lang war es nicht möglich, mich alleine und ohne den Schutz einer Gruppe mit ihr zu treffen.</p><p>So war es zum Beispiel bei einem Streit mit meiner Freundin
Kathi vor einigen Jahren, der ziemlich lächerlich und gleichzeitig genauso
klassisch war. Eigentlich handelte sich um einen typischen Konflikt: Die beste
Freundin hat einen neuen Freund und deshalb plötzlich weniger Zeit. Ich war in
dem Fall 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-will-nicht-mehr-gefragt-werden-warum-ich-keinen-freund-habe-281" target="_blank">die mit dem neuen Freund</a> und ja, es stimmt schon, ich bin damals wirklich
ein bisschen im Pärchen-Loch versumpft. Dort war es halt schön aufregend und
gleichzeitig extrem kuschelig. Und weil wir alle wissen, wie lange so etwas
anhält, wollte ich 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-ich-meinem-mann-und-unserem-freund-meine-affaere-gestanden-habe" target="_blank">die Situation eben auszunutzen</a>.
</p><p class="MsoNormal">Kathi, die mich zu diesem Zeitpunkt selbst oft für ihren
Freund sitzen ließ, hatte dafür eher wenig Verständnis. Sie wollte nicht über ihre
Wut reden und ich wollte nicht so tun, als ob nichts wäre.
</p><p class="MsoNormal">Ein Jahr lang war es daher nicht möglich, mich alleine und
ohne den Schutz einer 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/ich-habe-eine-white-pride-facebook-gruppe-unterwandert-und-in-lgbt-southerners-for-michelle-obama-verwandelt-462" target="_blank">Gruppe</a> mit ihr zu treffen. Wir waren zu wütend
aufeinander. Die Lage gelöst hat irgendwann eine 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/noisey-silvester-ist-die-schlimmste-nacht-des-jahres-537" target="_blank">Silvesternacht</a>, die schon
emotionsschwanger und sentimental begann, und in der dann im weiteren Verlauf
des Abends 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/so-ueberstehst-du-eine-clubnacht-ohne-alkohol-und-drogen-222" target="_blank">noch eine Flasche Gin</a> und ein langes, intensives Gespräch dazukam,
zu dem ich sie mehr oder weniger zwingen musste. Nach beidseitigen
Fehlereingeständnissen, die uns aufgrund des Alkoholspiegels einfacher fielen,
versöhnten wir uns wieder. Damit war das Thema für immer erledigt. Hätte man
auch früher machen können.
</p><blockquote><a href="http://www.vice.com/alps/read/mein-leben-ohne-alkohol-442" target="_blank">Lest hier, wie es ist ein Leben ohne Alkohol zu führen.</a>
</blockquote><p class="MsoNormal">Ein weiterer Grund für die Vermeidung von Streit (der
vermutlich auch sie und mich so lange von einer Aussprache abgehalten hat) ist—neben
dem vorhandenen Frustrationspotenzial—die genauso existierende Chance, dass man
sich und anderen 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-es-ist-wenn-ein-freund-von-dir-pltzlich-rechtsextrem-wird" target="_blank">Fehler</a> eingestehen muss. Und dass man vielleicht Dinge über sich
selbst zu hören bekommt, die nicht unbedingt angenehm sind. Wer will das schon?
Es ist natürlich viel feiner, in seinen Ansichten und Taten bestätigt zu
werden, anstatt sie 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/generation-tyrannen-kinder" target="_blank">kritisch zu hinterfragen</a>.
</p><p class="MsoNormal">Darum rennen wir bei einem Konflikt auch lieber zuerst
einmal zu allen 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/es-gibt-immer-etwas-das-man-insgeheim-an-seinen-besten-freunden-hasst" target="_blank">Freunden</a>, und hören uns im Idealfall an, dass der Andere völlig
im Unrecht ist und man selbst natürlich nichts falsch gemacht hat.
</p><p><strong>"He just can't handle how amazing you are."</strong>
	<div class="resp-video-wrapper youtube-wrapper"><iframe src="//www.youtube.com/embed/U6nOVoG2Qmc" width="100%" height="100%" frameborder="0" scrolling="no" data-original-width="800px" data-original-height="450px" webkitallowfullscreen webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowfullscreen></iframe></div>
</p><p>Aber was nützt uns das? Können wir irgendeine Erkenntnis daraus
ziehen? Außer, dass wir klarerweise "amazing" sind? Und wird die
Konfliktursache dadurch geklärt und behoben?
</p><p class="MsoNormal">Der US-amerikanischer Psychologe Bruce Tuckman erstellte
bereits in den 1960ern 
	<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teambildung#Phasenmodell_nach_Tuckman" target="_blank">ein Modell über die Entwicklungsschritte von Arbeitsgruppen</a> in Organisationen. Er war der Ansicht, dass es zuerst eine
Konfliktphase gibt (Storming), bevor die Gruppe produktiv wird (Performing).
Sein Modell beschreibt den gruppendynamischen Prozess in der 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-stehen-bescheinigte-genies-zum-thema-arbeit-676" target="_blank">Arbeitswelt</a> und
kann natürlich nicht 1:1 übernommen werden. Aber wenn man den Gedanken frei
interpretiert, sagt er nichts anderes als: Löst euren Scheiß, damit es
weitergehen kann.
</p><p class="MsoNormal">Klingt logisch. Wie soll es sonst zu einer echten Entwicklung
kommen, wenn man immer noch mit Altlasten beschäftigt ist? 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/diese-fragen-muss-game-of-thrones-in-staffel-7-beantworten" target="_blank">Den Nordwall</a>
	erklimmt man auch nicht, indem man einfach vor ihm stehen bleibt—man wird schon
irgendwann mal mit dem Klettern beginnen müssen. Hätten Kathi und ich unseren
Konflikt nicht ausgetragen, würden wir vermutlich noch heute befangen in einer
Gruppe von Menschen nebeneinander sitzen, so tun als wäre nichts und 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/dinge-die-du-lernst-wenn-deine-langzeitbeziehung-in-die-brueche-geht-773" target="_blank">die verlorene Nähe akzeptieren</a>, anstatt unsere lange <a href="http://www.vice.com/alps/read/was-passiert-wenn-aus-freundschaft-mehr-wird" target="_blank">Freundschaft</a> zu feiern, wie
wir es inzwischen machen.
</p><p class="pullquote">Dann weiß man aber zumindest, dass die Beziehung nicht funktioniert und muss sich nicht mehr Sisyphus-ähnlich mit etwas plagen, das nie besser wird und nie endet.
</p><p class="MsoNormal">Klar, Tuckmans Theorie geht davon aus, dass der Streit
irgendwann überwunden wird. Das ist aber 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/wir-haben-mit-einem-dealer-vom-kottbusser-tor-ber-sein-geschaeft-geredet-298" target="_blank">bei Weitem nicht immer der Fall</a>. Den
Verlauf von Konflikten hat Friedrich Glasl, Ökonom und Organisationsberater,
anhand von neun "<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konflikteskalation_nach_Friedrich_Glasl" target="_blank">Eskalationsstufen</a>" beschrieben. Er geht davon aus, dass ein Streit mit der "Verhärtung" der Fronten beginnt und im schlimmsten Fall
damit endet, dass beide "gemeinsam in den Abgrund stürzen". Ab diesem Zeitpunkt gibt
es laut Glasl kein Zurück, eine Versöhnung ist dann nicht
mehr möglich.
</p><p class="MsoNormal">So wie bei mir und meinem oben erwähnten—nicht umsonst
ehemaligen—Freund. Dann weiß man aber zumindest, dass 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/ueber-die-chronologie-der-schlimmsten-trennungen-aller-zeiten-462" target="_blank">die Beziehung nicht funktioniert</a> und muss sich nicht mehr Sisyphus-ähnlich mit etwas plagen, das
nie besser wird und nie endet.
</p><blockquote><a href="https://broadly.vice.com/de/article/narzissten-und-psychopathen-wollen-mit-ihren-ex-partnern-befreundet-bleiben" target="_blank">Broadly: Vor allem Narzissten und Psychopathen wollen mit ihren Ex-Partnern befreundet bleiben.</a>
</blockquote><p>Das soll nicht bedeuten, dass jeder Streit ausgetragen
werden muss, oder dass jeder jedem 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/so-sprichst-du-probleme-an-ohne-ein-idiot-zu-sein-928" target="_blank">seine aktuellen Befindlichkeiten zu jedem Zeitpunkt um die Ohren hauen sollte</a>. Kleinigkeiten können verschwiegen und sogar
vergessen werden. Sinn macht streiten vor allem dann, wenn der unterschwellige
Konflikt die Beziehung zu der jeweiligen Person ernsthaft beeinflusst.
</p><p class="MsoNormal">So unangenehm es ist: Einen Streit wirklich direkt zu führen,
bringt einen dazu, sich selbst zu hinterfragen, wegzugehen von der 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/germanys-next-topmodel-ist-jetzt-offiziell-nicht-jugendgefaehrdend-aber-trotzdem-unverantwortlich-995" target="_blank">Suche nach ständiger Bestätigung</a> der eigenen Ansichten und sich stattdessen anderen
Meinungen auszusetzen. Dafür lernt man sich selbst besser kennen und beginnt
Dinge zu sehen, die sich sonst im toten Winkel der eigenen Wahrnehmung
befinden. Im besten Fall macht uns das zu reflektierten und kritischen
Individuen. Wenn man Bestätigung haben will, kann man danach ja noch immer das
besonders vorteilhafte Foto vom letzten Strandurlaub auf 
	<a href="http://www.vice.com/alps/read/ja-instagram-ist-auch-nur-ein-job-ihr-heulsusen-344" target="_blank">Instagram</a> posten.
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p><p class="MsoNormal"> 
</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Hannah Schindler</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
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<title>Warum Sportstream-Anbieter Studenten dafür bezahlen, illegale Streams aufzuspüren</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/jagd-auf-illegale-streamer-0001274-v12n2</link>
<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 04:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Ich will nicht sagen, dass es ein Einstellungskriterium ist, aber: Wenn jemand schon mal einen illegalen Stream geschaut hat, wissen wir, dass derjenige in der Lage ist, einen Stream zu finden."
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img class="vmp-image" data-image-filename="jagd-auf-illegale-streamer-0001274-v12n2-body-image-1462310691.jpg" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/05/03/" data-path="images/content-images/2016/05/03/" data-model-id="175948" data-original-height="610" data-original-width="1000" src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/05/03/jagd-auf-illegale-streamer-0001274-v12n2-body-image-1462310691-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality="></p><p><em>Aus der </em><a href="http://www.vice.com/alps/magazine/10/4" target="_blank"><em>The Holy Cow Issue</em></a></p><p>Samstag, 15.30 Uhr. Ich google "Bundesliga Stream". Eine windige Seite voller Sportwetten-Werbung und Live-Chats öffnet sich. Ich klicke auf BVB-HSV. 30 Sekunden muss ich warten bis die Anzeige von Pony-Wars mein Bild freimacht. Ich klicke zwei Mal auf das falsche X zum Verbergen und es öffnen sich nur Pop-up-Fenster. Aber ich höre einen deutschsprachigen Kommentator. Das Bild hakt nicht. Jackpot. Sky zum Nulltarif. Drei Minuten später gibt es Elfmeter für Dortmund. Aubameyang nimmt Anlauf. Zack. Das Bild ist weg.</p><p>"Es ist unwahrscheinlich cool, wenn der Schütze beim Elfmeter anläuft, und dann ist der Stream plötzlich weg—in solchen Momenten wird sich der ein oder andere sicher fragen, ob er bei uns nicht besser aufgehoben wäre", erklärt Sascha Tietz vom Pay-TV-Sender Sky. Tietz und sein Team bekämpfen illegale Streamingseiten im Bereich Sport und Film. Den Stream hat mir ein Student ausgeknipst, der selbst früher gestreamt hat. "Ich will nicht sagen, dass es ein Einstellungskriterium ist, aber: Wenn jemand schon mal einen illegalen Stream geschaut hat, wissen wir, dass derjenige in der Lage ist, einen Stream zu finden."</p><p>Sky zahlt alleine für die Bildrechte an der Bundesliga pro Saison im Schnitt 486 Millionen Euro. Durch die illegalen Streams im Internet verliert der Sender Millionen. Die Studenten googlen also wie die Nutzer zu Hause in Live-Schichten nach Streams und spüren illegale Sky-Übertragungen auf. Anschließend kontaktieren sie die Plattformen und machen sie auf die Urheberrechtsverletzung aufmerksam. "Viele technische Provider sind erstaunlich kooperativ und nehmen den Stream danach herunter", erzählt Tietz. Gegen andere Anbieter wird die Justiz eingeschaltet. </p><p>Im Jahr 2013 nahm die Polizei etwa die Plattform teamstream.to hoch. Für nur 10 Euro im Monat konnten über 22.000 registrierte Nutzer günstig Live-Fußball sehen. Die Betreiber nahmen geschätzt eine halbe Million Euro ein. Mittlerweile führt das BKA das Phänomen "Illegales Streaming" sogar als Cybercrime. In Zukunft sollte es also noch schwerer werden, illegal im Internet Fußball zu kucken. </p><p class="has-image"><img class="vmp-image" data-image-filename="jagd-auf-illegale-streamer-0001274-v12n2-body-image-1462310676.jpg" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/05/03/" data-path="images/content-images/2016/05/03/" data-model-id="175947" data-original-height="15" data-original-width="76" src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/05/03/jagd-auf-illegale-streamer-0001274-v12n2-body-image-1462310676.jpg?resize=*:*&output-quality=">  |  DER SPORT-KANAL VON VICE</p>
]]></content:encoded>
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<dc:creator>Benedikt Niessen</dc:creator>
<media:category>sports</media:category>
<category>sports</category>
</item>
<item>
<title>So reagiert Ansbach auf das Selbstmordattentat</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat</link>
<pubDate>Mon, 25 Jul 2016 15:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA["Als ich aus dem Wohnzimmerfenster den Trubel aus Feuerwehr, Polizei und dem SEK vor der Kirche sah, war mir sofort klar, dass das etwas Größeres sein musste."
]]></description>
<enclosure url="http://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/25/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-1469458939.jpg" type="image/jpg" length="2000"></enclosure>
<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-body-image-1469458860-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1333" data-model-id="207895" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-body-image-1469458860.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Niedergelegte Blumen in der Nähe des Tatorts
</p><p>Die Wohnung der 21-jährigen Antonia Kourtides in <a href="http://www.vice.com/alps/read/ins-ansbach-sprengt-sich-ein-27-jaehriger-mit-einer-bombe-in-die-luft" target="_blank">Ansbach</a> liegt nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Während sie Sonntagnacht an einer Studienarbeit saß, erschrak sie sich heftig, als ein lauter Knall die Nacht erschütterte. "Ich habe keine Schreie aus dieser Richtung gehört, deshalb dachte ich kurz sogar, es könnten ein paar Jugendliche mit illegalen Feuerwerkskörpern sein. Als ich dann aber aus dem Wohnzimmerfenster den Trubel aus Feuerwehr, Polizei und später dem SEK vor der Kirche sah, war mir sofort klar, dass das etwas Größeres sein musste. Kurz im Hinterkopf ist dann natürlich auch der Gedanke mit dem Terror." Zu diesem Zeitpunkt <a href="http://www.fr-online.de/panorama/ansbach-taeter-sollte-abgeschoben-werden,1472782,34538304.html" target="_blank">spekulierten die Medien noch über eine Gasexplosion</a>.
</p><p>Vergangenen Sonntagabend wurden bei einem <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-fundamentalismus-und-rassismus-sich-gegenseitig-aufbauen-741" target="_blank">Sprengstoffanschlag</a> im bayerischen Ansbach der Täter getötet und 15 Menschen verletzt, davon vier schwer. Die Explosion ereignete sich gegen 22 Uhr in der Pfarrstraße, nahe des Eingangs zum <a href="http://www.ansbach.de/cda/showpage.php?SiteID=123" target="_blank">Ansbach Open 2016</a>—bei dem mehr als 2.000 Besucher Volksmusik-Pop hören wollten. Inzwischen wurde auf dem Handy des 27-jährigen Syrers <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/anschlag-in-ansbach-im-news-ticker-sollte-bombe-ferngezuendet-werden_id_5760992.html" target="_blank">ein Bekennervideo entdeckt</a>, in dem er einen Racheakt gegen <a href="http://www.vice.com/alps/read/wenn-deutschland-fans-auf-schwarze-schiessen" target="_blank">Deutsche</a> ankündigt, nachdem sein Asylantrag letztes Jahr aus bisher unbekannten Gründen abgelehnt wurde.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-body-image-1469458905-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1333" data-model-id="207897" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-body-image-1469458905.jpg" class="vmp-image">
</p><p>In der Kleinstadt mit 40.000 Einwohnern ist, abgesehen von dem Gebiet um den Tatort, die Stimmung relativ normal. Die Pflastersteinstraßen der Altstadt sind aber etwas voller als sonst. Neben den allgegenwärtigen Übertragungswägen verschiedener Medien, den Polizeibeamten, die Spuren sichern und mit beruhigenden Worten Journalisten vom Sperrgebiet fernhalten, sammeln sich an den Absperrungen auch viele Schaulustige. Gerade auf dem nahegelegenen Martin-Luther-Platz sind die Cafés voll mit Anwohnern, die das rege Treiben beobachten.
</p><iframe src="https://vicealps.socialmediaapps.at " scrolling="no" style="overflow: hidden; width: 100%; border: 0px">
</iframe><p>"Heute morgen war ich einkaufen. Als ich das gesperrte Gebiet um meine Wohnung verlassen und später wieder betreten wollte, wurde ich von der Polizei kontrolliert", erklärt Antonia. Der Bereich des Musikfestivals ist tatsächlich frei zugänglich, Arbeiter der Stadt bauen die Bühne des Ansbach Open 2016 ab und gehen ihrem regulären Tagesgeschäft nach. Auch das Café, in dem ich mich mit Antonia treffe, ist belebt.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-body-image-1469458923-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="2000" data-original-height="1333" data-model-id="207898" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-body-image-1469458923.jpg" class="vmp-image">
</p><p>Leute trinken Kaffee, scherzen und lachen—wenige Minuten vom Ort des Geschehens entfernt. Das Attentat ist natürlich Thema, aber wird mit einer unerwarteten Entspanntheit aufgenommen, die fast schon ein bisschen gruselig ist. "Hätte ich nicht von gestern gewusst, hätte ich an der Stimmung der Leute nicht erahnen können, dass etwas passiert ist", erzählt Antonia, während sie an ihrem Kaffee nippt. "Bei mir geht es eigentlich auch. Ich hoffe bei der ganzen Sache lediglich, dass der vorhandene Hass gegen Flüchtlinge und die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland durch die Ereignisse der letzten Tage nicht noch weiter verstärkt werden."
</p>
]]></content:encoded>
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<media:thumbnail url="https://vice-images.vice.com/images/articles/meta/2016/07/25/so-reagiert-ansbach-auf-das-selbstmordattentat-1469458939.jpg"></media:thumbnail>
<dc:creator>Vincent Bittner</dc:creator>
<media:category>stuff</media:category>
<category>stuff</category>
</item>
<item>
<title>Das große Stronach-Sommergespräch-Bingo</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/stronach-bullshit-bingo</link>
<pubDate>Mon, 25 Jul 2016 15:01:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Es ist kein Geheimnis: Wir lieben Frank Stronach.
]]></description>
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images/2016/07/25/stronach-bullshit-bingo-body-image-1469458963.png?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="850" data-original-height="850" data-model-id="207899" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="stronach-bullshit-bingo-body-image-1469458963.png" class="vmp-image">
</p><p>Es ist kein Geheimnis: Wir lieben Frank Stronach. Nicht nur, weil wir auch gegen Berufskiller sind, sonder einfach, weil er uns gelehrt hat, die schnöde österreichische Politik zu lieben. Das Sommergespräch letztes Jahr hat sehr viele <a href="http://www.vice.com/alps/read/fragen-zum-sommergespraech-mit-frank-stronach-422" target="_blank">Fragen aufgeworfen</a> und wir sind überzeugt, dass auch dieses Jahr wieder viele fragende Blicke vor dem <a href="http://www.vice.com/alps/read/frank-stronach-hat-uns-wieder-einen-besuch-im-fernsehen-geschenkt" target="_blank">Fernseher</a> gewechselt werden, wenn Frank von Löhnen und Chinesen-Invasionen spricht.
</p><p>Wenn einer alles kann, dann Frank Stronach. In unseren Herzen ist der Mann, der sein Alter in Schilling umrechnet (nicht wirklich, aber wir sind überzeugt, dass er es schon einmal getan hat); der Mann, der das Parlament mit dem Magna Racino verwechselt; der Mann, der von seiner mittellosen Einwanderung nach Kanada erzählt und jede Nachfrage ignoriert, warum Flüchtlinge heute dann reich sein müssen, um bleiben zu dürfen. Und er ist der Mann, der dann schnellstmöglich das sinkende Schiff verlässt. <br>
</p><p>Machen wir uns nichts vor: Die Regierung wird nicht bis 2018 überleben und bei einer Neuwahl wird es jeder ins Parlament schaffen, nur das <a href="http://www.vice.com/alps/read/nationalratswahl-13-so-klein-und-schon-partei-team-stronach-interview-christoph-eiber" target="_blank">Team Stronach</a> nicht. Vielleicht bleibt uns Robert Kluger erhalten, vermutlich dann als Teil der FPÖ. Ein Sommergespräch mit Frank Stronach wird es aber wahrscheinlich nicht mehr geben. Genießen wir den heutigen Abend. Viel Glück, Susanne Schnabl.
</p>
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<dc:creator>VICE Staff</dc:creator>
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<title>Warum ich beim Amoklauf von München so viel Unsinn erzählt habe</title>
<link>http://www.vice.com/alps/read/warum-ich-beim-amoklauf-von-muenchen-so-viel-unsinn-erzaehlt-habe</link>
<pubDate>Mon, 25 Jul 2016 14:00:00 +0200</pubDate>
<description><![CDATA[Der Journalist Christian Jakubetz wohnt neben dem Anschlagsort und hat Freitagnacht stundenlang Interviews gegeben—und viel Falsches gesagt. Er hat daraus gelernt.
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<content:encoded><![CDATA[<p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/warum-ich-beim-amoklauf-von-muenchen-so-viel-unsinn-erzaehlt-habe-body-image-1469453182-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="662" data-model-id="207805" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="warum-ich-beim-amoklauf-von-muenchen-so-viel-unsinn-erzaehlt-habe-body-image-1469453182.jpg" class="vmp-image">
</p><p class="photo-credit">Foto: privat
</p><p><em>Dieser Text ist zuerst auf </em><a href="https://twitter.com/cjakubetz" target="_blank">Christian Jakubetz</a>' <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2016/07/23/oez/">Blog</a><em> erschienen, der Autor hat ihn für VICE aktualisiert.</em>
</p><p>Inzwischen sind fast drei Tage seit dem <a href="http://www.vice.com/alps/read/was-wir-ueber-die-schuesse-in-muenchen-wissen" target="_blank">Amoklauf in München</a> vergangen und die digitale Welt (und natürlich auch ihre analoge Ausgabe) fühlt sich noch ein bisschen verschobener an als ohnehin schon.
</p><p>Zwischendrin haben wir uns routiniert durch einen <a href="http://www.vice.com/alps/read/hangover-news-25-juli-2016-909" target="_blank">Machetenmord in Reutlingen</a> und einen <a href="http://www.vice.com/alps/read/ins-ansbach-sprengt-sich-ein-27-jaehriger-mit-einer-bombe-in-die-luft">Bombenanschlag in Ansbach</a> gehangelt. Das eine war eine Beziehungstat, das andere ein Anschlag, bei dem nur der Täter umkam—und trotzdem liefen die Medien heiß. <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/amoklauf-in-muenchen-lka-gibt-ermittlungsergebnisse-bekannt-1.3091576" target="_blank">München</a> und <a href="http://www.vice.com/de/read/wie-der-wuerzburg-attentaeter-innerhalb-von-zwei-tagen-zum-terroristen-wurde">Würzburg</a> sind wieder Schnee von letzter Woche. Schon wieder vorbei, diese Welt braucht Nachrichten, Neues, Spannung, Drama, Tweets und Hashtags.
</p><p>Sonntagabend, 23 Uhr, hat mich BBC Radio noch zu einer Art Wochenrückblick geschaltet, die 40 wichtigsten Netz-Ereignisse der Woche. Drei Stunden später läutet mein Handy, es ist 2 Uhr in der Nacht, eine Stimme fragt mich, ob ich nicht für BBC schnell was zu Ansbach sagen könne. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Kollegen bewundern soll ob ihrer Rund-um-die-Uhr-Professionalität. Oder ob ich mich wundern soll, wie routiniert man inzwischen irgendwo auf der Welt anruft, um dieser Welt live mitzuteilen, dass eine Bombe explodiert ist. Ich sage, es sei 2 Uhr in der Nacht und dass ich erst durch diesen Anruf von einer Bombe ins Ansbach erfahren und außerdem gerade geschlafen habe. OK, lässt mich die nette Stimme wissen, das sei ein Argument, aber für die Frühnachrichten um 7 Uhr, da könne ich doch bestimmt was machen, oder?
</p><p>So ist das inzwischen in der Welt der digitalen Raserei, <a href="http://www.vice.com/alps/read/nizza-reaktionen-in-den-sozialen-netzwerken" target="_blank">Nizza</a>, <a href="http://www.vice.com/alps/read/so-war-die-putsch-nacht-in-istanbul" target="_blank">Istanbul</a>, Würzburg, <a href="http://www.vice.com/alps/read/wie-ich-und-meine-freunde-den-amoklauf-erlebten?utm_source=vicefbde&utm_medium=link" target="_blank">München</a>, <a href="http://www.vice.com/alps/read/ins-ansbach-sprengt-sich-ein-27-jaehriger-mit-einer-bombe-in-die-luft" target="_blank">Ansbach</a>, das nächste Ding steht vor der Tür, sooner or later, wie mich ein Kollege lakonisch wissen lässt.
</p><p>Irgendjemand baut gerade vermutlich eine #prayfor...-Vorlage für Photoshop.
</p><p>Trotzdem habe ich immer noch keine echte Antwort auf die Frage, warum ich mich letzten Freitag habe von diesem Strom mitreißen lassen. Innerhalb weniger Minuten bin ich Bestandteil des Geschehens am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) geworden, über das fast die ganze Welt gesprochen hat. Als Betroffener ebenso wie als Journalist. An diesem Abend habe ich so viel wie noch nie über Journalismus und den Menschen als solchen gelernt.
</p><p>Meine Münchner Wohnung liegt im Stadtteil Moosach. In der unmittelbaren Nähe ist die U-Bahn-Station Olympia-Einkaufszentrum. Im OEZ war ich etliche Male, im nebenan liegenden McDonald's habe ich letzten Dienstagabend nach einem Konzertbesuch noch schnell ein paar Pommes gegessen. Ich kenne Moosach in- und auswendig. Und ich habe mir immer gedacht: Hier ist München wie eine nette Kleinstadt. Manchmal, wenn ich vom Flughafen oder vom Hauptbahnhof kam, dachte ich mir zudem: Hier bist du sicher. Man greift einen Flughafen an, oder einen Bahnhof. Aber Moosach? Den McDonald's da? Oder das OEZ? Moosach ist ein stinknormaler Stadtteil, in dem stinknormale Leute ein stinknormales Leben führen.
</p><p class="MsoNormal">
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</iframe>
</p><p class="MsoNormal">Als am Freitagabend die ersten Push-Meldungen kamen, da wirkte das alles: surreal. Schüsse, womöglich Terrorismus, vielleicht Todesopfer in meiner Nachbarschaft? Ich war nicht da, als es passierte, umso unwahrscheinlicher wirkte es, als die ersten Bilder im TV und in den sozialen Netzwerken zu sehen waren. In meinem Moosach drehte die Welt plötzlich durch. Und die Menschen in den sozialen Netzwerken auch.
</p><p>Man muss soziale Netzwerke großartig finden, wenn sie so funktionieren wie in ihren besten Momenten. Etliche Münchner boten bei Twitter unter dem Hashtag <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/offenetuer-muenchen-schuesse-oez-hilfsbereitschaft" target="_blank">#offeneTür</a> Unterkünfte für Menschen an, die gestrandet waren. Die Polizei München zeigte, wie man digitale Informationen in solchen Zeiten macht. Ausführlich, eindringlich und trotzdem so unaufgeregt, wie es in einer solchen Situation nur geht. Bei Facebook gab es eine Funktion, in der man sich selbst und andere markieren und durchgeben konnte, dass man in Sicherheit sei.
</p><p>Man kann soziale Netzwerke aber auch hassen für den Dreck, den sie in solchen Momenten auskotzen. Die Gerüchte haben sich im Sekundentakt ins Absurde gesteigert, innerhalb weniger Minuten war unter anderem die Rede von einem Bombenanschlag mit 250 Toten. Dass sich auch die üblichen Hetzer zu Wort meldeten, die meinten, jetzt müsse aber endlich mal Schluss sein mit dieser Willkommenskultur, war kaum anders zu erwarten. Was war eigentlich mit Frau von Storch und ihrem Adjutanten? Besser wird sowas leider auch nicht durch die Kollegen vom <em>Münchner Merkur</em>, die am Abend kommentierten, wie perfide es sei, ausgerechnet München zum Ziel des bestialischen islamischen Terrorismus zu machen.
</p><p class="has-image"><img src="https://vice-images.vice.com/images/content-images-crops/2016/07/25/warum-ich-beim-amoklauf-von-muenchen-so-viel-unsinn-erzaehlt-habe-body-image-1469453421-size_1000.jpg?resize=*:*&output-quality=75" data-original-width="1000" data-original-height="150" data-model-id="207817" data-path="images/content-images/2016/07/25/" data-crop-path="images/content-images-crops/2016/07/25/" data-image-filename="warum-ich-beim-amoklauf-von-muenchen-so-viel-unsinn-erzaehlt-habe-body-image-1469453421.jpg" class="vmp-image" style="font-size: 1em; line-height: 1.5em; color: rgb(102, 102, 102);">
</p><p>Auf der anderen Seite: So funktioniert der Journalismus nun einmal im Zeitalter der rasenden Live-Berichterstattung. Ich war am Freitagabend und Samstagnacht für Stunden bei BBC World und der Deutsche Welle TV on air. Jeden zweiten Satz musste ich mit "not confirmed" beenden. Und obwohl ich mich natürlich bemüht habe, ausschließlich (vermeintliche) Fakten zu schildern, habe ich Falschmeldungen in die Welt gepustet: nämlich die, dass es auch am Stachus zu einer Schießerei gekommen sei und dass drei Männer am OEZ geschossen haben.
</p><p>Jetzt, mit etwas Abstand, weiß ich nicht mehr, warum ich diese Meldungen abgesetzt habe, ohne sie gegenzuchecken. Allerdings, ohne dass das eine Ausrede sein soll: Man steht da plötzlich mehr oder weniger unvorbereitet und Radio- und TV-Stationen aus der ganzen Welt wollen von dir im Minutentakt etwas Neues haben. Heute wissen wir, was passiert ist: Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner hat neun Menschen getötet, darunter fünf Jugendliche, und dann sich selbst. Laut Polizei wurden insgesamt 35 Menschen verletzt.
</p><p>Freitagabend hätte ich aber ernsthaft nicht mehr sagen können außer: Es gab eine Schießerei, es gibt wohl Tote, nein, wir wissen nichts über den oder die Täter. Aber so kann man natürlich keine Live-Schaltung bestreiten und außerdem: Ich war an dem Abend beides, Betroffener und Journalist. Und ich habe an mir selbst festgestellt, wie groß mein Bedürfnis nach irgendwelchen Informationen ist, wie ich alles aufgesaugt habe ohne jegliche professionelle Distanz. Wie soll man auch distanziert und ruhig bleiben, wenn in deiner Nachbarschaft neun Menschen erschossen wurden?
</p><p>Trotzdem muss man das, zumindest als Journalist (als Betroffener kann man das von mir schlecht verlangen, finde ich). Freitagabend haben sich über Stunden Gerüchte und Spekulationen überschlagen, obwohl die Polizei immer wieder über die sozialen Netzwerke versucht hat zu beruhigen. Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, wenn man dann als Journalist noch snappt und twittert und haufenweise eher unbestätigtes Zeug in die Kanäle haut, immer wieder versehen mit einem relativierenden "offenbar". Natürlich, die Maschinerie Fernsehen braucht lange, bis sie läuft (siehe hierzu auch diesen Text von <a href="http://uebermedien.de/6819/das-ende-des-nachrichtenfernsehens-wie-wir-es-kennen/" target="_blank">Stefan Niggemeier</a>), aber wenn sie läuft, dann halbwegs verlässlich. Die Dinge, die ich Freitagabend in den sozialen Netzwerken gefunden haben, waren eben zu einem beträchtlichen Teil auch falsch, spekulativ und irreführend. Davon abgesehen wird sich die Polizei sicher gefreut haben, wenn sie in einer solchen Situation irgendwelche Handy-Reporter davon abhalten muss, den Einsatz zu stören.
</p><p>Trotzdem, dieser dringende Wunsch von Menschen nach irgendwas Neuem ist so überwältigend groß, dass man als Journalist geneigt ist, ihm nachzugeben. In irgendeiner Sendung in der Nacht des Attentats bin ich gefragt worden, ob es nicht erwartbar gewesen sei, dass der Terror auch nach Deutschland kommt. Sagen hätte ich müssen: Wir wissen ja noch gar nicht, ob es sich um Terror handelt. Aber wenn alle etwas Neues hören wollen, ist die Antwort, man müsse erstmal abwarten, nicht sehr gefragt.
</p><p>Natürlich steht man nach dem Amoklauf von Freitag wieder vor der Frage: Was darf man zeigen, was nicht? Was ist Information, Dokumentation—und was ist blanker Voyeurismus, wo beginnt die Journalisten-Show? Einige Fragen konnte ich relativ leicht beantworten: Ich will—weder als Journalist noch als Betroffener—keine Bilder von abgedeckten Leichen sehen. Ich halte es für skandalös, wenn Journalisten trotz mehrfacher eindringlicher Bitte der Polizei, keine Bilder zu posten, die dem Täter potentielle Informationen geben könnten, genau das tun. Schon klar, wacklige Handy-Aufnahmen, die eine Straßenkreuzung in Moosach zeigen, sind wenig spektakulär. Trotzdem ist es kein Journalismus, wenn man wahl- und atemlos irgendwas postet. Dass die Polizei noch dazu auffordern musste, keine Bilder der Opfer zu zeigen, was soll man dazu noch sagen?
</p><p>Mein persönlicher Zwiespalt ist auch jetzt nicht aufgelöst. Als Betroffener möchte man an einem solchen Tag einfach nur in Ruhe gelassen werden. Und als Journalist trägt man trotzdem dazu bei, dass sich dieses Rad aus Information, Spekulation und Ratlosigkeit immer weiter dreht. Warum habe ich damals nicht einfach gesagt: Gebt mir Zeit, die Fakten zu checken. Mein Kumpel Kristian sagt: Du hattest keine andere Chance wegen der sozialen Netzwerke. Auch wenn ich sozialen Netzwerken grundsätzlich eher positiv gegenüberstehe: Da ist was dran.
</p><p>Und trotzdem: Wenn tausend Gerüchte in sozialen Netzwerken sind, muss man sie dann nicht wenigstens aufgreifen und versuchen zu klären, dass es Gerüchte sind? Macht man in dieser aufgeheizten Stimmung irgendetwas besser, wenn man sagt, man brauche jetzt mal ein bisschen Zeit zum Nachdenken? Zumal Journalisten, insbesondere bei den Öffentlich-Rechtlichen, immer nur verlieren können. Reagieren sie schnell (wie in München), dann heißt es, sie versenden nur heiße Luft. Tun sie es nicht (wie im Fall Türkei) können sie am nächsten Tag zuverlässig lesen, sie seien verbeamtete Schlafmützen.
</p><p>Und jetzt? Am Dienstag diskutiere ich im ORF über Medienethik und es wird gewiss eine Debatte auf hohem Niveau.
</p><p>Aber das nächste Ding steht vor der Tür. Sooner or later.
</p><p><br>
</p><p><br>
</p><p><br>
</p>
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<dc:creator>Christian Jakubetz</dc:creator>
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