Unterwegs in Bremgarten AG
Das an der mäandrierenden Reuss gelegene Städtchen beherbergt gegen 8’000 Einwohnern und erhielt um 1238 von den Habsburgern das Stadtrecht.

Habt ihr Zeit und Muße, mit mir durch die Stadt zu bummeln?


Wir sehen den markanten Turm und das weiße Gebäude des Muri Amthof. Dieser diente den Amtsherren vom Kloster Muri als Verwaltungssitz und den Äbten als städtisches Absteigequartier.
Rechts vom Turm liegen die Fassaden der alten Bürgerhäuser der Oberstadt. Ihre terrassierten Gärten reichen bis ans Ufer der Reuß.

In der auf Steinpfeilern gebauten Brücke aus dem 16. Jh. befinden sich zwei kleine barocke Kapellen, die den Brückenheiligen Agatha und Nepomuk geweiht sind.


Der Spittelturm (Dialektbezeichnung für ehem. Spitalturm), auch Oberes Stadttor genannt, liegt in der Oberstadt und war Teil der einstigen Wehranlage.

Das ehemalige Turbinen- und Generator-Kraftwerk Bruggmühle liegt am südlichen Brückenkopf.


Die Reuss oberhalb und unterhalb der Holzbrücke ist ein beliebtes und anspruchsvolles Kanuten-Revier.

Blick von der Oberstadt auf den Katzenturm und die Eisenbahnbrücke. Der Turm wurde erstmals im 15. Jh. als „nüwer Thurn by der Kalchdarren“ erwähnt. Er gehörte als Eckwehrbau zur Wehranlage.

Über die neulich renovierte Eisenbahnbrücke verkehrt die S-Bahn Zürich. Sie stellt den Pendlerverkehr vom Unteren Freiamt in die Agglomeration Zürich sicher.

Geschichtsträchtige Häuser gibt es in der Oberstadt zu sehen. Das alte Zeughaus in der Oberstadt wurde 1640/1641 erbaut und diente bis 1800 als Waffenlager der städtischen Miliz.

Heute kann das Haus als gediegenes Traulokal inklusive Flügel und Musikanlage gemietet werden.

Das Weissenbachhaus * wurde im 14. Jh. als “ ebtissin hus “ erstmals erwähnt und ist im Kern noch mittelalterlich erhalten.
* Für Interessierte : https://de.wikipedia.org/wiki/Plazid_Weissenbach_junior

1794 bis 1795 lebte der spätere französische König Louis-Philppe 9 Monate unter dem Pseudonym Corby im Haus Antonigasse 14 im Exil. Seine Schwester Adélaïde fand im Klarakloster des Kirchenbezirks der Unterstadt Unterschlupf.

Louis Philippe war der letzte König Frankreichs. Er regierte das Land in der sogenannten Julimonarchie von 1830-1848.
Gassen, Häuser, Ecken, Lichter.







Der sechseckige Brunnen aus Muschelkalk wurde von Meister Hans Murer geschaffen. Murer baute für das Städtchen im späten 16. Jh.insgesamt sieben Brunnen.

Die Füllungen sind mit sehr schönen Reliefs wie Rosenzweig, Mondgesicht, Sonnenmaske Meerjungfrau und Bremgarter Löwe zwischen Delphinen geschmückt.


Das Kornhaus entstand im 17. Jh. als städtisches Lagerhaus, diente als Truppenunterkunft, Flüchtlingslager, dem Militär und dem Zivilschutz. Heute sind Primarschulklassen darin untergebracht.

In der Schulgasse habe ich ein Haus mit der schönen Holztür aus dem Jahre 1625 gesehen.

Gassen und Stiegen in der Unterstadt.



Der Hermannsturm stammt aus dem 16. Jh. und war ebenfalls Teil der Wehranlage.


Die Mauerstärke beträgt im Erdgeschoss 2 Meter. Der Turm ist mitsamt seinem Kegeldach 32 Meter hoch.
Der 22 Meter hohe Hexenturm ist 1415 erstmals urkundlich erwähnt und bildete mit dem Hermanns-, Spittel- und Katzenturm die Wehranlage der Stadt.

Sein Name stammt aus der Zeit, als in ihm vermeintliche Hexen gefangen gehalten und auch gefoltert wurden.
Mit dem hölzernen Aufzugsrad wurden Gefangene am Seil in das 8 Meter tiefe Verlies versenkt. Unnötig zu erwähnen, dass es unten feucht, kalt und stockdunkel war.

Zeichnung R. Brogli.
Foto Rad ins Verlies: Nora Jäger.
Der renovierte Turm ist begehbar. Zuoberst wurde eine gediegene Turmstube eingerichtet, die gut 20 Meter über dem Boden liegend eine prächtige Aussicht ermöglicht. Sie kann für spezielle Anlässe gemietet werden.
Übrigens bewohnen heute Untermieter wie Mauersegler oder Grosse Abendsegler (eine Fledermausart) die Mauerlöcher in der Turmfassade.
Das Siechenhaus wurde im 17. Jh. außerhalb der Stadtmauern als Ersatz für ein älteres Gebäude erbaut.

Es diente bis ins 18. Jh. als Absonderungshaus für Lepra- und Pestkranke und war ursprünglich durch eine Ringmauer von der Außenwelt abgetrennt. Heute wird es durch die Armee genutzt.
Ich hoffe, ihr seid durch den ausführlichen Bummel nicht allzu müde geworden. Ich wünsche Euch eine gute Zeit.
Ernst
Über den Kirchenbezirk Bremgarten habe ich in einem früheren Beitrag berichtet. (Siehe: Reisebilder u. Ausflüge in der Schweiz).
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