Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum in Deutschland nicht um die eigenen Terroropfer getrauert wird und derlei Aktionen stattfinden wie hier für die Opfer des gestrigen palästinensischen Terroranschlags von Jerusalem.
In Deutschland zeigt man nur allzu gerne Mitgefühl für Hebdo und Sonstiges, aber was ist mit den Toten von Berlin? Außer dem polnischen LKW – Fahrer und einer israelischen Touristen wurden keinerlei Namen bekanntgegeben.
In Israel ist das Gegenteil der Fall und ich kenne es gar nicht anders: Opfer von Terroranschlägen oder gefallene Soldaten werden immer beim Namen genannt. Wenige Stunden nach dem Anschlag werden die Namen der Opfer bekanntgegeben. In allen Medien mit Photo und dem Beerdigungstermin.
A composite photo of the four Israeli soldiers killed when a terrorist rammed his truck into a group of cadets on January 8, 2017 in Jerusalem. Clockwise from left, IDF Lieutenant Yael Yekutiel, IDF Cadet Shir Hajaj, IDF Cadet Erez Orbach, IDF Cadet Shira Tzur. (Handout photos from IDF spokesperson)
Die Menschen nehmen Anteil und viele gehen zur Beerdigung. Israel ist ein kleines Land und jeder kennt fast jeden. Sei es aus der Schule, von der Armee oder aus dem Berufsleben. Der Freundes – und Bekanntenkreis ist riesig und wenn Namen veröffentlicht werden, so ist dies keine Sensationssucht, sondern wahre Anteilnahme.
In Deutschland dagegen hört man immer nur vom Attentäter, doch die Opfer und jene, die noch im Krankenhaus liegen, bleiben anonym.
Heute: Netanyahu besucht die Verletzten vom gestrigen Anschlag im Krankenhaus.
Ich gehe einmal davon aus, dass den meisten Lesern der aktuelle Fall des israelischen Soldaten Elor Azaria ein Begriff ist. Ein junger Soldat, der vor fast einem Jahr in Hebron einen palästinensischen Terroristen erschoss. Der Terrorist war unterwegs, um Juden zu töten. Er wurde von der israelischen Armee dingfest gemacht, lag am Boden, mehrere Soldaten und Sanitäter standen in seiner Nähe und dann kam Elor Azaria und erschoss auf den am Boden liegenden Terroristen. Später sagte Azaria vor Gericht, er habe gesehen, dass der Terrorist sich bewegt habe und vermutet, er würde einen Sprengstoffgürtel zünden. In der Vergangenheit passierte es einige Male, dass Terroristen solche versteckte Gürtel trugen und auch benutzten.
Der in Israel bekannte Pathologe Yehuda Hiss stellte bei der Obduktion fest, dass der palästinensische Terrorist, bevor Azaria schoss, bereits tot war. Elor Azaria aber musste in Sekundenschnelle eine Entscheidung treffen und meinte, er habe gesehen, dass sich der Terrorist bewegte.
Ob Azaria zu Recht oder Unrecht handelte, spaltete schnell das Land. Zum einen will sich kein Israeli auf den Level eines Palästinensers begeben, der da aus niedrigen Beweggründen Menschen umbringt. Immer wieder schätzt man die Moral der israelischen Armee, die sich nicht so benimmt, wie andere Armeen der Welt. Frauen vergewaltigen oder Feinde misshandeln, liegt dem Judentum ziemlich fern. Es reicht, dass sich der jüdische Staat ständig verteidigen und auf der Hut sein muss.
Als im letzten Gazakrieg ein Soldat bei einer Hausdurchsuchung Wertgegenstände aus einem palästinensischen Haus mitgehen liess, wurde er vor Gericht gestellt. Im umgekehrten Fall stellt weder die Hamas noch die Fatach einen Palästinenser vor Gericht, weil er Juden beklaut oder umbringt. Das Gegenteil ist der Fall und der Palästinenser wird in den eigenen Reihen als Held gefeiert. Elor Azaria ist kein Held, aber er ist der Meinung, dass er nur seine Kameraden habe schützen wollen.
Während meiner Tätigkeit bei der Jerusalem Post bis vor zwei Monaten habe ich mit unzähligen Soldaten und Offizieren über den “Fall Azaria” gesprochen. Die Meinungen waren geteilt. Genauso wie die vom Rest der Bevölkerung, wobei die Mehrheit hinter Elor Azaria steht. Zu genau kennt man hierzulande die Vorgehensweise palästinensischer Terroristen, die da, selbst nachdem sie dingfest gemacht worden sind, immer noch eine „Überraschung“ unter dem Mantel hervorziehen. „Gegen Terroristen geht man vor und ist nicht zimperlich“, so die mehrheitliche Meinung in Israel. „Und soll man jetzt jeden Soldaten vor Gericht zerren, nur weil er die Bevölkerung schützt?“
Der große Fehler bestand darin, dass der Oberbefehlshaber sowie Ex – Generäle wie der linksextreme und einst erfolglose Premier, Ehud Barak, sofort öffentlich mitmischten. Nach einer Ruhepause will Barak wieder zurück in die Politik und Elor Azaria bot ihm die Chance, sich in die Öffentlichkeit zurückzukatapultieren. “Man müsse Azaria hart bestrafen”, so die Ansicht dieser linken Militärs und verkrachten Ex – Militärs. Zudem hetzte die linksgerichtete Presse ununterbrochen gegen Azaria. Anstatt den Fall ruhig zu verhandeln, trat jeder Depp vor die Kamera, um zu hetzen und seine Meinung kundzutun.
Elor Azaria kam vor ein Militärgericht, wo die Richterin von Beginn an gegen ihn war. Wohl auch, weil Vorgesetzte und Politiker auf eine harte Strafe drängten und der Fall zum Politikum wurde. Andere Politiker und Militärs stellten sich auf die Seite Azarias und sammelten sogar Geld für die Anwaltskosten.
Als der Pathologe, Professor Hiss, vor Gericht aussagte, dass der Terrorist schon tot war als Azaria schoss, liess die Richterin diese Aussage nicht gelten und behauptete, dass stimme nicht. Somit wurde Azaria wegen Totschlags verurteilt. Hinterher kam heraus, dass die Richterin offenbar auf einen Richterstuhl beim Obersten Gerichtshof schielt und nicht objektiv verhandelte, um ihre Chancen zu vergrößern und wichtigen Leuten in den Allerwertesten zu kriechen. Der schwache Azaria kam ihre gerade recht, um sich selber zu profilieren. Als sie behauptete, sie könne den Zustand des Terroristen besser bestimmen ein Pathologe, geriet die Bevölkerung in Rage. Zudem posaunte Oberbefehlshaber Eisenkot das Urteil schon am Abend zuvor aus.
Jetzt im Nachhinein, will Netanyahu den verurteilten Azaria begnadigen, denn das nicht alles so super mit rechten Dingen zugegangen ist, wurde zu offensichtlich. Auch sind 67% der Bevölkerung gegen das Urteil. Ich hörte von Soldaten, sie sich aufgrund des Urteils weigern wollen, in Eliteeinheiten zu dienen. Mit dem Urteil wurde Soldaten das Recht genommen, im Ernstfall zu reagieren. Wer will jetzt noch schiessen und hinterher eingesperrt werden?
Wie gesagt, der Fall hätte ohne Aufsehen verhandelt werden sollen, doch leider wurde er zum Politikum hochstirilisiert und jeder kleine Polithansel mischte mit. Mehr dazu HIER!
Ganz einfach: Die Gehälter sind niedrig und ein hoher Anteil der Arbeitnehmerschaft erhält weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Dagegen anzugehen wagt kaum jemand, denn das bedeutet, gefeuert zu werden und ohne Einkommen dazustehen. Extrem hohe Lebenshaltungskosten und Mieten sind Teile des israelischen Alltags.
Politiker scheren sich kaum um den sozialen Sprengstoff, denn demonstrieren tut niemand und falls ja, werden die Demonstranten mit privaten Versprechungen eingekauft.
Weder Bibi Netanyahu noch der Rest der Knesset interessieren sich für die Belange des Otto Normalverbrauchers. Neulich las ich auf einem deutschen Nachrichtenportal einen Kommentar, dass doch Ya’ir Lapid der beste Premierminister werden würde.
Ya’ir Lapid? Linksextrem, arrogant und selbstverliebt. Ya’ir Lapid kennt nur Ya’ir Lapid und sonst niemanden. Aufgewachsen im Wohlstand proklamiert er ununterbrochen: „Wer arbeitet, hat auch genügend Geld zum Lebensunterhalt!“
Lapid kennt keine soziale Gnade und wäre optimal für besserverdienende Neoliberale, aber von gravierendem Nachteil für den kleinen Mann.
Jerusalem ist immer noch im Schockzustand, nachdem vorgestern eine Frau erst ihre vier kleinen Kinder erwürgte, ihr Apartment in Brand steckte und sich dann aufhängte. Das Wohnhaus, in dem die Tragödie geschah, liegt weniger als zehn Minuten von meinem Zuhause entfernt.
Offizielle Berichte besagen, dass die Frau an einer Depression litt und in psychiatrischer Behandlung war. Nichtsdestotrotz gibt es wohl nichts Schlimmeres als seine eigenen Kinder mit in den Tod zu nehmen.
Die Familie war vor 13 Jahren aus Frankreich eingewandert. Der Familienvater war auf der Arbeits als zuhause die Tragödie passierte. Als er heimkam, wurde er von der Polizei und Sozialarbeitern erwartet, die ihm die schlimme Nachricht überbrachten. Sofort kamen seine Eltern aus Frankreich eingeflogen und gestern Abend wurden die fünf Toten beerdigt.
Die riesige Community der in den Statdteilen Baka und Arnona ansässigen französischen Juden befindet sich im Schockzustand. Israelische Medien dagegen begannen zu fragen, ob die israelische Gesellschaft jüdische Neueinwanderer (Olim) richtig integriert oder es den Neuankömmlingen zu schwer macht. So schwer, dass man sich selbst nach mehr als einem Jahrzehnt in Israel immer noch als Außenseiter fühlt.
Eine Menge Leute, mich eingeschlossen, meinen, dass eingewanderte Juden aus Frankreich oft unter sich bleiben. Nach der Aliyah finden sie eine Wohnung, lernen relativ schnell Hebräisch und finden einen Job. Sitzt man jedoch inmitten einer Gruppe von Franzosen, so reden sie immer nur Französisch und kümmern sich nicht um andere. Dasselbe mit Neueinwanderern aus Südamerika, die da immer nur beim Spanisch bleiben.
Okay, Anglos bleiben auch gerne unter sich, doch sind sie geselliger als Franzosen. Ich bin kein Anglo, habe aber zahlreiche Anglo Freunde und arbeite mit Juden aus den USA. Franzosen arbeiten zwar mit Israelis zusammen, ihre Freizeit aber verbringen sie vorwiegend mit ihresgleichen. Nicht nur hier in Baka haben sie sogar ihre eigene Synagoge.
Ich glaube nicht, dass die Frau sich und ihren Kindern das Leben nahm, weil sie sich schlecht integriert fühlte. Vielmehr soll sie an Depressionen gelitten haben. Und ihre Eltern wohnen ebenfalls im Land, was die Sache wesentlich einfacher macht.
Aber ist es wirklich so schwierig, sich in Israel integriert zu fühlen?
In ein fremdes Land einzuwandern, ist nie leicht. Auch nicht, wenn ein Jude aus zionistischen Gründen kommt. Eine andere Sprache und vor allem eine völlig andere Mentalität – damit haben die meisten Neueinwanderer zu kämpfen. Man kann sich nicht ausdrücken wie man will und hält Israelis einfach nur für rüde und unfreundlich.
Hinzu kommt, dass jeder Jude aus der Diaspora sein eigenes Päcklein Leben mitbringt. Jeder stammt von einem anderen Background und jeder kommt mit seinen Erwartungen. Wenn dann erst die Realität zuschlägt, sind nicht wenige frustiert und enttäuscht. So hatte man sich das nicht vorgestellt.
Viele Leute lesen meinen Blog und meinen, dass das Leben in Israel nicht so ist, wie ich es beschreibe. Okay, es ist ihr Recht so zu denken. Von mir aus soll jeder kommen und seine eigenen Erfahrungen machen, die letztendlich fast immer so ausfallen, wie ich es anfangs beschrieben habe.
Es liegt an jedem Neueinwanderer selbst, ob er sich integriert fühlt oder nicht. Er ist es, der etwas tun muss und nicht unbedingt die israelische Gesellschaft. Klar, ist es hart, aber wer erst einmal Freunde findet und die Sprache lernt, erlebt eine Menge Unterstützung.