Samstag, 24. Dezember 2016

Weihnachten im Garten

In meinem Garten gibt es kein Rentier, ob mit oder ohne Beleuchtung. Die Katze muss auch kein Elchgeweih tragen, sonst hätte sie sich sicher schon zur Adoption freigegeben. Und doch gibt es dort draußen einen kapitalen Platzhirsch zu bewundern, links unterm Zierapfel hockt er. Jedes Frühjahr wirft er sein Geweih ab und bekommt im Herbst neuen Schmuck. Diesen Winter handelt es sich schon um einen schmucken Drei-Ender.

Dieser Platzhirsch ist immergrün mit fantastischen, palmartigen Blättern: Es ist die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus), eine heimische Staude, die Schatten verträgt und frostigen Temperaturen trotzt.

Ein Weihnachts-Marienkäfer überwintert in der Blüte:

Jetzt sind schon ihre hellgrünen Knospen zu sehen, die sie in geweihartige Hüllblätter gesteckt hat. Die Stinkende Nieswurz bringt Leben in den Wintergarten und sieht einfach immer gut aus.




Auch die Schneeglöckchen schauen schon aus dem Boden. Ob das gut ist? Ich bin im Dezember immer ganz besorgt um die Kleinen, denn es könnte ja noch einmal richtig frostig werden. Nur eine Woche später, wenn es Januar geworden ist, sehe ich die Frühstarter schon gelassener - einfach weil der Monat ein anderer ist. Schon komisch, wie das Kalenderdatum die Wahrnehmung beeinflussen kann.

Das Pfaffenhütchen möchte sich bitte nicht zum Weihnachtsbaum degradieren lassen. Es sieht jetzt nicht mehr repräsentativ aus, seine roten Samenkapseln sind vom Frost ganz zermürbt und nur wenige taugen noch als Weihnachtskugeln. Im Shabby-Chic-Stil wären sie aber ganz weit vorne.




Dafür sieht die Kletterspindel aber noch ganz adrett aus.


Lonicera nitida hat ein paar glänzende lila Weihnachtskugeln versteckt, die man eher wie Ostereier suchen muss:


... und damit möchte ich den winterlichen Gartenrundgang beschließen: Ich wünsche allen meinen Lesern schöne Weihnachtstage!


Samstag, 17. Dezember 2016

Übersee-Botanik

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber der erste Gedanke, den ich montags morgens habe, ist nicht: "Das wurd' aber auch höchste Zeit - endlich wieder arbeiten!" Nicht umsonst heißt es auch: Das F in Montag steht für Freude. Und so war es nicht verwunderlich, dass wir in New York an einem Montag vor den verschlossenen Türen des Botanischen Gartens in Brooklyn standen. Da hatten wohl auch andere die gute Idee, dass man montags besser nicht zur Arbeit geht, und wenn doch, dann besser ohne lästiges Publikum.


Wir mussten leider draußen bleiben. Doch zu meiner großen Freude standen auf dem Schild mit den Eintrittspreisen jene glücklich machenden zwei Worte: "Tuesday: Free". Im Gegensatz zu: "Adults 12$". Auch der Samstag Morgen kostet keinerlei Eintritt.

Also sind wir an diesem sich zu verschlossen gebenden Montag einfach weiter durch Brooklyn an den Strand gefahren und am Dienstag noch mal wiedergekommen.

Tatsächlich: Die Tore standen sperrangelweit offen und keiner wollte Dollars haben für den Durchmarsch. Toll! Auf meiner Liste der schon abgehakten botanischen Gärten war noch nie einer auf einem fremden Kontinent gelegen - bis zu diesem dollarfreien Dienstag.

Die zweimalige Anreise hatte sich wirklich gelohnt. Der Garten war nicht so voll wie am Wochenende und man konnte sich in Ruhe den Pflanzen und Tieren widmen. Wieder einmal staunte ich, wie zielsicher mich deutsche Touristen in meiner Muttersprache ansprachen.  Es ging um die Monarchfalter, die sich an Tithonia-Blüten gütlich taten, die inmitten einer prächtigen mediterranen Anlage mit Wasserelement wuchsen.



Die Gewächshäuser boten Bonsais, Kakteen, Tropenvegetation und immer wieder erheiternde Pflanzen-Schilder, wie das mit "Pussy Ears".





Es gab einen Shakespeare-Garden, der auch in Europa hätte sein können.



Eine asiatische Anlage mit großem Teich und pompöser Architektur schloss an ein Arboretum an, bei dem es wieder viel zu lernen gab. Auch Gemüsebeete mit Kompostanleitung waren dabei.


 
Für mich das Highlight war der Discovery-Garden mit vielen heimischen Pflanzen, der als Entdeckungsraum für Kinder gestaltet ist.



Wer könnte den großen Schildern mit den fantastischen Zeichnungen schon widerstehen und nicht sofort versuchen, den Monarchfaltern im Garten zu helfen?



Überall standen kleine Kästen mit einer Kurbel, mit der man sich erst ein bisschen Strom erarbeitet, um dann Tiergeräusche abspielen zu können.


Wer findet den Roten Kardinal auf diesem Suchbild mit dem Hartriegel?

Das beim Eintritt gesparte Geld kann man gut und gern im Garten-Shop in Sämereien und Souvenirs oder Büchern anlegen. Man muss ja zuhause niemandem erzählen, dass man einmal umsonst zum Garten gefahren ist...

Samstag, 10. Dezember 2016

Totholz totschick

Wenn im Herbst die Birkensamen die Flatter machen und einfach überall dort sind, wo man sie nicht haben möchte, dann ist das Geschrei wieder groß und die armen Birken werden als baumgewordenes Unkraut beschimpft.



Dabei ernähren eben diese zarten Flugsämchen viele Tiere, wie Stieglitze, Birkenzeisige, Feuerwanzen und Gimpel. Außerdem kann sich wohl kaum jemand dem Charme der blütenweißen Rinde entziehen, die so elegant durch den Wald leuchtet. Was die Birke da macht, ist aber keine Eitelkeit, sondern ziemlich ausgefuchst: Im Winter kann sich der Stamm nicht so leicht erwärmen und Frostrisse werden vermieden.

Ich finde Birken ja unglaublich elegant und kann an kaum einem herumliegenden weißen Ast vorbeigehen. Natürlich findet man solche Schätze immer zu Beginn einer Wanderung und kann den Prügel dann die restliche Zeit mit sich herumschleppen. Dafür sieht das Ergebnis dann aber auch ganz nett aus, wie dieser Deko-Ast im Blumenbeet beweist:



Ein dickes Stammstück habe ich vor einem Jahr ins Null-Euro-Beet gestellt, wo die Pilze schon längst angebissen haben:


Auch im botanischen Garten kommt nichts weg - hier dienen Birkenstücke eines plötzlich verstorbenen Baumes als Moorbeetumrandung:



Letztes Wochenende habe ich aber so richtig was in den Garten geklotzt, damit das totschicke Totholz bald Holz-, Pelz- und Blattschneiderbienen als Baumaterial dient. Ein Kollege, seines Zeichens Großgrundbesitzer, hat eine wirklich wahnsinnig elegante Birke gefällt und ich durfte zwei Meter bzw. einen gefühlte Zentner vom Stamm haben.

Eine Hälfte haben wir noch mal mit der Japansäge in Handarbeit halbiert, um den Hummelkasten aufzubocken, damit er nicht so auf der nassen Erde stehen muss. Pilze haben bestimmt schon Witterung aufgenommen, das Besteck zurechtgelegt und werden sicher bald die Arbeit aufnehmen. Mit den dicken Stämmen sind die fleißigen Holzfresser jedenfalls eine Weile beschäftigt.


Das andere, schönere Stück steht nun aufrecht im Garten - und strahlt aus einer eher dunklen Ecke heraus.

Birken sind eben wahre Lichtgestalten - und hoffentlich auch als Totholz bald wieder voller Leben!

Samstag, 3. Dezember 2016

Hütchenspiele im Advent

Scheren können töten. Vor allem in Gärtnerhand, denn der ist ja sowieso immer der Mörder. Pflanzen haben deswegen sicher gehörigen Respekt vor den scharfen Schnittwesen und würden sich wegducken, wenn sie nur könnten.

Ich in meiner Person als Mörder mit den Scherenhänden bin nämlich im Nachhinein richtig froh, dass ich nicht geschnitten habe, als dem Efeuzaun plötzlich grasgrüne Zweige wuchsen. Denn das Pfaffenhütchen, das die Vögel in einem seltenen Anflug von guter Gartengestaltung perfekt mittig auf die hintere Gartengrenze gesät haben, ist dieses Jahr richtig hübsch und ein Adventsspektakel sondergleichen: Alles in weihnachtlichem Rot. Die modische Entgleisung, Pink mit Orange zu kombinieren, kann sich nur ein echter Euonymus leisten - und dabei noch gut aussehen und nicht wie ein dahergelaufener Clown wirken:



Letztes Jahr sah das ja noch recht langweilig aus.

Für die doofe immergrüne Nadelbaumhecke im Hintergrund kann ich leider nichts. Sie könnte der (viel zu große) Grund sein, warum mein Rotkäppchen nur eine verbesserungswürdige Herbstfärbung aus sich rausbringt. Denn eigentlich können auch die Blätter knallrot werden, wenn man ein richtig talentiertes Hütchen hat. So wie dieses hier im Stadtpark, das dafür kleinere Früchte hat:



Aber ansonsten: So üppig behangen mit großen Früchten ist mein roter Freund, dass man fast glauben könnte, ich hätte eine wahnsinnig teure Sorte gepflanzt:



Die beste Auslese was die Früchte angeht ist Euonymus europaeus 'Red Cascade'. Die errötet so richtig. Doch ich finde, mein Findling ist ein ebensolcher Knaller und durchaus ebenbürtig. Selbst als Bildhintergrund hinterlässt es auf Fotos einen sichtbaren Rotstich:




Pfaffenhütchen haben sogar das Zeug zum Hausbaum, wenn man sie lässt, wie dieses große Exemplar in einem Schaugarten zeigt. Es passt mit seinen Früchten einfach perfekt zu rotem Kerzen-Knöterich.

Die Amseln und Rotkehlchen haben schon fleißig die orangefarbenen Klunker aus den roten Hüllen gefressen. Die haben wohl spitzgekriegt, dass ich dem Pfaffenhütchen nicht grundsätzlich abgeneigt bin, und schon wieder für Nachschub gesorgt. Diese beiden Babies hier neben dem Zierapfel kann ich aber nicht groß werden lassen, sonst sehe ich wirklich Rot:

Wenn die Kleinen jemand haben möchte, um auch bald so ein knalliges und noch dazu einheimisches Winterspektakel im Garten zu haben, der möge sich melden. Die Sträucher wachsen rasch, bis zur Blüte dauert es aber trotzdem ein paar Jahre. Man sieht diesen Zwergen an, dass sie ein Blättchen für Herbstfärbung haben könnten. (Versand nur nach Deutschland, besonders gern im Tausch - mir fehlt noch Wald-Geißbart, eventuell hat jemand einen Sämling abzugeben?)

Samstag, 26. November 2016

Lesezirkel für lau

Gartenzeitschriften und die bunten Blätter, die sich mit dem Landleben beschäftigen, werden so schnell nicht unaktuell. Während solche mit dem Thema Technik, Testberichten oder Autos manchmal schneller überholt sind, als man sie überhaupt lesen kann (oder möchte), haben die grünen Hefte das Zeug zum Evergreen. Ein Jahrzehnt kann man sie locker im Regal stehen haben, bis einem das Layout doch langsam etwas altbacken vorkommt. Dieses beliebte Experiment habe ich durchaus schon mit einer erklecklichen Anzahl Zeitschriften durchgeführt, sehr zu Lasten des Bücherschranks.

Inhaltlich ändert sich so schnell nichts. Beim Anlegen eines Kompostes, Aussaat von Gemüse oder Nistkastenbau wird das Rad nicht ständig neu erfunden. In wirklich alten Zeitschriften kann man trotz der Qual für unser aesthetisches Empfinden vielleicht sogar alte Sorten bewundern, die es gar nicht mehr zu kaufen gibt. Oder man wundert sich doch sehr über die Mode und die Frisuren der Gärtner von Annodazumal.


Und so kommt es, dass ich mich nur äußerst schwer von den bunten Heftchen trennen kann. Erst bei vollständigem Verlust von freier Stellfläche im Haus komme ich zur Besinnung und verbanne einige altehrwürdige Kandidaten aus dem Wohnzimmer. Die sind aber nun wirklich viel zu schade für das Altpapier. Zum Glück hat unser Bioladen einen Bücherschrank. Da entlasse ich meine Schätze nun regelmäßig in die Freiheit. Beim nächsten Einkauf sind sie auch immer verschwunden und jemand anderem ins Haus geflattert.

Die Idee hat offenbar Schule gemacht, denn letztes Wochenende konnte ich selbst eine Ladung Landzeitschriften mit nach Hause nehmen, sogar ganz rüstige Exemplare jüngeren Datums:




Frau Katze findet das ganze Thema ja eher zum Gähnen. Papier ist zum Zerkratzen da und zu sonst gar nichts.



Nach ein paar gemütlichen Stunden mit der Katze und den Heften auf dem Sofa kommen die jetzt aber nicht ins Regal, sondern zurück in den Bioladen. Ganz bestimmt. Doch, doch, wirklich...




Denn dann kann sich noch jemand anders darüber freuen, bis sie am Ende ihrer Kräfte sind und völlig zerlesen im Müll landen... Es lebe der kostenlose Lesezirkel!

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...und weil wir gerade beim Lesen sind, möchte ich noch ein neues Buch vorstellen:

Große Gartenfreude mit kleinem Budget -

von Kristina Hamilton, erschienen im Löwenzahn-Verlag:
 

Von der Gartenplanung über Düngung, günstige und gesunde Pflanzen, Wassersparen bis zum Upcycling werden alle wichtigen Themen zum Sparen im Garten vorgestellt. Auch der Balkon wird behandelt.

Das Buch ist gut geschrieben, schön gestaltet mit viel Grün sogar im Textteil und manch netten Zeichnungen. Die Fotos zu den Kapitelaufmachern sind ebenfalls sehr gut, die innerhalb der Kapitel aber manchmal etwas dunkel abgedruckt und recht klein. Manche wären verzichtbar gewesen (was macht das Bild einer Dünen-Trichternarzisse beim Thema Schädlinge und Nützlinge?).

Alles in allem ist das Buch ein umfassender Ratgeber zum günstigen Gärtnern, den es in dieser Ausführlichkeit und Themenfülle auf stattlichen 224 Seiten noch nicht gegeben hat. Eine Empfehlung für alle, die ihren Garten neu anlegen möchten oder in ihrem bestehenden ökologischer und sparsamer arbeiten möchten - ein Buch für den Biogärtner mit kleinem Budget.

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