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10. Mai 2017 Laufenpopaufen.
… übrigens scheint an dem Gerücht, wer regelmäßig Sonnengrüße übt, der sei auch kardiomäßig gut dabei, etwas dran zu sein. Als ich heute morgen loslief (das zweite Mal, seitdem ich im Herbst 2013 das Laufen wegen meines rechten Knies drangab und das erste Mal in diesem Jahr), rechnete ich damit, schnell aus der Puste zu geraten und gar nicht erst bis zum Feldweg zu kommen. Tatsächlich lief ich mich aber nach nur wenigen Minuten auf ein langsames, aber konstantes Tempo ein und erfreute mich einer gleichmäßigen Atmung. Ich drehte dann nicht nur die Mini-Runde übers Gewerbegebiet, sondern die kleine Runde übers Feld, und war total geflasht von der Leichtigkeit des Trabens.
Ich war einfach so losgelaufen, ohne Phone, Uhr, Unterbrustgurt oder Plan, und fand mich in einer Situtation wieder, in der ich mich wohler nicht hätte fühlen können. Ich brauchte keinen Pulsmesser, um zu wissen, dass meine Herzrate ok ist, und verspürte keinerlei Ehrgeiz, was Länge der Strecke oder Pace angeht – ich lief einfach, tapp-tapp-tapp-tapp, und war zu Hause. Das wurde dann noch so toll, dass mir ausgerechnet auf der Mitte der Steigung, bei der ich selbst im Laufsommer 2013 ins Schwitzen kam, der zugegebenermaßen recht kitschige Gedanke kam, dass mich die jahrelange Arbeit auf der Matte zu exakt diesem Moment geführt hat. Und abgesehen davon, dass das selbsterklärend für jeden Moment im Leben gilt, fühlte sich das ganz schön groß an.
Christian reichte mir drüben auf Facebook das Jahr 1998, was so ziemlich das großartigste Jahr ist, das er hätte wählen können.
- Auto damals:
- Keins. Aber die praktische Führerscheinprüfung beim zweiten Anlauf bestanden. (Fun fact am Rande: Ich würde heute noch – voller Inbrunst und Überzeugung gar – durch die erste fallen.)
- Auto heute:
- Der olle Fiat 500 wird dieses Jahr zehn. (ZEHN!)
- Job damals:
- Uuuuh. Ich war Jahrespraktikantin bei einem Werbetechnikfutzi und habe quasi ständig meine Hände in Nitro gebadet, wenn ich nicht gerade marode Buchstaben von Autos pulte. Oder Folie entgitterte. Oder mich nötigen ließ, für die Mannschaft zu kochen. Oder die Kotze des Chefblags wegzuwischen. Oder zu kündigen. Auf meinem Zeugnis stand: »Frau Oberstein bemühte sich ihren Fähigkeiten entsprechend, war jedoch den Aufgaben des Betriebes nicht gewachsen.« Still proud.
- Job heute:
- Eierlegende Wollmilchsau in einem IT-Dienstleistungsunternehmen. Qualitätsmanagementbeauftragte einer Insolvenzverwaltung. Werbetante einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungs-Kanzlei. Yoga-Lehrerin. (Ja, ich schöpfe da vielleicht ein bisschen aus dem Vollen. Ja, ich liebe es.)
- Alter damals:
- Anfangs 17, später 18.
- Alter heute:
- Ich habe da kürzlich erst nachgerechnet: 36.
- Wohnort damals:
- Bonn.
- Wohnort heute:
- Um Bonn herum.
- Tiere damals:
- Hund Alfi. Er war ein West-Highland-White-Terrier und ein durch und durch toller Kerl. Ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm als Teenager viel zu wenig Respekt, Zeit und Liebe entgegenbrachte. Womöglich ist Alfi sogar das einzige, das ich bereue.
- Tiere heute:
- Keine. (»Liebling, der Katz ist tot.«)
- Beziehungsstatus damals:
- Ich hatte ein Techtelmechtel mit dem acht Jahre älteren Ex-Mann einer Freundin. War damals ’ne große Sache.
- Beziehungsstatus heute:
- Verheiratet. Mit dem Techtelmechtel von damals. Ist immer noch ’ne große Sache.
- War ich glücklich:
- UM HIMMELS WILLEN NEIN. Ich war unsicher, gehetzt, hatte gerade das Gymnasium abgebrochen, einen Scheißjob angefangen, stritt mich mit meinem Vater um die Unterhaltszahlungen und erfuhr, dass mein Hund an Krebs erkrankt war, also wer wird denn da schon glücklich sein.
- Bin ich es heute:
- OH FUCK YEAH! Ich fühle mich wohl in meiner Haut, treffe bewusste Entscheidungen, pflege privat und beruflich langfristige und/oder innige Beziehungen, komme selbst für meinen Unterhalt auf und habe gelernt, auch in tiefster Trauer dem Glück seinen Platz zu lassen (dann ist es halt für eine Weile leise und weniger shiny).
Wer auch ein Jahr will, sagt hier oder auf Facebook (Friends only!) / Twitter Bescheid.
Frischobstmuffel wissen: Unter allen Resteessen der Welt ist Bananenbrot wohl das mit Abstand geilste. Seit Äonen backe ich es nach Ankes Rezept (das übrigens auch super ohne tierische Zutaten auskommt, kurz: Yofu, vegane Butter, kein Ei).
Doch dann hatte ich plötzlich dieses Rezept von Namely Marly in der Timeline, und wie es der Zufall wollte, befanden sich gleich drei stattliche, in schönster Vergammelung begriffene Bananen in meinem Besitz. Knapp zwei Stunden später war es Liebe.
Aber (es muss immer ein Aber geben, so will es das Küchengrundgesetz): Einerseits kann ich Cup-Maße aufgrund ihrer Ungenauigkeit nicht leiden, andererseits entstehen bei der Umrechnung in Gramm immer so furchtbar unpraktische Zahlen – da kann noch so leckerer Kram bei rauskommen, sowas backe ich erfahrungsgemäß nicht nochmal. Und deshalb habe ich (für mich, für Dich, für alle!) alles ein wenig vereinfacht. Have fun.
Herrliches Bananen-Nuss-Brot
Zutaten A
- 220 g Mehl
- 1 EL Maisstärke
- ¼ TL Vanille
- 1 TL Natron
- ½ TL Backpulver
- ¼ TL Salz
Zutaten B
- 3 (über-) reife Bananen
- 125 g raumwarme, vegane Butter
- 200 g brauner Zucker
- 125 ml Pflanzenmilch
- 1 EL gemahlene Leinsamen
Zutaten C
- 50–100 g geschälte und grob gehackte Nüsse: Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln, irgendeine ordinäre Nussmischung – was halt grad so da ist
Backofen auf 175° C Ober- und Unterhitze vorheizen und eine große Kastenform mit Backpapier auskleiden. Zutaten A in einer großen Schüssel vermengen. Zutaten B in den Mixer werfen und zu einer wundervoll cremigen Masse verarbeiten. Beides für einen Moment beiseite stellen.
Die gehackten Nüsse in einer heißen Pfanne rösten, bis sie herrlich durften. (Wer Bock und Zeit hat, steigert den Geilheitsgrad, indem er die Nüsse noch eben karamellisiert.) Zutaten B und C über A kippen, alles flott und nicht zu gründlich unterrühren und in die Kastenform geben. 50 bis 60 Minuten backen, Stäbchenprobe, Happa!
Am herrlichsten schmeckt das Bananenbrot, wenn es innen noch warm und außen herrlich knusprig ist. Aber auch am nächsten Tag ist es – in breite Scheiben geschnitten, frisch getoastet und mit Erdnussbutter bestrichen – schlicht der Hammer.
20. Jan 2017 …
Die erwartete E-Mail mit den Blutwerten im Anhang erscheint in meinem Posteingang. Plötzlich Angst, Puls, Panik, Verwirrung – ich habe doch gar keinen Grund zur Besorgnis? Warum nur schlägt mein Herz so laut, obwohl ich gesund bin? Und warum habe ich Tränen in den Augen?
Da verstehe ich. Der Katz.
Die letzten 10 Blutbilder, die Talfahrt, der Tod.
(Sonst nur gute Nachrichten.)
31. Dez 2016 Das Jahr 2016 im Rückblick
Memoiren einer Bloggersfrau//Stockfang und korrekte Listenführung// Noch kein Kommentar
2016 wird immer das Jahr sein, in dem mein bester Freund starb. Der Katerkatz ist tot und fehlt jetzt hier, und ich war noch nicht einmal in der Lage, einen ordentlichen Nachruf zu formulieren. Ist mein, was hätte ich da auch schreiben sollen? Dass er jemand Besonderes war? Dass wir von der ersten Sekunde an verbunden waren? Dass er meine große Liebe war, mein Katerkatz, my Sunshine (my only Sunshine)? Dass mich nie zuvor etwas so sehr geschmerzt hat, wie ihn zu verlieren? Vermutlich.
- Wohl gefühlt oder krank gewesen?
- Wohl gefühlt. Ich hatte irgendwann zu Jahresbeginn mal so etwas wie eine Erkältung, die sich an einem Tag komplett wegschlafen ließ, im Sommer einen kleinen, gerade mal drei Tage währenden Asthma-Rückfall und erst kürzlich schön Rücken (blockierte Wirbel, blockierte Rippen, so Trauergedöns, Sie kennen das vielleicht). Die Hände sind nach wie vor nicht zu gebrauchen, aber man gewöhnt sich ja an alles. Gesundheitlich also top Jahr, gerne wieder.
- Haare länger oder kürzer?
- Erst kürzer (und zwar so richtig), aber das Zeug wächst ja so flott, dass man jetzt quasi keinen Unterschied zu letztem Jahr erkennen könnte. Im Frühjahr dachte ich, es wäre doch mal schön, nicht ständig den Friseur aufsuchen zu müssen, und versuchte, zu meiner Naturhaarfarbe zurückzukehren. Tja, was soll ich sagen? Hat nicht lang gehalten.
Einmal Blondine, immer Blondine
, sagte meine neue Friseurin. Recht hat sie. - Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
- Unverändert.
- Mehr ausgegeben oder weniger?
- Unglaublich viel mehr. So ein monatelang schwer kranker Katz kann ganz schön teuer werden.
- Mehr bewegt oder weniger?
- Weniger. Deutlich weniger, zu meinem Leidwesen. Es gab Phasen, in denen ich es noch nicht einmal geschafft habe, täglich auf die Matte zu gehen. So ein monatelang schwer kranker Katz kann ganz schön zeitintensiv werden.
- Der hirnrissigste Plan?
- Puh. Ich habe ja schon seit Jahren keine hirnrissigen Pläne mehr. Der erfolgloseste Plan war jedenfalls, den Katz zu retten. (Wenn Sie keine Trauer ertragen, lesen Sie besser nicht weiter. Die Katz-Nummer wird in diesem Rückblick nicht besser.)
- Die gefährlichste Unternehmung?
- Nix.
- Der beste Sex?
- Wie immer zu zweit.
- Die teuerste Anschaffung?
- Die schicke neue Couch war die teuerste in diesem Jahr, aber der Katz, dessen Überreste dort drüben im Regal stehen, der war noch tausendmal teurer als sie.
- Das leckerste Essen?
- Habe ich immer gemeinsam mit lieben Menschen gegessen. Burger. Verkohlte Maiskolben. Sushi. Fockin Bronch. Linsensuppe.
- Buch des Jahres?
- The Forgetting Time von Sharon Guskin, das mir die andere bessere Hälfte zum Geburtstag geschenkt hat. Das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ich ein englisches Buch las, und es hat meinem Gehirn sehr gut getan. Meinem Selbstvertrauen auch.
- Serie des Jahres?
- Ich dachte erst:
Schwierig! Stranger Things kommt dem wohl am nächsten, gefolgt von Penny Dreadful und Mr. Robot.
, aber dann fiel mir glücklicherweise noch Teen Wolf ein. Das mag albern klingen, vielleicht sogar ein wenig goofy, aber echtmaljetzt, ich liebe diese Serie, insbesondere für ihren Umgang mit *trommelwirbel* Menschen. Da darf wirklich jeder jeden liebhaben, Geschlecht egal, Herkunft egal, Alles egal; da wird zärtlich geknutscht, auf Gefühle Rücksicht genommen, gefragt, ob $Handlung ok ist, auf ein Nein gehört – es ist ein Traum. Und in dem Kontext fällt mir auch wirklich DIE Serie des Jahres ein, nämlich Transparent. Maura bricht mir ernsthaft Folge für Folge das Herz. Ich platze immer noch vor Ergriffenheit, wenn ich daran denke, wie sie am Ende von S02E02 mit ihrem Spiegelbild tanzt. - Film des Jahres?
- Boyhood.
- Das beste Album?
- Sia This is acting, direkt gefolgt von Sia 1000 Forms Of Fear, direkt gefolgt von Macklemore & Ryan Lewis This Unruly Mess I've Made. Aber im Grunde habe ich dieses Jahr mein Herz Sia geschenkt. Seit der Katz tot ist, habe ich ihre Alben nicht mehr angerührt.
- Das beste Lied?
- Ironischerweise Alive von Sia.
- Das schönste Konzert/Musical?
- Macklemore & Ryan Lewis in der Kölnarena. Ich warte seither darauf, das hier in meinem Jahresrückblick verlinken zu können. Weil da alles drin ist, was das Konzert so groß gemacht hat: Energie, Liebe, Begeisterung, Nähe. Und hier haben die Leute so hart gerockt, dass sie die gesamte Tribüne verschoben haben. Wir saßen am Ende des Konzertes über einem beachtlichen Spalt.
- Die meiste Zeit verbracht mit …?
- Dem Katz.
- Die schönste Zeit verbracht mit …?
- Dem Katz.
- Vorherrschendes Gefühl?
- Entschlossenheit.
- Dieses Jahr zum ersten Mal getan?
- Mit aller Kraft versucht, ein Leben zu retten.
- Dieses Jahr nach langer Zeit wieder getan?
- Getrauert. Aus tiefstem Herzen und untröstlich.
- 3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
- Dem Katz nicht helfen zu können.
- Dem Katz beim Sterben zusehen zu müssen.
- Den Katz zu verlieren.
- Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
- Genauer hinzuschauen.
- Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
- Liebe.
- Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
- Liebe.
- Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Alter, das geht so nicht, ich komm’ vorbei, und dann backen wir Plätzchen.
- Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
- Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung. Der wohl häufigste Satz ist aber ganz sicher: »Spann Deinen Beckenboden an.«
- Und was war sonst noch?
-
- Der Kurzurlaub mit der anderen besseren Hälfte. Luv U so much.
- Yogalehrerausbildung abgeschlossen. (Was für eine Reise.)
- Yoga unterrichtet. (Was für ein Glück.)
- Yoga gelebt. (Was für ein Segen.)
- Palmenparadies.
- Gleich zwei Mal #MiMiMiMi.
- Dieses Jahr war mit einem Wort …?
- Circle-of-life-ness.
Ein besseres 2017 Euch allen!
So waren 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014 & 2015.